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(22. Fortsetzung.)

Gva Leoni.

Roman von Marie Bernhard.

Einräumen war ich unter dem Beistände des M M S mn Mädchens bald fertig, sie ging, und ich mIn-ü ar^' auf Em der seidenüberzogenen Sessel meines Wahnrrmmers sitzend, — die Polster waren glatt

Auleb-nÄ^ck,?^ ^dlefyne steil, so daß an ein bequemes Anichnen nicht zu denken war! — ließ ich meine Blicke langsam rm Kreise umhergehen, suchend und traurig, —

MihTl?n£%%? n tü 9e§ traurig suchte, mit dem inZf 1 ' SSoT ff e f 1 ^ i ' nichts zu finden. Ich war so sehr in ^ U ^ES e sanken, emgesponnen, daß ich die be- ^f$& tni>€ "Maß "lid erschrocken zusammenfuhr, “}! i In .“ mich daran zu mahnen. Mr war es,

M Mädchen mein Reisetleid, das ich noch nicht ab- S^gt hatte, mit, emem fragenden Blick streifte, — allein

ItS “ n6 ^ ^ Ein« ffln.6.

.. Sie saß, eine Stickerei im Schoß, aufrecbt und ^chlehnigen Polswrstuhl nahe bem Bertram war in ihrer Nähe, ebenfalls mrt einer Handarbeit beschäftigt. J

We von mir festgesetzte Zeit versäumt, Eva, und mußtest, gerufen werden, — das darf nicht wieder SSS" Enem Hause muß alles auf die Minute

Kind ^ nd9te Zeigend den Kopf wie ein gescholtenes

9 tchM, — du bist noch in Reisetoilette?" teste klare Strme fort. „Weißt du so wenig von denu was sich ziemt, was du mir, als einer älteren S* 11 « bist daß du eine so selbstverständliche Tatsache außer acht lassen konntest? Feines Beobachten der Form, unausgesetztes Bemühen, keine der Anforderun- die Takt und gute Sitte uns vorschreiben, zu ver- bK Kennzeichen eines wahrhaft gebildeten . und wenn ich dir auf der Reise mancher- ler hmgehen ließ geschah es zum Teil aus Rücksicht auf t U . n f„ Um ^ CT ^” tEiden Personen zum Teil auch in der bestimmten Voraussetzung, daß manche Ungebunden- deinem Benehmen in meinem Hause von selbst fortfallen würde; daß dies unbedingt geschehe, ist mein unumstößlicher Wille, — merke esdi?'" - ' '

m,«?^^rmelte völlig eingeschüchtert, eine Entschuldi- der^Hmd^ Großmutter winkte mir abwehrend mit

,,, 'i^bas für jetzt, Eva, ich hoffe, nicht zu bald Gmnd zu neuem Tadel zu ftnden. Setze dich — hier mir gegen- über — und nimm von mir den Plan deiner Tages-

^bgegen,.-- Du kannst dir vielleicht", fuhr

he fort, „trotz deiner oberflächlichen Kenntnis meines Wesens, vorstellen, daß ich diesen Plan nach reiflicher Überlegung, mit Hinzuziehung meiner gesamten Er- f tr v Ben von dem Wunsche, in jeder Weise meme Pflicht an dir zu tun, ausgearbeitet habe. Junge

Leute pflegen, mit der Zeit sehr verschwenderisch umzu gehen und keine Ahnung von regelmäßiger Tages-Ein wüung zu haben. In deinem Pensionat hat man euch Muhe, natürlich überhoben, obschon nicht in einer iv^lche sich meines vollen Beifalls zu erfreum gehabt HE, dffs kann ich dir jetzt, da du aus dem Institut Aeschreden bist, immerhin bekennen. Indessen, — Pen iwnate sind ja anerkanntermaßen nichts weiter als Not- bchelfe und als solcher Notbehelf war Madame Bellemonts

M™..’® 1 ® noch eine der besten,-— in jedem

Falle bist du zu jung und unerfahren, um selbst die Ms- r?Utwn über deine Beschäftigungen zu übernehmen, und uh hoffe, mr wirst mir danken, wenn ich dies für dich aus- fuhm. ,ch halte dich für intelligent genug, um zil be­greifen, daß dir,„da, du einiges gelernt hast, unendlich viel zu lernen noch übrig bleibt. — Der strebsame Mensch lernt fern ganzes Leben hindurch, ich selbst bin unablässig bemüht,, meine Kenntnisse nach verschiedenen Richtungen zu erweiteni, denn die heutige Mädchenbildung mit ihrer oush^lchsvollen, pomphaften Außenseite und ihrer inneren Halbheit oder gar Leere ist mir ein Greuel, und ich sehe es als meine besondere Aufgabe an, dich davor zu be­wahren. ^ch habe, nach vielem Nachsinnen, schriftlich ein Programm aufgesetzt, welches streng und pünktlich von drr befolgt werden wird. Hier ist es!"

. Meine Großmutter nahm von dem neben chr stehen den Schreibtisch ein zusammengefaltetes Blatt, das sie langsam auseinandernahm,

„Du wirst im Sommer um halb sieben Uhr geweckt werden, Eva, — ich nehme an, daß du nach einigen Tagen von sjllbst zu der angegebenen Zeit erwachen wirst, da das ediglich Sache der Gewohnheit ist; im Winter wird sieben Uhr die stunde des Aufstehens feiu. Zur Toilette muß V'ne halbe Stunde genügen. Da erfahrungsmäßig der menschliche Geist nach der Nachtrrlhe am frischesteil und am nieisten befähigt ist, ernste Studien zu betreiben, so wirst du die Stunde von sieben bis acht Uhr, im Winter bis, achtemhM. zur Lektüre philosophischer und psycho Logischer Werke, wie sie deineil Jahren und deiireni Ver- standnis angemessen sind, verwendeii. Währmd des Früh- stucks, das du bei mir einnimmst und zu welchem du noch tn ^/^.toilette ersck-einen darfst, wirst du mir über die ßsovvte Lektüre, die mir genau bekannt ist, d« ich selbst die Bücher für dich ausgewählt habe, Bericht erstatten, 'v da nn eine stunde lang Frau Bertram in einigen häus- lichen Anordnungen beistehen, damit du dir auch auf diesem Gebiete Einblick und einige Kenntnisse erwirbst In einer werteren halben Stunde hast du Toilette für den Tag zu machen und bei mir zum Gabelfrühstück zu er- ^nen, sodann folgt eine wissenschaftliche Stunde — ich lbe festgestellt,, daß deine. englische Aussprache noch mangelhaft ist, im Italienischen bist du Anfängerin, und Keiintnisse rn Literatur, Geschichte und Kunst­geschichte bedürfen ohne Zweifel bedeutender Ergänzung Zu diesen Lektionen habe ich zwei der besten Lehrer die Dresden aufzuweisen hat, erwählt. Beide wohnen'nur wenige Straßen von hier entfernt, der Diener wird dich fedesmal dorthin begleiten und wieder abholen' Mal- iind Handarbeitsunterricht wird später dazukommm Nach ei,ngenommenem„Diner hast du mehrere Stunden frei, um die Aufgaben für die eben erwähnten wissenschaftliche Stunden sorgsam zu ferftgen und etwas Lektüre die ich

selbstverständlich für, dich auswähle, zu betreiben,--

unbeaufsichtigte Lektüre junger Mädchen hat schon oft um endlichen Schaden gestiftet, es ist hier die äußerste Acht- sanikeit geboten, und müßten sorglose Mütter oder Er­zieher, die in dieser Hinsicht nachlässig sind, auf das strengste bestraft werden. Du hast dich zu erinnern, Eva, Nicht etwa gedankenlos in das Buch zu starren, sondern dir strenge Rechenschaft von dem Gelesenen zu geben, die gehabten Eindrücke zu ordnen und danach zu trachten, sie in klarer, übersichtlicher Weise schriftlich oder mündlich zu Darstellung zu bringen. Dies verlange ich von dir, es ist eine vortreffliche Schulung des Geistes, und die Auf» gäbe wird dir vielleicht nicht verringert durch den Um­stand, daß ich mit den Werken, welche ich zu deinen Less­studien bestimmt habe, sehr vertraut bin, michin genau zu beurteilen vermag, ob dir gut aufgemerkt hast und inft Vorteil liesest. Daß, die Klassiker, deren Behandlung in den Schulen und Mädchenpeirsionaten bekanntlich äußerst oberflächlich und diletantisch zu sein Pflegt, eine große Hauptrolle bei deiner Lektüre spielen werden, versteht sich von selbst! — Gegen sechs Uhr etwa wirst du entweder mrt mir oder mit Frau Bertram eine Spazierfahrt oder eure weitere Promenade machen; zuweilen dürfte es sich mich fügen, daß du ins Schauspielhaus gehst, — die Oper oder Konzerte gestatte ich dir nicht! — im übrigen wirst du die Zeit bis zum Abendessen bei mir mit einer Hand- arbert, die ich dir besorgen werde, zubringen, um eben dann die Resultate, deiner Studien mit mir durchzu­sprechen. Einmal in jeder Woche versammeln sich einige Damen meines Uingangs bei mir, um Kurten zu spielen, — du hast alsdann anwesend zu sein, den Tee zu be- reiten und aus der geführten Unterhaltung denjenigen Nutzen für dich zu ziehen, der sich der Jugend stets.im Verkehr mit gereiften, wahrhaft gebildeten Persönlichkeiten Inetet. Ob sich allmählich ein Umgang für dich mit jungen Damen deines Alters finden läßt, bleibt der Zeit über- lassen. Hoffentlich bin ich dir in «reinen Auseinander-

setzungen ganz klar geblieben, Eva-oder wüßtest du

noch irgend etwas, was du mich zu fragerr hättest?"

Nein, — ich hätte nichts zu fragen. Ich fühlte, daß rch, erbarmungslos gefangen und geknebelt, meiner Frei­heit, za rneiner Gedanken fortan beraubt war, und diese Gewißheit fiel mit einer so furchtbaren Wucht auf meine L-eele, daß sie mich vollständig niederwarf. — Ich hatte keinen Sinn dafür, wie viel in dem, was meine Groß­mutter mir soeben auseinandergesetzt hatte. Richtiges und Wahres lag, — ich hatte kein Verständnis für das, was m ihren Absichten für mich doch vielleicht Gutes und Nutz- bringendes fein konnte; .... wie ein armer, kleiner Vogel kam ich mir vor, dem man die vergoldeten Stäbe stmes Käfigs nach hier und dort und überall mit feinen Drahtgeflechten vergittert, damit er nur ja keinen Atem- Zug frischer Luft, keinen freien Flügelschlag, kein nach so kurzes Aufflattern mehr zu kosten bekäme. Ich rang nach uttr war's, als müßte ich ersticken, meine bebenden Hände hielt rch krampfhaft im Schoß gefaltet, ich wagte die Augen nicht aufzuschlagen, es war so still im Zimmer, daß ich meinen eigenen Herzschlag zii hören meinte. Sollte ich, mich empören, wie damals im Pensionat? Was tl'urde es mir helfen? Ich hatte es ja tausendmal schon disnhdacht; ich war machtlos, rind sie hatte Gewalt über mich, Gewalt! Wie ich das Wort haßte! (Forts, folgt.)

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