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Verlag Lauggasse 21

„Tagblatr-Ha»S".

Stbalter-HÄle jeiflnet von 8 Uhr morgens bi» 7 Uhr übend»

wöchentlich

12 Ausgaben.

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„Tagblnti-Hnus" Nr. 6SSS-S3.

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Montag, 13. September, morgens. SOltöCfs^tfSgCtfr^.

1913.

Der Krieg.

Neue erfolgreiche Beschießung der Docks von London. — Verfolgung der Russen zwischen Jezioq und Njemen. — Sie FelwianKa an mehreren Stellen überschritten. — Var Vor­dringen auf pinsk. — Insgesamt über 6800

Gefangene, 23 Maschinengewehre erbeutet.

tcr Tagesbericht vom 12. Septembrr.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Sept. ^Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz»

Auf einem großen Teil der Front rege Artillerie- tätig k e i t. Erfolgreiche Sprengungen in der C h u mp a g u r und in den Argonnen verursachten starke Beschädigungen der französischen Gräben.

Feindliche Flieqer warfen gestern früh Bomben aus Ostend e. Schaden ist nicht entstanden. Personen sind nicht verletzt.

Während der Nacht wurden die Docks von Lon­don und deren Umgebung mit« sichtbarem Er­folge beworfen.

(Veftttcher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfe onrarschall» von Hinvenburg.

Auf der Front zwischen Düna und Merecz (am Njemen) haben die Kämpfe an einzelnen Stellen .einen größeren Umfang angenommen. Es sind erneut 1800 Gefangene gemacht und fünf Maschinengewehre erbeutet wordeu.

Zwischen Ieziory und dem Njemen dauerten die h a r t« ä ck i g k n Kämpfe den ganzen Tag über ^an; erst heute früh gab der Feind weiteren Widerstand -ms. Er wird verfolgt.

An der Zelwianka sind dir feindlichen Linien .nt mehreren Stellen durchbrochen Der Gegner verlor 17 Offiziere und 1946 Mann an Gefangenen ind 7 Maschinengewehre.

Der r u ss»s ch r B e r i ck t vom 10. Septembrr aricht von Gefechten der russischen Garde im Norden >3» Abcli (42 Kilometer westlich von Dünaburg). Deut- chc Truppen waren hieran nicht beteiligt Hingegen >urde die rusiische Garde gestern nordwestlich von 55 i I v q festgestellt, angegriffen und geworfen. Uber den in demselben russischen Bericht erwähnten Sieg von zwei rnssischcn Soldaten über sechs deutsche an der Zelwianka-Mündnng ist der deutschen Heeresleitung kein Bericht zugegangen.

Heeresgruppe »es Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern

Im engen Zusammenwirken mit dem rechten Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. H i n- dcnburg wurden die feindlichen Stellungen östlich von Zelwa genommen. Auch bei Ko s z e l e ist die Zelwianka überschritten. Beiderseits der Straße Bereza-Kartuska-Kossow-Slonim ist der Feind geworfen. Die Heeresgruppe machte 2759 G e- fannene und nahm ll Maschinengewehre.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Nackensen.

Unsere Truppen sind im Angriff beiderseits der Bahn nach Pinsk. Einige Vorstellungen wurden heute nacht durch Überfälle genommen.

Südöstlicher ttriegrschauplatz.

Deutsche Verbände wiesen weitere Angriffe unter schweren Verlusten des Feindes ab.

Oberste Heeresleitung.

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Der Goryn und die Istwa überschritten. — Drohe Verluste der Russen bei Tarnopol. — Neue Mißerfolge der angreifenden Italiener.

ver österreichisch, ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 12. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. September, mittags:

Russischer Rriegsschauplm»

Unsere in P o l en kämpfenden Streitkräfte haben gestern bei Derazno den Goryn und bei Dubno die I k w a überschritte«. Die russischen Angriffe bei T a r n o p o l nahmen an Heftigkeit zu. Nordwestlich der Stadt gelang es dem Feinde in unsere Schützen­graben cinzudringen und das Dorf D o I z a n k a zu ge- totuien. Aber die aus den benachbarten Abschnit­ten herbeieilenden deutschen nnd Honvcd- Bataillone faßten den Gegner in beiden Flanken nnd eroberten das eben genannte Dorf zurück nnd warfen die Russen wieder auf ihre Brückenkopfstellung. Die gegnerischen Verluste sind groß. Auch die feindlichen Vorstöße südwestlich von Tarnopol wurden a b ge­wiesen. Auf unserer Front auf dem östlichen

Strypaufer» dem untere» Sereth und an der besiarabischen Grenze verlief der Tag ruhig. Die k. und k. Truppe« in Litauen entrissen dem Feinde das bei K o st w o liegende stark verschanzte Dorf S z k u r a t y.

Italienischer Kriegsschauplatz»

„ Wie erwartet wurde, kam cs gestern an der kü st e n- lanbischen Front, und zwar namentlich in ihrem nördlichen Abschnitte, zu einer Reihe größerer Kämpfe, die sämtlich mit dem Mißerfolg der angreifen­den Italiener endigten. Im Flitschbeckcn kamen die wieder aufgenommenen feindlichen Jnfanterie- angrisfe überhaupt nicht vorwärts. Gegenüber I a b- lonica zwang unser Feuer den Gegner zu flucht­artigem Zurückwcichen. Ebenso wurden Angriffs­versuche italienischer Abteilungen, die sich südlich des I a v o z e k erngenistet hatten, a b g e w i e s e n. Im W r s i c - Gebiet tobte der Kampf den ganzen Tag hef­tiger denn je. Hier schlug die St. Pöltener Land­wehr mit bewährter Tapferkeit den feind­lichen Angriff zurück. Wieder blieben alle Stellun­gen f c st in unserer Hand. Das Vorfeld ist mit toten Italienern bedeckt. Von den T o l m e i n e r Brückenkopf stand der südliche Teil wieder unter starkem Gcschützfeuer. Wie sich jetzt hrrauSstellt, waren an dem hier am 9. September geführten Angriff von seiten des Gegners die 7. Infanteriedivision, eine Alpini- gruppe und ein Bcrsaglieribataillon beteiligt. Das italienische Infanterieregiment Rr. 25 verlor dabei allein 1000 Mann Im Abschnitt von Doberdo wur­den mehrere Vorstöße des Feindes im vorspringenden Teile der Hochfläche wir immer a b g e w ie s e n. An der Tiroler Front griffen die Italiener gestern nach­mittag und heute im Raume westlich von Monte Jnano mit Truppen bis zur Stärke eines Bataillons unsere Stellungen am Popcnatale und im Cristallogrbiet ver­geblich an.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f r r, Feldmarschalleutuant.

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E?n erfolgloser Rn griff russiscker lvasser- fluozeuae auf einen deutrcken Kreuzer.

IV. T.-B. Berlin, 12. Sept. (Amtlich.) Am l2. September, vormittags haben mehrere russische Wafferflugzeuge einen deutschen kleinen Kreuzer vor Windau mit acht Bom­ben angegriffen, die sämtlich ihr Ziel verfehlten. Ein feindliches Flugzeug wurde heruntergeschossen, nach Windau eingebracht und seine Besatzung, zwei russische Offi­ziere, gefangen genommen.

Der Ehef des Admiralstabs der Marine.

vre geplanten russr^-en Gegenstöße.

Nr. Stockholm, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.i Wie zu erwarten war, plant die neue russische Armeeleitung energischen Wider st and. In militärischen Kreisen verlautet, daß die Hauptkräfte in der W i l n a e r Gegend und in Südgalizien gesammelt werden. Zwischen Wilna und Minsk ist der Hauptstoß geplant, der die gefährdete Dünastellung entlasten, während der galizische Offen­sivversuch Eindruck auf Rumänien machen soll. Daß jedoch die russische Heeresleitung kaum Erfolg erwartet, beweist die an- gckündigte Räumung von Kiew und Dünaburg.

Das aefährdete lvilna.

Br. Kopenhagen, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „L.-A." schreibt: Nach Meldungen ruffischer Blätter hat die P o st v e r b i n d u n g mit Wilna ausgehört. Der Eisenbahnverkehr wird noch teilweise aufrecht erhalten, um die flüchtenden Einwohner aus der Stadt zu bringen. Fast alle Bäckereien sind geschlossen, so daß großer Brotmangel herrscht.

Ru-tz Riew schon als gefährdet angesehen.

Br. Petersburg, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Boff. Ztg." meldet- In den jüngsten Tagen machen sich in Ki e w Zeichen einer wiederbeginnenden Panik bemerk­bar. Der Kiewer Bürgermeister und der Duma-Abgeordnete der Stadt, die sich zum Oberbefehlshaber der Südostfront General Iwanow begeben hatten, haben wenig befrie­digende Nachrichten mitgebracht. Der Oberbefehlshaber soll ihnen erklärt haben, er sei nicht ausgeschlossen, daß das Oberkommando „in Anbetracht der Lage auf den übri­gen Fronten und geleitet von allgemeinen strategischen Ge­sichtspunkten vielleicht das russische Südwestgebiet und am Ende auch Kiew selbst werden zeitweise aufgeben muffen."

Eine endlose Schar von Flüchtlingen.

Kiew überfüllt.

Br. Stockholm, 11. Sept. (Gig. Drahtbericht. Jens. Bln.) AuS Rogatschew meldet die „Nowoje Wremja", daß auf der Landstraße von Warschau nach Moskau endlose Kara­wanen von 60 000 Flüchtlingen im Gouvernement Cholm, Lublin und Lomscha angetroffen wurden. Kiew ist von Flüchtlingen derart überfüllt, daß seine Einwohnerzahl aus eine halbe Million gestiegen ist.

Oie innere ttrisis in Rußland.

W. T.-B. London, 12. Sept. (Nichtamtlich.) „Daily Tele« graph" berichtet aus Petersburg von einer Konferenz der Minister mit Vertretern der Blockparteien der Duma, die sehr erregt gewesen sein und bis Mitternacht gedauert haben soll. Die Minister selbst seien geteilt gewesen, teils gegen eine Ver­längerung der Dumasession, die aufhetzend auf die VolkS- strmmung wirken würde, teils für die Zusammenarbeit mit der Duma, jedoch nicht für Gewährung aller ihrer Forderun­gen. Zum Schluß habe die versöhnlichere Stimmung gesiegt. Tie Minister hätten versprochen, die Wünsche des Dumablocks höheren Orts vorzutragen. Jedenfalls scheine kein Grund sür die Befürchtung vorzuliegen, daß die innere Krisis die Energie der Kriegführung beeinträchtigen könnte; vielmehr verlange der Block selbst in erster Linie kräftige Fortsetzung des Kriegs.

ver Iar vor ver schwierigen Entscheidung:

Br. Petersburg, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Boff. Ztg." meldet: Mit der Erklärung der russischen parlamentarischen Fortschrittspartei, die in der Duma 315 Stimmen, also die absolute Mehrheit besitzt, und der im Reichsrat ein Drittel der gültigen Stimmen angehört, ist der Kampf zwischen dem Parlament und der Regie­rung, bezw. der Krone nunmehr auSgerusen worden. Die beiden ersten Punkte des Programms: Bildung einer Regie­rung aus Persönlichkeiten, die daS Vertrauen des Landes ge­nießen, und Ernennung des Personals der Provinzialver­waltungen, stellen den Zar vor die Wahl, entweder die ge­samte Regierungsgewakt dem Parlament zit übertragen, oder aber, gestützt auf den sogen, schwarzen! Block, noch während des Krieges einen Kampf auf Lobest und Tod mit der Volksvertretung aufzunehmen. Wird der Iar sich nicht nur an die Spitze der Armee, sondern auch an die Spitze der echt russischen Leute stellen, older aber, was wenig wahrscheinlich ist, den Gang nach Kanossa an- treten, der eine Palastrevolution nach sich ziehen imrfs?,

Die russischen Bittgottesdienste.

W. T.-B. Petersburg, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Das im Zusammen- Hang mit den Kri«gSereigniflen angeordnete mehrtägige Fast«« ging heute zu Ende. Auf dem Platz vor der Jsaccks-Kathe. dvale fand ein von Zehntausenden mit Kirchenfahnen und Heiligenbildern besuchter Gottesdienst statt. Ebenso feierten alle russischen Pfarrkirchen und die englische Kirche.

Der deutsche Schuldezrrnent in Warschau.

Br. Berlin, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.)' Der Warschauer Generalgoiwerneur berief als Schul« dezernenten den freikonservativen Lanv-tagSaügeordneteu Professor Bredt-Marburg.

Ein neutrales Urteil über die russische» Sieges­meldungen.

IV. T.-B. Bern, 11. Sept. (Nichtamtlich) Der „Bund" schreibt zu der russischen Meldung von einem Siege bei Darno-pol, die angegebenen Bevlustzählen seien in Frage zu stellen, denn man würde, wenn man sie zugrunde lege, auf einen deutschen Gesamtverlust kommen, der bei einem Frcmtah- kampf in Bewegung, wo eä sich nicht darum handle, um jede» Preis stehen zu bleiben, nicht anzunehmen sei.

ves ttaisers Dank für ven Generalftabschef:

IV. T.-B. Berlin, 12. Sept. (Amtlich.) Der Kaiser hat an den Chef des Generalstabs des Feldheeres folgende Kabi- nettSorder gerichtet: „Mein lieber General v. Falkenhahnl Die großen Operationen auf den Kriegsschauplätzen des Ostens haben zu Erfolgen geführt, die in der Weltge­schichte unerreicht dastehen. In unübertroffener Weise ist es gelungen, die auf einem weiten Raum verteilten groß«! Armeen zu einheitlicher Kampfeshandlung und gegenseitiger Unter st ützung zusammenzuführen, und das, waS Feldherrnkunst ersonnen, in siegreicher AuS- fübrung zu vollenden. Das Große, das Sie und unter Ihrer zielbewußten Anweisung in unermüdlicher, aufopfernder Ar­beit der Generalstab des Feldheeres hierbei geleistet baben, ist des h ö ch st e n L o b e s wert und wird in der KriegsgeschichtcallerZeiten seine Würdigung fin­den. Mir aber, als Ihrem obersten Kriegsherrn, ist es ein Bedürfnis, Ihnen, dem Chef meines Generalstabs des Feld­heeres, eine besondere und persönliche Freude zu bereiten. Indem ich weiß, daß treue und kameradschaftliche Beziehungen Sie mit dem 4. Garderegiment zu Fuß Verknüpfen, dessen bewährter Kommandeur Sie gewesen sind, und dessen jetzt in West und Ost glänzend erprobter Ausbil­dung für den Krieg auch Sie Ihre Kräfte gewidmet haben, stelle ich Sie hiermit a la suite dieses tapferen Regiments Giotzes Hauptquartier, den 11. Sept. 1915. gez. Wilhelms

Weitere Auszeichnungen an den Generalstab.

IV. T.-B. Berlin, 11. Sept. (Nichtamtlich.) General v. Falkenhayn, welcher am 11. September a la suite dcS 4 Garde-Regiments gestellt wurde, vollendet« an diesem Tag« sein 54. Lebensjahr. Gleichzeitig erhielten in seinem Stabe den Orden Pour le merite der Chof des F e l d ^ eisenbahnwesens Generalmajor Groener sowie der Chef der Overationsabteilnng Gerieralmajqtz Tappen.