Verlag Langgaffe 81
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Mittwoch, 15. September 1915.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 429. - S3. Jahrgang.
Weiter vorwärts zwischen Düna und wilija.
Kbermals 8200 Gefangene» 1 Geschütz» 17 Mluni* Nonswagen» 13 Maschinengewehre und viel Bagage erbeutet. — Im Njemenbogen» nahe am
Szczaraabschnitt» Fortschritte.
Der Tagesbericht vom 14. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Sept. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Unter teilweise sehr heftiger Tätigkeit der Artillerie verlief der Tag sonst ohne wesentliche Ereignisse.
Ein schwacher französischer Vorstoß gegen das Schleusen!,aus von Sapigneul (nordwestlich von Reims) wurde zurückgeschlagen.
Aus Trier, Mörchingen, Chateau-Salins und Donaueschiugen wurden von einem feindlichen Flieger Bomben abgeworsen. Bei Donau- eschingcn wurde ein P e r s o n e n z u g mit Maschinen- gcwehrfeucr beschossen- Es sind einige Personen getötet oder verletzt. Aus dem über Trier erschienenen Geschwader wurde ein Flugzeug bei Lorn- meringen (südwestlich von Fentsch) herunter- geschossen.
Gastlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von kjindenburg.
Auf der Front zwischen Düna und Wilija (nordwestlich von Wilna) sind wir unter Kämpfen im weiteren Vorgehen. Es wurden 52 0 0 G e f a n g e n e gemacht, 1 Geschütz, 17 Munitionswagen, 13 Maschinengewehre und viel Bagage erbeutet. Auch östlich von O l i t a macht unser Ängriff Fortschritte. ImNjemen- bogen, nordöstlich von Grodno, gelangte die Verfolgung bis halbwegs L i d a. Weiter südlich nähern wir uns dem Szczara-Abschnitt.
Der Bahnhof Li da wurde nachts mit Bomben beworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarsehalls Prinz Leopold von Bayern.
Die Verfolgung gegen den S z c z a r a blieb im Fluß. Feindliche Nachhuten wurden geworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Auch hier konnte der Feind die Verfolgung nicht aufhalten. Einige hundert Gefangene wurden eingebracht.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
*
Erfolgreicher Angriff deutscher Wasserflugzeuge im Rigaischen Meerbusen!
Russische Flugzeuge, Torpedobootszerstörer» Unterseeboote und Werften mit Brandbomben belegt.
W.T.-B. »erlitt, 14. ©ept. (Amtlich.) Am 12. September haben deutsche Wasserflugzeuge einen Angriff auf r u s s i s ch c S e c st r e i t k r ä f t e im Rigaischen Meerbusen und auf Riga-Dünamünde gemacht. Eines der Flugzeuge sichtete vor der Bucht ein feindliches Flugzeug-Mutterschiff und belegte cs mit Erfolg mit Bomben. Brandwirkung wurde beobachtet« Ein anderes Flugzeug griff einen Z e r st ö r e r mit Bomben an und erzielte einen Treffer. Ein drittes entdeckte in der Arensburger-Bucht ein Flugzeug- Mutterschiff und brachte ihm 2 Treffer bei. Einem vierten Flugzeug, das bei Zerel einen Kampf mit zwei russischen Flugzeuge« zu bestehen hatte, gelang es, a« einen Zerstörer hcranzukommen und auf ihn einen Treffer zu erzielen. Das fünfte traf feindliche Tauchboote vor Windau und bewarf sie mit 2 Bomben. Der Erfolg konnte nicht festgestellt werden. Das letzte Flugzeug erzielte auf der zum Torpedobootsbau für die russische Marine bestimmten Mühlgraben- Werft in Dünamünde 6 Treffer in den Werkstätten «nd in den Hellingen. Die Werft gerietinBrand. Einem der Flugzeuge begegnete im Rigaischen Meerbusen ein russisches Segelschiff, welches versenkt wurde, nachdem die Maunschast gerettet wurde.
Der Cchef des Admiralstades der Marine.
Die Russen beivubnound am Stubiel-klbschnitt unter grossen Verlusten zurück geworfen. — Fluchtartiger Rückzug italienischer Streitkräfte bei plava.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 14. September, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz:
Die Lage in Ostgalizien ist unverändert. — Der Feind griff heute nnsere Strypafront an, wurde aber abgewiesen. Auch in Wolhhnien sind die Russen untcr Heranziehung neuer Kräfte an zahlreichen Stellen zum Angriff übergegangen. Während bei R o w o - AI e k s i n i e c die Kämpfe noch andaucrn, wurde der Feind bei D u b u o und am S t u b i e l - Abschnitt überall unter großen Verlusten zurückgeworfen. Unsere in Litauen kämpfenden Streitkräfte überschritten in der Verfolgung in der Gegend südlich S l o n i m die Griud-Niederung.
Italienischer Kriegsschauplatz-
Nach den erfolglosen italienischen Angriffen der letzten Tage trat gestern in den großen Kämpfen Flitsch und Tolmein eine Pause ein. Bei Plava vertrieb ein Fenerüberfall unserer Artillerie den Feind aus einem mehrere Kilometer breiten Frontstück. Die flüchtenden Italiener erlitten große Verluste. An der Tiroler Front wurden Angriffsversuche schwächerer feindlicher Abteilungen gegen unsere Stellungen bei der Frenzbrücke im Popenatale (südlich Schluderbach) und im Tonalegebiet abgcwiescn. Im großen und ganzen herrscht auf der Südwestfront Ruhe.
Der Äeüvertretcr des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutuaut.
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Panik in Kiew.
Br. Kopenhagen, 14. Sept. (Eig. Drahtbericht, Jens. Bkn.) In Kiew herrscht augenblicklich schwere Panik. Alles beginnt, die Stadt zu verlassen. Die Fahrkartenschalter an den Bahnhösen sind von den Bbreisenden förmlich belagert. Der Minister für Bolksaufklärnng ordnete an, daß der Beginn der Vorlesungen an allen Hochschulen auf unbestimmte Zeit zu vertagen sei. Der Berwaltnngsrat der Südwrstbahn hielt eine Konferenz ab, in der beschloffen wnrde, vor allem die ungeheuren Massen von Flüchtlinge« und die Insasse« der Lazarette abzutransporticre». In P o l t a wa herrscht ebenfalls Panik. Die Bevölkerung verlässt die Stadt, 'trotz vss Bekanntmachung des Gouverneurs, dass Poltawa vorläufig nicht bedroht sei.
Tic Gefahr des deutschen Vordringens gegen die Bahnlinie Dünaburg-Rowno.
IV. T.-B. London, 14. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Daily Mail" meldet aus Petersburg: Das Kriegsministerium glaubt, dah die britischen Angaben die Stärke der deutschen Heere überschätzen. Die erneuten kräftigen Versuche der Deutschen, die Bahnlinie Dünaburg-Rowno zu erreichen, beweisen die dringende Notwendigkeit, einig zu sein und den Widerstand mit allen möglichen Mitteln ins Werk zu setzen.
Eine Generalamnestie des Zaren?
Sr. Lugano, 14. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Der mit dem russischen Botschafter in Rom enge Fühlung pflegende sozialrevolutionäre „Popolo d'Jtalia" meldet, der Zar gewähre aus politffchen Gründen Verurteilten G e n e - rolamnestie. Es handle sich um mehr als 100 000 Personen.
Einberufung der Reichswehr zweiten Aufgebots.
Berlin, 14. Sept. (Zeus. Bln.) Über Kopenhagen wird gemeldet, daß der Zar einen Befehl über die Einberufung der Reichswehr zweiten Aufgebots 'Unterzeichnete. Die Einberufenen müssen binnen drei Tagen zur Abreise bereit sein.
Die Moskauer Unruhen vor der vuma.
Das Einverständnis der Polizei.
Br. Stockholm, 14. Seßt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Duma beschäftigte sich in diesen Tagen mit der Interpellation über die Moskauer Unruhen. Der Moskauer Abgeordnete Nowikow betonte, die Polizei habe eine Liste derjenigen Firmen gehabt, die vom Pöbel zerstört werden sollten, weshalb sie nicht einschreiten durste. Natürlich wurde auch vieles andere Eigentum vernichtet, auch Russen wurden auf der Straße angegriffen und mißhandelt. So geschah es, daß selbst das Gebäude Kokowzows angegriffen und zerstört wurde.
Galizische Opfer der russischen Agitation.
np. Stockholm, 13. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Fürst Urnstow schreibt im „Rußkoje Slowo": Die Massen- ü Versiegelung der Galizier nach Rußland wurde durch die Propaganda verschiedener unverantwortlicher Agitatoren verursacht. Man versprach ihnen Land. Vielen wurde auch je ein Rubel pro Tag zugesagt. Nachdem sie Rußland er
reichten, ftagten sie nach dem ihnen zugesicherten Boden. Nun ober trat die Enttäuschung ein. Statt einer Wohltat ergab sich ein großes Unglück. Bei Riwno, in Schutkiwci, befindet sich ein großes Galizierlager. Dort sieht man die ganzen gcüizischen Gemeinden mit ihren 'Vorstehern an der Spitze. Alle sind von der Außenwelt wegen der ansteckenden Krankheiten abgesondert. Ihre Lage ist kläglich und schreck- l ich. Sie haben kein reines Wasser zu trinken, essen das, was sie finden können, schlafen bei Kälte und im Regen unter fteiem Himmel, da sie nicht Holz genug finden, um sich Baracken zu bauen. Auch für ihr Geld können sie nichts kaufen, da sie von jeder Berührung mit der Außenwelt getrennt sind. Ans diesem Grund hat sich die Konterbande entwickelt. Heimlich wurden die Waren hergebracht und zu unbarmherzig hohen Preisen verkauft. Erst bedeutend später er- scknenerr bei den Unglücklichen die Vertreter des Roten Kreuzes. Man schickte auch Ärzte zu ihnen.
Die Kampflage bei der Armee Gallwitz.
(Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.)
Bialostok, den 11. September.
Nachdem der russische Versuch, in dem Halbbogen, der sich ans Brest-Litowsk anlehnt und hinauf über Offowiec, Grodno. Kowno nach Riga ging. Widerstand zu leisten, in dem Augenblick zusammenbrach, da das Zentrum bei B i e l s k eingedrückt war, Brest-Litowsk daher aufgegeben werden mußte und Kowno erstürmt war, handelte es sich zunächst darum, den letzten Rest dieser starken Linie, Grodno, zu nehmen und aus dem Sumpfgebiet, das jetzt den Kriegsschauplatz be- Iwrrscht, den großen Vorteil zu ziehen, den es auch für den Angreifer bietet. Es ging — während die 8. Armee Grodno nahm — in den fortlaufenden Gefechten der letzten zehn Tage darum, die Bewegungsfreiheit der Russen, die durch das Sumpfgebiet eingeschränkt ist, immer mehr zu verkleinern und zu verengern. Das Kennzeichnende für diese Kämpfe im Zentrum ist einerseits, daß die Russen dem deutschen Stoß, der sich in der günstigen Lage befindet, überall die beste Stelle zu suchen, nicht mehr Nachhuten entgegenstellen, sondern ihre ganze Kraft aufwenden müssen, um ihn überhaupt ernstlich aushalten zu können, andererseits die Wegeschwierigkeiteu, die unsere Armee bei diesem Vormarsch besiegen muß. Die Ergebnisse dieses Ringens der letzten Tage find nicht so schnell in die Augen springend, wie die der vorhergehenden Wochen, aber sie sind einem verzweifelt und tapfer sich wehrenden Gegner gegenüber täglich errungen worden. Von Abschnittzu Abschnitt schiebt sich die Linie vor unter Leistungen, die mit zu den schwersten dieses Feldzugs gehören. Sobald der K e i l, den wir spitz vorwärtstreiben, an einer Stelle dis russische Stellung weit genug durchbrochen hat, wird die russische Linie, die den Druck dann nicht mehr abwartet, zurück- genommen. Der Russe hat die Erleichterung dabei, daß er den Ruückzugsweg unzerstört und vorbereitet findet, aber die von Tag zu Tag drückendere Erschwerung, daß er ihn nicht mehr frei wählen kann.
Nach der Znrückdrängung aus dem Swisloscz-Ab- schnitt — Schwihloch-Abschnitt nannten es bezeichnend die angesetzten Truppen — hielten die Russen mit allen Kräften eine hügelige Stellung vor dem Roßbach. Nachdem sie hier in erbittertem Kampf geworfen waren, konnten sie sich am Roßbach selbst nicht mehr halten, weil die Kämpfe vorher sie zu sehr erschüttert hatten und suchten erst wieder hinter dem kilometerbresten Sumpfgebiet der Zelwianka Widerstand zu leisten. Die undurchdringliche Sumpfftrecke war natürlich frontal nicht zu nehmen, so daß der Stoß n o r d- w ä r t s auf dem gangbaren Gelände in der Nähe des linken Njemen-Ufers und zum Teil mit über den Njemen geführten Truppen in Verbindung mit der Nachbararmee geführt wurde. Die Höhen 111 und 220 hinter dem Dorf Pieski wurden gestürmt, auf dem rechten Njemen-Ufer der Straßenknotenpunkt, das Dorf Szkidel, nordöstlich der Ouerbahn Grodno- Wolkowhsk, genommen. Der südliche Teil des russischen Zentrums ist damit wiederum aus seiner Stellung gehoben; die unpassierbaren Sumpf st recken der Korht- nica drohen in seinem Rücken. Freilich wurden diese Erfolge — das sei betont — nicht leicht erreicht. Bei Szkidel setzten die Russen starke Kräfte offensiv ein, ebenso bei Niekrasze; erst in der Nacht war unser Erfolg völlig gesichert. Die greifbaren Resultate der schweren letzten Arbeit, die dem erbitterten Widerstand, der das Innere verzweifelt deckenden russischen Armee galt und gilt, Arbeit von Truppen und Führern, machen sich auch hier bemerkbar. WaS für Anforderungen Nachschub und Verpflegung bei diesem Gelände und diesen Wegen stellen, habe ich neulich schon angedeutet, aber neben den kämpfenden Truppen leisten unsere Eisenbahner und unsere Kolonnen Übermenschlich es, und erst heute konnte ich mich an wichtiger Stelle überzeugen, wie schnell und glänzend diese Arbeiten zur Sicherung imserer rückwärtigen Verbindungen fortschreiten. Es ist kindisch, im Zeitalter der Eisenbahnen und der Automobilkolonnen von den Unmöglichkeiten des weitesten Vormarsches zu fabeln. Unsere Kolonnen können über 100 bis zur Glanzleistung von 17S Kilometern von dem jeweiligen Punkt nach vorwärts gehen, bis zu dem die wiederhergestellten Eisenbahnen rollen. Wer die Schnelligkeit, mit der die Bahnen betriebsfähig gemacht werden, staunend bewundert hat, weiß, daß der Vormarsch, feine Ausdehnung und seine, Kele--«-ikmr^tzon
