61. Jahrgang,
® r f4eint in zwei Ausgaben. — BezuaS-DrekS' W »"«Kt ^ dfg. m-»°tttch, dukch di«
Verlag: Langgaffe 27 .
Ameigen-Prei-,
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Morgen-Ausgabe.
EitsWtzW unrdjulöiß UktziMr.
Berlin. 9. Oktober.
~ Miges Blatt verbreitet die Meldung, die hessische Regierung habe dem Bundesrat einen Gesetzentwurf betreffend die Entschädigung unschuldig verhafteter Per- Men, vorgelegt, und der Bundesrat werde voraussichtlich W? n m allernächster Zeit zu denr Entwurf Stellung ?ZEn Die erste Halste dieser Dkeldimg hat netto ein halbe-, ^ahr zu spat das Licht der Welt erblickt: was die zweite Hallte rer Meldung aubetrifft, io wäre es sehr wünschenswert, daß, sie sich zuverlässiger als bi „beffere Halste erwiese. Bereits im März dieses Jahres ISrim Landtag der Justizmiiiister die Mit-
daß die hessische Negierung, entsprechend cmem von den beiden hessischen Kammern geäußerten Beilangen, einen Geietzeiitwurf über die Entschädigung unfchuldig Verhafteter im Buudesrat eingebracht habe ^ Laß dieser Entwurf einem der Ausschüsse des BundI' rats ubertvieien worden sei.
rnt Gesetzentwurf ist also dem Bmrdes-
iat nicht erst setzt überwiesen worden, sondern er liegt chm mindestens cm halbes Jahr vor. Hoffentlich be- ^^ilstens der zweite Teil der Meldung, Bundesmt schon in allernächster Zeit zu dem Stellung nehnwn will, und hoffentlich.mtspricht dem oft geäußerten Willen des m^ch-^tags, der hierin wohl nahezu das gesamte.deutsche Volt hinter sich hat. Jedenfalls ist es ga!z auß§
iaa^mk dresbezuglicher Gesetzentwurf im Reichs-
tag mit Sicherheit wenn nicht auf einstimmige, so doch mst^ustlmmige Aniiahme rechnen könnte. Rerr^tag hat das Verlangen nach einer Ent- unfchuldig Verhafteter in Verbindung mit der Entschädigung der linfchutdig Verurtellten wiederbolt zum Ausdruck gebracht. Als das Gesetz vom 20 Mai 1898 betreffend die ,Entschädigung unschuldig Verurteilter nach R^ffu Kampfen zustande kam, hatte der Reichstag, der ^ lwhorchend nicht dem eignen Trieb, d. h. um das Gesetz nicht scheitern zu lassen, auf die gleichzeitche ^?elung der Entschädigung für unschuldig erlittene Um wchchuiigshast Verzicht geleistet, aber das Verlangen mch einer spateren Regelirng dieser Frage mit all« Entfchiedenheit zum Ausdruck gebracht.
Arrests bei der Kommissionsberatimg des Gesetzent 2 betvchfmd die Entschädigung unschuldig Vvr urtellter wurde eine vom Abgeordneten Beckh-Koburg be-
scknum? m^^ution zugunsten der Entschädigung un« 22^Mär??898^ ^^timmig angenommen, und am lutiou A08 ?imnite auch dos Plemim dieser Reso- ’rc öamt äm 20. Mai 1898 das Gesetz
Entschädigung unschuldig Verurteilter in Kraft SSf" ^ befaßte sich der Reickfstag üu fchgenA ?£L l bcr Frage Entschädigung un«
Verhafteter und nahni am 23. Februar 1899
Von wÄÄ ai Resolution mit großer Mehrheit an.
aller Parteien, wurde damals die Berechtigung bZ^Fo^ung grundsätzlich zugegeben, und die von
E ! aeIt ™ b ^ ailßt ' f > ten Bedenken betrafen le fmanzielle Seite zener Maßnahme.
dann E 4 Februar 1901, machte als
Dann der Staatssekretär des Reichsjustizamts Lerr dem Reichstage die Mitteilung, daß^der habe, den bezüglichen Anträgeri des Relässtags keine Folge zil geben. Es verstelle fitfi «w ganj bon frf&ft, so erklärte der Staatssekretär ^daß ^weim pbe«rat erneii solc^ii Beschluß gefaßt habck dies in als. zur Zeit sei der Bundesrat nicht
ln der Lage, sich naher mit der Socke zu befassen- die gegenwärtigen Vorarbeiten genügten chm nicht um m emer gesetzten Regelung zu gelangen ^ ^
des^.^Ee Ernwand inuß jedenfalls, nachdem unter« s- zwei und emholb Jahre vergangen sind
^dfgt gelten, um so mehr, da über die
ÄPSSÄMä -Ä- ÄB.»» -°
Iur jSnlftnnfrnjt.
L. Berlin, io. Oktober
Feuilleton.
Berliner Stimmungsbilder.
Von Pani Lindenberg.
- btt Unmögttchkeite« - Nachklänge der Wagncr.Feier.
lnnoV ,me Sct ‘ in! - «i«Lerkra»c-n-
'^Mitbriirf.r ~o 20 .® *«!•"»<« >« einer Stunde. — Der
s drucker. — Rene Laliqnes Goldschinicdcarbeitrn. — Dek»- rativc Bühnenkunst.
Rlit einem vielgebrauchten Schlagwort spricht man äftLr!?* 1 \?° n ^tnerika als dem Lande der unbegrenzten als kann mit dem gleichen Recht Berlin
als die Stadt der unLegrenzten Unmöglich-
t r n bezeichnen, öenn was sich ln jüngster 'Reit bier Gebieten ereignet hat/es ist j$£ £$ Of.J i wie mau in dem sogenannten Heim der
Intelligenz zu sagen pflegt. Die Tage der Wagner- imp 1 et - tCn wir ja nun glücklich hinter
f*r ö “ uut etne Kette von Blamagen jeder Art, die MÜießlich Loch mehr oder minder auf Berlin als den Schauplatz dieser „Feierlichkeiten" zurückfallen. Als vor lugen Wochen das Festkomitee cinlenkte und verkün- °ere, baß der internationale Musiker-Kongreß aufge- 1 loben — in diesem Falle wohl aufgehoben — worden wi, da hoffte man, daß die an der Spitze stehenden Scanner auch andere scharfgerügte Programmsünöen noch v Ie J ter stunde beseitigen würden, in der Presse hörten ie uiigriffe auf, und selbst unter den leidenschaftlichen Gegnern der gesamten Veranstaltung zeigte sich eine ver- whnliche Stimmung, man wollte aus Rücksicht auf das findenken des großen Meisters und seiner Angehörigen >eoen Mißton vermeiden. Nun, für den letzteren — ach. wcrm's doch bloß einer gewesen wäre! — sorgte das Komitee; bei den verschiedenen musikalischen und geselli- Zen Veranstaltungen fragte man sich immer wieder: „Ist oenn so etwas nur denkbar in einer Weltstadt wie Berlin, «ne solche Ansammlung von Dilettantismus, Ungchörig- und Nngeschtcklichkciten, von groben Berstößcn in jeglicher vinstcht'?" Ach ja, hier ist vieles denkbar! Aber recht — uiigcmütlich mag doch zuweilen unseren Prinzen,
-iiMistern, hohen Beamten und sonstigen Männern von Ruf und Ansehen, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht fernhalten konnten, das „Mitfeiern" geworden sein.
Z v rootu raum noch ae
hfrü? 1 kann, nachbem die EntschädigunaK-
pfücht für unschuldig Verurteilte durch das Gesetz an- eEnnt worden ist Denn alle Gründe, welch?K die SÄ“"! ßini * r Entschädigung an unschuWg V?u!k Iprecheu nicht minder für die Gmährung Entschädigung an unschuldig Verhaftete. S drm verliert _ und wirtschaftlich aufs schtverfte MfährdÄ oder geschädigt wird, weil er unschuldig in Strafhaft oder linschuldrg in Untersuchungshaft saß das ist dem, „wem es zust passieret", herzlich gleichgültig
"sich über die EinMheiten dieser Frage wird fr? 1 ? 9 M erzielen sein. So wird es ^^chnet werden müssen, daß eine solche Entschädigung m den Fällen nicht gewährt werdm ^nn. m .deiien der Verhaftete seine Verhaftung sechst verjchirldet hat, sei es, weil er sich dem Straiveriwii-oi? zu entziehen, Spuren der Tat zu veriüchten HZ
*»11»,« m fatften
Ehr- Jedenfalls wird man e-^ar2 durfe-i, daß dem neuen Reichstag endlich der Z S forderte und lang erwartete Gesetzentwurf £1
lediglich qjne Pflicht der Gerechllgkeft ^
Dr. jur. I».
ihnen, die sonst so streng über gesellsämitlickie ReisM,-,' urteilen und jedes unberufene Bvrdrängen mißbilliaen ner/a.7a^»t a/s die Geschichte zu eS mÄ u7d nicht wieder!" stillen Schwur: „Einmal
»^.dlber eventuell bringt uns dies sonderbarste aller Feste doch einen Gewinn: e i n e g > t e K o ,» ö die m welcher Eitelkeit und Uberhebung mit all ihr"n m rk- wurdigen Begleiterscheinungen und Folgen die erwünschte
Ä? "--.mZillch «tn'ÄS
lhn sich Suserw<rnn in seinem „S-turmgefellen L-okrates" gewühlt, mit welchem Werk er einen argen dramatischen Mißgriff beganaen NNs leicht tut's ihm heute schon selbst leid daß e? die Men
abe?w? s CV/ in &er Verurteilung seines Stückes „verrohte" Krtttter ihn Vorgehen als bestimmte
Und zu einer Satire kann Berlin noch mit einem anderen Thema dienen — leider, wie jeder beschämt bin- zusetzen muß, der cs mit unserer Stadt, mit deren mora- llschen Verpflichtungen der Einwohnerschaft gegenüber hät £rP» a e i e ” md> aufiCrt ln» gut meint. "Bisher
behe?äat- ÄT's,"“ 1 nKnt ° &aS Christusmort ifsyerzigt. „Lastet die Kindlein zu mir kommen"- iiimoi
üiei^^ erkrankten und aufmerksamer Pflege bedürftigen war derart schlecht gesorgt, daß sich unter Füh' rung Rudolf Virchows eine Anzahl Berliner Vttraer »^lnte und aus Privatmitteln das Kaiser- und Kaiserin - Friedrich - K i n d e r k r a n k e n Haus ms Leben rief; welches die segensreichste Tätio «L,«5 d-». Mangel
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«/-.i schnell erschöpft wurden, und man sich entschlob die Anstalt der Stadt zu überlassen, notabene als Geschenk wa.> gern aiigeuvmmcn wurde. Seit langem reichen Verfügung stehendcn 2 S 0 Krankenbetten nicht mehr aus, und ist eine Erweiterung des Hospitals singendste geboten, wofür 850 »00 M " vom Magistrat gefordert wurden, der dies Ansuchen ablelmte
der Stab Olle ck»eiti?"s"Ertiüe schlechte Finanzlage
der Stabt. Gleichzeitig aber empfiehlt unsere Stadtver
.,^6 gemeinsame Mion Österreich-Ungarns und Ruß. landx' zur Herstellung der Ordnung in Makedonien darf auf den erwarteten Erfolg rechneii. Es leiat iick mit
M?ste ^ bi £i »ukständige Bewegung in dem
rn dem dre bulgarischen Machchaber sich davon haben uberzerigen müssen, daß sie auf die Unter-
E^Iews ttck. im Kriegsfälle nicht rechnen dürfen. ~> svigt sich ferner, daß es klug lind geschickt war wenn n den Vereinbarungen^ von Mürzsteg von der Er- weltening des makedonischen Reformprogramms abae- und der Pforte wie Bulgarien wiederholt einae» scharst wurde, gerade dies schon vereinbarte Reform-
Die"^Berständiauma durchgeführt Norden.
mstE^O^^kandigung -der beiden zunackfst interessiei-tev
Machte und die Wirkung, mit der sie sich in befriediaende »it ackfen umletzt, können nach verschiedeiien wickitinon,
5 &„ 3“»^l «Mrint ä tanfis
oaB ine -Mion ohiw etne nennenswerte Einmischuna der
lVntsck^ ^5°^dkste vor sich gchm kann. -Wenn die deutfche und die italienische Politik ihre Stelluna io- glefch neben Osterreich-Ungarii iind Rußland Si und fKgehalten haben, so erklärt sich das nicht E aZ Buudnisverhältnis beider KaAnette zum "C?
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können. Was aber die Westmächte anbekanat so Wen ^ «men Augenblick, als wollte Frankreich zusammM E England- einen besonderen Weg einschlagen und die Ltaatsmanner der Republik hätten sich vermutlüd auch nicht ^urch ihre Beziehungen nach Petersburg bin von einer Souderaktion oder von der Empfeblunn rfriw
l ¥' Enn sich in SoÄSffifeK Neigung zu derarftgen Versuchen aezoiat bäiw d,° in«-- Regi«ni„,sw«lt ift 1L» ofje£ ^llleng, ihre häuslichen Sorgen noch dm-ck em starker^ Engagement nach außen hin zu vermehrm ^^geglichenen Gegensätze wirtschaftspolitischer sPrrffrm andren Überwindung England, Staat We ^?ch/vvl!e wird arbeiten müssen, nchmen dis Kräfte dort offenbar dermaßen in Aiisvr M m
fn» ist. in S-ch-n d-r LZift Kr«k ftL gelas en zu werden. Endlich ÖsterWck, ^
Rußland selbst: Es ist Amfalls We bLtL S*
scheiming, daß das Donaureich in demselben Augenblick wo von inneren Erschütterungen schwerster" Natur
vrbuctcn-Versammlung dem Magistrat bt-
WnfftT.f m o . a » cr . a n0ftItcfj vermieden wirb. Bloß bcr
»ft «äs« üaas
s«ää aas?, a
rr\ //SStc retmt sich öas zusammen?!"
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reicht die lockende Elbestadt in etnms mebr^ L. "" frohsinnige Colonia in drei Stunden von Beru»'"^' „Adieu, Kinder, woll'n uns 'nen bilutieu ,v» e « 1 n ölt8 ' fl«n ,„ )t „nd ,te«
wer weiß, ob das nicht binnen wentae»
Scherz mehr ist! Haben dock die kür lick äS" fCilt ne» elektrischen Schnei lfa l r t e u '"''"»onnne- Wagcns auf der nahen Militärbahnstrecke MaRenfeGe- Zi ssen ergeben, daß man in einer Stunde 200 o i r n ».Ct.r nmuirn,,, mm „, m $"slZ Ml r °:
