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Dienstag, 14. September ISIS. Kbend-Ausgabe. Ito. 428. . 63. Jahrgang.
Der Entscheidung im Osten entgegen.
[ Die letzten Meldungen der deutschen und russischen .Heeresleitung verdichten die einzelnen Kampfihand- Lungen zu einem klaren Bilde der auf dem östlichen 'Kriegstheater nahe bevorstehenden Entscheidungs- - ; schiacht. Die feindliche Heeresleitung entschloß sich zu girier hartnäckigen Abwehr nahe derjenigen festen ! ^Stellung, dwen Stärke trotz breiter Stromschranken und trotz zahlreicher moderner Festungen dem idsuffchen Ansturm nicht widerstehen konnte. Keine befestigten jWasfenpIätze — mit Ausnahme von Dünaburg — jöienteii zur Verstärkung der neuen Linie. Die notwendige Zeit zur vollwertigen Auffüllung der erlittenen Verluste an Menschenmaterial und Siegeswillen War diesem Entschlüsse nicht förderlich. Der Wechsel sin den leitenden Stellen der oberen Führung trat zu ^unvermittelt ein. Die hierbei notgedrungen entstehen- »den Reibungen in Führung und Bssehlsverbindung 'konnten noch nicht beseitigt sein. So wuchs der neue »operative Gedanke der neuen russischen Heerführer aus einem Boden heraus, der noch nicht hinlänglich beiarbeitet war und es auch nicht sein konnte, als daß eine brauchbare Frucht aus ihm sprießen sollte. Aber die ! Not kannte kein taktffches Gebot. Weiter rückwärts bot sich einem abziehenden russischen Heere erst an den Usern des Dnjepr eine ähnliche Verteidigungsstellung wie an der beinahe festungsarmen Düna und dem N j e m e n mit seinen Zuflüssen. Die an den Mauern der starken Waffenplätze begrabenen Hoffnungen sollten hier wieder neu erwachen- Aber auch dieser letzte Schimmer droht in kurzem zu erlöschen- In der Gabel zwischen Wilija und ihrem nördlichen Zufluß der Swenta rückten deutsche Truppen, letzterem Fluß den Rücken zukehrend, aus nordwestlicher Richtung gegen W i l n a. Wenige Tage zuvor meldeten die Russen harte Kämpfe an den Ufern der Swenta. Die hier kämpfende Garde des Zaren wurde angegriffen und geworfen. Um über den Ernst der Lage sich hinwegzutäuschen, erfand die russische Heeresleitung einen Sieg derselben westlich Dünaburg, wo am 10. September gar keine Kämpfe gewesen waren. Diese grobe Irreführung ist prompt durch unseren Heeresbericht festgenagelt worden. Anscheinend endet bei Wilna der rechte Flügel des Feindes, dem jetzt die derrtsche Umklammerung droht. Die Seenenge zwischen Dünaburg und Wilna sichert unsere eigene Flanke, zumal an der Düna-Festung .die offensive Widerstandskraft derRussen matt gesetzt worden ist. Unsere Erfolge gegen Wilna am 10. und l 1. verdienen hinsichtlich ihrer späteren taktischen Auswirkung die größte Beachtung. Die Einschließung der Festung Dünaburg macht von Westen her gute Fortschritte. Die russische Front an der Meretschemka r. und Kotra erfährt die schicksalsharten Belastungs- vroben unserer schweren Artillerie. Tagaus und tagein werden die starken Stellungen des Gegners an der Selwianka durchbrochen. Jeder siegreiche deutsche ‘ Schritt vorwärts bringt auch die Entscheidung über den letzten Rest der feindlichen Front südlich des Njemen. Die russische Leitung muß sich in Kürze darüber schlüssig werden, ob sie den Userwechsel erst unter der vernich- 6 stenden Wirkung unserer Artillerie Vornahmen will oder bereits ffüher. Trotz ganz außerordentlicher Gelände- 'chwierigkeiten hat die bisher selbständig kämpfende Heeresgruppe des Prinzen von Bayern den Anschluß gefunden an den rechten Flügel des Heeres Hindenburg. s Es kann dies als eine glänzende Leistung operativer f Heeresführung angesprochen werden. Noch vor weni- l gen Tagen kämpfte diese Heeresgruppe mit dem Gesicht nach Osten, bahnte sich dann in nordöstlicher Richtung die Siegesstraße durch das Dickicht des Urwaldes, .das : sumpfige Quellgebiet des Narew, über die bergigen Ufer der Selwianka und zerschnitt am 11. gegen Norden strwend die Bahnlinie Slonim-Wolkowysk. Das Endergebnis dieser tagelang en erfolgreichen
Kämpfe mit einer geschickten Verschiebung der Kräfte besteht nunmehr darin, daß die Heeresgruppen des Generalfeldmarschalls Hindenburg und des Prinzen von Bayern dem erschütterten Gegner in starker, gegossener, halbkreisförmiger GesshtLlinie gegenüberstehen. Zurzeit noch unabhängig von diesen zwei Armsen strebt die Armee Mackensen zwischen Straße Kovrin-Pinsk und Dnjepr-Bug- Kanal über Pinsk dem einzigen Knotenpunkte zu, welcher das noch russische Rowno mit Nord- und Südrußland auf dem Schienenwege verbindet. Das günstige Gesamtbild unserer stratogischsn Lage zeigt noch schärfere Umrisse durch die Ereignisse des 12. September: neue Erfolge .zwischen Friedrichstadt und Jakobftadt. flotte Vorwärtsbewegung nahe an Wilna und endlich die ^Unterbrechung der Bahn nach St- Petersburg, wodurch die Verbindung mit Dünaburg zerschnitten ist. Nördlich .der Dahn Wolkowysb'Slonim [traut der Feind bereits cb, vor der Front der Armee
Mackensen ist die Kraft des Verteidigers gebrochen. So zieht sich der um die Russen gezogene Halbkreis immer mehr zusammen. Die geringen taktischen .Erfolge des Feindes auf der ostgalizifchrn Linie beeinträchtigen in keiner Weise die Gunst unserer Ges-ämtlage. Mehr politische Rücksichten als solche militärischer Art lassen die Russen hier starke Kräfte zusamstnenballen. Nicht hier fällt die Entscheidung, sondern aus dem nördlichen Kriegstheater. Je mehr Kräfte auf dem südlichen gefesselt bleiben, je mehr Mftunrkende fehlen bei dem großen Schlußakt auf dem nördlichen.
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Ruch die Engländer erwarten eine Entscheidungsschlacht.
Die Bedrohung der Russen bei Wilna und an der Düna vpn englischer Seite zugegeben.
W.T.-B. London. 14. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Morning Post" meldet aus Petersburg: Der Erfolg der Deutschen bedroht die russischen Stellungen bei Wilna und an der Düna- Der allgemeine Eindruck ist, daß die Deutschen überall den empfindlichsten Punkt in den russischen Stellungen suchen, um eine entscheidende Schlacht zu liefern. Der Zug der russischen Bewegungen war bisher, dies zu vermeiden. Aber bei der Beschleunigung der Muniftonslieferungen ist es möglich, 'daß die Zeit bald kommt, da die Notwendigkeft dieser Verzog e r u ng s t a k t i k aufhört.
Neue deutsche Truppen ln Rurland.
Rotterdam, 14. Sept. (Zenls. Bln.) „Daily News" melden aus Petersburg: Wie zu erwarten war, machen die Deutschen außerordentliche Anstrengungen, um zu vermeiden, daß die Offensive in russische Hände übergeht. Alle verfügbaren Mannschaften und schweren Geschütze wevden deutscherseits zur Front gebracht. Es ist jetzt eine bedeutende Verstärkung der deutschen Linien zwischen Wilkomir und Uciany festzustellen. An diesem Abschnitt der Front seien drei -bis vier neue deutsche Brigaden ins Feuer geführt worden. Die russischen Truppen hätten sich deshalb nach längerem Kampfe hinter die Sümpfe von Dusjaty zurückgezogen. Die Fortsetzung des Druckes auf diesem Frontabschnitt ist im übrigen auch an der Swenta- Wi s i j a - Fr o n t zu spüren, wo deuffcherseits eine gewaltige artilleristische Bearbeitung der russischen Stellungen vorgenommen wurde, der die Russen jedoch noch standhaften. Auch im Stromgebiet der Memel und im Süden der Front fft der Drang des Gegners sehr stark. Auf der anderen Seite der Memel besitzen die Russen jedoch artilleristisch sehr starke Stellungen, die es bisher ermöglichten, den Vormarsch der feindlichen Truppen zurückzuhalten.
Die Rämpse nördlich des Njemen.
' Der Feind sengt »nd brennt weiter.
Berlin, 14. Sept. (Zeus. Bln.) In einem Bericht des „B. L.-A." zu den Kämpfen nördlich des Njemen heißt es: Die große Schlacht, die anscheinend in ganz sechständige Kämpfe ausgelöst, von nördlich Wilna bis zur P o l j e s s j e im Gange ist, gestaltet sich sowohl in ihren strategischen wie auch taktischen Einzelheiten für uns aus das günstigste. Die voraussichtlich baldige Entscheidung verspricht einen neuerlichen großen Erfolg für unsere Waffen. Die skhtische Kriegsführung, die die Russen in den letzten Tagen angeblich aus Befehl des Zaren aufgegeben hatten, scheint wieder fortgeführt zu werden, denn in den letzten Kämpfen wurden alle an den Rückzugsstraßen gelegenen Ortschaften in Brand gesteckt, die Einwohner weggetrieben. Tie Zahl der Gefangenen wird von Tag zu Tag größer. Die Ausrüstung der Russen, besonders das Schuhzeug, ist in der letzten Zeit merklich schlechter geworden. Trotzdem hält sich der Feind im allgemeinen gut, besonders in der letzten Zeit, too seine Artillerie anscheinend genügend Munition erhalten hat.
Russische Eingeständnisse.
W. T.-B. Petersburg, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Die amtliche Mitteilung des Großen General st abs vom 12. September, 10 Uhr 40 Min. abends, lautet: In der
Gegend von Riga und Friedrich st adt Artilleriefeuer und Zusammenstöße. Gegen die Abteilungen bei Jakob- stadt haben unsere Truppen seit dem 11. September die Offensive ergriffen. Hartnäckige Kämpfe sind am P i k st e r n- flutz im Gange. Auf der Straße gegen Dünaburg auf der westlichen Seite fand am 11. September eine deutsche Offensive nach drei Richtungen statt: 1. zwischen dem Sussiafluß und der Richtung Njemenek — Norden von Suweniski, 2, in der Richtung von Skopinski, 3. auf der Straße Wilkomir-Uciany. In dieser letzteren Richtung zogen sich unsere Truppen infolge hartnäckiger Kämpfe gegen überlegene feindliche Kräfte nach der Gegend des Dnsziatisees zurück. Der Drang der Deutschen, die Verstärkungen erhalten haben, dauert an. Zwischen Swenta und Wilia eröffnete der Feind ebenfalls -ine
energische Offensive längs des rechten Ufers der
Wilia mit allgemeiner Richtung auf den Bahnhof und die Eisenbahnlinie von Podbrodze. Trotz der äußersten Hartnäckigkeit der Deutschen halten unsere Truppen durch ihr Feuer und ihre Gegenangriffe den Feind fortgesetzt im Schach. Auf der Front Orany-Nosty dauern hartnäckige Kämpfe in der Gegend von Skidel, wo der Feind Verstärkungen erhielt, an. Wir nahmen einen Offizier und 101 deuffche Soldaten gefangen und erbeuteten 5 Maschinengewehre. Im Norden dieser Gegend fanden nur unbedeutende Angriffe statt, die wir leicht zurückschlugen. Die Gefangenen sagen aus, daß die Deutschen durch die letzten Kämpfe außerordentlich ermüdet seien. Ihre Verluste in den letzten drei Tagen belaufen sich allein an Toten auf 100 Mann pro Kompagnie.
Auf der vorspringenden Front unserer Armeen am Njemen und südlich dieses Flusses wurde beschlossen, die Front etwas zurückrunehmen, immmchin unter fortgesetztem Widerstand aMn den gegnerffchen Ansturm. Wir waren gezwungen, me stärksten Angriffe des Feindes am. 11. September auszuhalten an der unteren Zelwianka und an der Straße, die nach Slonim und Barrwwitz führt, in den Gegenden von Zelwa und Zoziany sowie südöstlich von Koffow. An der unteren Zelwianka haben wir erbitterte An- griffe der Deutschen am 14. September den ganzen Tag über abgewiesen. Bei Zelwa zerstörte unser Feuer eine feindliche Batterie. Der Gegner entwickelte ein äußerst heftiges Feuer, unter dessen Schutz er Angriffe auf beiden Seiten der Straße bis zum Einbruch der Nacht unternahm. Ans der Straße von Baranowitz lieferte der Feind ebenfalls einen Kampf, unterstützt durch Artillerie schweren Kalibers. Wir nahmen hier ungefähr 40 Österreicher und Deuffche gefangen und erbeuteten 4 Maschinengewehre sowie Munitionswagen. Die Gefechte bei R o z i a n h sind äußerst schwach geworden. In der Richtung von P i n s k keine Veränderungen. Der Feind sucht in der Gegend von Kolky in der Richtung nacht Osten auf beiden Ufern des Sttzr vorzugehen.
In der Gegend von R o w n ö setzte der Gegner, nachdem er Verstärkungen erhalten hatte, seine Offensive in der Gegend von Derajne fort. Wir halten diese Offensive auf. Die Angriffe dauern an in der Gegend von Kr e m en e tz, au den Usern der oberen Gorhnia, jedoch ohne Erfolg für die Österreicher, die beständig mit großen Verlusten zurückgeschlagen werden. Von 200 gefangenen Österreichern kamen 40 freiwillig in unsere Gräben. In der Gegend von Tarno- p o l für uns günstige Kämpfe. Im Norden dieser Stadt machten wir am 11. September 91 Offiziere und 4200 Soldaten, darunter auch D e u t s ch e, zu G e f a n g e u e n, erbeuteten Maschinengewehre und machten auch viele andere Beute. Wir wiesen die Angriffe des Gegners ab, indem wir ibm gewaltige Verluste zufügten, trotz der beträchtlichen Verstärkungen, die die Österreicher erhalten hatten. Der Feind verbreitete auf dieser Seite einen Rauchschleier von zwei Werst Länge. Am Morgen des 12. September gingen unsere Truppen in der Gegend südlich von Tarnopol zur Offensive über. Am Sereth setzten die Österreicher ihren Rückzug fort. In der Gegend von Tlufte gegen den Dnjestr dauerte unsere Verfolgung mit Erfolg an. Wir machten viele Gefangene.
vie nutzlose russische Gegenoffensive am oberen Sereth.
Berlin, 14. Sept. (Zens. Bln.) Die Ruffsen haben! nunmehr, wie dem ,,B. T. berichtet wird, die G e gen - offensive aiulf die ganze S>erethfront ausgedehnt. Vom oberen Sereth brachen sie nördlich Zalesz-cuki mit starken Kräften gegen die mittlere Dnp a vor, wurden aber unter ungewöhnlich schweren Verlusten zurückgeschlagen. Auch im Abschnitt Trembowla ° Strusaw. Mikulincs versuchte der Gegner einen »e«n Vorstoß in die Pantalichasteppe. Dabei gerieten die Angreifer in das konzentrische FSuer deutscher und öfterreichffcb-ungari- scher Artillerie, die furchtbare Verheerungen unter ihnen anrichtete, und gingen in Auflösung hinter den Brückenkopf zurück.
In Erwartung einer deutschen Dffensive in Bessarabien.
W. T.-B. Mailand, 13. Sept. (Nichtamtlich.) »Serok»* meldet: Der Abzug der Bevölkerung aus Bessarabien dauert fort, da sie eine bedeutende deuffche Offensiv erwartet.
Der Raubzug der Rusien im Bezirk vrohi^qcz
W. T.-B. Wien, 13. Sept. (Nichtamtlich.) Aus dcM Kriegspressequartier wird gemeldet: Die aus dem Bezirke
Drohobycz vorliegenden amtlichen Berichte geben ein anschauliches Bild der Unmenschlichkeit, mit der die Russen in diesem! Gebiete gehäuft haben. Diebstahl, Raub, Plünderung raÄ Brandlegung folgten ihren Spüren. Häuser derjenigen Personen, welche geflüchtet waren, fielen regelmäßig der ^Beraubung und Vernichtung anheim. Gegenüber der Bevölkerung. so weit sie sich nicht vollständig in den Dienst des Feindes stellte, verfuhren die Russen in rücksichtslosester und, brutalster Weise. Dort, wo K o s a k e n waren, erging es den! Leuten am schlimmsten, dort waren Raub, Erpressung, Vergewaltigung von Frauen und selbst Mord an der Tagesordnung. So wurden in einer Gemeinde des Bezirkes vor dem Rückzuge der Russen 23 jüdische Einwohner in bestialischer Weise getötet. Für Diebstahl und Raub fanden die rrrssischsr.
