Einzelbild herunterladen
 

SeUage mm Wiesdnüener TagblaU.

Vollständiger Möbel-Ansverkauf

9 Langgasse 9.

Wegen gänzlicher Aufgabe des von mir seither geführten Möbel-Magazins verkaufe ich alle ans Lager noch vorhandenen Möbel, als:

Elegante Nußb.-Büffcts, Verticows, Kleider- und Bücher­schränke, Kommoden, Consols, Schreib-, Sopha- u. Auszieh­tische, Waschkommoden und Nachttische, eleg. Salongarni­turen in Gobelin, Seide«, Plüsch und Kamcltaschen, einzelne Sophas, große Trümeaux- — 1

spiegelin Nußb. und Gold, cleg. compl. m Schlafzimmer-Einrichtungen in modern U ßM ^8 I Styl und Holzarten, Küchenmöbel, I Mz AH I Balkonmöbel, Stühle, Etagören, I WR Jpll j Bauermische, Kissen, Deckbetten und I

g a Plümeaux I B ^

f J j zu bedeutend herabge- it ^ setzten Preisen ans. ||%

Langgasse 9

Seiden-Haus M> Marchand

36 Langgasse 36

Tucli-ßocke

in grösster Auswahl,

N»» 491. Morgen-Ausgabe.

Mittwoch, den 21. Oktober.

81. Jabrgmrg. 1903.

Ter Tschinowmk (Beamte) Sjusjukiii, der Typus einer » loyalen Tschiiiowniks. bekam zu Neujadr durch ein Ver- £ sehen einen gcringerki, Orden, als der war, de» er schon £ hatte. Er war darüber tief «ekränkt und machte, um sich >s. zu zerstreuen, einen Spaziergang. Unterwegs trifft er einen » Kollegen, der ihm zu der Auszeichnung gratuliert. Ssurjukin ^ erzirblt ihm das Vorgefallrne. taßt; daß solche Fehler auch £ nur bei uns in Rußland Vorkommen können und flüstert £ dann dem Kollegen geheimnisvoll ins Obr: „Ja, mein Bester, dadurch entstehen eben die Revolutionen in den ^ Staaten." *

Grigorowitsch. £

*mtWW*9WWWW9W¥*W¥VW*T**W**WW*W9999W : *

( 28 . Fortsetzung.)

Crm ßeom.

Roman von Marie Bernhard.

Es dauerte lange, bis ich mein inneres Gleichgewicht einigermaßen lviederfand und meinen täglich anwachsen­den Pflichten wieder mit gewohnter Pünktlichkeit' Nach­kommen konnte. Denn meme Großmutter, die es recht Wohl gemerkt hatte, daß es um Fleiß und Aufmerksamkeit bet mir in der letzten Zeit mangelhaft bestellt war, wenn sie auch zum Glück die Ursache nicht im entferntesten ahnte, hatte meine Lehrer ersucht, die Zügel des Unterrichts, die sie vielleicht gelockert glaubte, fester anzuziehen und sie selbst, von der Idee ausgehend, ich hätte zuviel freie Zeit, um müßigen Gedanken nachzuhängen, verdoppelte ihre Aufgaben und vermehrte ihre Ansprüche bedeutend.

Ich haste längst die Hoffnung aufgegeben, mir durch absolute Fügsamkeit, durch eiserne Energie ihre Aner­kennung, chre Teilnahme, allmählich ihre Liebe zu er- rrngen. Abgesehen davon, daß sie überhaupt nicht mehr sährg war, Liebe zu empfinden, so War ich speziell wohl diejenige, die am allerletzten auf ein solches Wunder An- lbouch zu erheben hatte. Immer häufiger hatte ich den Buck voll offenbarer Abneigung, ja voll unverhohlenem

Widerwillen bemerkt, den sie auf mich richtete-ach,

nnb es währte lange, so lange noch, bis das Jahr abge- laufen war, das sie ihrem Pflichtgefühl abgerrmgen und wahrend dessen sie es sich zugeschworen hatte, meine Gegemvart zu ertragen. — - - .

pie Überzeugung, in diesem Hause nur geduldet zu werden, die Frage, was nach Ablauf jenes festgesetzten ^ sterter aus mir werden sollte, mein einförmiges, durch kein belebendes Ereignis unterbrochenes Dasein, — öuft schrieb jetzt selten und sehr flüchtig, da sie eine ge-

TPt.'PTTP' r*rTTh/vwo Vnwt* .s „S. ...o v l _

feierte Balldame war und in Saus und Braus lebte, — dies alles, ü “ '

ngkeit , _ _, ___

meine schon seit längerer Zeit schw-mkendHesundheit

dies alles, im Verein mit einer Arbeitslast, die ohne'jede Freudigkeit von mir absolviert wurde, bewirkte, daß

ernstlich erschüttert wurde, und so gestalteten sich, da die körperliche Schwäche dazu kam, meine Leistungen immer geringer; meine Aufmerksamkeit wurde matter, mein Fassungsvermögen erschlaffte und schlummerte endlich ganz ein, und nur mit Aufbietung aller meiner Kräfte gelang es mir überhaupt noch, meine schriftlichen Ar­beiten anzufertigen und meine Lektionen wahrzunehmen.

hatte keinen Appetit mehr, fand kaum noch zwei Stunden Schlaf während der Nacht, fühlte oft ein unüber­

windliches Zitterii in allen Gliedern und ein solches Ver­lassen aller Kräfte, daß ich meinte, ich müsse vor Schwäche zu Boden fallen. Wenn ich mich zu Bette legte, hörte ich stundenlang Kirchenglocken läuten, vor meinen ge­schlossenen Augen tanzten Feuerkugeln oder schwammen blutrote Kreise, —• — während ich antworten sollte, ver­wirrten sich meine Gedanken, ich wußte nicht mehr, was ich hatte sagen wollen, wovon überhaupt die Rede war, oder ich konnte mich mit aller Anstrengung nicht auf ein ganz bekanntes Wort besinnen und marterte mich ver­gebens, es zu finden.

Mein Gesicht war wochsweiß, mein Gang langsam und schleppend, — ach, und wie müde, wie grenzenlos müde fühlte ich mich in jener Zeit! Nur nicht arbeiten,

nicht Nachdenken, nicht gehen dürfen, —-ausruhcn,

immer nur ausruhen, das war mein einziger Wunsch! Ich wäre sehr gern gestorben damals, denn an meinem Leben lag mir absolut nichts! —

Hannah betrachtete mich oft mit besorgtem Kopf­schütteln, sie tat zu meiner Erleichterung, was sie tun konnte, brachte mir Wein und stärkende Mittel und wagte es sogar, einmal meiner Großmutter die Andeutung zu machen, ich scheine leidend zu sein und das angestrengte Lernen nicht zu vertragen. Welche Erwiderung ihr zu teil geworden war, weiß ich nicht; aber Tatsache war, das meine Pflichten dieselben blieben, der Tadel immer häufiger wurde, die Lehrer klagten und ich nur noch ein stumpfes Gefühl der Verwunderung mit mir herumtrug, — wie lange dieser Zustand wohl noch dauern könnte!

„Glaub' es mir, Kind", sagte meine gute Hannah zu­weilen, wenn sie abends heimlich mit einem Glase Port­wein auf mein Zimmer kam, „Du bist in hohem Grade bleichsüchtig. Früher kannte man diese Krankheit nicht. Die Bleichsucht ist erst Mode geworden, seit die gebohner­ten Schränke und Kommoden aus der Mode kamen; früher, als unsere Töchter wöchentlich zweimal alle Schränke und Kommoden im ganzen Hause blank zn bohnern hatten, da wußte kein Mensch etwas von Blut­armut und Bleichsucht, wir hatten allzumal schöne rote Backen, wie die Borsdorfer Äpfel, -— — aber heutzutage lernt die Jugend zu viel, und du, arme Kleine, vollends! Statt von Plato und Aristoteles zu lesen-, sollte dich die Gnädige lieber tanzen und Schlittschuhlaufen lassen, da es doch nun einmal bei uns im Hause keine Schränke und Kommoden gibt, die des Bohnerns bedürftig wären. Ja, leider kann ich nichts dabei ändern, ich habe es versucht und mir den Mund verbrannt, obgleich ich im voraus hätte wissen können, es würde ganz nutzlos sein, denn meine Gnädige hat sich nie, auch als ganz junges Mädchen nicht, von einem anderen, und meinte er's noch so gut, in ihre Ideen Hineinreden lassen. Richtig! So kam es auch diesmal! In. ganz freundlichwuhigem Ton bekam ich zu hören, du und deine Erziehung gingen mich nicht das mindeste an, das sei deiner Großmutter Sache, und ich müßte doch wissen, daß sie nicht, aui halbem Wege stehen bleibe, sondern gewöhnt sei. ihr Stück durchzusetzen. Ja, -das soll Gott wissen!"-

Es Soar gegen Ende März. Der Frühling wollte diesmal früh kommen, — große Schneeflocken, dre sofort zerschmolzen, taumelten vom Himmel herab, die Sonne brach für Augenblicke durch und riß die hellen Wolken in

Fetzen, daß tiefes Blau hindurchschimmerte, .... dazu wehte eine seltsame weiche, feuchtwarme Luft, und die Überschwemmungen, die um Dresden herum häufig sind und meistens in den letzten Tagen des April oder in den ersten des Mai eintreten, wurden jetzt schon gemeldet.

--- Ich saß meiner Großmutter früh des

Morgens gegenüber und sollte ihr über Jdyllcnpoesie, mit spezieller Beziehung auf den „Siebzigsten Geburtstag" von Voß, Bericht erstatten. Ich hatte auch die beste Ab­sicht, dies zu tun, aber es kam mir kein einziges Wort, das zur Sache gehörte, in den Sinn und statt zu sprechen, starrte ich meiner Großmutter, die mir feierlich abwartend gegenüber saß, mit großen Augen ins Gesicht und blieb beharrlich stumm.

„Nun, Eva?" erklang es mit einiger Schärfe.

„Wie kommt es, daß in deinem ganzen Hause kein einziges Bild meines Vaters ist, da du doch eins von meiner Mutter hast?" hörte ich mich mit voller Deistlich- teit sagen, aber es klang gar nicht wie meine eigene Stimme, die da sprach, —- — es war ein ganz fremder Ton. „Auch bei Tante Gina war kein Bild von ihm zu finden, ich habe die ganze Villa danach durchsucht. Warum liegt er nicht neben meiner Mrttter auf dem Friedhose be­graben? Wenn der Vollmond aufgeht, scheint er auf ihr Grab allein, Und wenn ich seine Augen und sein Wesen geerbt habe, so war er cs auch wohl, der die Musik so grenzenlos liebte, und zurStrafe dafür soll ich keine hören! Ich höre aber doch welche, — den ganzen Tag und _bie ganze Nacht! Flöten und Geigen und die schönsten Lieder! Aber wenn ich auch noch so viel lernen muß . . das eine lerne ich nie: warum ich eigentlich geboren bin, da ich es mir doch niemals gewünscht habe und kein Mensch auf der Welt mich haben wollte. Ob ich das erst lernen werde, wenn ich tot bin und im Grabe liege und der Vollmond über meinem Hügel scheint?" — --

Ein Weilchen lauschte ich gespannt, ob keine Antwort

käme,-es kam keine, meine Großmutter erhob

sich aber langsam von ihrem Sitze und kam auf mich zu.

Oder ging sie rückwärts-? Ihre Gestalt schien niir in einen grauen Nebel gehüllt, — jetzt war sie in weite Ferne gerückt, und um mich tanzten wirbelnde Feuerfünk- cfm während ein lautes Klingen und Singen um mich nnhob und ich mit den Händen um mich griff, denn nun fiel ich geradewegs in einen weiten, dunklen dlbgrund. — ' Ter nächste Eindruck, den ich mit halbwachen Sinnen hatte, war der, daß mich ein Paar Menschen ansaßten und forttrugen und daß ich sie immer bat, sie möchten mich auf den Friedhof der Kreuzkirche bringen und neben Editha Leoni ins Grab legen, denn wir wären beide so einsam und sehnten uns nach einander. - Hierauf fühlte ich. daß man mich niederlegte, aber als ich die Augen öffnete, sah ich, daß ich in keinem Grabe lag, sondern daß seidene Vorhänge über mit waren. Ich fragte: „Wo ist die Taube mit den goldenen Flügeln?" und als nur niemand antwortete, schrie ich auf: „Die kleine, kranke Meta hat keine Seidenvorhänge an ihrem armen Dettchen aebabt, — aber ihre Dkutter hat davor gekniet und zu

Gott gebetet, .... chre Mutter!"-Ich rief das

gellend hinaus, und mit einer Kraftanstrengung richtete ich mich empor und riß mit beiden Händen die Vorhänge

herunter. Dann brach ich wieder zusammen. —-

«Fortsetzung folgt.)

Kocliscliule. Diner 1 Uhr. Preis 1 Mk.

Abonn. billiger.

Vorher. Anmeld, erwünscht. Rheinstrasse 88.

Ia Weisswein Ia

so Jama;e noch Vorrat 80 Liter zu 10,50 Mk. gegen .Nachnahme. Fass leihweise und franko

zurück. Jf. Bayersdifrfer. Belllielm IS.

Rheinpfalz. (F. L2115 9 g) F 149

Weinstube von F. Kaiser,

Faulbrnnnenstrasie O,

empfiehlt selbsijfezog'enen (iaii-Alseslieiiiier

süssen Traubenmost 11. Federweissen

(eigene* lVarlistlinm).

Kohlen, -r

Alle Sorten Ofen- ». Herdkohlen, Kohlscheidcr Anthraeit, Braun- und Steinkohlen-Brikets, Gas-Coks, alle Sorten Pat.-Coks für Centraihcizung, Buchen- und Kiefern-Brenn- und Anzündehvlz empfiehlt zu billigsten Preisen 2707

W. A. Schmidt,

Inh. Herrn. Bannt,

Moritzstrahe 28. Fernsprecher 226.

Preislisten gern zu Diensten.