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N»* 4 « 5* Morgen-Attsgaüe.
Sonntag» den 11. Oktober.
81. Jahrgang. 1Z0A.
boS ift; bie Ungeduld nach dem Glück |f» «, Wntcr Nch haben. Maeterlinck.
(21. Fortsetzung.)
Eva Keom.
Roman von Marie Bernhard.
kam der Nachmittag, mit ihm fo öteI ru denken, ich war so jS f^smJl Ü0S i? Einern Innern, daß die Trauer Eden Mchwd nicht recht m den Vordergrund trat ^^mich tm stillen: was wird das neue rtikm ^J? n £f" ? r+ UnÖ überttinchte ich mein Los nis^ ^ ^ altgewohnten, lrebgewordenen Verhält
sn ^- a ^ k>er Wagen nun vorsuhr, der uns nach
fmT%^ n rt een I 0l ^ e ' ^ un ^ er Gepäck aufgeladen wurde ÜÄ- m den Vorgarten vor die Tür traten,
kE. derselben Stelle, wo ich Susi zum ersten Male gesehen hatte, — als Madame Bellemont mich in ihre Arme nchm und mir bewegt zuflüsterte: „Gott sei mit ^chnen, Eva! und meine Gefährten sich um mich drängle' rlri“ l ntr A u Mute, als bräche mir das Herz sich die Pforte meiner frohen, hariiilosen Irgend unwiderruflich und für immer hinter mir zu ^ch klammerte mich an, Susi, ich wollte, ich konnte sie nicht w?+Ü' ^ a W rmch wieder, immer wieder und der-
^ 1t0 w' i inr r.^ ro ^ öuzusprechen, aber ihre ^ 9 umflort, ihr lieblicher Mund zuckte und Uber den Sonnenaugen lag es wie Nebel. Warum ach
Äenwar?^ ^ ^ Wei6ett ' mo ich so glücklich
„Komm' fetzt, Eva, — es ist die höchste Zeit!" Meine Großmutter, die bereits mit Frau Hannah im Wagm Zl M fr E Mit ihrer kalten, festen Stimme zu?—
r&e Lu et ^ Blm3 9m9 ich die Sülsen der lieben, ttmndlichen Villa hinunter — zum letzten Mal! — und sneg in den Wagen.
storrh^ h??» 2 I° 9m , an \ im purpurnen Mendlichi -standen dw Berghaupter und Purpurschein fiel auch auf ott he G-ütaltmi die tucherschwenkend, händewin^nd, Meinend und lächelnd in den offenen Türen, auf den Gtuf«: der Treppe standen Laßt mich noch einmal zurück- schauen — noch einmal! Vorüber, — vorüber!
VII.
ßw^If e kein irgendwie nennenswertes
Ereignw mst sich; wir hatten gutes Wetter, stiegen in tfÜ' ^ganten Hotels ab, reisten sehr bequem und m Stuttgart und Karlsruhe, wo ,5 9efte k ® m nennenswertes Ereignis wäre es diesen, wenn ich meiner Großmutter auf irgend eine N «8» 9 ^ r 1r w°re, — das war aber nicht der WwLi-^i-^ 2 ?^erung stattfinden, so mußte diese selbstverständlich von chr ausgchm, - aber es wurde
SöSifft ^such gemacht, ein anderes, wärmeres Verhältnis Herbeizufuhren. Sie hatte eine gewisse, kühle Freundlichkeit mir gegenüber, ich war sehr höflich und
?£K™ me s\ 0( ; 9 ^ ^ ^ war, als hätten wir uns beide süllMueigeiid das Wort gegeben, einander nicht zu reizen, ^rsichttgall^m.vermeiden, was eine ernstlicheSpannung
herbeifichwn könnte. Ich sprach nie von meiner Musik, ich tat keine unbefugten Fragen über die Vergangenheit und meine Eltern, zeigte keine unziemliche Neugier in hzug auf meine Zukunft und mein Leben in ihrem Hause und bemühte mich, ruhig und sicher in meinem Benehmen zu sein, wenn ich auch meiner Susi unnach- ahmliches . Talent nicht besaß. Als wolle meine Großmutter mich stillschweigend für den Zwang, den ich mir airferlegte,^ entschädigen, kaufte sie mir unterwegs allerlei hübsche Relseerinnerungen, machte mich auf diese und jene Sehenswürdigkeit anfnierksam, lobte Susi und fragte nach ihrem bisherigen Leben, ihren Verwandten, worauf ich mit einiger Zurückhaltung antwortete, — kurz, es bestand eine Art von Waffenstillstand zwischen uns, aber ich konnte nicht umhin, zuweflen zu denken, dies könne ebenso gut die Ruhe nach dem gehabten Sturm, als die Vorbereitung auf einen bevorstehenden sein. Wir sprachen manchmal ziemlich lebhaft miteinander, dann wieder kamen Stunden, in denen wir kein einziges Wort wechselten.
Frau Hannah Bertram, die so rasch meine Sympathie gewonnen hatte, wäre ich gern vertraulich begegnet, wenn unser Reiseleben dies gestattet hätte; in ihren großen, hellblauen Augen, die oft auf mir ruhten, lag so viel echte Herzensgute; alles, was sie sprach, war so klar und wahr, zeigte einen geradezu, prakttschen Verstand und viel Ge- müt und Zartgefühl, — vor allen: aber, sie hatte meine Mutter als kleines Kind gekannt, sie hatte sie aufziehen Helsen und lieb gehabt, — tausend Fragen brannten mtt aus der Seele, täglich, ja stündlich wuchs mein leiden schriftliches Verlangen, näheres über jene vergangene Zeit zu hören, ich konnte es kaum erwarten, endlich, endlich einmal mit Frau Bertram allein zu sein. So lange wir unterwegs waren, konnte mir abch dieser großeWunsch nicht erfüllt werden. Im Eisenbahncoupä waren wir nie ohne meine Großmutter und fremde Menschen; in den Hotels hatten wir jede für uns ein Schlafzimmer, sowie einen geineinschaftlichen Salon, und Frau Hannah logierte stets neben meiner Großmutter, der sie beim An- und Auskleiden behilflich war und alle Reiseangelegenheiten, wie Rechnungen bezahlen, Wagen bestellen und der- gleichen, abnahm; es war halb die Stellung einek Untergebenen, halb die einer Verttmrten, welche Frau Bertram einnahm, —• jedenfalls war sie eine gebilhte Frau und bewegte sich in ihrer Sittmtton mit vielem Takt. Sie wußte sich auch in die Ansprüche, Gewohnheiten und Stimmungen meiner Großmutter mit einer Gewandtheit zu finden, die ans ein langjähriges Zusammenleben und große Anhänglichkeit schließen ließ, — Frau Hannah war ihrer Herrin sichtlich unbedingt und tteu ergeben; aber daß sie dieselbe jedoch aus warmem Herzen jemals geliebt hat, glaube ich nicht, — auch wurde dies ja weder von letzterer begehrt, noch wie ich fest überzeugt bin, in irgend einer Weise begünstigt.
So fuhren wir an einem schönen, sonnigen Nachmittage in Dresden ein, und der Eindruck, welchen ich von dieser meiner neuen Heimat empfing, war ein überaus freundlicher: buntes, vergnügtes Leben und Treiben aus den Straßen, Schiffchen mit farbigen Wimpeln auf der Elbe, ein breiter Strom, von Sonnengold auf dem glitzernden Wasser, die Ufer drüben mit ihren sanft geschwungenen Bergrücken, die mir freilich gegen meine Schweizer Bergriesen so winzig erscheinen,' daß ich die
Hand darauf hätte legen mögen, in zartblauen Dust ge« hüllt, — die Häuser schön und stattlich, hier ein prächtiges [• Monument, dort ein freier Platz, von stolzen Gebäuden umstanden — ich schaute mit großen Augen um mich und beantwortete Frau Hannahs vergnügte Frage: „ist unser! Dresden nicht schön?" mit einem eifrigen Kopfnicken.
Schön war auch das schlohartige. große Gebäude itl der Ostra-Allee, welches das Eigentum meiner Großmutter war und vor welchem unser Wagen jetzt Halt nmchte. Das von zwei vorspringenden Seitenflügeln flankierte, im Renaissancestil erbaute Haus lag, in ernstes,, dunfles Grün eingebettet, abseits von der Straße, gleichsam als Andeutung, daß es sich nach eigenem Belieben von jeder Berührung mit der übrigen Welt zurückzuhalten wünsche. Aus den breiten, sanft cmssteigenden Stufen der Außentreppe hatte sich das Dienstpersonal versammelt, die heimkehrende Herrin zu begrüßen, — Kutscher und Diener in dunkler Livree, drei oder vier Dienerinnen in gesetzten Jahren, von anständigen:, etwas nüchternem Aussehen, die sich bescheiden verneigten und die wenigen bewillkommnenden Worte ihrer Gckieterin mit ehrfurchtsvoller Aufmerksamkeit entgegennahmen. —
Drinnen war es still, feierlich, kühl, — „ wie in einer Kirche!" mußte ick denke,:. Im hohen, gewölbten Vestibül, welches viele Türen in reichem, dunklem Schnitzwerk aufwies und zwei schön geschwungene Treppen int Hintergründe zeigte, welche in das obere Stockwerk führten, fiel das Tageslicht durch hohe, buntgemalte Glasscheiben und warf farbige Lichter auf die kiihlen, glatten Fließen. Hannah erklärte mir im Weiterschreiten. daß die Zimmer zur linken als ehemalige Tanzsäle und Ge- sellschaftsräume unbewohnt seien und nur dann und wann gesäubert und gelüftet würden, daß jene Tür zur rechten in die von meiner^ Großmutter bewohnten Zimmer Mre, und daß ich selbst, im ersten Stockwerk, wo auch sie, Frau Bertram, einlogiert sei, meinen Arifenthalt haben würde, „Und es wird gut sein, wenn Eva, sogleich von ihren Zimmern Besitz ergreift und ihre Lkvfser auspackt!" fügt« meine Großmutter hinzu. „Lina kann mitgehen und ihr Helsen, — in zwei Stunden kannst du dann henmter- kommen, Eva, und bei mir den Tee nehmen. Gehen Sie mit dem gnädigen Fräulein, Lina. — Sie werden ihr morgens und abends bei der Toilette belfen und sie täglich frisieren!"
„Zu Befehl, gnädige Frau!"
Halb geschmeichelt und halb erstaunt ob dieser mir gänzlich unerwarteten, ganz ungewohnten Aussicht, folgt« ich meiner Führerin die Treppe rechts hinauf, denKorridor entlang, an dessen Ende zwei für mich bestimmte Zimmer lagen. Meselben waren hübsch, ja elegant ausgestattet, namentlich gefiel mir der reich dekoriert« Toilettenttsch und ein großer Spiegel, auf Rädern gehend, eine sogenannte Psyche, im Schlafzimmer, .... dennoch, ich wußte nicht recht zu sagen, woran es lag, entbehrten die hohen, stattlichen Räume samt ihrenr kostbaren Inhalt jeder. Traulichkeit, — sie hatten etwas llnwohnliches cm sich, äbnlich wie Hotelzimmer, — unsere einfache Pensions- sfiibe in Villa Bellevue mit ihren geblümten Gardinen, den Rosen- und Myrtenstöcken auf dem Fensterbrett un8 den hübschen Kupferstichen an den Wänden erschien mir unendlich viel behaglicher, als dies mein neues Eigeittum, von dem mich jedes Stück fremd ansah.
lFortsetzung folgt.)
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