erlüge Mm Wresdaüener Taghlatt.
Dienstag, den 20. Oktober.
51. Jahrgang. 1903.
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Sie stillen Sterne und ewigen Sonnen scheinen noch
Sn'nüJn 1 ^ btr "fl J ör . f' e bat. An diesem Tag. wie atinii 'cn der Götter um uns und in I-dem Menstzen. ~ allen bittend, ob ihm« auch keiner gehorcht — die deutlich v-rm,unbar sagen: „Stehe ans du L-odn Adams, Sohn der Zeit: sorge, daß dieses göttlicher “ lln ° ® u WK"" 1 vor allen Dingen. Arbeite und schlafe nicht: dem, es kommt die Nacht, da niemand ?«Erken kann. Wer Ohren hat, zu hören, kann noch heute n bartn - Carlüle. *
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( 28 . Fortsetzung.)
Cva Keoni.
Roman von Marie Bernhard.
merft 5 Eine Großmutter nichts von
FmttP w U 9 rf Un l l rl nb ber Ursache derselben; ein Gutes gatte der Aufenthalt in ihrem Hause bei mir bewirkt:
JzJSl ßelernt mich zu beherrschen. Mein äußeres 2^3^” ließ daher nichts zu wünschen übrig; ich ant- vernünftig auf die spärlichen, an mich ge- ^ Et meiner Aufmerksamkeit für den „Don Carlos war es vorbei, und während Philipp II bedeutungsvolle Unterredung mit dem reis | att £ -Eb spater, als er von Marquis Posa um Gedankenfreiheit angefleht wurde, drehten meine °E°° »E°it sich um »llE «Mg!
Ech nach meinem damaligen Bilde sehr Äfbfch svlbet-oder ob ich mich in achtzehn Monaten auf- verändert habe? Und wie verändert? Ob vor- tnlhaft oder zum Nachteil? Ob er es mir anmerkt, daß $ V^ber entdeckt habe? Leider ist das wahr-
s?namä so sehr schwer, ein harmloses, unbe-
Ä*“® Mrcht zu machen, wenn man im Innern ganz entgegengescht empfindet! Aber warum bin ich denn nicht
Mann .Was gcht mich dieser fremde
Mann an, mit dem ich nie ein Wort gewechselt habe, viel-
ich gar nicht kenne?
Dummes Zeug I Betrüge dich doch nicht selbst! Du
^ ro rui ff r m e )t kennen, dessen Briefe du gelesen, mit dem du Gruße und allerlei Scherze ausgetauscht, von und Gewohnheiten du hundertmal gehört Nr^ahrelcmg deine Phantasie beschäftigt, dein reges Sl n ÄJ e ra^ bat, und der nun leibhaftig, nur unglaublich viel schöner als du ihn dir je vorgestellt hast vor dir sitzt! Und den willst du einen fremden Mann K E 'v ÖIC ^ n l^ .angeht? Spiele nicht vor £?
aber nnmn dich ernstlich zusammen und gieb acht auf das, was auf der Bühne vorgeht!
jfräi das ging nicht! Statt die intrigante Eboli zu snrdieren, suchte ich nur mein damals von „Träumerchen" Mfertlgte^ Portrat ms Gedächtnis zurückzurufen und war sehr ärgerlich, als es mir nur halbwegs gelang. In der X h J°ver,trat ich eilfertig vor den Spiegel, um zu Um, °b die Frisur gut aussah und das Schneeglöckchen- tabeilos saß, — und dann spähte ich nach der weißen Uniform umher, und als xä) sie endlich entdeckt hatte, war
tw gerade Zeit, wieder in die Loge zu gehen-nur
b?b eme hatte ich noch wahrnehmen können, 'daß nämlich viele --amen mit bewaffneten und unbewaffneten Augen
zu meinem Helden hinüber- und emporblickten, . . . und
nun hatte ich wieder zu grübeln, ob ihn andere auch so wrmderfchon fänden, wie ich; und daß dies eigentlich gar Nicht notwendig, wenn auch natürlich sei, — — und ob Susi mit dem Bruder Ähnlichkeit habe?
fbkber solchen interessanten Beobachtungen kam es zum letzten Akt und zum Schluß, der für mich bedeutungsvoll wurde, denn ich erntete einen schönen, ritterlichen Gruß und einen sonnig liebenswürdigen Blick draußen im Foyer; meine Großmutter, die sich gerade ihren Theater Mantel reichen ließ, wurde nichts davon gewahr. —
Mein Schlaf war unruhig und voll sonderbarer Traume und mein Theaterbericht am nächsten Morgen mehr als mangelhaft, — er bestand, wie meine Großmutter durchaus richtig bemerkte, nur aus Gemeinplätzen und war weiter nichts, als ein unsicheres Herumtoppen, was mir die Bemerkung eintrug, ich sei im höchsten Grade unzuverlässig, und ferner die in scharfem Tone gestellte
Frage, ob ich mir etwa einbilde.krank zu sein,--
derartige Hirngespinnste solle ich nur ohne weiteres aufgeben, nervöse Menschen würden hier nicht geduldet. Ich beeilte mich, meine ungestörte Gesundheit zu beteuern und wurde in Ungnaden entlassen. —
Die nächsten Tage vergingen, ohne etwas Bemerkenswertes zu bringen, dann aber kam ein Brief von Susi, den ich mit gespannter Erwartung öffnete.
„Also er hat dich richtig gesehen, süßes, kleines Everl, — — den Clemens Günther mein ich nämlich, wenn du's nicht weißt! Was er in Dresden zu tun gehabt hat, sagt er mir nicht; er deutete nur an, ein guter Freund von ihm ,el im Begriff, einen ganz tollen Streich zu begehen, und er müsse hinüber, um ihn entweder daran zu verhindern oder, wenn das unmöglich sei, ihm seinen Segen dazu zu geben. (Dir im Vertrauen gesagt, ich fürchte, letzteres wird geschehen sein!) Als ich ihn bat, mich mitzunehmen, damit ich dich Wiedersehen könnte, lachte er und rief: „Um des Himmels willen!" Es muß sich also um ein ganz aus- bundig tollen Streich gehandelt haben!
„Aber, was ich sagen wollte: ist er nicht schön? Schaust du, wär' ich seine Schwester nicht, . . . vom bloßen Sehen würd' ich mich in dies Bild von einem Menschen verlieben! Darum will mir auch keiner hier recht gefallen, obschon manche von den Kavalieren nicht schlecht
sind,-aber gegen meinen Clemens Günther-
Uschis da! Mit der Zeit werde ich wohl diese Vergleiche einstellen, denn daß ich bald heiraten will, steht fest; eS gefallt mir je länger je weniger bei meinem lieben Oheim, und wenn ich auch rebelliere und bei unfern täglichen Scharmützeln eigentlich immer Siegerin bleibe, so ist mir auch dies Vergnügen auf die Dauer eintönig und du weißt ia: wenn die Susi von Rochkirch keine Abwechselung hat, wird sie melancholisch, .und das war' doch ein Jammer! —
„Also bec Clemens Günther war gestern auf einem Ban den ich auch besuchte, und ich ließ einen Walzer überschießen, (worüber mein Tänzer „sehr unglücklich" war, — mög' er in des Himmels Namen!) um mit ihm zu plaudern! „Hast du vielleicht zufällig meine Evi gesehen?' war eme von meinen ersten Fragen Wie ich nun so m meinem bekannten Stil ein halb Dutzend Fragen auf emmal herauswirble, bekommt er mich beim Handgelenk zu fassen und sagt: „Sacht Kamerad! Eins nach
dem andern. Gesehen Hab' ich deine Freundin zweimal^ und erkannt Hab' ich sie sofort, obgleich sie sich in der; Zwischenzeit erstaunlich entwickelt und großartig verschönert hat (wörtlich zitiert, liebster Schatz!), aber ge-' sprachen Hab' ich sie nicht. — Das erste Mal war eins Anzahl von Kameraden dabei, und die Augustusbrücke in Dresden ist auch gerade kein geeignetes Vorstellungslokal, — das zweite Mal saß sie neben einer richtigen Vollblut-Aristokratin, wahrscheinlich die gestrenge Frau Großmama, in einer Loge des Schauspielhauses, und dis Gesellschaft, in der ich mich gerade an dem Abend befand/ veranlaßte mich, dieser wirklich feudalen Dame lieber nicht su die Nähe zu kommen, — am nächsten Morgen hatte iw leider schon abzureisen. Aber, Susi, diese Freundin Eva Leoni ist denn doch derart, daß ich meinen nächsten Urlaub zu einem abermaligen Abstecher nach Dresden benutzen und dich, mein Kind, ersuchen werde, mir als Ein- fuhrungsvorwand einen recht liebenswürdigen Brief an besagte Freundin mitzugeben.
„Ich könnte mich aufknüpfen, daß ich's nicht schon jetzt getan habe! Wenn ich mir jetzt hier in diesem Ballsaal all' die Lärvchen rund herum anschaue — present Company always excepted! — da ist doch nicht ein Gesicht darunter, das sich mit deiner Freundin vergleichen ließe! Siehst du, sie hat ganz was Fremdartiges, Besonderes an sich! Ist es nur der Gegensatz der lichtblonden, weichen Haare zu den großen schwarzen Samtaugen mit diesen breiten Lidern und dem verschleierten Blick unter den dunklen Wimpern — oder was ist's sonst? Sie hat ein reizendes Profil und ein rosiges Kinder- mundchen — aber die Augen sind ganz und gar nicht kindlich, der zweite Kontrast in diesem seltsamen Gesicksi, das gewiß niemand vergißt, der es einmal aufmerksam ansah. _ Sie wurde sehr viel lorgnettiert und bewundert, die Kleine — schon allein das üppige Haar, das sie in zwei Dicken Flechten verschlungen hinten im Nacken trägt für das zarte Köpfchen wäre auch die Last zu groß. Die Gestalt ist noch schr zart und zierlich, überhaupt sicht das ganze Geschöpfchen ungemein jung aus. Zuweilen, wenn sie mit der alten Dame redete, kam ein Ausdruck rührender Angst und Scheu in ihre große Augen, . . .. wer diese Hülflosigkeit trösten könnte!! Mir wurde ge- sagt, die Großmutter sei eins der größten Originale Dresdens, eine Stockgelehrte, bei der das entzückende Enkelkind ein trauriges Leben führe — näheres wußte
man mir nicht zu melden — weiß du es, Susi?-
Nun, du weißt, ich kann es auch nicht und du selbst, kleine Nachttgall, könntest es nicht einmal! Aber was ich von dir wußte, habe ich ihm gesagt, und er hat voller Andacht zugehört. Nein, Evi, es hilft alles nichts, du mußt und mußt bald einmal Herkommen und wenn ich dem Onkel die Einwilligung abzwingen und dich deinem Gefängnis mit Gewalt entführen müßte! Aber adieu, ma blonde aux yeux noirs! Und bete du zum Himmel, daß alle meine Wünsche in Erfüllung gehen, . . . hörst du! alle, auch diejenigen, die nicht meine Person betreffen!!"'
~-So schloß Susis Brief, und ich las ihn
durch, bis ich ihn auswendig wußte, und lief vor den Spiegel und studierte mein „fremdartiges" Gesicht und grübelte darüber, ob ich Susi wohl in Berlin besuchen dürfe,-sicher würde es nie dahin kommen! —
(Fortsetzung folgt.)
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