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Verlag Laazgaffe 21

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Mittwoch» 15. September 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 450. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

weiter vorwärts im Osten, vorwärts gegen vünaburg. — weiteres Vordringen östlich Olita und Grodno. — Der Szezara-Kbfchnitt erreicht. — Fortsetzung der Verfolgung auf pinsk.

Der Tagesbericht vom 15. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. September.. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Ein französischer Angriffverfuch am Hartmann» Meiler-Kopf wurde durch unser Feuer verhindert.

Ein bei Rech es y (nahe der französisch-schweizerischen Grenze) beobachteter Feffelballon wurde herunter- geschossen. Er überschlug sich und stürzte ab.

Destlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von hindenburg.

Am Brückenkopf westlich von Dünaburg Kampf. Bei S o l»k i (südwestlich von Dünabnrg) wurde feindliche Kavallerie geworfen.

An der W i l i a, nordöstlich und nordwestlich von Wilna, wurden feindliche Gegenangriffe abgewiescn. Östlich von Olita und Grodno drang unser Angriff weiter vor.

Südöstlich des N j e m e n wurde die S z c z a r a an ein­zelnen Stellen erreicht. Es sind ru»ld 900 Gefangene ge­macht.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Der Gegner ist über die Szczara zurückgedrängt.

Heeresgruppe des Generatfeldmarschalls von Mackensen.

Die Verfolgung auf Pinsk wird fortgesetzt. Die Ge­fangenenzahl hat sich auf über 7ÜÜ erhöht.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die deutschen Truppen wiesen feindliche Angriffe blutig ab. Oberste Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen,

Weitgehende russische Eingeständnisse unter dem Zwange der Tatsachen.

W. T.-B. Petersburg, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Mit­teilung des Großen Generalstabes von gestern abend: In den Gegenden von Riga,Friedrich st adt -und Jakob st adt keine wesentlichen Veränderungen. An der Front an der unteren Eckau und norwestlich von Mi tau Gefechte von kleinen Abteilungen. Beträchtlich verstärkter Artilleriekampf von Linden bis 20 Werst nordwestlich von Friedlich­st a d t. Die hartnäckigen Kämpfe westlich von I a k o b st a d t in den Gegeben des Pikstern und Saukensees dauern fort.

Westlich und südwestlich von Dünaburg unternahm der Feind eine beträchtliche Offensive. In der Gegend von Abeli und Tugiani und weiter südlich spielen sich sehr er­bitterte Kämpfe ab. Bei der Station Nowo-Swientziany wurde die Eisenbahn vom Feinde durchschnitten. Unter dem Drucke des Feindes, welcher zwischen den Gegen­den von Nowo-Swientziany und Wilna zu einer entschei­denden Offensive übergegangen ist, ziehen sich unsere Truppen zurück. In der Gegend der Bahnstation Pod - ,b r o d s e sowie in der Gegend westlich von Wilna und weiter östlich sowie bis zur Gegend von Oranh keinerlei Verände­rung. An der Front Orany-Mosti hartnäckiger Kampf gegen den beträchtlich verstärkten Feind. Der Feind breitet seinen Angriff westlich von Skidel w e i t e r a u s. In den Kämpfen, welche unsere Nachhut aufnohm, um den Vorstoß des Feindes aufzuhalten, konnte unsere Artillerie ein machtvolles Feuer entfalten.

Aus der Linie Wolkowisk-Kartuskaja-Beraza bringt der Feind auf der Straße nach Osten vorsichtig seine Versuche vor, zu einer kräftigeren Offensive über- zugehen. Sie stießen überall auf vorbedachten Widerstand und hatten keinen Einfluß auf den regelmäßigen, sicheren Verlauf des geplanten Rückzuges unserer Truppen. Zwischen Kobryn und Pinsk im allgemeinen keine Veränderungen. In der Gegend östlich Drohitschin kleine Gefechte. Südöstlich des Bahnhofes S a r n y halten unsere Truppen den Feind weiter auf, der besonders längs der Flüsse Styr und G o r y n i a und weiter nach Osten, also in Gegend K o l k i, vorzudringen sucht. In Gegend Derashno hartnäckige Kämpfe. Westlich Rowno und in Gegend Dubno und Kre­menetz machen die Österreicher erfolglose Angriffe.

In Galizien, in Gegend Tarnopol, drangen unsere Truppen unter orkangleichem Artilleriefeuer 8eS Feindes noch ein wenig vor, machten Gefangene und er­beuteten Maschinengewehre. Wir warfen die Deutschen, welche sich nach Norden zurückzogen, zurück. Am unteren

Sereth, in der Gegend von Zaleszczyki, versuchte der Feind durch Übergehen zur Offensive unser Vordringen nach Westen aufzuhalten, wurde aber nach hartnäckigem Kampfe von neuem geschlagen und geworfen. Im allgemeinen suchen die Unter­nehmungen der Deutschen und Österreicher den Anschein offensiver Operationen zu beivcrhren, was ihnen Ver­luste einbringt, die mit ihren Ergebnissen nicht im rechten Verhältnis stehen.

Oer „Temps" glaubt nicht mehr an einen Erfolg der russischen Sereth-Dffensive!

W> T.-B. Paris, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Temps" ist in der Beurteilung der militärischen Lage in Rußland andauernd sehr skeptisch gesonnen. Im Norden seien die Russen zu weiterem Rückzug gezwungen. Auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze vollziehe sich der Vor­marsch der Verbündeten in Wolhynien, um die Russen zur Räumung Rownos zu zwingen. Angesichts dieses Vor­marsches sei auch der Ausgang der Schlacht am Sereth von untergeordneter Bedeutung. Man werde in einigen Tagen wissen, ob jene russische Offensive, welche bisher zu so großen Hoffnungen berechtigte, noch fortgesetzt wer­den kann.

Riga eine geräumte Stadt;

Sr. Christiania, 15- Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Tie „Times" meldet aus Riga: Alles, was dem Feind bei einer möglichen Besetzung der Stadt nützlich sein könnte, ist weggeführt. Die Verteidigungswerke der Stadt sind in ausgezeichnetem Zustand und auf den Angriff der Deutschen gut vorbereitet.

vor Einzug im wiedereroberten vrody.

Berlin, 15. Sept. (Zens. Bln.) über den Einzug der Sieger in Brody wird hiesigen Blättern berichtet: Die « i e g e r begrüßte eine festlich geschmückte Stadt. Die Häuser waren mit Fahnen in den österreichisch-ungarischen, deut­schen und türkischen Fahnen geflaggt, mit Bildern der ver­bündeten Monarchen und Teppichen reich dekoriert. Beim Einzug unserer Soldaten wurden Lieder gesungen. Ein Freudentaumel erfaßte die Stadt, die seit Kriegsbeginn vom Feind besetzt war.

Ruch die zweite russische vardanellenarmee nach dem Westen abgeschoben.

Köln, 15, Sept. (Zens. Bln.) Laut „Köln. Ztg." berichten Schweizer Blätter aus Bukarest: Nach dem Abzug des ersten russischen, für die D a r d a n e l l e n bestimmten Heeres unter General Eschenburg zu den Kämpfen am San war gegen Mitte Juli in Odessa ein zweites russisches Landungskorps bereitgestellt worden, das 9 bis 11 Divisionen umfaßt. Auch diese Armee ist jetzt zum Schutz Beffarabiens nach dem Westen abgeschoben worden. Diese Armee wird von General v. Rennenkampf befehligt.

vor großen Entscheidungen in der russischen Politik.

Goremykins Reise ins Hauptquartier.

W. T.-B. Kopenhagen, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) „Berlingske Tidende" meldet aus Petersburg: Ministerpräsident Goremykin ist nach dem Hauptquartier abgcrcist, um dem Zaren über die Forderungen des Duma- blockcs zu berichten und ihm das Ergebnis der Besprechungen zwischen dem Block und dem Kabinett mitznteilen. Man nimmt an, daß die Demission Goremykins und mehrerer seiner Ministerkollegen in den nächsten Tagen erfolgen wird und erwartet» daß auch die nächsten Tage große Entscheidungen bringen werden, sowohl was die Fortführung deS Krieges anbetrifft, als auch in bezug auf die inneren Verhältnisse des Reiches. Augenblicklich sammelt sich daS Interesse um die Frage, wer der Nachfolger Goremh- kins sei. Dies liegt indessen noch im dunkeln, obwohl der Kriegsminister Poliwanow immer wieder genannt wird. Man nimmt an, daß die neue Regierung versuchen wird, mit dem Block zusammen zu arbeiten, ohne auf alle seine Forderungen einzugehen, nur um den konservativen Elementen des Landes nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen.

vas verlangen nach parlamentarischer Kontrolle in Rußland.

Die Duma bis zum Friedcnsschluß in Dauertagung?

IV. T.-B. Elberfeld. 14. Sept. (Nichtamtlich.) Der „Elberfelder Generalanzeiger" meldet aus Petersburg: Der linke Block der Duma hat am Samstag einen Antrag mit 266 Nnterschristrn eingebracht, wonach die Duma beschließen wolle, sich bis zum Friedensschluß in Permanenz zu erklären.

vor Zar soll die ungeschminkte Wahrheit zu hören bekommen.

Schwere Anklagen de? „Rjeffch" gegen die Regierung.

IV. T.-B. Petersburg, 15. Sept. (Nichtamtlich. Draht» bcricht.) „Rjetfch" meldet: Die Petersburger Stadt­verordneten haben einen Beschluß angenommen, nach welchem es auch von der Stadtverwaltung in der schweren Zeit für notwendig erachtet wird, dem Zaren die unge­schminkte Wahrheit zu sagen. Die Mißerfolge lägen in den klaffenden Schäden in Rußland, in der tiefen Desorganisation, der Unfähigkeit der Regie­rung und in der verbrecherischen Tätigkeit derer, die berufen sind, den Sieg vorzubereiten. Der Beschluß ver­

langt eine Regierungsmacht, die nicht mit>den Sünden der Vergangenheit behaftet sei und das Vertrauen des Vol­kes besitze. Das drohende Zeichen der Zeit sei der aufge­regte Zustand im Inland. Der Beschluß wurde mit überwältigender Mehrheit gegen 18 Stimmen an­genommen. „Rjetfch" behandelt die Resolution dann in einem Leitartikel und fügt hinzu, daß in ganz Petersburg das Ge­rücht umgehe, daß das Ministerium den Beschluß beiseite ge­legt und keinerlei Notiz davon genommen habe. Das Blatt weift auf die gewaltigen Schwierigkeiten hin, welche die neuen Minister zu bestehen hätten, insbesondere der Unterrichts­minister, da der ganze Verwaltungsorganismus von dem­selben Geist durchleuchtet sei; ferner, da alle Maßnahmen von freiheitlichen Ministern auf den passiven Widerstand von Un­tergebenen stießen, ins Gegenteil verdreht oder nicht ausge- ftihrt würden. In Dumakreisen zirkulierten Gerüchte, daß die Duma vertagt würde. Dies rufe große Aufregung hervor und wird als verbrecherische Maßnahme bezeichnet. Folgende Gesetzesvorlagen wurden in der Duma eingebracht: Die Aufhebung der Vorrechte des Ostseeadels, die Entschädigung für Kriegsschäden, die Inter­pellation über Finnland sowie eine Amnestiq für'die Verbannren.

Oer Kanzler und die Bayern.

Niemand wird von unserem Reichskanzler, Herrn v. Bethmann-Hollweg, behaupten wollen, daß er nach Volkstümlichkeit hasche. Im Gegenteil, man wird tu Erinnerung an frühere Geschehnisse in der inneren Politik eher geneigt sein, anzunehmon, daß dem Herrn Reichskanzler nichts ferner liegt, als seine Politik und sein persönliches Verhalten irgendwie danach einzu- richten, ob er sich damit beliebt niacht oder nicht- Lange Zeit hindurch war Herr v. Bethmann-Hollweg eine un* volkstümliche Persönlichkeit; er tat seine staatsmännü sche Pflicht, wie sie ihm als notwendig erschien, aus Volkstümlichkeit schien er keinen Wert zu legen.

Jetzt aber ist Herr v. Bethmann-Hollweg irriAweü selhafi einer der populärsten Männer Deutschlands. Aber auch jetzt hat er die Volkstümlichkeit nicht gesucht;- sie ist ihm zugesallen, weil sich in seiner Persönlichkeit vieles von dem verkörperte, was das deutsche Volk in der schweren Zeit des Krieges denkt, fühlt und will.

Er hat die Volkstümlichkeit nicht gesucht — aber das Volk hat er gesucht, und er l)at es auf seinem Wege gefunden. Er hat erkannt, daß dieses deutsche Volk, mit dem es diesen Krieg zu führen -galt, denn doch das wertvollste und edelste Gut im ganzen Deut­schen Reiche war; und als aufrichtiger Staatsmann und warmherziger Vaterlandsfreund zog Bethmann-Hollweg aus dieser Erkenntnis auch die Folgerungen, er trat aus einer gewissen kühlen Zurückhaltung, die er bis dahin dem Volks empfinden und der Volksmasse gegenüber innehielt, heraus, und stehe da ■— es fand sich, daß Volk und Kanzler sich sehr gnt verstanden. Im Reichstage und in gelegentlichen Ansprachen in der Öffentlichkeit traf der Reichskanzler den Ton, der Beifall weckte und chm Volkstümlichkeit schuf.

Jetzt ist der Reichskanzler in München gewesen, und dort ist er in einem Lokal erschienen, dessen decke Volkstümlichkeit in München selbst und rm ganzen deut­schen Lande unbestritten ist. Wir wissen nicht, ob es früher denkbar gewesen wäre, daß ein leitender Staats­mann aus Norddeutschland mit seinem ganzen Gefolge rn einem Vollsbierhause erschienen wäre, um sich dort am edlen Stoff Genüge zu tun. Daß dies jetzt möglich ist, ist für uns höchst erfreulich. Wir deuten dieses kleine Zwischenspiel als ein Zeichen dafür, daß der Kanzler ausdrücken will, wie sehr er sich, den obersten Beamten­des Reiches, nur fühlt als einen guten Bürgersmann, dem allerdings besonders hohe staatliche Pflichten ob­liegen. In Süddeutschland und vor allem in Bayern selbst wird man das schlichte Erscheinen des Reichs­kanzlers in der berührnten Bierhalle Münchens mit; Sympathie begrüßen. Man wird finden, daß auch ge-' wisse stimmungsmäßige Unterschiede zwfichen Nord und- Süd in Deutschland sich unter den gewaltigen Ereig­nissen des Krieges ausgleichen; die -Mainlinie ist nienrals so überbrückt gewesen wie jetzt, und sie wird es hoffentlich für alle Zeiten bleiben. Die Nord­deutschen und die Süddeutschen — sie sind ein Volk von Brüdern- Das ist jetzt in Not und Tod erhärtet. Und der Kanzler gab dieser Tatsache symbolischen Aus­druck, als er mitten unter dem bayerischen Volk erschien und ernige Stunden unter ihm in gemessener Fröhlich­keit verweilte.

Dian hielt eine Ansprache an ihn, und er erwiderte in einfachen, ungekünstelten Worten, wie es Ort und Gelegenheit ergab. Er rühmte die unvergleichlichen Taten der bayerischen Armee, er gedachte des trefflichen bayerischen Königs, und er brachte ihnen, zugleich aber; dem gesamten deutschen Heere ein Hurra aus. Mit diesem Spruch hatte er die Herzen seiner Zuhörer ge­packt. Und wie treffend kennzeichnete er die Lage, als; er im Privatgespräch äußerte,- es sei doch ein Be weis für.