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Verlags-Fernsprecher N». LSSS.
Hlofgen-Ausgabe,
Ptufecn als WlKstrildner und als Whttlslher Genuß für den Arbetter.
In Mannheini tagte am 21. und 22. September eine Kmrferens der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrts-Ein- rrchtungen, welche über die Museumsfrage verhandelte. Schon seit etlichen Jahren hat man es in verschiedenen Mohstadten, aber auch in einzelnen MittÄstädten mit sichtlichem Erfolg versucht, den breiten Massen, ganz be- sonders aber Arbeitervereinen, die Museen besonders zu- gangnch zu machen, Führungen zu veranstalten und ein System in den Massenbesuch von Kunstmuseen und natur- hrstorischen Sammlungen zu bringen. Eine Verall- gemernerung dieses Vorgehens strebt die genannte Zentral- stelle an und sie hatte für ihre Tagung in Mannheim deshalb die Museumsfrage auf die Tagesordnung gesetzt. Die namhaftesten Fachleute, Museumsvorstände und Musemnsbeamte haben zunächst schriftliche Referate er- stattet und dann in Mannheim weiter darüber gesprochen, wie Däuseen, und zwar tunst- und naturgeschichtliche Museen, gebaut, eingerichtet und in gewissen Beziehungen zu dem Zweck einer Teilnahme der breiten Massen geleitet werdm sollen, wie sie einzurichteir sind und wie die Erklärung des Zurschaugestellten am besten geschehen könne. Man hat also über Etikettierung, über Kätaloge, über be°' sondere Drucksachen, über eingeheiide Führer und über mündliche Erklärungen gesprochen und es haben über alle Punkte nicht nur die bestellten Referenten, sondern in der Debatte auch andere namhafte Fachmänner auf Grund ihrer Erfahrungen und Beobachtungen berichtet
Es war überaus wohltuend für den Volksfreund, daß die Redner nicht nur betonten, daß sie ihr Augenmerk darauf richteten, daß den Arbeitern in den Museen nicht Er durch Augenschein manches vorgeführt werde, was sie bisher nicht oder nur ungenau kannten, sonderii daß denselben vor allem ein ästhetischer Genuß durch Museumsbesuch bereitet werden soll. Der Geniiß soll sie immer wieder hinziehen und es soll bei ihnen dadurch der Sinn für Natur und Kiinst genährt oder erst geweckt -werden, so daß sie das Museum und die Bücherei und Volkslefehalle als Stätte des Genusses aufsuchen anstatt des Wirtshauses, wenn sie ihre engen oder dürstigeir Wohnungen an Ruhetagen verlassen wollen. Wenn alle Museumsverwaltungen so dächten, wie die Redner in Mannheim es für sich ausführten, dann würde die Frage Laß es der Mnseeii noch zu wenig gäbe, daß dieselben noch zu klein seien, keine Rolle spielen, es würde schon mit dem Vorhandenen Großes geleistet werden können. Nähme aber die Teilnahme des arbeitenden Volkes an den Museen dann erheblich zu, dann würden auch die Mittel und Wege
Feuilleton.
Der Maler der Reformation.
Zum 350jährigen Todestage Lukas Cranachs des Alteren.
— 16. Oktober. —
Von vr. Franz O. Wöllner.
Wenn man Lukas Cranach den Alteren, dessen 850- lährigen Todestag am 16. Oktober ö. I. nicht nur die Evangelischen allerorten begehen, als den „Maler der Reformation" bezeichnen kann, so heißt das nicht nur, daß der Künstler eine besondere Ehre darin suchte, durch seine Kunst das Werk der Reformation fördern zu helfen, sondern man will damit zugleich auf die einzigartige Stellung Hinweisen, die er persönlich zum Werke der Kirchenerneuerung selbst wie zu den hervorragendsten Trägern und Vertretern derselben einnahm. Denn es hat kaum einen treueren, selbstloseren und hingebenderen Freund Luthers und vor allem des unglücklichen Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen gegeben als Lukas Cranach den Alteren, der, als er vom Kaiser nach der verhängnisvollen Mühlberger Schlacht im Jahre 1647 die Freilassung seines geliebten Landesherrn nicht erlangen konnte, kein Bedenken trug, mit demselben die Beschwerden einer voraussichtlich endlosen Gefangenschaft zu teilen, und auch nach dessen Freilassung im Jahre 1552 nicht von dessen Seite wich, bis der Tod das zarte Freund- schaftSband trennte. Was aber der Künstler Cranach bedeutet, davon legen die zahllosen Gemälde, meist religiösen Charakters, ruhmvolles Zeugnis ab, und ein echter «Cranach" bildet trotz aller anerkannten Mängel — wann wäre Menschenwerk je über solche erhaben gewesen? -- den Stolz jeder Sammlung, die Ehre jedes Gotteshauses. Eranach war in der Tat ein Künstler von Gottes Gnaden, der schon im Elternhause, das in Kronach im Bambcr- - gischen stand, woher sein Name abzuleiten ist — er hieß eigentlich Müller —, vom Vater in dieser edlen Kunst unterwiesen wurde. Er war im Jahre 1472 dort geboren Aäg und Monat seiner Geburt lassen sich nicht genau fest- tzellen (Oktober). Noch ziemlich jnng soll er au den Hof vrs Kurfürsten von Sachsen gekommen fein, den er auch
Freitag, den 16. Oktober.
gefunden werden, noch mehr als bisher zu bieten, Museen zu erstellen, zu erweitern und zu verbessern.
Aber leider sind nicht alle Museumsverwaltungen Mhort worden und es ist keine Frage, daß es in ihnen Personen gibt, welche die Museen nicht als Erholungs- und Bildungsstätte für Arbeiter angesehen wissen wollen. Haben sich doch, wie ein Referent mit großem Bedauern berichtete, schon während der Vorbereitung der Tagung, welche mit Ausstellung von Stücken aus verschiedenen Museen, die geschickt herausgesucht und geordnet waren, verbunden war, Fachleute gefunden, die gegen diese Vorgänge entschieden Front machten. Es wurden Artikel im ,.Tag" und in der „Woche" zitiert, welche es sogar als „unfein" bezeichneten, daß man die Arbeiter in die Museen führe und zu häufigeren Besuchen derselben veranlasse. Auch bei den Verwaltungsbehörden, welche die finan- zielle Seite bearbeiten, dürfte mancherorts das, was man cn Mannheim befürwortete, keinen Anklang finden, wenii auch die anwesenden Bürgermeister durchaus für das Zugänglichmachen der Btuseen für die weiteren Volkskreise ein Herz zeigten.
Für die Fortbildung der Museumsverwaltung im sozialen Sinne sind auch häiifig die oberen Stellen aber die mittleren und unteren Stellen sind es iricht, sei es aus Furcht vor vermehrter Arbeit oder aus Mangel am rechten sozialen Erfassen dessen, was mit der Dkchrarbeit geleistet iind bewirkt werden kann. Wenn der Eisenbahnminister Budde gelegentlich einer Studienreise iin Südwesten seines Arbeitsgebietes vierter Klasse fuhr und dann auf Befragen, warum er das tue, erwiderte: „meine
Assessoren sind zu fein es zu tun, so muß ich es selbst machen, so dürfte das auch bei der Behandlung der Museumsfrage ähnlich sein. Es kann leicht kommen, daß da und dort die Muserimsdiener beit Arbeitern den Besuch der Museen verleiden, während der Direktor mit ganzem Gerzen dafür eintritt, den Arbeitern seine Museen zn offnen und sie für den Genuß im Schauen zu begeistern: aber er kann doch nicht überall selbst sein. Deshalb muß es offen und wiederholt ausgesprochen werden, daß in Mannheim alle Redner warm für den allgemeineren Besuch der Museen durch Arbeiter eintraten und denselben als ein sehr wesentliches Moment nicht nur der Volksbildung ansehen, sondern auch als einen dem Arbeiter gebührenden und von ihm gewürdigten Genuß. m m
«icdaktionS-Fernsprecher No. 82.
1963.
Deutsches Deich.
Die Eidesfrage.
..... Die 75. Jahresversammlung der Rheinisch-West- faliichen Gefängnis-Gesellschast begann am 13 d M in Düsseldorf mit der Beratung der Eidesfrage. Ter 'Berichterstatter, Landgerichtsrat Kulemann aus^Braun- schweig, legte feine v on der geltenden Praxis abweichende
auf einer Reise nach Jerusalem begleitet haben soll. Im Jahre 1504 ließ er sich als dessen Hofmaler in Wittenberg ilieder, und vier Jahre später (1608) ward er in den Adelsstand erhoben, wobei ihm jenes bekannte Wappenschild verliehen wurde, dessen Zeichen uns auf den meisten seiner Bilder begegnet: eine schwarze, geflügelte Schlange auf gelbem Grunde. Im Jahre 1500 unternahm er, ivahrschenilich zu künstlerischen Zwecken, eine Reise nach den Niederlanden, wo er den damals achtjährigen, spateren Kaiser Karl V. malte. Als der Künstler einst im Lager vor Wittenberg weilte, erzählte er dem Kaiser selbst, wie er die Aufmerksamkeit des unruhigen Knaben damals w^rend der Sitzung dadurch gefesselt habe, daß er an der Wand gegenüber einen Pfeil befestigte, an dem Karl eine besondere Freude gefunden habe. Sehr frühzeitig trat Cranach in ein freundschaftliches Verhältnis zn den Vertretern der Reformation, der er sich von An- beginn an mit ganzer Seele zuwvndte. Luther und Melanchthon porträtierte er mit Vorliebe, wohnte dem Verlöbnis des ersteren mit Katharina von Bora an, 13 Juni 1525 im Hause des Stadtschreibers Neichenbach als Zeuge bei und versah bei der Taufe des erstgeborenen Sohnes Luthers, Johannes, des „Hänsichen" der Familie, Patcnstellc. Auch der Stadt hat der Künstler redlich und nach Kräften gedient. Nachdem er im Jahre 1519 zum Ratskämmerer gewählt worden war, wurde er im Jahre 1537 und wieder im Jahre 1540 zum Bürgermeister erkoren, ein Amt, das er bis zum Jahre 1544 bekleidete. Aber einfach und schlicht, wie er nun einmal war, gab Lukas Cranach nicht viel im Äußeren auf diese hohe Ehre: er nannte sich mit Vorliebe „Maler" („Lukas Mahler") und galt auch seinen Mitbürgern und Freunden in erster Lime als solcher. Im Jahre 1520 kaufte er die Apotheke in Wittenberg, die beute als „Cranachhaus" mit Gedenktafel zu den Sehenswürdigkeiten der alten Lutyerstadi gehört. Später richtete er einen Buchladen und eilte Papierhandlung ein. Nach allem, was wir sonst wissen gehörte Cranach zu den reichsten Einwohnern der Stadt' Besaß er doch hier allein vier Häuser und verschiebcm Gehöfte nsw., außerdem in Gotha ein HanS, daö seine Gattin Barbara, geborene Branglier, geerbt hatte, und das Rittergut Wachsdorf bei Wittenberg. Uw so schwerer traf ihn der Schlag, der im Jahre 1547 seinen geliebten
Anschauung in einem fesselnden Vortrag dar. Den Hauptinhalt seiner Darlegung hatte er in 15 Leitsätzen zusammengefaßt, denen wir entnehmen: Das Bedürfnis, den moralischen Zwang durch ein religiöses Moment zu verstärken, ist am geringsten bei gewissenhaften und am Itarksten bei wenig gewissenhaften Menschen; es steht zu der Gewlssenhafffgkeit im umgekehrten Verhältnisse. So wenig sich behaupten läßt, daß nur religiöse Menschen gewissenhaft wären,_ so ist doch jeder religiöse Mensch ge- wissenhaft. Religiosität und Gewissenhaftigkeit stehen in geradem Verhältnis. Daraus folgt: a) bei gewissen
haften Menscl>en ist der Einfluß eines religiösen Eide? am größten, seine Notwendigkeit aber am geringsten: b) bei wenig gewissenhaften Menschen ist die Notwendig- keit, das Defizit des moralischen Zwanges zu ergänzen, am größten, aber die Wirkung des religiösen Moments am geringsten. Notwendigkeit und Wirksamkeit des religiösen Eides stehen im umgekehrten Verhältnis. Der Einfluß des religiösen Moments im Eide ist abhängig von dem Vorhandensein religiösen Empfindens. Er fällt weg, wo dieses fehlt, er stuft sich ab nach dessen Intensität und erreicht bei vielen Menschen eine solche Stärke, daß die Leistung eines Eides in jedem Falle, insbesondere aber dann, wenn es sich um minder wichtige Angelegenheiten handelt oder ihre Erinnerung nicht ganz sicher ist, für sie zur Gswissensqual wird. Infolge hiervon wird unter gleichen Umständen ein stark religiös empfindender Mensch einen Eid nicht leisten, dessen Leistung einem anderen kein Bedenken bereitet. Der religiöse Eid führt deshalb im praktischen Ergebnisse zu einer Benachteiligung stark religiös empfindender Personen. Es ist ein allgemeines psychologisches Gesetz, daß jeder psychische Einfluß mit seiner Wiederholung sich abschwächt. Da der Einfluß des religiösen Moments im Eide psychischer Natur ist, so muß er an Wirkung verlieren, je häufiger er geleistet wird. Vom Standpunkte des religionslosen Staates ist der religiöse Eid ein Übergriff des Staates in ein ihm frem- des Gebiet. Will man an einer religiösen Grundlage des Staates festhalten, so liegt freilich ein solcher Übergriff nicht vor, der Staat ist aber verpflichtet, den Eid fiir staatliche Zwecke nur in so weit zu benutzen, wie hierdurch das religiöse Interesse nicht beeinträchtigt wird. Die heutige massenhafte Verwendung des Eides bedeutet einen Raub an dem Schatze des religiösen Empfindens im Volke, gegen den nicht allein vom kirchlichen und religiösen Standpunkt, sondern ebenso im eigenen Interesse des Staates energisch Einspruch erhoben werden muß.
Die befriedigendste Lösung der Eidesfrage besteht in der Abschaffung des religiösen Eides und seiner Ersetzung durch eine Beteuerungsformel, deren Anwendung im Falle bewußter oder fahrlässiger Verletzung der Wahr- heitspflicht strenge Strafen zur Folge hat. Daneben ist die bewußt unwahre Aussage vor Gericht auch ohne An- wendung dieser Beteuerungsformel unter Strafe zu
Kurfürsten nach der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg der Kurwürde, die bekanntlich nun an Herzog Moritz, den Vertreter der jüngeren albertinischen Linie, überging, und der Freiheit beraubte. Da Cranach auf die Aufforderung des Kaisers, sich eine Gnade auszubitten, die Freilassung seines edlen Landesherrn nicht erwirken konnte, folgte er demselben in die Gefangenschaft und kehrte auch nach dessen Befreiung im Jahre 1552 nicht wieder nach Wittenberg zurück, das zu trübe Erinnerungen für ihn barg, sondern siedelte nach Weimar über, wo der entthronte Kurfürst seine Residenz aufgeschlagen hatte. Hier in Weimar starb der treue Mann am 16. Oktober 1553. Tie Söhne des Kurfürsten setzten ihm einen Denkstein und ließen sein Bildnis in einen Teppich weben. Von seinen Söhnen überlebte ihn, da der ältere, E?hEns Johannes, bereits gestorben war, der jüngere, gleichfalls Lukas mit Slawen, der des Vaters Kunst und die Liebe des Fiirsten erbte. Er war später gleichfalls Bürgermeister von Wittenberg und ist als Lukas Cranach Iahie 1586* in &er Künstlcrwelt bekannt. Er starb im
. Was die Kttnstlertätigkeit Cranachs des Alteren an.
bannen wir zunächst über den außerordentlichen ö rr C ’m - derselbe entfaltete. Nun ist es ja wahr: nicht alle Gemälde, die demselben zugeschriebcn werden, rühren seu'er Hand direkt her. Viele entstammen seinem s.^ex- feiner schule, atmen also seinen Geist und wohl unter ,einer Anleitung und teilweise auch > ifcx seinen .lugen entstanden. Andere wieder gehören öianach dem Jüngeren, seinem Sohne, an, der unter Sri»?«”? dlrileitung und nach dessen Tode in seinem Jeiste weiter wirkte. Da nun in jener Zeit ein aner- ^??"er Dleister sein Künstlerzeichen auch unter Gemälde ctzte, die nicht unmittelbar seinen Händen entstammten iandern etwa nur unter seinen Augen, nach seiner An-' cituiig entstanden, so liegt zutage, daß nicht alle Bilde'- i ,“ r f; erwähnte Küiistlerzeichcii tragen - oft be- mente sich Cranach auch eines aus einem L oder C zusammengesetzten Monogramms als echte Cranache zu ^^'dmen sind. Sie sind dann eben einem der Schüler des Meisters zuzuschreiben. Aber auch dann tragen sie ganz das Cranachsche Gepräge, namentlich die künstlerische Auffas,ung des Kopfes. Denr in der Porträtierung steht
