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u. JahrgchUH,
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Die fitmtp der dciiWe» Cunücsdaatcn.
. Anläßlich der Berliner Konferenz deutscher Finanz- rninister wird ans Fachkreisen geschrieben:
Unter den Faktoren, die für die Notwendigkeit einer organischen Reichsfinanzreform ins Gewicht fallen, stellt dre enge Verknüpfung zwischen Reichs- und Einzelstaats- ftnan^en einen der schwerwiegendsten dar. Es ist ein un- haltbarer Zustand, daß jedes Reichsdefizit, soweit es nicht durch Anleihen gedeckt wird, durch die Matrikularbeiträge ?us?w Emzelstaaten abgewälzt wird und diese dadurch :n me Mißwirtschaft des Reiches mit hineingerissen wer- den. Nur dre wenigsten unter ihnen sind in der Lage, »re Forderungen des Reiches aus ordentlichen Mitteln zu oefriedrgen. Jede erneute .tzeranziehiing zur Deckung der Relchsausgaben in Gestalt der Matrikularbeiträge bedeutet für die meisten unter ihnen eine Vermehrung ihrer Staatsschuld. Wenn diese für die Gesamtheit aller Bundesstaaten allein gegen das Vorjahr um 305 Millionen, nämlich nach der Statistik des Deutschen '^ches (rm Vierteljahresheft Jahrg. 1903, 2. Heft, £> 239—91) auf 11 293 Millionen Mark gestiegen ist, v kommt em erheblicher Teil dieser Steigerung auf das y ,~er Matrikularbeiträge. Es ist angesichts dieser Entwickelung verständlich, wenn die Einzelstaaten immer Meder energisch aus eine Reichsfinanzreform hindrängen.
Auch nach anderer Richtung hin ist die amtliche Publikation von lehrreichem Interesse. Sie führt den Nachweis, wie dre überwiegenden Einnahmequellen der Bundesstaaten allerwärts wirtschaftlicher Natur sind. So bezieht z. B. Preußen aus Erwerbseinkünften allein 1810 Millionen Mark, aus Steuern nur 255 Millionen Mark Bayern 265 bezw. 87 Millioneir Mark, Sachsen 224 bezw 58 Millionen Mark. Nur in wenigen Staaten ist das Ertragnis der Erwerbseinkünste geringer als das Steuererträgnis, nämlich in Sachsen-Altenburg, Waldeck den beiden Lippe, dm Hansestädten und Elsaß-Lothringen und nur Reuß ä. L. entbehrt der Erwerbseinkünste ganz
Unter den Erwmbseinkünften spielen die Eisenbahnen die hervorragendste Rolle, sie liefern für die Bundesstaaten insgesanit 45,08 % der gesamten ordentlichen Staatseinnahmen In Preußen mtstammm allein 1 416 327 Mr., d. h. 54 %, der ordentlichen Staats- einahmen den Eisenbahnen, in Bayern 173 858 M bezw 432 946 M„ bezw. 38,26 % usw ihach den Eisenbahnen kommen für Preußen und Sachsen für die Einnahme insbesondere die Bergwerke mit 7,25 bezw. 7,99%, für Bayern und Württemberg die Post
und Telegraphie mit 8,8, bezw. 10,3 % der Gesamt-Ein-
n ah men in Betracht. Von dm übrigen Staaten ist zu erwähnem daß Schwarzburg-Sondershausen und Meck- lenburg-strelitz ein Drittel ihrer Einnahmen aus dm Domänen, dre sächsischen Herzogtümer 18—33 % aus den Ertragnissen der Staatsforsten deckm.
. Zu der Besteuerung ist jetzt Bayern der einzige deutsche Bundesstaat neben Ndecklenburg-Schwerin, der eine allgemeine Einkommmsteuer nicht besitzt, iiachdeni auch Württemberg im lausmdm Jahre 1903 dazu über- llhgvugen ist. Die Einkommmsteuer spielt in dm meisten Staaten unter dm Steuern die führende Rolle, achtzehn Staatm deckm aus ihr mehr als die Hälfte, 6 sogar 70 % und darüber ihrer Steuereinkünfte. Die Ergänzungs- steuer findet sich nur in Prmßen, Hessen, Braunschweig und Sachsen-Koburg-Gotha, wo sie 7—20 % der ©teuer* 6cträgt. _ Sehr wenig ausgmutzt ist bisher die Erbschaftesteuer, die nur ganz wenig zur Gesamtdeckung Mit herangezogen wird und in erster Linie als emsthafte Steuer ber einer Reichsfinanzreform in Betracht kommt.
Der Gestaltung der Einnahmequellen überhaupt entspricht naturgemäß die Stellung der Steuern, insbe- sondme der direkten Steirern im Staatshaushalt Je großer die Einnahmen ans Erwerbseinkünsten sind desto geringer gestaltet sich die Ausmrtzung der Besteuerung, ^m Durchschnitt liesem die direkten Steuerii in dm Bundesstaaten 10,33 % (die indirekten 3,91 %) der Einnahmen, llnter dm Durchschnitt hinab gehm noch Prmßen mit 8,6 und die beidm Mecklmburg und Braunschweig mit 8% der Gesamteinnahmen. Am höchsten über dem Durchschnitt stehm Hamburg, Bremen und die beidm Reuß mit 30—37 %.
Hervorzuheben ist mdlich noch die Derschiedmheit der Belastung pro Mops per B'Äiölle^ung purch psrÄso Tleueinl in dm Einzelstaatm, da das gesamte Reichssteuersystem sich auf indioektm, d. h. umgekehrt progressiv wirkenden Steiiern aufbaut. Dm drrektm Steuern fällt die Ans- zu hier ausgleichend zu wirken. Die höchsten Ziffern haben hier die drei Hansestädte mit 17—31 M pro Kopf der Bevölkerung, doch ist zu beachten, daß durch die Verschmelzung von Staats- und Gemeinde- stnanzm hier besondere Verhältnisse vorliegm. Von dm Elnzelstaaten steht Sachsen mit 10,35 M an der Spitze, es folgen Hessen mit 7,56 und Sachsen-Weimar mit 6,89 M. pro Kops Zwischen 6 und 6 Mark haben 6 Staaten. darunter Preußm, weniger die übrigen Staaten, wahrend Bayern ganz ausfällt. Wenn man in Erwägung zieht, daß die Reichssteuern 18,71 M pro Kopf der Bevölkerung betragen, so wird man zuqebm musfm, daß die direkten Steuern noch sehr ausgebaut werden müssen, um ausglerchmd gegm die iiidirekte Besteuerung zu wirken.
Politische Übersicht.
Die Nevolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(12. Fortsetzung.)
Sie führte ihn durch ein kleines Törchm in der Hecke, das aus weiß angestrichenm, oben mit einem frmndlichen grünen Hütchm geschmückten Latten gebildet war, in die Anlagen. Rechts und links von dem sauber gehaltenm Wege nichts als ein- und mehrjährige Heckmpflanzen.
„Sehr interessant!" lachte Gottfried und tat, als wenn er gähnm wollte.
Sie lachte ebenfalls. „Ja, wenn ich mal was recht Schreckliches träume, dann ist es das, daß ich einen ganzen Tag m diesen Anlagen spazieren gehen nrüßte. Aber sie bringen Geld, sagt der Vater, und so wollm wie sie nicht ganz mißachten. Sie kriegen schon noch was Besseres zu sehen, denn als ich vor anderthalb Jahren aus Belgien aus der Pension zurückkam und nun hier auf der Dorn- burg residieren mußte, da Hab' ich schon Sorge getragen, daß mein Geschmack nicht selber zu einem Heckm-dorn würde. Doch schm Sie, hier ist gleich Vaters Laboratorium."
Sie blieben vor einem kleinen, kaum sechs Fuß im Geviert haltenden Häuschen stehen, das halb in Büschen von immergrünem Kirschlorbeer, von Stechpalmen und jungen Tannen verdeckt war. Ein mächtiges Vorhänge- Moß lag vor der Tür, aus der in großen Buchstaben das Wort: „Laboratorium" prangte.
. „Na so was!" rief Gottfried, „das ist mir aber ein leltsames Laboratorium. Ich Hab' immer etwas für Chemie übrig gehabt und sogar ein Semester in Gießen zugebracht, um von der Wissenschaft Liebigs wenigstens mal 'neu Begriff zu kriegen, Hab' auch sonst schon öfter Labaratorien gesehen, aber so eins ist mir bis jetzt noch nicht vorgekommen."
„Es ist halt ein sehr kleines. Aber innen ist es vielleicht besonders gut eingerichtet. Der Vater weiß doch, was er tut. Drin gewesen ist außer ihm noch keiner. Auch mir hat er den Besuch abgeschlagen. Es war' nichts für Kinder, hat er gesagt, und sein Geheimnis ging mal Mit ihm ins Grab, Und da, da schm Sie, Vetter, wie
gefährlich es ist, der Sache nachzuforschen." Sie deutete SiL™ ön biner Stange befestigtes, schwarz gestrichenes Brett, das zwrschen Tannengrün hervorschaute. Darauf tofjteu Buchstaben groß zu lesen das Wort: ",-selbstschusse! und darüber war in naiver Darstellung ein Lotmkopf gemalt. Man konnte im Zweifel sein, ob er entsetzensvoll grinste, oder ob er sich über irgend etwas furchtbar freute.
, 'FZr ist es unheimlich. Hier bleib' ich nicht," lachte und ste schritten weiter, bis ihm ein Beet mit besonders kräftigen, fingerstarken, linealgrade gezogenen Dornschoßlingm auffiel.
.? töcFc daraus gemacht, hauptsächlich für Metzger, VichtrMwr und so Leut'. Aber Sie tragen ja selber so einen Stock," rief sie verwundert 1
® r ^?!^utes bergisches Fabrikat. Ein schnurriger schenkt^^'d^^'^^ram geheißen, hat ihn mir ge*
„Was, dm Eulenspiegel kennen Sie aiich schon?
Wo h£n fc Bekanntschaften in unserer Gegend, ^oo baben Sie sich denn den aufgetan?"
-- f/'^ x ^daben gemeinsam durch unsere Gegenwart das Fest in Kaltenberg verschönt." b a5
„So, so ! Na, das werden Sie mir nachher alles er-
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laut"^°^^E sind wir uns noch nicht," sagte er klein-
Jetzt traten sie, die Regionen der Weißdorn-ii^e linge verlassend, zwischen dem stattlichen Wohnhause und dem Nebengebäude durch eine Tarushecke in ein kleines Stuck Garten ein, das gleichsam eine Oase in den ausge- dehnten Nutzanlagen bildete. 3
»Das ist mei n Revier," sagte Aanea mit „(B bat mir Mühe gekostet, die paar Quadratnite^dem Vater abzuschmeicheln. Aber ich gäbe es nicht wiedm her und wenn er hier ,jährlich für fünfhundert Taler Heckmpflanzm zieheii könnte. Ist es nicht reizmd?"
muß man wirklich sagen," bestätigteer über* rascht., »^as ist fa eine bunte Herrlichkeit. Wie das durcheinanderbluht auf, diesen Beeten, die so hiibsch mit Buxbaum. eingefaßt sind. Und doch hat alles seine
Deutschlands Seemacht.
Von der Ausarbeitung des Herrn Gymnasialdirektors 1)r. Rassorv unter obigem Titel ist eine soeben erschienene Neuauflage erforderlich geworden, die das früher Gebotene bis auf die Neuzeit fortführt. Die Anordnung ist noch übersichtlicher, wie dies seither der Fall war, das Auge wird von selbst auf die Hauptsache gelenkt. Besonders interessiert uns die Abschätzung der Gefechts- kräfte zur See 1007. Gewissermaßen außer Wettbewerb steht England mit 1450 Punkten, dem in weitem Abstand Frankreich mit 600 folgt. Mit 550 Punkten erscheint Nord-Amerika, mit 500 Rußland, und mit einem Abstand von 100 folgt an fünfter Stelle Deutschland mit 400 Punkten. Unter den weiteren Angaben heben wir als neu die viesamtbelastung mit Steuern (direkten und indirekten) hervor, die jährlich auf den Kopf der Bevölkerung in Deutschland 23 M., England 47, Frankreich 60 M. beträgt. Ebenso verdient die neu hinzugekommene Zusammenstellung, die die einzelnen Länder als Staaksunter- stützungen an die Handelsflotte zahlen, besondere Erwähnung. Frankreich zahlt jährlich 43 Millionen, wir wahrend sogar Österreich 8 und das arme Spanien für seine kleine Handelsflotte 7 Millionen an Staatsunterstützungen zahlen. Bedeutsam ist die Folgerung, die ans der Tatsache gezogen wird, daß der Uberschuß der Geburten über die Todesfälle in Deutschland jährlich 850 000 Seelen beträgt. Wir müssen neue Absatzgebiete für unsere Jndustrieprodukte suchen, wir müffen diesen Handel schützen,' aus Selbsterhaltungstrieb müssen wir unsere Seemacht verstärken. — Die Neuauflage ist in drei Formaten, die mit den Buchstaben B, D und E bezeichnet sind, erschienen,- sämtlich beim Deutschen Flotten-Verein. Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 42 II, zu beziehen.
Der Streik der Textilarbeiter in Nordfrankreich.
Rasch und impulsiv, wie das bei gew-erkschaftlich wenig geschulten Arbeitem oft zu beobachten, ist im Nord* departement Frankreichs und in einigen Städten des Departements Pas-de-Calais der Streik der Texül. "Leiter ausgebrochen, an dem gegen 30 000 Arbeiter be* r sind und der schon an einigen Orten zu Revolten ^at. ^,Der Streik, der nur in Armentidres ein HZUsiZudrger ist, war als Generalstreik geplant und sollte ich iwer das ganze große Textilarbeiterrevier des nörd- llchen Frankreichs und der franzöfisch-belgischm Grenz-
d, strikte erstrecken. , Wegen der schlechten Organisaüon des Streiks und auch iiifolge von Meinungsverschiedenheiten
dev cjciDetEfdjctftltcfyen. Führer der &terttlcn:6ctter von denen die meisten den Generalstreik erst für das uaWe Frühjahr proklamiert wissen wollten, h,abm sich die Arbeiter verschiedener Reviere gar nicht oder nur zum
Ordnung, so gut wie in den Musterplantagen, die ich eben bewundern mußte."
„Srönung ja, aöer_ keine langweilige Ordnung. Wissen Sie, der Vater ist ein wenig pedantisch, sogar schmal ein bißchen zu sehr Er ist auch mit meinem Gärtchen garmcht einverstanden. Er will alles schul* mäßig, klassenformig beieinander haben, hier die Reseden da die Levkoyen: auf einem Beet die Rosm, auf einem und f» fort. 9!a, da W «t
r Ersteht halt nicht jeder, die Einheit in l>er Siel* s^en und die Harmonie in einmi scheinbaren Sf ao§ \ 'ch kann Ihnen mein aufrichstges Kom* vliment über ^hren Garten machen, Kousinchen Das ist hier so mn recht freier Winkel für eine Zaimkömgtn "
® 4e auch schon, daß mich schlechte Menschen so heißen? Und Sie wagen es . " fuhr sie
rhn zornig an.
„Aber wie kann Sie das so aufregen?" frua er ordentlich erschrocken. „Würde man Sie eine Kvrm Wachtel nennen, so wären Sie ein kleiner plumper fetter Vogel, der nichts schreien kann, als: „Speck wte Dreck!" Uber der garnlcht so unpassende Vergleich mit dem steinen
cken Uni> offenbar ganz gescheiten Vögel*' chen das jedermann gern hat. i,t doch nicht kränkend "
Seine Worte beruhigten sie. „Wenn Sie es so aus* legen, mag es za ganz nett sein," meinte sie. ..Wer die
leiden/' ***" ** mtr 3um * ovt ' W mag es nicht
„Na. dann werde ich jedem in die Beine beisten der es wagt. Sie so im Spott zu nennen, aber nur wenn Sw mir eins versprechen." '
„Und das wäre?"
, . »Taß Sie es mir nicht übel irehmen, wenn ick Sie bm besonders freundlichen Gelegenheitm mal so beze?chnm
i-, n "S Q ' auf Weihnachten und Ostern", lachte
e. Dann schmrt sie eine Anzahl Blumen >.»d vereinigte sie zu einem lockeren, geschmackvollen Strauß Den nehmen Sie nnt cnisJhr Zimmer. Es ist ein Willkomm ras ein paar ^age aushält. Ich hoffe, und der Vater meint es auch, daß Sie uns nicht gar zu bald verlassen.
