erläge zum Miestmüener Tagblutt.
Uo. 497. Morgen-Ausgabe.
Samstag, den 24. Oktober.
61. Jahrgang. 190B,
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P-. nt zum Professor ernannt worden. Er bekommt nun fr ein nabieSftkhalt von 1500 Rubel und eine Wobnuna in der ^ Kunstakademie. Man gratuliert itw-. „Jetzt haben Sie gott- lob Ihr gutes Auskommen. Nun haben Sie cs nicht mebr notig, um des täglichen Brotes willen fluchtige Arbeiten ZU fr liefern, und werden sich an ein ernstes, grosie« Werk * machen. . . „Oh, nein, erlaube» Sic mal! Jetzt brauch'
ich, Gott sei Dank, garnichts mehr zu tun."
Grigorowitsch. fr
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(32. Fortsetzung.)
Coa Leoni.
Roman von Marie Bernhard.
In Salzburg wurde die letzte Rast gehalten; im .UMsumat hatte ich es mir oft sehnsüchtig gewünscht, diese „schönste Stadt Deutschlands" kennen zu lernen, eine unserer Gefährtinnen, das „Baby", war aus Salzburg gebürtig und konnte uns nicht genug von dieser inter- chsanten Stadt und ihrer herrlichem Lage vorschwärmen. Os mag bezeichnend für meine körperliche und seelische Verfassung von damals sein, daß jetzt, da ich nur aus der Tur hätte tretm dürfen, um die gepriesene Stadt kennen zu lernen und überdies meine Pensionsgenossin wiederzusehen, keine Minute lang der Wunsch nach beidem rn nur aufstieg, -— Hannah ging allein aus, um sich die Stadt anzusehen, und ich blieb im Hotel auf dem Sofa liegen.
Am nächsten Tage fuhren wir nach Sankt Johann; ein großer, offener Gebirgswagm, mit schellenbehangenen Pferden bespannt, beförderte uns die letzte Strecke, und ^^unaufhörliche Geklingel, sowie das häufige, lustige Peltschenknallen und ermuntemde Zurufen des Kutschers matteten mich dernrt aü, daß ich wie leblos in moin^r Wagenecke lehnte., Hier schien es noch fast Winter zu J? toar ™ ® e ff en ' daß die vorsorgliche Hannah reichlich für warme Umhüllungen gesorgt hatte; sie wickelte immer einerp Plaid nach dem anderen um mich, ■— dennoch war ich fast erstarrt, als wir endlich an unserem Ziele anlangtm.
Das Kurhaus mit seinm stattlichm Seitenflügeln, Balkons und Gartenanlagen, in bescheidener Entfernung von einigen Nebengebäuden umstanden, war prachtvoll hingelagerten Bergplatte gelegen, die sich gleichsam wie ein riesiges Präsentierbrett vorschob Zu nußm dss Gebäudes lag das herrliche, von der Salza durch,tromte Tal, und man sah deutlich die Türme und Hauser von Sankt Johann in die Luft aufragm. Hob man dm Bück, dann blieb er auf dem schönsten Alpen- parwrama haftm, das in gewaltigem Halbkreis den Hon- zont begrenzte und dessen Gipfel mit frischgefallenem, leuchtend wertem Schnee bedeckt waren Wenn hier die Vegetation vorgeschrittm war, mußte es wunderbar schön sein; — aber noch grünte weder Strauch noch Baum hier oben, kahl und dürr hobm die wirr in einander geschlungenen Aste sich himmelan, mit heiserem Krächzm flogen Raubvögel darüber weg, und ein heftiger Wind fuhr mit unheimlichem Pfeifm um das Haus.
Der Besitzer des Kurhauses, dem Hannah unsere An- kurflt genieldet hatte, ein behäbiger, redseliger Dster- rncher, Herr Stölzel, kam uns mit großer Freundlichkeit
entgegen und nötigte uns vorerst „auf einen Löffel heißer Suppen" in einen kleinen Salon.
»Also Ihr Gnaden sirid richtig und wahrhaftig gekommen! Ich hab's nicht glaubm wollen; alleweil Hab' ich zum Josef — das ist mein Oberkellner — und zur Burgei — das ist mein Zimmermädel — gesagt: Sollt sehen, Hab' ich gesagt, der gnädigen Herrschaft ist's noch gar zuviel kalt, die kommt erst in zwei, drei Wochen, wenn's zu hausen ist heroben! Hab' ich aufgeschaut, wie die Postkartm kommen ist! Da herein, wenn's beliebt, da herein, wo es gemütlicher zu hausen ist als wie in dem großen Speisesaal. Ich Hab' ein tüchtiges Feuer anzünden lassen, auch droben bei den Herrschaften ist's schön mit Holz eingetan: ja, so ein Tiroler Frühjahr, das versieht halt kein G'spaß! Also das ist unser krankes Fräul'n! Was mein! Noch so blutjung und schon so elendig! Nun, an der Kost und an der Abwartung soll's schon nicht liegen; die Burgei und der Sepp und wen ich sonst im Hause Hab', das steht alles zur Versügung, mich selbst an der Spitzen, — ei jawohl! Die Frau mit den Buben ist derweil noch in Sankt Johann, kommt erst zum Juni da herauf! Und einen braven Arzt werden Ihr Gnaden haben, mein Seel, so brav und so gelehrt, wie die gesamte Wiener Fakultät. Beliebt's nicht de-' jungen Gnädigen ein Glas'l von diesem Madeira zu der Suppen? Das wird ihr gut tun!"
Hannah redete mir zu, und ich aß ein paar Löffel Suppe und trank ein Glas Wein. Inzwischen fragte Hannah Herrn Stölzel, ob überhaupt in dieser Jahreszeit jemals ein Besuch hierher käme.
Das runde, joviale Gesicht nahm eine wichtige, diplo- matische Mene an.
; „Mm — das schon -—- das heißt — will sagen — freilich Hab' ich einen Gast schon oft ganz früh hier droben gehabt, — ganz allein ist er kommen, nicht einmal sein Diener ist bei ihm gewesen, obschon der sich Dienerschaft könnt' halten wie ein Fürst. Vier Jahre — oder sind's gar fünf schon? — ist er hintereinander bei mir gewesen, er ist Künstler und spielt sich im Winter sa die Nerven herunter, daß er sie allemal im Frühjahr zurechtflicken muß. Ja, der ist auch schon hier oben gewesen, wenn's noch geschneit und gewettert hat und der Groß-Glockner drüben hat uns seinen Eishauch ins Gesicht geblasen, daß ich gemeint Hab', wir frieren an. Aber mein Gast — er hat sich immer ansbedungen gehabt, für ein paar Mockbte der einzige Gast bei mir zu sein und war's auch, dennßwer kommt sonst Wohl so früh herauf, wenn noch nichts in der Natur zu holen ist? — war allezeit eben weg und ganz schlicht und brav, und ivas auch das Wetter geschickt hat, er hat's ohne Klage hingenommen. Bei guten Tagen in eins fort drauß' im Freien, .... bei schlechten in eins fort drinnen mit Spielen und Studieren, — so hat der's getrieben hier monatelang, und gezahlt wie ein Fürst, trotz der geringen Ansprüche, — und vor allem glückselig über das Einsame hier in den Bergen. Ich glaub'. Tage sind vergangen, außer daß es was anderes hat zu hören gegeben, als guten Tag und guten Weg und schön Dank,
•— denn er ist sehr höflich! — Das war ihm gerad' so das Liebste, denn Menschen und Redensarten hat solch ein Herr, wie er eben einer ist, das ganze Jahr über genug, drum zieht er sofort weg, sowie ein einziger Mensch nur hierher kommt. — Nun, diesmal kommt er nimmer, hat
wichtige Abhaltung, wir dürfen ihn nicht erwarten, und ich Hab' seine drei Zimmer, die besten in mei'm ganzen Haus und mit dem schönsten Ausblick, die Hab ich Jhro Gnaden gegeben, denn da wird das gnädige Fräulein Tochter gewiß bald besser!"
„Und es ist nicht anzunehmen, Herr Stölzel", fragte Hannah etwas unruhig, „daß der Herr inzwischen seinen Plan ändert und dennoch hierher kommt?"
„O — was denken Ihr Gnaden? Bewahre! illicht doch! Tat' er's, ich käm' schrecklich in die Verlegenheit,
.denn so groß die Ehre ist für mich, daß die
Damen aus Dresden bei mir gerade so lange Aufenthalt nehmen wollen,-ein solcher Gast würde den Vor
zug haben müssen-, und ich hätte die Gnädigen gebeten, eine Treppe höher vorlieb zu nehmen; sind sonst dieselben Zimmer wie er sie hat, nur nicht gar so schön ausstafsieret und eben eine Treppe zu steigen, was für so schwache Füßchen freilich beschwerlicher wär'."
Nachdem Hannah noch dies und das gefragt und von Aerrn Stölzel ausgiebige Auskunft erhalten hatte, bat ich,, auf mein Zimmer gehen zu dürfen, da ich tätlich erschöpft sei. Ich war so schwach, daß ich nicht einmal zu ebener Erde allein zu gehen vermochte, ich schwankte, als Hannah mich umfaßte und stützte. Herr Stölzel sprang erschrocken bei und half gleichfalls mich führen, und so, halb gezogen, halb getragen von den beiden, erreichte ich ein hohes, helles Zinrmcr, wo ich mich sofort zu Bett begab. ^ Aber der Schlaf wollte nicht kommen; stundenlang lag ich wach und hörte, wie der wilde Föhn drüben vom Groß-Glockner her mir seinen Bewillkommnungsgruß herüberschickte!
VIII.
Am kommenden Morgen waren wir eingeschneit. — Als ich nach unruhigem, traumverwirrtem Schlaf die Augen öffnete, deren Lider bleischwer immer wieder zurücksanken, und Hannah die Fenstervorhänge in meinem Zimmer auseinander tat, da lag es glänzend weiß in dicken Polstern auf den Fensterbrüstungen, beschwerte die kahlen Äste der Bäume, lagerte als weiche Decke auf dem Erdboden und wirbelte in unermüdlichem Flockentang vom Himmel herab, rascher, immer rascher, daß es mir vom Zusehen schwindlig ward. Wohl hatten unsere Reisegefährten recht gehabt, uns vor dem zu frühen Gebirgs- aufenthalt zu warnen: wohl wurde Herrn Stölzels Wort von gestern wahr: daß solch ein echtes Tiroler Frühjahr keinen Spaß verstehe! — Der Winter hatte dem Lenz das schnelle Vorgreifen arg verdacht, er hatte, ein tückischer Feind, im sichern Hinterhalt gelauert und war nun triumphierend mit seinem wilden Genossen, dem eisigen Nordwinde, hervorgebrochen und hatte auch den Schnee- sturm zu überreden vermocht, mitzuhalten und der vorwitzigen Natur, sowie den ebenso vorwitzigen Menschen, die frühzeitigen Lenzgelüste auszutreiben, — und nun hielten die mächtigen Drei, der Winter, der Nordost und der Schnee, die Herrschaft fest in Händen und spotteten deö ohnmächtigen Frühlings, der sich erschreckt mit seinen warmen Lüften und schwellenden Trieben verkroch. — In den Kaminen knisterten Helle Feuer, den Fußboden bedeckten warme Teppiche; an Hinausgehen war natürlich kein Gedanke, man konnte nicht einmal für eine Minut« das Fenster öffnen. —
lFortsetzung folgt.)
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