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**• Jahrgang.
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1^' 492. Verlags-Fernsprecher No. 285 S.
Abend-Ausgabe,
§?wr WovemSer unö Dezember:
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im Urrlag Kanggafst 87 . bei den AnsgabesteUrn. de« Zweig -Erpediti-ne«
der Nachbarorte,
und bei fiimtlichen deutschen Reichspaftan »kalten.
Freundlichere Ausblicke.
Das alte Wort: „Die Menschen sagen immer, die Zeiten werden schlimmer!" trifft zur Zeit auf die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage nicht mehr zu. Die unverkennbare Besserung, welche das Geschäftsleben, die ganze wirtschaftliche Situation im Laufe dieses Jahres, wenn auch nur sehr allmählich, so doch anscheinend in steigendem Maße zu verzeichnen hatte, hat den tiefgehenden Pessimismus, der in den letzten zwei Jahren vorherrschte, schnell in einen starken Optimismus ver wandelt.
5 ^?!!. Äer Optimismus, der sich zur Zeit allenthalben n J a ^,. berechtigt? feine Zeit lang wurde die Lehre te wA f, ? a F bw fetten Jahre, die wir von 1895 i l f 1900 hatten, in regelmäßigem Wechsel von Ebbe und ^ut fünf magere Jahre folgen würden. Nun läßt man bereits mit sich handeln und verkündet, daß die mageren ^ahre entweder schon setzt ihr Ende erreicht hätten, oder daß doch dreses Ende mit dem neuen Jahre sicher ein irrten werde, jedenfalls muß selbst der vorsichtigste Be- mukhaltlos zugeben, daß sich das Geschäftsleben ^ ^'chland m erfreulicherweise wieder belebt hat. Diese Tatsache druckt ,ich ziffernmäßig in dm aufsteigen- den Zahlen des Arbeitsmarktes aus. Aber es gibt noch an^re Kennzeichen für diese erfreuliche Erscheinung, wenn auch die Kennzeichen minder erfreulich sind als die Erscheinung selbst.
Als eine solche Erscheinung präsentiert sich zunächst die Neigung zahlreicher Arbeiterkreise, im Hinblick auf die l allende geschäftliche Konjunktur eine Aufbesserung ihrer Lohne durchzusetzen, wobei es mehrfach zur leichtfertigen Provozierung frivoler Streiks gekominen ist Wir erinnern nur an dm für die Arbeiter so ungünstig verlaufenen Streik der Berliner Omnibusangestellten und an den zur Zeit noch schwebenden Metallarbeiterstreik in
Mittwoch» den 21. Oktober.
Berlin. Gerade dieser letztere Streik, in welchem es den Arbeitern erst in zweiter Reihe auf Lohnaufbesserungen und in erster Reihe auf die Gewinnung politischer Mach: antommt, laßt erkennen, daß die sozialdemokratisch- ^ncherte Arbeiterschaft sich anschickt, die steigende Mrtschaftsentwickelung für sich zu eskomptierm. Frei- der hinkende Bote in Gestalt rückläufiger Arbeltschancen sich früh genug dmjmigen Arbeiten: präsentieren, welche so töricht sind, den Hetzreden falscher Apostel zu glauben.
, e i n vnderes Kennzeichen der steigenden
wirtschaftlichen Entwickelung verdient mit krittscher Vorsicht betrachtet zu werden. Wir meinen die starke Hausse an der Börse, die in der letzten Woche eingesetzt hat ünd in den letzten Tagen eine vorher von niemand geahnte Höhe erreicht hat. xte Großspekulation an der Börse hat die ^evise ausgsgebm, daß nunmehr die Krisis beendet sei und daß „sich alles, alles wenden" müsse. Die kleinen Spekulanten aber machen diesen Tanz um das goldene Kalb mit, und selbst ein Teil des Privatpublikums scheint m Gefahr zu sein, von dem Bazillus der Haussespekulation angesleckt zu tverdeu, und alle die schönen Leliren in den Wind zu schlagen, die es aus deni Krach der letzten Jahre gezogen hat oder doch gezogen habm sollte.
. , E stark diese Haussebewegung ist, zeigt sich darin, daß etliche industrielle Werte, so zum Beispiel die Kohlen- “f 1 “ einzelne Bergwerkspapiere, teilweise bereits die hochiten Kurse der Hochkonjunktur erreicht haben So ) 5 "oereck,ügt es wäre, den erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung zu leugnen, so spricht dock vieles dafür, diese Haussebewegung als über das Ziel schießend und somit als ungesund anzusehen.. Es sind uns auch Nachrichten zugegangen, wonach etliche Berliner, Hamburger und "^M^^.^wkgeschäfte recht zweifelhafter Güte bereits am Werke sind, die Kapitalisten in der Provinz mit ihren Ajrlularen zu uberschwemnien, worin auf die voraus- sichtlich noch weiter steigende Konjunktur hiugewiesm und die „allerlockendsten Angebote" gemackt werdm
Vor dem Sirenengesang dieser Börsenspekulanten tan gar nicht dringend genug gewarnt werdm. Offerten die einen „ftcheren Gewinn" von 10 und mehr Prozent versprechen, bedeuten — wir müssen dies harte Wort aussprechen --.eine Spekulation auf die Dummheit. Wer 8 des ungestörten Besitzes seiner Spargroschen erfreuen ^?/ ^r hore nicht ^uf dlefmigen, welche ihm einreden wollen, daß unsere Wirtschaftsentwicklung nunmehr mit „Volldampf voraus!, sich vollzieht, und daß es auch in Zukunft wie einst wieder Dividenden regnen wird Und so wiederholen wir heute, insbesondere den kleinen Kapitalisten gegenüber, die Mahnung, die wir schon vor Jahren wiederholt, zum Teil leider freilich erfolglos er
Redaktions-Fernsprecher No.
Deutsches Deich.
1903 .
Oie Nevolutzev.
Roman von Walther Schulte vom Brühl
(7. Fortsetzung.)
IV.
s'-h aus seinem Pachtaewäffer em Gericht Forellen heraus!,tzelte und wie das Piepers Belle- b>e Wittfrau, solches bereiten mußte. Wie der Hausierer ^^Eud-nt politisch angehauchte Gespräche führten, bis der Kradepohlcr Gesangverein „Gemütlichkeit" die Gemütlichkeit störte
LF? Tanz auf der schlammigen Straße aufsührte, worauf »er Student mit einem angenehmen luther'schen Pastor von dannen wich.
*
Ein kräftiger Windhauch strich durch das Laubwerk Uwd warf dicke Tropfen auf die beiden, die drunten auf oem nassen Pfädchen schnell vorwärts hastetm, um aus ^>oem Bereich des ungastlichm Kaltenbergs zu kommen.
„Tie nassen Regentropfen sind immer noch ange- nehnier als die trockenen Hiebe, die wir gekriegt hätten, wenn wir uns nicht dünne gemacht hätten", sagte der Hausierer und beruhigte seinen Begleiter dann über das Schicksal des kraumm Welm, das dem Studenten am Herzen lag. Da wäre gar nichts zu fürchten. Die Kriegervereine hielten schon seit einiger Zeit nicht mehr ^..Fanz fest zusammen. Es machten sich auch da unruhige Kopfe mausig, und wie er die Schreihälse bei den Dyk- rathern kennte, so wären sie wirklich imstande, den ordent- Sf n und patriotischenMitgliedern zumTort einen eigenen Ulkverein zu gründen und den Krüppel zum Ehrenpräsidenten zu machen. Dem armen Teufel würde gar wchts geschehen, höchstens vertränken sie ihm das Geld, »as ihm der König geschenkt habe. Übrigens wäre es lehr die ^rage, ob sich die Vereinler in diesem Augen- nücke nicht selber an den Köpfen hätten.
„Das würde mir Spaß macken", erklärte der Student, »ober noch mehr Vergnügen hält' ich, wenn ich jetzt was Ordentliches zu essen hätte. Mein Magen fängt an, ein wenig rebellisch zu werden."
„Wir hätten mit Gott für König und Vaterland bald Haue gekriegt: da ist es denn nicht mehr als recht, wenn
wss imn das Vaterland was zu knuspern gibt. Es hat mir schon oft aus der Verlegenheit geholfen", sagte der Haufierer „Wie ist es mit Ihnen: essen Sie gerne 'ne Portion ^-orellen mit Pellkartoffeln?"
, „Das ließe sich hören, aber es müssen ihrer so viel w.an sich nicht hungrig daran ißt", antwortete oer Student. „Doch woher nehmen und nicht stehlen?"
. Der Engels-Pitters-Oberam kniff ein Auge zu und , in< ; lustige Grimasse schneidend. „Stehlen, stehlen? sagte er,^„das ist nicht mein Gewerbe. Aber seht Euch mal das fröhliche Bächlein an, was da w geschwollen dahiuspringt. Das ist auch eins von den vielen, in dem ich die Fischerei gepachtet Hab', und zwar von unserm Herrgott selber."
r , "^5 Fiskus, oder wem es gerade zugehört, wird schwerlich Zeuge bei dem Pakt gewesen sein", meinte Gott- fried lachend.
„Nee, gewiß nicht. Ich lade auch keinen von denen zum Zusehen ein. Zeuge haben mir aber bei dem Pachtkontrakt alle die Hasen und Rehe gestanden, die hierzulande unsereinem ungestraft den Kohl aus dem Garten und die Saat vom Felde wegfressen dürfen, daß es 'ne wahre Schande ist. Ich selber Hab' daheim ja nur ein paar „Morgen Land gepachtet, aber ich könnt Euch was von Arger erzählen. Tippt die Sache hier nur mal bei den Bauern an, dann könnt Ihr was hören. Doch Ihr braucht sg von meinen Forellen nicht zu essen, wenn Ihr Bedenken habt.
„Ach was, mein Blagen hat die Bedenken schon in der Verzweiflung aufgefressen", erklärte der Student, worauf l'ch der Engels-Pitters-Oberam seines Bündels entledigte die Wachstuchdecke von seinen Stöcken zoa und dem Studenten^empfahl, gut Obacht zu geben, ob nicht jemand f' C ; J was allerdings kaum anzunehmen
sei Im Falle möge er ihm, dem Oberam, durch einen leisen Warnungspfiff ein Zeick-cn geben.
. _Auf die verwunderte Bemerkung Gottfrieds, daß er doch kein Gerat zum Fischfang mit sich führe, hielt ihm »5? töQufteret lachend d,e gespreizten Finger hin und er- klarte, die Forellen waren ganz närrisch darauf, von ibin gekitzelt zu werden, und er verstünde es seit Kindheits
Der Kaiser und moderne Theologie.
Aus der Ansprache des Kaisers an seine beiden ko«, firmierten ^Sohne geht wieder wie schon aus früheren religiösen Selbstbekenntnissen des Kaisers hervor, daß er F ^FFchted von seinem Großvater ganz und gar unter > » f r^lFF-FF moderneren Auffassung des Christen- ums steht, als sie unter Wilhelm I. jahrzehntelang den Hauptemsluß am preußischen Königshose ausgeübt hch.
* y ! a o F rei6t öte --Saale-Zeitung", ein bemerkenswertes Zusammentreffen, daß dies kaiserliche Eintretm !F?,F^kisch-religlöse Richtung im Christentum im Unterschied, von der dogmatischen parallel läuft mit einer Aktion derjenigen einflußreichen Kreise der prmßischen Geueralspnode, die in einer unifassenden Festlegung einer rechtgläubigen Dogmatik das alleinige Heil der evangeli- sckien Kirche erblicken und die Persönlichkeiten, die die •A-Miiier der Kirche auszubilden haben, ain liebsten auch in «neu engen Rahmen ganz bestimmter überkomnrener Grundsätze elnspanuen möchten. Sie denken von der Me n s ch e n n a t u r zu gering, von der lluantastbarkeit von „Lehren zu hoch, um mit dem Kaiser der Ansicht sein zu können, daß auf der freien Ausbildung charakter- voller religiös fundierter Persönlichkeiten immer und immer wieder die Entwicklung deS religiösen — nicht des äußerlich-kirchlichen Lebens allein beruhen wird. Daß i abei die kirchlichen Formen keineswegs immer in derselben Weise gedeihen, ist freilich selbstverständlich Es ist gewagter eine Kirche ohne detailliertes Tvgmenwefen als äußere ^nstitutioii aufrcchtzuerhalten, in der nur ein so allgenieines Bekenntnis zu dem Stifter der christlichen Religion festgelegt ist, wie es der Kaiser ausspricht und wie es der Hallische Professor Haupt in seiner Rede auf oer, Generalsynode dargelegt hat, als die Kirckse int bis- firn 0 «« Geleis zu belassen und der großen Masse mit rem Wunderbaren an der Religion eine handgreifliche slw^w F bfeten, die sie der Nachprüfung ihres Glaubens * -ui u^sentlichen uberhebt. Ter Kaiser hat in seiner Rede UFts irgendwie Neues gesagt, was nicht von fast allen Kathedern der evangelisch-theologischen Fakultäten in Deutschland in den letzten Jahrzehnten, insbesondere seit Auftreten der Ritschlschen Schule, gesagt ist — aber er itt mit der modernen Theologie den Weg der Verinner- lichung des Dogmas vom Physisch-Wunderbaren an der r S F Zum „Wunder" seiner religiösen Persön-
Ilch.elt gegangen und hat sich damit im Prinzip der e t h i s ch - r e 1 1 g r o s e n modernen Richtung zugewandt, wenn er auch dabei jeden Schein einer Polemik nach rechts vermeidet. Er tritt ein für einen Weg, der zur Versöhnung der Errungenschaften der modernen Kultur mit dem Christentum führt, »veil er die theoreti-
^.agen vortrefflich, ihnen dies Vergnügen zu machen und sie bei der Gelegenheit zu erwischen. Mit hochgezogenen Knieen swpfste er nun durch das feuchte Gras einer iwmen Waldwiese nach dem Ufer des Bächleins, legte das Wachstuch an den Rand und kniete darauf nieder, so daß seine Hose von Erde und 9tässe keinen Schaden litt. Tann rollte er sich die Ärmel auf, neigte sich über das Wasser und begann langsam und vorsichüg unter das Ufer zu greifen. Es dauerte nicht lange und er rief leise und freudig seinem Gefährten zu: „So, die erste hätten F r - Dann rückte er ein Stückchen weiter mit seinem Wachstuch, und so suchte er eiue kurze Strecke des steini- geu Rinnsals ab. „Als er nach einer Viertelstunde zu rem Studentetl zurückkehrte, zeigte er ihm vergnügt ein halbes , Dutzend mehr als spannenlange Forellen, die er alle ,mit einem geschickten Griff gefangen, und denen er bereits das Genick gebrochen hatte.
„Wenn man den Rummel versteht, geht's einem nie
! au t öt , e ^ er Welt", schmunzelte er. Und nun solle es nicht mehr lange dauern, und sie hätten ein Mahl, um das sie seder beneiden könnte, der in den Wirtschaften zu Kaltenberg eine Stunde lang lvarten und schimpfen muche, bis er einen mit ranziger Butter gestrichenen Weck iind em stuck schlechte Wurst bekäme.
--Aber waldige Höhen und durch kleine Wiesentälchen schritten sie dahiii, bis sie endlich auf die Landstraße ge- lailgteii, und an einem kleinen schieferbekleideten Häuschen mit grünen Fensterladen hielten. Einige Päckchen Tabak, ein paar lange, gekreuzte Kalkpfeifen, ein paar Gläser mit Bonbons gefüllt und einige Wecken in dem Fenster neben der Haustur besagten, daß hier allerlei zu kaufen e, und auf einem verblichenen Schilde über dem Eingang sü.nd zu lesen: Handlung von Witwe Pieper. ^ 10 „Wer verirrt sich denn in diese Gegend, um sich eüvas zu kaufeu ? frug,Gottfried verivundert, und der Hausierer belehrte ihn: ,,^tcr liegt ja alles in einzelnen Häuschen Hofetl zerilreut. Hier kauft sich mancher Fuhrmmm ne Piep Tobak und manches Schulkind für 'neu Pfennig Klumpker (Bonbons). Kapitalien werden bei dein Handel zwar nicht erworben, aber weiiii man zu rechnen versteht ist ein Pfennig genau der vierundzwanzigste Teil von'
