erläge Min Wiestmüener Tanblatt.
Ko. 483. Morgen-Aus gabe.
Samstag, den 17. Oktober.
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Grigorowitsch. I*
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(26. Fortsetzung.)
Gva Leoni.
Roman von Marie Bernhard.
. 013 mein gnädiges Fräulein nach Berlin ^ vorgestellt zu werden, und ^lichkeiten zu besuchen, ick blieb daheim Pariser Kammerfrau alle ihre Künste ab. weil es besttmmt worden war, baß ich bei meinem Fraulern Renaw Zofe werden sollte, wenn sie sich ver-
me &a§ P ei f ner sv blendend schönen Dame ja bald zu erwarten stand. Aber das sollte anders wTfT' ^ enn Möwischen lernte ich meinen Mann kennen, dm sLS” Um ?^ unseres Schlosses als Hülfe für den Banmmster mitgekommen war.-und als mein
sich mst dem Grafen Neuenburg ver- $Z Üe rd) fö° n Hochzeit mit Julius Bertram, n^d * om schloß eine schöne Ausstattung
^ch Krakau, denn dort hatte mein Mann eine Erstellung Wie e» uns dort erging, so weit, so weit bon der Hermat und nie ein deutsches Wort gehört, und soviel fremdes, schlechtes Gesindel.-“■ nun
mrin'ffinbf fÜC 1 ’° ^nge Ohren, wie deine sind,'
mem Kind. — Genug, — es ging schlecht mit uns. sehr
Hr" Mann kam tn böse Gesellschaft und er
^-Ü^E ^ok genug, ste von sich abzuwehren.-
Sv Ö ° n f' en bre kein Wort mehr zu ihrer Ver^
tndrgung sagen können, soll man nichts Böses redm ff, ^ auf jenem dunkeln polnischen Fried
hofe, aber ich war verzweifelt, o. verzweifelt, als er ge-
Sw n i,nf' **1 l Qtten ^ele Schulden, und ich war ^ elend und konnte nicht daran denken, eine Stelle anzunehmen. st gern ich auch gewollt hätte. Da HÄ meine innge Gräfin Neuenburg von meinem Unglück ! at s'e mich heimkommen las en N.E Schulden getilgt alle Wirrnisse geschlichtet und
^ Ack?i^Äw'-r 8k iebte. kommen lassen.
., ihr all die Gute nicht vergelten können
Gr^uud^u"^.? ® eeIc ffanä versunken in meinen Gram und all das schwere erlittene Leid, — und in
war damM ein lusfiges Leben, der Herr Graf war dort Botschaft^ und liebte es. offene Tafel zu halten E s^iaat zu machen mit seiner schönen, jungen Frau ^ /vß still und verweint in meinem Zimmer, wenn die dutzendweise vorfuhren und das ganze Haus un, LlchterglanZe schwamm. — kaum daß ich^ meine Gnädige anschaiien mochte, die. strahlend schön und ae- schmuckt wie eine Prinzessin, die Gäste empfing Am a ^ td) ’ U0dl "m Bettchen der Komtesse Editha, die em Sa1t3 Ellies Kind war, und bewackste sie
^-K^ummer.-Aber als dann der lebensvolle
tat^d^^^-^" .A>veÄlichm Sturz mit dem Pferde tat, da raffte ,ch mich auf und habe mir gelobt, fortan nur der Gnädigen zu leben, nichts mehr für mich zu wünschen und zu wollen, sondern aufzuaeben iÜ chrem
1 X Auw! TlioiiiaYHiiclif.. X
^bnste Gott gebe, daß es mir gelungen ist! Sie war eine sehr betrübte Witwe, und wir führten ein stilles L«en. die Frau Gräfin, ich und die kleine Edstha'" „Hannah", unterbrach ich sie. „meine Großmutter mutz doch früher ganz anders gewesen sein!"
^.,."War sie auch, mein Kind! Ernst wohl oft und den Wisienschafien zugetan und feste Grundsätze, — nie eine Unwahrheit gesprochen, nie einem anderen Manne schöne Augen gemacht,.— aber doch mitteilsam und freundlich und mit strebe im Herzen. — ach. einer großen, allgewaltigen Liebe zu ihrem einzigen Kinde."
„Und als sie diese Liebe aus ihrem Herzeii verlor, da ist es ode und leergeblieben, und kein Gefühl, keines hat mehr darin gewohnt, — ist es nicht st, Hannah?" Sie nickte traurig. „Sie hat es selbst mit aller Ge- mit eiserner Kraft erstrebt, daß es so werde, und es ist ihr gelungen."
"kleine Mutter hat sich gewiß ihre Liebe dadurch vev scherzt, daß sie meinen Bater heiratete", sprach ich gedankenvoll weiter, — nicht in fragendem Tone, ich wußte ja.,ich durfte keine Antwort erwarten, — „aber, Hannah, r as cmeiann ]t öu mir sagen: da ich doch meiner Mutter ganzes Ebenbild bin, so wundere ich mich, wie sie es fertig bekommt, mich nicht zu lieben, — ja. mehr als das, — mich zu scheuen, fast zu hassen; denn oft liegt ein Ausdruck in ihrem Gestckst, den ich mir nicht anders deuten
Frau Bertram nahm sanft meine Hand in ihre beiden und sah mich liebevoll an.
„Ebenbild deiner Mutter! Das sagst du wohl, Kleine, und es ist auch richtig — äußerlich! Im Wesen aber ist keine Spur von Ähnlichkeit zwischen Editha und dir, —
Ztl ® Qter , S Augen und bist Zug für Zug deines Laters ^ochter, urrd dcrs sieht die Gnädige täglich mehr Ed ertragt es. weil sie es sich in ihrem strengen Pflicht-
und zu sthm " ^ ^ ^ ^ ^ 3U behalten
Jahr!" schrie ich auf. „Ein ganzes Jahr soll ich hier leben.— dies Leben führen? Hannah das er- trage ich nichti ^ch werde wahnsinnig oder ich sterbe'" ..'-Eva. Eva, nicht so leidenschaftlich! Es sstrbt sich leidet auch'^ ^nd, glaub' es mir, deine Großmutter
«©' möge sie- — möge sie, die nfich so leiden läßt! Eingesperrt, bewacht, lernen, immer nur lernen, — kein freundliches Wort, — kein Lächeln, —keinen .Kuß, — knne Liebe. — ach, Hannah, Hannah. häü' ich dich nicht, ich ginge zu Grunde!" Und ich weinte und schluchzte, als loute nrtr das Herz brechen.
„Dein Leben ist schwer für eine so junge Seele das weiß ich wohl!" tröstete Hannah und küßte mir' die Tranen fort. „Habe ich doch oft meinen ganzen Mut vong geaabt, um auszuharren. Und dann, — du weißt emsigen Bruder hier in Dresden, für dessen Wohlfahrt die Gnädige auch gesorgt. — er ist nur ein ein- facher^Handwerker. aber ich habe ihn herzlich lieb — und stme Frau und die vier Kinder auch. — da gehe ich jede Woche einmal hin und erquicke mich an dem herzlichen Familienleben m der kleinen, schlichten Häuslichkeit und mache mir das Herz fung und warm, — und komme ich dann zuruck in das schöne, vornehme Haus hier, dann Nwiß Gott, bin ich mehr zu beneiden, als die reiche, stolze kstrge Mrafm, der die Seele kalt und tot in der Brust
„Das hat sie ja n icht anders gewollt. — Wie kann
51. Jahrgang. 1903.
MM einen Menschen bedauern, der seinen Willen durch, gesetzt hat?" ‘
Wf"? enn , er dabei fühlt, — gewiß, dann
rüg man ihn nicht bedauern; —■ aber meinst kt, mein Kind, daß deine Großmutter glücklich ist?"
»»»mSvauf blieb ich die Antwort schuldig: was hätte es genutzt, mit Hannah zu streiten? Sie hatte ihr eigenes Fbvensgluck langst begraben, sie war meiner Großmutter schuldig und begehrte für sich, wie sie selbst gesagt hatte, nichts weiter, als nur die GÄegenheit, diesen Dank abzutragen f das war edel und selbsllos, ohne Zweifel, aber von nur war solche Uneigennützigkeit, solch' völliges emfgehen m anderer Leid und Freude nicht zu verlangen, uh war fung und schmackstete danach, mich auszuleben, forderte r ^lehrte zu werden, wie man es von mir
_ Und meine Musik, meine heißgeliebte, herrliche Musik! sie. meine treueste, beste Freundin, die all mein Leid, all' meine ~ii|t m wonen gelöst, der ich alles sagen, anver- rraum konnte, die mein ganzes Sein erfüllte, — wie Ä N meine Seele nach ihr! Nun war ich fast ein halbes ^ahr m wresden, und in unserm ernstm, Lüstern Haufe erklang kein Ton; nicht einmal ein kleiner Kanarienvogel schmetterte darin sein frisches Liedchen, und die wenigen Famstien, init dmen meine Großmutter "nd denen ich zuwellen mit ihr eine feierliche a- „vstsbsiaAete, waren entweder ganz unmusikalisch, oder sie erwähnten ihrer Kennfiiis mit keiner Silbe, — man m-r- 'vie r>s bei mir der Fall war, daß die Acustk einft un Leben der Gräfin Neuenburg irgend eine verhängnisvolle Rolle gespielt hatte und daß sie alles, Mas mgend damvt, zusammenhing, schroff vermied.
Ttrfiop ’\ Ö r' e meine beste Trösterin, mein eigent- liches LebeiEelement eittbehren mußte, litt schwerer oarunter, als ich es zu schildern vermag. Einmal, als meine Großmutter allein ausgefahren war, kam Hannah aus mein Zimmer und bat mich, ihr ein kleines Lied vor- zufmgen. ^ch fing an, aber bei den ersten Tönen schon brach mir die sttmme. unaustaltsam stürzten meine Tranen hervor und ich stammelte schluchzend: „Nie wieder Hannah, nie wieder! Dies ist kein Haus, in dem man .kann!" Meine Nerven befandm sich eittschieden in schlechtem Zustande, ich verfiel in ein nervöses Zittern, so» bald ich eine Drehorgel auf der Straße hörte, sobald ein voruberlaufendes „Kind eine Melodie summte, — angst- voll war ich bemüht, der Herrin des Hauses, , die keine Menschen um sich duldete und selbst keine Nerven besaß diese immer zunehmende Schwäche zu verbergen,
mehr 'kömiM^ Gefühl, als würde ich es nicht lange
Mit aller Macht war inzwischen der Mnter einaezoaen und hatte ganz Dresden in sein weißes Totenkleid gehüllt.
if’ i U .^° t nen i^fabt. die so ^ herrliche Kunst- sckahe birgt und eine so reizvolle Umgebimg hat, damals SÄ* konnte und es auch heute noch nich?iin- stände bin, so daß ich ste auf Reisen vermeide, wo ich es
Mr Tr S E &IG§ ta r. e&eG I O0i W noch vernünftig, wie ich ä aber ich glaube, es ist natürlich, und
ch teile diefe Unvernunft mit vielen meines Geschlechtes Kann man einen Ort lieben, in dem man unglücklich ist kann man sich in spateren Jahren sehnen, ihn wieder- zusehen? Für einen starken Geist mag ein eigener Reiz darin liegen; aber leider hatte ich keinen starken Geist sondern ein äußerst eindrucksfähiges Gemüt.
(Fortsetzung folgt.)
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