Einzelbild herunterladen
 

oben erwähnten Schutzbauten vollstes

/*** Q

4*0 S-S» - n.

irbu7Z a 0 2 o cy^ ^>^5 pQ- r. kl Q

{'°o5 .y ?i»I»'Ä(a - " ^ <

«« .** „ «•

*J

fortiXfaster

Sudrr7iohn

S.lgcahaiVTv:

HATM

>«»--!> 0

HAEEN;

**• Jahr»«»«-.

SrfAdnt in zwei Ausgaben. — Vez«g»^peev: durch den Verlag L« Pfg. monatlich, durch di«

Post » Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Adrigen-Annahme ZK-LKWL N

471» Verlags-Fernsprecher N». 2»5S.

Borgen-flnsBabe.

Verlag: Langgaffe 27.

ZD,OOO Abonnenten.

Knzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige» ^ Pfg.. für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. - Reklamen die Pctrtzcile für Wiesbaden 50 Pfg.. für auswärts 1 Mk.

«- as;aya

Redaktions-Fernsprecher No. 52 . 1993.

Ja dm MWmtm auf ietgalanb.

Der jüngste Besuch des Ministers Budde auf Hel­goland war den im letzten Jahre erbauten Schutzvor­richtungen gewidmet, welche gegen das weitere bröckeln de° ^ " "" - - " '

Freitag, den 9. Oktober.

eintreten würde, wenn nicht energische Maßnahmen zum Schutze gegen den Wogenanprall getroffen würden, und zwar berechnen die Sachverständigen bei einem gleich­mäßigen Fortschreiten der Abbröckelung, wie in den letzten 50 Jahren vorausgesetzt, das endgültige Ver­schwinden Helgolands in etwa 600 Jahren, wahrend an öer schmälsten Stelle öes Oberlandes beim Flaggenberge MN Durchbruch sogar schon in 200 Jahren zu erwarten sein wurde. Anaeiichts dieser slerst-nrirn^-^ verdienen die

Te; dieselben

* vvvvt * 1 «octuuumaj yavcn namlny und die Springfluten vor 9 Jahren H“ [ ' n Schaden an der Insel angerichtet, so daß nach Maßgabe der stattgefundenen Verheerungen der gänz- nche Zerfall d es H elgoländer Felsens in absehbarer Zeit

Feuilleton.

Vom „Milieu".

- Zn dem nun schon ein halbes Menschcnalter währen- en Kampfe gegen und für die Fremdwörter hat man von eioen Seiten den Fehler begangen, die Streitfrage immer 1° allgemein wie möglich zu behandeln. Man hat von «oen Fremdwörtern gesprochen, von der Entbehrlichkeit und Notwendigkeit „der" Fremdwörter, von der Ge- Ichmacklosigkeit oder dem Geschmack, der sich im Gebrauch Fremdwörter offenbare usw. Dagegen sind meines Wissens kaum je Versuche gemacht worden, einmal an nnem einzelnen Fremdwort, dessen Geschichte und An­wendung sich von Lebenden leicht übersehen läßt, die ganze vrage wie an einem Musterbeispiel zu prüfen. Ein fol- chks Wort ist das höchstens seit 20 Jahren allgemeiner in Aufnahme gekommene „Milieu". Als ich vor einiger «eit in einer großen Berliner Zeitung in einem Aufsatz Uber „Modewörter" auch Milieu als abgedroschenes und überflüssiges Modewort bezeichnete, fühlte sich der Her­ausgeber getrieben, in einer kleinen Anmerkung Milieu "N wenig gegen mich in Schutz zu nehmen) vielleicht Swang ihn dazu so etwas wie ein Gewissensbiß, denn auch in seiner Zeitung wurde von Milieu nur gar zu oft Ge­brauch gemacht. Seine Verteidigung des Modewortes mutete: „Milieu wurde zuerst in Frankreich (und zwar schon vor Zola) und dann in Deutschland als technischer «nsdruck der Kunstsprache cingeführt) es bedeutet da nicht Umgebung schlechtweg, sondern die Umgebung, die auf die Bildung des Charakters entscheidend einwirkt. Ein deutsches Wort mit diesem besonderen Sinne müßte erst geprägt werden, wogegen wir nichts einzuwendcn hätten." Diese Anmerkung ist sehr lehrreich) sie enthält die von den Verteidigern der Fremdwörter am häufigsten gebrauchte

werden unter der Leitung des Platzkommandanten von Kuxhaven, des Majors Brohm, ausgeführt und erstrecken sich zunächst auf die Westseite der Insel, wo die hier ge­wühlten Höhlungen mit Zement ausgegossen werden, so daß der Felsen von Helgoland, ähnlich wie ein kranker

und nach ihrer Meinung stärkste Waffe: der deutschen Sprache fehlt für irgend einen wichtigen, unentbehrlichen Begriff ein kurzer Ausdruck, in die Lücke ist ein Fremd­wort getreten, das Fremdwort ist einstweilen nicht zu entbehren, es sei denn, daß ein gleichwertiges deutsches Wort besonders geprägt werde.

Diese ganze Beweisführung ist grundfalsch. Es be­stand für einen unentbehrlichen Begriff niemals eine Lücke in dem ungeheuren deutschen Sprachschatz, es brauchte also auch keine ausgefüllt zu werden, am wenig­sten mit einem ganz französisch gebliebenen Fremdwort. Wie steht es in Wahrheit mit der Geschichte von Milieu? Lassen wir einmal die Erklärung des Herausgebers jener Zeitung gelten, obgleich sic den Begriff nicht ganz er- fchöpft: „Umgebung, die auf die Bildung eines Charak­ters entscheidend cinwtrkt". Der Leser denke einen Augenblick nach, dann wird er von selbst zu der Gewißheit gelangen: dies kann unmöglich ein ganz neuer Begriff sein, dergleichen hat es vielmehr zu allen Zeiten gegeben) es müssen sich also Ausdrücke für diesen ganz gewöhn­lichen Begriff bet allen deutschen Schriftstellern lange vor dem Eindringen von Milieu finden. So ist cs in der Tat, und der Beweis läßt sich mit einer überwältigenden Fülle von urkundlichen Zeugnissen führen.

Das französische Wort Milieu ist uralt und allerdings schon „vor Zola", nämlich zwei Jahrhunderte vor ihm, genau in derselben Bedeutung wie bei Zola gebraucht worden. In die Mode, für Frankreich wie besonders für Deutschland, wurde es allerdings erst durch Hippolyte Taine gebracht. In seinen Schriften über Lafontaine und Livius, noch häufiger in seiner Geschichte der eng­lischen Literatur gebrauchte er Milieu als Schlagwort für seine allbekannte Erklärerei aller großen Einzeler­scheinungen. Seine Lehre ist längst zn den Toten gewor­fen, sein Schlagwort hat die Lehre überlebt. Zola konnte für seine auf ähnliche» Gedankengängen wie Taines ge-

Zahn, plombiert wird. Die Kosten, welche diese wirkungs­vollen Schutzbauten beanspruchen, sind auf 16 000 000 M. berechnet, und wenn auch diese Summe ganz bedeutend genann werden muß, so ist sie doch zur Erhaltung der auf Helgoland errichteten, äußerst wichtigen Festungs- werke unbedingt erforderlich, und man kann nur ?? öt€ Arbeiten zu Ende kommen, che eine

"te sie das Jahr 1894 brachte, etn- Helgoland schon seit Jahrhunderten unter dem Anprall der Wogen gelitten und sich ständig ver- ist eine bekannte Tatsache, weniger bekannt indes rst der ganze Ilmfang der Zerstörungen, denen die ehemals recht große Insel nach und nach zum Opfer ge- lEen ist. In der beistehenden Karte erblickt der Leser das Helgoland von einst und jetzt, und zwar ist diese Karte auf Grund geschichtlicher Überlieferungen und sorgfältiger Forschungen hcrgestellt. Die heutige Gestalt mit der davon getrennt liegenden Badedüne ist schwarz, die Ausdehnung der Insel vor der großen Sturmflut im Jahre 1649 stark schwarz schraffiert, vor dem Jahre 1800 hell schraffiert und im Jahre 800 weiß gehalten. In seiner größten Ausdehnung besaß Helgo­land eme größte Länge von 14 Kilometern und eine größte Breite von 11 Kilometern. Von diesem ganz be­deutenden Areal ist das gesamte tiefer liegende Land weggeschwemmt worden, so daß nur der im Süden der Insel gelegene Felsenkern übrig geblieben ist. Eine ganze Reihe von Gemeinden und Kirchspielen fiel den verschiedenen Sturmfluten zum Opfer. Die Trennung der Badedüne wurde am Sylvester des Jahres 1720 be­wirkt, und auch dieser von der ehemals großen Aus­dehnung zeugende Teil der Insel wäre verschwunden, wenn nicht zum Schutze derselben umfangreiche Vuhnen- bauten errichtet wären (vergl. den unteren Teil unserer Karte). Nach der geschichtlichen Überlieferung dehnte lich das Helgoland von ehemals in seiner Hauptsache nach Nordwesten und Nordosten von dem heutigen Eiland aus und befanden sich auf dem ersteren Teil die Ortschaften: Nordhovel, Baddum, Ottrebull, Teffkebuli, Farrenbull. Hayensum mit den Kirchen St. Ursula und Norder. Kapelle. Im Jahre 768 wird an der Nordwestspitz« auch noch ein Tempel Fostae Vel erwähnt, und im Jahre 692 werter östlich der Tempel Vesta, der Tempel Martis und Jovis, außerdem das Kastell Kroneburg und südlich davon Willcnborg. In dem flachen Gelände des öst. lichen Teiles befanden sich noch das Kloster Elberti, die Kirche St. Wigbertus und etwa ein Dutzend verschiedene Ortschaften. Historisch festgelegt sind die Kirchspiele auf dem im Jahre 1300 zerstörten Helgoländer Gebiet von Klosterbuy, Jovesbull und Osterkirch, Kastell Meden und die Ortschaften Medenbull, Witteklyff, Hilligenhafen, Schickebull und Sellum. Das Kastell Meden lag wenige 100 Meter östlich der heutigen Badedüne. Nach den Darlegungen der Sachverständigen waren die sämtlichen, dem Meere verfallenen Gebiete sandiges Schwemmland welches um den heute noch bestehenden festen Kern der Insel gelagert war und von diesem im Laufe der Jahr­hunderte weggewaschen wurde. Eine Katastrophe, wie sie das Jahr 800, 1800 und 1649 brachte, steht also nicht zu erwarten. Immerhin aber bedarf auch der heutige Felsen von Helgoland eines Schutzes, und daher sind die umfangreichen Schutzbauten mit Freuden zu begrüßen.

fundene Anschauung von der Entstehung eines Einzel­charakters kein bequemeres Schlagwort als das Tainesche Milieu finden. Für Frankreich haben Taine und Zola das Wort zu Tode gehetzt, dort wird es von guten Schrift­stellern kaum noch gebraucht. Neu ist es den Franzosen niemals erschienen: für die Leser Taines und Zolas war es nur die ermüdend häufige Anwendung eines ihnen längst geläufigen, wenig besagenden Wortes. Sch,n in älteren Auflagen des Wörterbuchs der französischen Aka- demie findet sich als eine Erklärung für Milieu: „Le fluide qui environne le corps" (das die Körper umgebende Mittel), und als Beispiel wird angeführt: „L'air est le milieu dans lequel nous vitons" (Me Luft ist der Bereich, in den, wir leben). Ferner erklärt dieses Wörterbuch Milieu noch als la sociötd oü nous vivons" (die Gesellschaft, in der wir leben). Man sicht daß weder Taine noch Zola dem Worte Milieu irgend eine neue Bedeutung beigelegt haben. Aber Milieu in der Bedeutung von umgebender Welt oder „Umwelt" wie unsere Verdeutsche! garnicht übel, wenn auch ziemlich überflüssig, dafür vorgeschlagen haben, findet sich schon bei einem hervorragenden Schriftsteller des 17. Jahr­hunderts, bei Pascal. In seinen „Gedanken" steht der Satz „Nous voguons sur un milieu vaste" (Wir schwe. ben über einer ungeheuren Welt), und in den Denk. Würdigkeiten des Herzogs von Saint Simon kommt das Wort genau in derselben Bedeutung wie bei Taine und Zola vor: „Louvois fut employd dans un milieu qui fit ie malheur du royaume" (Lonvois fand Ver­wendung in einer Schicht, die das Unglück des Landes bewirkte).

Nach Deutschland verbreitete sich Milieu nachweislich zuerst durch Taines Bücher, und zwar nicht durch die französischen Ausgaben selbst, sondern durch die Zettungs- besprechnngen, in denen selbstverständlich Taines Haupt- beweiSstück vom Milien unzählige Male genannt wurde

f li