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w P*« Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlag S« Pf,, monatlich, durch die Poft Z Mk. Ä© Pfg. vrerteljährli«^ für beide

Verlag: Langgaffe 27.

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Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen 15 Pfg.. für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. —

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Abend-Ausgabe.

Die amerikanische Gefahr.

Das alte Wort: „Amerika, du hast es besser wie unser Kontingent, der alte", war in den letzten Jahren wieder recht modern geworden. Die Bewunderung der großen Republik jenseits des Ozeans gehörte gleichsam zum „guten Ton in allen Lebenslagen". Was Amerika tat, war wohlgetan. Die amerikanische Spekulation war maß­gebend für die deutsche Spekulation, und wenn die Herren Morgan. Schwab oder Rockefeller eines ihrer Riesen- unternehmungen ins Werk setzten, welche nicht mehr und nicht weniger als die ganze Welt umspannen sollten, dann galt es als eine fast selbstverständliche Tatsache, daß „unser Korstinent, der alte" jenen trustartigen Unter nehmungen wehrlos gegenüberstehe. So lies neben der Bewunderung für Amerika, welche die amerikanischen Milliardäre gleichsam zu Heroen stempelte und ihnen — oud) in Deutschland — fürstliche Empfänge verschaffte, die Furcht vor Amerika her.

Diese Furcht trat zuerst in der Form der Petroleum­furcht auf. Seit am 2. März 1882 die Standard- Oil-Company, das Werk Rockefellers, begründet wurde, hat die Furcht vor dem Petroleummonopol die Welt unausgesetzt . in Atem gehalten. Als dann in Amerika der S ch i f f s b a u t r u st begründet wurde, als diesem der große Stahltrust mit seinen elf­hundert Millionen Dollar Aktienkapital folgte, da er­ging der Schreckensruf, daß nunmehr dis Industrie der Welt sich der Amerikanisierung nähere. Und als endlich der große S ch i f f ah r ts t ru st durch Morgan ins Leben gerufen wurde, da kannte die Begeisterung auf der einen und die Furcht auf der anderen Seite keine Grenzen mehr. Das Wort „Morganisierung" wurde geprägt und »populär. Was sollte nicht alles morganisiert werden! jDie Industrie, der Dampferverkehr und am Ende gar noch der Eisenbahnverkehr!

Und heute? Wo ist die Begeisterung für und die Furcht vor Amerika geblieben? In Amerika, dem Dorado der Trusts, sind diese in eine unverkennbar rück­läufige Bewegung getreten. Wenn auch ein Teil der Trusts, so der Zuckertrust mit seinen 36% Millionen Dollar, der Gerbertrust mit 60 Millionen, der Baum- wolltrust mit 34, der Bleitrust und der Zigarrenfabriken- krust mit je 30, der Brennerei- und Viehmästungstrust mit 43 Millionen Dollar und noch manche andere be­stehen, wenn auch der Chicagoer Schlachthaustrust 15 Millionen Dollar für „gute Wahlen" ausgeben konnte, wenn auch die Standard-Oil-Company mit ihren 102 Millionen Dollar Aktienkapital noch unerschüttert ist, so sind doch gerade diejenigen Trustunternehmungen, vor denen die Welt mit übergroßer Nervosität gebangt hat, derart ins Wanken geraten, daß ihre Weltrolle endgültig ousgespielt ist.

, Schon als das Petroleumgespenst in der Welt umging, zeigte es sich, daß nirgends, auch nicht in Amerika, die Baume in den Himmel wachsen. Schon die steigende Verwendung von Gas, Acetylen, Elektrizität und Spiri­tus haben dafür Sorge getragen, den amerikanischen Petroleummonopol-Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Ist doch trotz der starken Bevölkerungszunahme bei uns die Einfuhr amerikanischen Petroleums seit 1897 beständig zurückgegangen. Aber hat der Petroleumtrust, wenn er auch sein Ziel eines Weltmonopols nicht erreichte, sich immerhin noch gehalten, so steht es gerade mit den drei Trusts, welche in den letzten Jahren die Amerikafurcht hervorriefen, desto schlimmer. Der von Morgan und Schwab begründete Schiffsbautrust ist elend zusammen­gebrochen und bei dem jetzt eingeleiteten Konkurs sind Schwindeleien von einem so gewaltigen Umfang zutage getreten, wie sie eben nur in Amerika, dem „Lande der unbegrenzten Möglichkeiten", möglich sind.

Der Zusammenbruch des Schiffsbautrustes droht aber bereits den noch viel gewaltigeren Stahltrust, den bei weitem größten der amerikanischen Trusts, mit in den Abgrund zu ziehen. Tie letzte Vierteljahrsdividende be- trug für die gewöhnlichen Stahltrustaktien nur noch %, für die Vorzugsaktien 1%%, und der Kurs der Aktien hat einen solchen Tiefstand erreicht, daß er bereits der Vorbote des nahenden Zusammenbruches zu . sein scheint. Der Schiffahrtstrust aber, der ebenso wie der Stahltrust eine Gründung Rkorgans darstellt, und der in Europa einen geradezu panischen Schrecken hervorgerufen hatte, war eigentlich schon mit dem Tage verkracht, wo er begründet wurde. Eine wesentliche Wirksamkeit hat er nie ausgeübt, und die Ankündigung, daß er die außer- halb des Trusts gebliebenen Schiffahrtsgesellschaften auf­saugen oder vernichten werde, hat sich als hohle Renommisterei erwiesen.

Als wir seiner Zeit, wie die Amerikafurcht umging, ebenso vor dieser Schwarzseherei warnten wie vor der mit ihr Hand in Hand gehenden Begeisterung für Amerika, da predigten wir noch zumeist tauben Ohren. Heute ist die Begeisterung verflogen, und jetzt wird vielleicht auch die Furcht verfliegen. Wird doch bereits berichtet, daß Herr Morgan, dem allerdings seine Trusts einige Milliar- den abgeworfen haben, sich zu Ende des Jahres „vom Geschäft zurückziehen" wolle. Jedenfalls hat der Krach der Trusts in Amerika gezeigt, daß auch in Amerika nur mit Wasser gekocht wird, daß die Welt rund ist und sich drehen muß, und daß auch für den bewundertsten und ge- fürchtetsten Milliardär der Welt das Wort gilt: Heute rot, Morgan tot!"

DA5 ttallenW WnlWaar in Frankreich.

lick. Paris, 16. Oktober. Heute vormittag 9% Uhr begab sich der Präsident der Republik mit Gemahlin nach dem Palais des Miiristeriums des Äußern und holte das italienische Königspaar ab. Alsdann fuhren die Herr­

schaften zusammen nach dem Jnvalidenhotel. Auf der ganzen Strecke, welche der Zug passierte, hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunöen, welche das italie- msche Königspaar lebhaft attlamierte mit den Rufen: Es lebe Italien, es lebe die Königin. Die hohen Herr­schaften bestiegen alsbald nach Ankunft auf dem Bahnhose den bereitsteyenden Sonderzug, der sie nach Versailles brachte, wo sie um 10 Uhr 15 Minuten eintrafcn. Auf dem dortigen Bahnhofe hatte sich der Präfekt des Departe­ments Seine et Oise, der Bürgermeister von Versailles, sowie die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden zur Begrüßung eingefunden. Vom Bahnhofe begaben sich die Herrschaften unter lebhaften Ovationen des Publikums nach dem Schloß, wo das Königspaar das Museum in Augenschein nahm. Um 12 Uhr fand im Schloß ein Dejeuner statt. Die Stadt ist festlich geschmückt.

bck. Paris, 16. Oktober. Nach der Rückkehr aus Ver­sailles dinierte das italienische Königspaar im Ministe­rium des Äußern und wohnte dann der Gala-Vorstellung m der Oper bei, wo das Publikum den hohen Gästen große Ovationen darbrachte. Die Illumination auf den Straßen war wieder eine glänzende. Vor der Oper be­reitete die Menge dem Königspaar begeisterte Kunö- geburwen. Um 11s^ Uhr begab sich das Königspaar in das Ministerium des Äußern zur Ruhe.

wb. Paris, 16. Oktober. Der König nnd die Königin von Italien, sowie Präsident Loubet und Gemahlin trafen gestern cbend 9 Uhr in der Oper ein. Als sie die Loge betraten, intonierte die Musik die italienische Hymne und die Marseillaise, beide von den Anwesenden stehend an- gehort. Die Menschenmenge, die den Platz vor der Oper, den angrenzenden Boulevard und die Straßen füllte, be­reitete den Majestäten stürmische Huldigungen. Die in der Nähe der Oper gelegenen Häuser waren illuminiert.

dck. Berlin, 16. Oktober. König Leopold von Belgien hatte gestern, wie dem „B. L.-A." aus Paris gemeldet wird, im Ministerium des Äußern, dem Absteigequartier König Viktor Emanuels, mit diesem eine Zusammenkunft. König Leopold hatte große Mühe, diese Unterredung zu erlangen. König Viktor erwiderte später den Besuch des Belgier-Königs.

bck. Paris, 16. Oktober. Die Polizei entfernte ge. waltsam eine auf dem Gebäude der Arbeitsbörse gehißte rote Flagge, wogegen die anwesenden Arbeiter protestier­ten, indem sie erklärten, daß die rote Farbe keineswegs eine herausfordernde wäre, da sie bereits vor Loubet, Waldeck-Rouffeau und anderen defiliert sei. Trotzdem wurde die Fahne entfernt, nachdem die Polizei gedroht hatte, die Arbeitsbörse besetzen zu lassen.

bck. Berlin, 16. Oktober. Nach Meldungen aus Mailand fand dort ein großes französisch-italienisches Verbrüderungsfest statt, woran die Spitzen der Behörden, der französische Konsul und Bürger aller Stände teil» nahmen. Es herrschte große Begeisterung. In den Theatern und Konzerten wurde die Marseillaise gespielt und lebhaft beklatscht.

Oie Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(3. Fortsetzung.)

II.

Wie das Münster in Kaltenberg cingeweiht wurde, wie die Sänger sangen, wie der König hoppsa wachte und wie der Frei­herr v. Peitersbroich besonders gnädig angesprochcn wurde. Wie der kranm Welm dem allerhöchsten Herrn den Weg verstellte und dafür zwar nicht den Orden vom schwarzen Hengst, wohl aber ' einen blanken Friedrichsd'or erwischte.

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Im gewaltigen Münster zu Kaltenbergs, der stolzen, «us ihren Trümmern herrlich erstandenen Abteikirche vieler Generationen betriebsamer Cisterziensecmönche, denen längst kein Zahn mehr weh tat, ging es inzwischen feierlich zu. Eine unzählige Schar fesllich gekleideter Menschen stillte die Halle der nach dem Grundplan des Kölner Domes in Kreuzform gebauten dreischiffigen Kirche mit chrem weiten Querschiff. Ein Wald von herrlich gestickten Fahnen all der Gesangs-, Krieger- und Turnvereine, die der Feier beiwohnen durften, Prangte im Glanze seiner Gold- und Seidenstickereien, und seine Farben wetteiferten mit den Blumenguirlanden, die rings die kahlen Mauerflächen schmückten, und mit der Farben­glut der hohen gottschen Fenster. Auf prachtvollem, reich geschnitztem und vergoldetem Sessel, den ein Patrizier einer rheinischen Großstadt für diesen Zweck gestiftet, saß der König behäbig und stattlich, in Generalsuniform: um ihn eine Gruppe von Prinzen des königlichen Hauses, fremde Fürstlichkeiten und Großwürdenträger desStaates, olle mit Orden reich geschmückt und in goldgestickten Uni­formen. ßlber über Geschmückte und Ungeschmückte, über Gerechte und Ungerechte, über alle die Tausende, die da versammelt waren, breitete sich das gedämpfte Licht, das farbig durch die Fenster flutete und seines Zaubers nicht ientbehrte, obgleich der Himmel nock immer sein trübes klntlitz zeigte und die Wolkenschwaden fast bis auf die

hochwaldumkränzten Höhen niederhingen, in denen das Münster enge gebettet lag.

Der Einweihungschor, von dem auch dichterisch tättgen Volksfreunde, dem Freiherrn von Peitersbroich verfaßt, und von einem halben Tausend SängerdÜettanten unter der Leitung des Kapellmeisters Dorn, der den Chor auch komponiert hatte, glanzvoll vorgetragen, war längst ver­hallt und die Festreden gehalten, Chorälen und einem Quartettsolo folgte der gewaltige Schlußchor, und mit sichtlicher Bewegung in den geistvollen, aber etwas weich- lichen Zügen hatte der König den an den Gewölben wider­hallenden letzten Worten gelauscht:

„Drum hoch im Strome der Lieder Des Volkes Dank erschallt,

Das sich gesunden wieder Im Heilyen Säulenwald."

Der König erhob sich, und indes sich das Gotteshaus langsam^entleerte und Verein um Verein mit schräg ge- neigter Fahne durch das Hauptportal ins Freie trat und, indes sich außen lebhafte Debatten entspannen, ob die Vereinsfahnen bei der Spalicrbildung des schlechten Wetters wegen wieder eingerollt paradieren sollten, oder ob man ein Regenschauer riskiere, durchschritt der Monarch mit seineni glänzenden Gefolge die Hallen des Gotteshauses, geführt vom Oberpräsidenten der Provinz und dem Vorsitzenden des Wiederherstellungskomitces, den um die Restauration des Münsters hochverdienten Freiherrn von Peitersbroich. Durch seine Schriften hatte dieser zuerst wieder auf die Bedeutung des verfallenen Kunstdenkmals austnerksam gemacht und seine Wiederher­stellung angeregt. Jetzt spielte der geschichtskundige Freiherr, der neben der stattlichen Gestalt des Herrschers gar zierlich erschien, die Rolle des Erklärers mit vielem Geschick. Hier machte er den hohen Herrn auf ein Grab­mal aufmerksam, das unter sich die Gebeine eines Ahnen des Herrscherhauses barg und deshalb den König doppelt interessierte, dort entzifferte er eine halbverwitterte In- schrift. Jetzt schaute der Monarch mit Kennerblick zum

Gewölbe empor, sich über die kunstvolle Konstruktion des- selben ergehend. . Und während er so langsam weiter­schreitend den Blick nach oöen gerichtet hielt, bemerkte er nicht, daß sich ihm vor einer Tribüne, welche der Krüppel- scheider Gesangverein „Genügsamkeit" einnahm, unver- sehens ein Notenpult entgegenstellte. Der König stolperte über den Fuß des heimtückischen Gegenstandes, da aber sprang der Scherenschleifer Karl Wilhelm Schneppendahl, der „Schneppendahls Karwelm" geheißen, wie eine Gazelle von dem Podium und fing den im Sturz be­griffenen König mit den freundlichen Worten auf: „Hoppsa! Beinahe wären Eure Königliche Gnaden auf die Nase gefallen!"

Fassung deuchte Seiner Majestät nicht gerade schon, aber geistvoll und geistesgegenwärtig, wie er war, erwiderte er huldvoll: „Ich befinde mich unter meinen ge­treuen Untertanen und die lassen, wie ich es eben wieder sah, ihren König nicht fallen."

„Nein, sie würden ihn lieber auf den Händen tragen", erklärte der in der vordersten Reihe der Sänger stehende „eingesteckte Messerreider" Gottlieb Körschken. Und als ihm der König ob solch freundlicher Gesinnung huldvoll zumckte, da verklärte ein stolzes Lächeln das faltige Ge- üA des schlichten Mannes, der bislang im Rufe eines Krakehlcrs und verkappten Demokraten gestanden hatte der aber nunmehr durch das freundliche Zunicken des Königs dauernd für das Vaterland gerettet war. So war das Üble, das Stolpern des Monarchen, jedermann zrir Freude, zum Guten ausgeschlagen. Nur der Hilkers Jupp, der erste Tenor und ob seiner Stimme der Stolz der Kroppelscheider Genügsamkeit, konnte sich einer un- bequemen Empfindung nicht erwehren, und so neigte er sich zum Ohr seines Nachbars und flüsterte: „Tat es kein got Teichen (Zeichen), dat he binoh to Fall gekommen woer Paß ens op, of ech nit Reibt bebaul, (Recht be- halte). Die Geschechte gefällt mer nit, nee, se gefällt mer nit." u 1

Dil bös Geck!" (Narr) cntgegnete der andere, aber