erläge zum Mrslmüener Tnglilntt.
. . Die Gedanken sind die Schatten unsrer Emvfindunoen \t
J — 'mmer dunkler. leerer, einfacher als diese. Nietzsche" |»
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(30. Fortsetzung.)
Cva Leoni.
Roman von Marie Bernhard.
KtmäSJ?”*" **# ^gen, daß ich längere Zeit hindurch be gelegen oder besonders viel und wild phanta- no?<Eoihk^r Merstens lag ich apathisch da, in einer Art >^^?^Emer.- :ch wußte, daß ich krank war, wußte b^and, — die Art meines Leidens, die Behandlung, alles dies ließ mich wmochte die Augen nicht nicht rühren, so sterbensmatt, so ab- Ä» ! “ des Nberlegens und Denkens
wr ich ganz unfähig. Gegen Abend, wenn das Fieber BcttVrke^w ^ wohl mit den Händen ruhelos auf der iSräw ^ rWrm unb a^erlei vor mich hin -
Ä 1 ’ ft?"# 1 * crber ganz genau, was ich sprach und das mir dasjenige, was ich wünschte, wonach ich fragte
L^Ärt werden konnte.nur daß eine innere
If’ ~ e n ^ a F fer als rch war, mich zu meinen Reden zwang So erinnere ich mich genau, daß ich den Arzt
ertt ^ $errn mit einem bläulich ge. arbten Pmce-nez. sobald er des Abends nach mir sehen kam, regelmäßig fragte, warum er nicht Dr. Brehmer sei i ?b leme arme, kleine Älleta wirklich tot wäre, da
^nllpn? bteI öie ? G auf Erden hätte sesthalten
Zollen? ^eden Morgen nahm ich mir vor, ihn das nicht amdar zu fragm, — kam aber der Abend, so tat ich es Ä.f» - fr , eine Meta, an deren Bettchen die weinende Mutter kniete, und das Grab Editha Leonis auf dem r^rwdhose, über das der Vollmond schien, beschäftigten
• t,0 sn 4 t rl Stl>e ^ e , ^ zuweilen auch wollte ich aufstehen. E G m Bild meines Vaters zu suchen, oder ich fragte ein- CC wirklich schwarze Augen gehabt und sehr schon gesungen habe. Sehr oft hatte ich die Idee sein Grab komie gar nicht auf der Erde sein, und man'habe
eine Leiche ins Meer versenkt,-' das stelltet mir
fefir feierlich und erhaben vor,obgleich ich das Meer nicht aus eigener Anschauung kannte; ich sah aber im Geiste eine unermeßliche Wasserfläche, in der die Swrne ch
lÄf' 8rofee§ Schiff, das ruhig lag und
von dessen Rande man die Leiche hinabsenkte wahrend we Matrosen barhäuptig standen und der Kapitän Sn @c6et murmelte. Dann glitt das große Schiff sawt L" "Nd »»ta, loa d.r Lle Bet Sra 4|S„ 3 ^ i^ nf t en ' 7 mich guälte nur, daß ich mich nickt V« lafS" s f0t1 OTr' "b ich lieber unter dem Erdhügel mit i-en blühenden Blumen an der Seite meiner Mutter oder auf dem Meeresboden neben meinem Vater im Tode
K' 77 ~ denn daß ich sterben wollte und mußte, da» fühlte ich ganz deutlich
wisr sehr viel um mich und ich sah ihr gutes Gesicht über mich geneigt, morgens, wenn die Frühsonne ms Zimmer schien, abends, wenn es zu dämmern begann und oft auch des^ Nachts, wenn die verschleierte Lampe
(SrrlfcS n ni> ! f G i totenstill ringsum mich war. Meine Großmutter sah ich nie; eine Zeitlang hatte sich zu meinen
Donnerstag, den 22. Oktober.
Abend-Visionen die Furcht gesellt, sie halte sich irgendwo
im Zimmer versteckt, um aufzupassen, ob ich meine Gedanken Zusammenhalten und meinen Geist schulen könne, — und ich fing an Jdyllenpoesie zu sprechen und über Macaulays Geschichte Englands und den Grundriß der
Philosophie und Ästhetik.-- aber den Anfang des
„Siebzigsten Geburtstages" konnte ich nicht finden und das beunruhigte mich sehr, .tzannah schlug dann alle Vorhänge auseinander und rückte alle Möbel fort, um mir zu beweisen, daß „die Gnädige" ganz gewiß und wahrhaftig nirgends verborgen sei. — Auch Clemens Günther sah ich manchmal leibhaftig auf mich zutreten mit seinem ritterlichen Gruß und ich grüßte wieder, erkundigte mich nach Susi und wandte mich dann zu Hannah mit der.Frage: „Ist er nicht schön?" was die Gite mit emenl etwas bedenklichen Kopfschütteln erwiderte.
Ta es nur immer heiß um den Kopf wak, so ver ordnete der Arzt, man solle mir die Haare kurz afr schneiden. Hannah ^ weinte schmerzliche Tränen, als meine prachtvollen, üppigen Flechten unter der Scheere sielen, während ich. ungeheuer gleichgültig bei diesem Vorgänge blieb ; mir war alles gleichgültig, — das ganze Haus, ja, mein eigenes Bett hätte in hellen Flammen
stehen können,.ich glaube nicht, daß ich einen
Finger zu meiner Rettung gerührt haben würde. — Meine Hände spielten mechanisch mit den ab geschnittenen dicken, blonden Zöpfen, die vor mir auf der Bettdecke lagen, und als Hannah bei diesem Anblick aufs neue zu weinen begann, hatte ich nur ein schwaches, verwunderliches Lächeln.
Eines Morgens, als ich etwas weniger abgespannt war als sonst, begann der Arzt ein Examen mit mir.
„Wie wäre es, mein liebes Fräulein, wenn sie einmal erneu Wunsch aussprächen, — irgend einen — gleichviel welchen! Was möchten Sie wohl haben?"
Ich sah müde zu ihm auf und schüttelte nur den Kopf. /Nun, . besinnen Sie sich einmal! Eine junge
Dame ihres Alters wird ja doch mancherlei haben, wo- nach ihr Herz sich sehnt! Ein schönes, weiches, elegantes Morgenkleid zur Rekonvaleszenz — wie? Das müßte ^chnen doch Freude machen! Oder blühende Blumen — e^rie schone Palmengruppe? Auch nicht? Vielleicht haben Sie eine besonders liebe Freundin, die Sie gern bei sich auf Besuch haben möchten? Wieder Kopfschütteln? Ei er! Ja, mein bestes Fräulein, da an Lesen nicht zu denken ist und ich mir auch nicht vorstellen kann, daß Sie stch das gerade wünschen,—sehen Sie wohl, Sie haben einen wahren Abscheu davor, das dachte ich mir' — so bleibt m der Tat kaum etwas, .... vielleicht eine leichte ganz einfache Handarbeit? Wieder nicht? Also wirklich' ~ Sw wüßten nichts, was Sie sich wünschen könnten?"
Ich schüttelte wieder den Kopf. — am Tage kostete es nnch Muhe, selbst ein einzelnes Wort herauszubrinqen ^ Nein, — ich wünschte mir wirklich nichts, nur den Tod, und es wollte mir scheinen, als ob der nun doch trotz meines festen Glaubens an ihn, nicht kommen wollte ! Auch nach Susi hatte ich keine Sehnsucht, jedes Gefühl schim erstorben in mir, — — zudem machte es mir Muhe die Hand zu erheben, sprechen mochte ich nicht — was also sollte ich jetzt mit einer Freundin, die noch dazu
die verkörperte Lebenslust war?. s
.. Der Arzt trat mit Hannah beiseite und sprach leise mit ihr, ich konnte nur wenige Einzelheiten unterscheiden.
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51. Jahrgang. 1903*
„Schlechtes Zeichen — höchst notwendig — Kranke, öte fernen Willen haben —- überreizte Gehirnnerven, — absolute Ruhe — Gebirgsluft — Kollegen," — weiter verstand ich nichts. —
Als der Doktor gegangen war, winkte ich Hannah mit den Augen zu mir heran und fragte sie, ob Aussicht vorhanden sei, daß ich sterben könnte. Als sie dies lebhaft verneinte, schloß ich die Augen und wollte nichts mehr sehen und hören. — — Am folgenden Tage erschien der Arzt mit einem älteren, sehr freundlichen Herrn, der mich vielerlei fragte, — das Antworten verursachte mir große Mühe, — mich aufmunternd ansah und meine Hand beständig in der seinigen hielt. Er erklärte mir, sw sei eigentlich jetzt schon so gut wie gesund, nur müsse ich dies auch ernstlich wollen, — die Kunst der Ärzte sei getan, nun müsse der Patient selber nachhelfen, und da ich eine so kluge und wissenschaftlich gebildete Dame sei, so werde ich dies ohne Zweifel selbst einsehen und das meinige dazu tun. Ob ich ihm dies versprechen wolle? —
Das konnte ich aber nicht! Wever mir, noch irgend einem andern Menschen auf der weiten Gotteswelt, lag etwas an meinem Leben, — ich war weder nützlich noch unentbehrlich, — wie sollte ich also dem ehrwürdigen, alten Herrn, der so kluge und klare Augen hatte, ins Gesicht lügen? Meine Gedanken mochte ich ihm nicht sagen, und so hatte ich nur mein altes, trauriges Kopf- schütteln für ihn! —
„Hat das junge Mädchen während ihrer Krankheit ein einziges Mal geweint?" wandte sich der alte He'rr an Hannah.
„Nein, — niemals!"
„Giebt es irgend etwas, Ihres Wissens nach, was sie tief erregen oder erschüttern könnte?"
Hannah dachte nach. „Vielleicht Musik!" sagte sie endlich zögernd.
„Gut, — so müssen wir das später einmal versuchen, für jetzt wäre es noch zu gewagt, es könnte üble Folgen haben. Aber es mutz alles dazu geschehen, um diese ganz unnatürliche Apathie und Abspannung zu be- seitigen. — die Seele muß geweckt, zu neuem Anteil, sei es durch Freude oder Schmerz, gezwungen werden; geschieht dies nicht, so wird die Patientin nie ganz gesund und es kann sich ein schweres Gemütsleiden ausbilden. — Hören Sie wohl, mein liebes Kind? Ich sage Ihnen das mit Absicht, Sie sollen deutlich die Gefahr sehen, der Sie sich aussetzen, sobald Sie sich nicht ernstlich zu- ammenraffen! Vor allen Dingen stehen Sie täglich ein war Stunden auf, versuchen sie am offenen Fenster zu itzen; allmählich werden Sie Kraft genug gewinnen, um n den Garten getragen zu werden und dort eine Zeit- lang zu sitzen. Sowie es irgend ttmlich ist, sollen Sie hoch hinauf ins Gebirge, da Luftveränderung das beste
Heilmittel ist, das wir Ihnen geben können,-
das allerbeste freilich besitzen Sie selbst, indem Sie Ihre Energie anspannen und den Willen zum Leben haben, der Ihnen abhanden gekommen ist, — das „Wie" zu untersuchen, ist mir leider verwehrt. Ich werde gleich jetzt mit Ihrer Frau Großmutter sprechen und ihr das
Reiseprojekt mitteilen,-- — ist es Ihnen nicht eine
erfreuliche Aussicht, mit dem beginnenden Frühjahr zu reisen und in die Gebirgswelt zu kommen?"
(Fortsetzung folgt.)
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