61. Jahrgang»
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0 ° * n ' 0 ? te Fixheit des Zaren garantiere,
wollte oder konnte. Die Berichte der russischen Polizei f "us Rom lauteten weniger ungünstig für dt Bevölkerung als für die italienische Polizei.
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»«.496. « F^itog. W„ 23. Gbt.b^- s , 190 3.
flbemi ■Ausgabe.
Der Rücktritt Zanarüellis.
^ -Italien, dem Lande der Kabinettskrisen, er- so eine Art zweijähriger Dienstzeit für mtsterien besteht, so Ware das Kabinett Zanardelli, da Februar 1901 das Licht der Welt erblickte, eigent- SMesen. In der Tat war auch ^.^Ett Zanardelli schon im Juni dieses Jahres in- lllge der ziemlich . bösartigen Vorkommnisse in der Marineverwaltung im Begriff zu stürzen, doch wurde die durch den Rücktritt des Marineministers 52S' Minister des Innern, Giolitti, folgte,
^l Zanardelli doch fünf SRonate später daran glauben muffen.
^shalb geht Zanardelli, dessen Demission sich das gesamte Kabinett angeschlossen hat? Italienisch-offiziös wird mit feierlich-treuherziger Miene versichert, daß der Grund für. den Rücktritt des Ministerpräsidenten einzig und allem m dessen „geschwächter Gesundheit" zu suchen sei Diese geschwächte Gesundheit, die man in der Politik als morbus diplomaticus, als die diplomatische Krank- £ pKegt, scheint im Falle Zanardelli zu
einer ^nfektionstrankheit ausgeartet zu sein, da sie sich aut |ba§ gesamte Kabinett übertrug.
^ italienischen Offiziösen weist jedermann, vS. s ^-^te Ursache zu der „geschwächten Gesundheit" Zanardellis in der gescheiterten Zarenvisite zu suchen ist.
P 1 * ^ r t a ^ e ' denn wenn die Positton
des Kabinetts Zanardelli nicht ohnehin schon geschwächt
gewesen.Ware, dann hatte ihr die Tragikomödie des Zarenbesuches kaun, den Rest gegeben. Da aber diese verunglückte Visite sich durch die in Rußland hcrbo!- gMrfene MrMimmung zu einer politischen Schlappe auswuchs, und da diese Schlappe, welche einen Erfolg der radikalen Radauelemente in Italien bedeutete, dem italienischen Volke g erchzeitig vor die Augen führte, tvie diese Elemente die Politik beherrschen, so ergab dies den
Es liegt eine gewisse Jroiiie der Geschichte darin, daß gerade die italienischen Sozialisten, welche durch ihre Drohungen, daß sie den Zaren mit Demonstrationen empfangen wurden, diesen Besuch vereitelten oder wenigstens äU i ei !! er Vereitelung beitrugen, das Kabinett bmrardelli zu . Fall gebracht haben. Zanardelli hat das .sicht um die italienischen Sozialisten verdient, denen er nn großes Entgegenkommen gezeigt hat. Schon als er A Regierung übernahm betonte er, daß die Macht des Staates sich nicht zugunsten der Starken, solidem zugunstender schwachen zu betätigen habe, und getreu diesem Programm hat Zanardelli im Gegensatz zu seinen Vorgangem den sozialistischm Arbeiterorganisationen
Die Nevolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(9. Fortsetzung.)
»So, der Manewel ist Euer Uehm?" (Oheim) frug ver Hausierer verwundert.
<"8?',. ^ leibhaftige, einzige Bruder meiner Mütter. Md ich bin nun grad auf dom Weg, ihn zum ersten Mal cki meinem Leben zu besuchen. Er ist auch früher mein ^wrmund gelvesen. Zum Henker, wie kommt er denn «>su, Präsident des Dykrather Kriegervereins zu werdm? Er wohnt doch in Eigersbusch."
»Ja, Eigersbusch besteht nur aus seinem Haus und M paar^ Arbeiterhänschen in der Nähe. Dykrath aber M der nächste große Hof, ungefähr ein Dutzend zerstreute Dauser, und da laufen denn die kleineren Höfe alle nnt
lieber Herr, zu wundern braucht Ihr Euch gerade Mcht, wenn seine Nas' noch um ’nm Zoll länger wird, Sw auf der Domburg angerückt kommt und Euch K '""Neffe borstellt. So dumm ist er nicht, daß ihm kofsim hätt^e E bis ins tiefste Patriotenherz ge-
' ächPe Gottfried und marschierte mit langen schritten ein paarmal um den Tisch. „Tie Geschichte M Mir denn doch sehr fatal. Wirklich eine nette Ein- Mhmng für mich! Und ich stand mit dem Onkel immer gut, w ich habe ihm manches zu verdanken. Hmte w verwaltet er mein Vermögen, daß ich mich um dm »auart^ gar nicht zu kümmern brauchte."
/;* »So habt Ihr wohl keine Eltern mehr?" erkundigte ach der Hausierer.
^ "^ 0 ^ Vater, er war Rechtsaiiwalt in Osnabrück, b als ich noch auf dom Pennal saß. Meine gute tter, me einzige Schwester des braven Mannes, den ^ eben so verulkte, wünschte, daß ich des Vaters Beruf greifen sollte, und so studierte ich, mrr ihr zu lieb, einige ^>Mkster die Rechte, bis sie starb. Dann sattelte ich um.
stets freie Hand m ihren Kämpfen gegen die Unternehmer gelassen. Zum Dank dafür haben jetzt die sozialistischen WoRfuhrer dadurch, daß sie durch ihre ebenso extreme wie HEung ,n einer Frage der auswärtigen Politik ihrem Baterlande zu einem diplomatischen Mißerfolge ges^hrt^ ^ Sturz des Kabinetts Zanardelli herbei
~ übrigen wäre, wie schon vorhin betont, den
bai' ÄS.tf t a Cr ®$rW tr - eid & nicht geglückt, wenn aechiÄüiÄ ^?nnrdelli sich Nicht ohnehin so ziemlich ab- ^tte weniger infolge positiver Mißerfolge £?- “3™ se-ner allgemeinen Erfolglosigkeit. Von dem |fc % Vwgmmm, welches Zanardelli ebenso wie alle seine Vorgänger verkündet hatte, und das in der Devise „Reformen iM Eimern und Konsolidieruiig der Finan- zen gipfelte, ist in den mehr als zwciundeinhalb Ärhren Zanardelllschen Ministerherrlichkeit nichts, rem gar nichts zur Tat geworden. a
rnrnrnp^J^ ^rdelli diesen Artikel zu Gesicht bekommen jollte, so wird er uns vielleicht erwidern: Lieber eä h f ^ahr, daß mein Programm auf dem Papier Sp Rieben ist, aber wollen Sie etwa behaupten, daß meine Vorgänger, die alle dasselbe Programm hatten ^s^^s^ch^habm, oder daß irgend einer meiner Rach' solger, die auch alle dasselbe Programm bei ihrem Amts- werdm, es in die Tat umsetzen wird?" , lOTr allerdings mit einem rückhalts- loien Nein beantworten müssen, und wir geben ohne ^ 31 !; sSll an dem Mkßlmgm jenes chronischeii Pro.
^ ebe J ' 10 panisch ist wie die sozialm £rr Fumnzmisere in Italien, nicht Herr
Zanaidelli, nicht die leweiligen Ministerien schuld sind 7L,di- «»sucht s«
e 'r e lle/derbliche Partei- und Jnteressm- wirtichast organisiert haben, die mangelnde polisticke Reife weiter Volkskreise, welche die wahren Interessen des Vaterlandes verkennen, und die mangelnde Opfersreudig- keit die mit wder Reform einverstanden ist, wenn sie nur — den eigenen Säckel nicht trifft!
n-s Aus.diesem Grunde hat man auch keinen Aillaß der Aung der Kabinettskrisis mit sonderlichen Erwartungen entgegenzusehen. Ein neues Kabinett muß ja gebildet S™. und es wird auch ein schönes Reformprogramm präsentieren Aber bald wird auch das neue Kab nett ebenso tote das alte sich damit begnügen, notdürftig die gewohiilichen Regierungsgeschäfte zu erledigen, inst bn
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Der Sp-zialkorrespondent des „Corrlere della Sera" ui Petersburg erfahrt von einem hohen Beamten des russtscheii auswärtigen Ministeriums, der Grund des ? der Zarenreise sei die mangelnde
Festigkeit der jtalienMen Regierung, die namentlich beim letzten Dcpeschenwcchsel zwischen Darmstadt und Rom
s chttelte ein^ paarmal um und machte inzwischen ein paar Studlenreisen. ^ Diesen Winter wollte ich nach Griechenland. >va schreibt mir mein Onkel, es wäre doch vielleicht gut, wenn wir uns endlich mal persönlich kennen lernten und überdies mal miteinander die Vermögcnsangelegen- /^Prnchen. Na und da Hab' ich mich denn mit aller Gemächlichkeit über Nürnberg, Würzburg, Rotenburg ob der Tauber, Afchassenburg und Frankfurt nach dem Rhein gemacht, bin zu Schiff und zu Fuß bis Köln gekommen, Hab . überall ordentlich zugekuckt und was Ordentliches dabei gelernt und muß nun hier in dem abgelegenen Tal, kurz vor meinem Ziele, noch so jämmerlich herein- chllen und einen guten Patrioten und Onkel bis auf die Nieren kranken!"
„So, so", sagte der Engels-Pitters-Oberam kops- nickend, Mr ,eid der van der Pforten Paulinn (Pauline) ihrer. ^ ^ch erinner' mich ihrer noch. Ich war damals noch ein kleiner Junge von zehn oder elf Jahren. Sie heiratete einen, der, glaub ich, am Gericht in Müllheim war. . wer machte sich dann selbständig und ging ins Hannoversche. So so!" ^ u
Gottfried ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder und die beiden Männer blickten einige Zeit grübelnd hur, bis, der Hausierer anhub: „Ach wat, macht Euch deshalb weiter kein' Sorg'! Ich würd' Euch raten Euch noch em paar Tag' in der Gegend herumzudrückcn,' etwa nach Düsseldorf zu gehen, wo es doch auch allerlei zu neken geben soll und auf dem Markt sogar 'neu Kiir- fursten zu Pferd, der wegen der miserabligen Zeiten ganz nnt Grünspan angelaufen ist. Und wenn Ihr genug da- von habt, dann marschiert ruhig, als wenn nix passiert war, auf die Dornburg. Bis dahin wird er seinen Arger vergessen haben. Und wenn er sich doch noch ivurmt na, dann lacht ihn aus und sagt, Ihr freutet Euch, daß er wieder trocken geworden wär' und nun würde er auch wohl bald so vernünftig werden und über die ganze Ge- chichte lachen. Und dann die Jongser Angenieß ivollt i'aenj das Fräulein Angenieß, wenn Ihr die bei der Geschichte aus Eure Seite bringt, dann habt Ihr ge-
20. MreMiMoilmg ö e5 jjerriBi
ec» dm MWlMtz jeiltijEt Setttek.
H. F. Berlin, 22. Oktober Die Verhanöliingen der 20 . Jahresversammlurig bei oeuhchen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränk, begannen heute vormittag im Plenarsitzungssaale bei Reichstages. Kurz vor Beginn der Sitzung erschien alt des Reiches Staatsminister und Staatssekretär ^Vttchsamts des Innern, Dr. Graf v. Posadvwsky- Wehner, und von seiten Preußens und einiger Bundes- staaten eine Reihe anderer höherer Beamten.
Der Vorsitzende, Kammergerichts-Semats-Präsident i?/.'/' Eauß und Torney (Berlin), eröffnete die Jahres- lersammlung mit Worten der Begrüßung und erteilte alsdann das Wort dem L t a a t s s e k r e t ä r Or. G r a f v. P o s a d o w s k y - W e h n e r zu etwa folgender Ansprache: Hochgeehrte Damen und Herren! Wenn ich der gntigen Einladung Ihres Vorstandes gefolgt bin, heute m Ihrer Mitte zu erscheinen, so wollte ich Ihnen damit den Beweis liefern, welch regen Anteil ich an Ihren menschentreiindlichen Bestrebungen nehme. Ich sehe in Ihnen nicht nur die unerschrockenen Vorkämpfer für eine gelauterte und vereinte Volkshülfe, sondern auch werktätige Hygieniker. Die Statistik lehrt uns, daß es der heutigen Erkenntnis der Wissenschaft gelungen ist, die Menschheit gegen mancherlei Feinde ihrer Gesundheit und shres Lebens wirksamer zu schützen und so das menschliche Leben an sich zu verlängern. Andererseits ist aber mit den geistigen und körperlichen Anforderungen die an den Arbeitsincnschen der Gegenwart gestellt wer. den mit den Eigentümlichkeiten gewisser Berufsarten, mit dem Leben in überfüllten Wohn- und Arbeitsrüumen !.'"d 'n volkreichen Städten für die Kulturmenschen die sichtbare Gefahr verbunden, einer allmählichen körper- s’r*” Entartung und Erschlaffung zu verfallen. Unter solchen Verhaltniffen ist es für jeden Volksfreund doppelt geboten, wenigstens seine Stimme zu erheben und seinen Einfluß emzusetzen gegen die Bolksschäden, welche durch eigene Willenskraft jedes einzelnen vermieden werden
können. D l e s ch w e r st e B e l a st u n g d e r k ö r p e r.
11 ch e n , g e t st i g e il und sittlichen Einwirkung eines Volkes ist aber unzweifelhaft übermäßiger Genuß alkoholischer Ge- tranke. Ich weiß sehr wohl, daß dieser y t a *? P f " l ch t nur gegen die ärmeren Volks- k l a f s e n z n r i ch t e ii i st ; den letzteren steht aber vielfach, namentlich in den großen Städten, die Entschul- diguiig zur Seite, datz ihnen ein wohnliches Heim fehlt und daß sie deshalb ihr e arbeitsfreie Zelt im Wirtshaus
^ounen Spiel. Die hat den Teuwel im Leib und ist ver sincht helle im Kvpp, und den Manewel dreht sie dreimn um öen Finger, denn sie weiß ihn zu nehmen."
„Sie haben recht, lieber Mann", sagte Gottfried „Uber die Geschichte ivill ich mir weiter keine Sorgm machen und mir den Appetit nicht verderben lassen "
öa t inö fie la!" schrie der Engels-Pitters- Oberam, da grade das Bellemieken mit dem Mahle er- alles schön und sauber auf dem Tisch aufliaute.
Er ll/b die Glaser voll Bier, erhob das seine und sagte:
Element diescr Tiere ist das Wasser, mein Element der Klare oder bei gutem Geschäftsgang und anständiger Gesellschaft
hh ^ fd) iT r l mb leerer Damen aber trinke
ft L !f l 's ra K n Forellen mit Schnaps nicht gut. Aus diesen drei Gründen erhebe ich denn jetzt diesen lliaumenden Pokal und trinke aus das Wohl des Piepers Bellemieken und auf das des gelehrsamm Sprosseii der einstigen van der Pforten Paulinn'!"
V 7% klangen zusammen, und dann legten sich Männer ins Zeug, so daß die Wittsrau ihre leite Not hatte, schnell genug die Kartoffeln aus der HMe
^ ^^äft sie der Hausierer listig an-
gestislet hatte, indem er behauptete, wenn so zarte Hände wie sie das Bellemieken hätte, die Pellkartoffeln ihrer
Shmhltf"' b i nn . ^meckien sie ihm noch einmal gehörten ^ ^^ten noch einmal so flink dahin, wohin sie
Gottfried hatte sein stilles Vergnügen daran zuzu- w UC «' r ,C 3oschwmd und unauffällig die Erdäpfel auf Keller verschwanden und init welchem Geschick der Mann seine Forellen zerlegte ,"Das Geschäft haben Sie schon öfter besorgt", sagte er lächelnd zu seinem Begleiter, nachdem dieser noch mit einer geschickten Drehung des Messers die Bäckchen der Forellen.hervorgeholt „nd verzehrt hatte und nun die Hände mit den nicht sonderlich säubern Nägeln über bm Gbp/iMp Oslowd. Mit dem Behagen erfüllter Pflicht die tadellosen Fischgerrppe vor sich ans dem Teller bctracht^e.
