Beilage ;um Wiesbaüener Taalliatt.
2 , Achter Mensch wird nie gescheit, ein bummer wird I?
3 6qlb asfcfi^t, aber ein gescheiter Mensch bleibt dumm bis an £
« fern selig Ende. Fr. LH. Bischer. %
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(18. Fortsetzung.)
Cva Keorrr.
Roman von Marie Bernhard.
„Bewahre, o bewahre!" wehrte sie sehr lebhaft ab. „Me KM Grosimama sitzt noch drinnen in chrem Conpch und rch sollte Sre zuerst einmal auskundschaften und zu >zch bm Frau Hannah Bertram. — Frau vraftn wird ^hnen ja von mir geschrieben haben!" m-iro $ te in stummem Erstaunen den Kopf. „Nicht? Hat auch nichts auf sich. — da bin ich einmal, und nun lassen Sie sich rasch anschauen, mein Kind id^. so! Mein Gott, du mein Gott, wie gleichm \äte siair ^hrer Mutter! Denn. Sie müssen wissen, die herb ich als kleines Kind gekannt und aufzichm helfen, bis sie em großes Fräulein war!"
Mir schossen die Tränen in die Augen; ich hätte Frau Hannah Bertram um den Hals fallen mögen. r " reu um Gotteswillen — nicht weinen.
isfwJr Ö s'- S 10 ! 3™« ® r “f in Mr nicht leiden! Geschwind m dao Tuch gehaucht und die Augen wieder klar gemacht! Schwarze Augen! Das wird der Gnädigen ^ emerlei, wir könnm's nicht ändeni! Gut.
daß Sre zur Bahn gekommen sind, die Großmania liebt k Si)V ' @jffl ^ Dekorum gewahrt wird. Und nuii
- »Eva Leoni?" fragte meine Großmutter, ebenso, wie e. Frau Bertram zuvor getan hatte. — und wieder wollte f als kosteten die wenigen Worte sie eine
sichtliche Anstrengung. —
"a\? vmneigte mich tief als einzige Antwort.
" «5 «rau Gräfin kann immer aussteigen!" kam Bertrams harmlos freundliche Stinmie wie eine Erlösung dazwischen. „Unseren einzigen Koffer hat der Bediente bereits gcholt, und er meldete, daß der Wagen, der unö nach Bellevue bringen soll, bereit steht!"
„Gut. Hannah! Gehen wir also!" Meine Groß, mutter verließ rasch und gewandt, sich leicht auf Hannahs
n v ^ Koupee, warf noch einen
unruhig forschenden Blick auf mich und schritt uns dann.
ISwarzen Seiden- und Spitzenkleider gehüllt, mrt der Wurde einer Fürstin voron.
„.^LE gnMtze Frau sieht die Ähnlichkeit und ist davon ergriffen! flüsterte Hannah mir tröstend im Weitergehen zu, — — ich mochte ein sehr finsteres Gesicht ^^^Eund ihr leid tun; ich nickte ihr mit einem Versuch j^Esiffchbr auszusehen. W. ^ Wenn meine Großmutter wirklich ist er irgend etwas innerlich Ergriffen war, so
bare^Form ^ Empfindung jedenfalls in eine sonder
Wir waren an den Wagen gelangt. — unser alter Wiener hielt dienstfertig den Schlag geöffnet, meine Groß- mutter stieg ein und winkte mich an ihre Seite: ich blickte
allein diese machte mir ein
Tür^angelehnt war.
. $« ^bichen Sammetpolstern Ichnte eine seür aristokratisch auSschende Dame. — eine feine dirnT . Schneeweiße, sorgsam gekräuselte m «roß« Fülle ein Gesicht, das nicht eigentlich Ät zu nennen war: es zeigte wenig Falten, war
Kt “SÄ ^ 3 ^ sc bon 0rofeer Regelmäßig- .war meine Großmutter, mit ihrem graden Profil, deu feinen Lippen, den großen, dunkel- un ^ er vollendeten Bildung der Wana"n »J ffL^noch jetzt eine schöne Frau zu mnnA^ ^ahfie das damals sofort bei meinem ersten schüchtevnm N? ^ ^ ^ 5 eme Seele in dieser schönen
Mmal rasch zu ihr empor. — viel- N.lächelte sie mir setzt zu. jetzt, da ich dickst vor ihr
Nenr. sie hatte kein bewillkommnendes Lächeln für dm Mick eigentümlich gespannten, fragen-
lILfv t 3 mir aus, als fiele es ihr sogar Wver, dw Hand, die untafig auf ihrein Schoß geruht hatte, aufzuheben und tntr entgegen zu reichen. B 5 im^ .^^llche. tadellos behandschuhte Rechte E, ^rte sw. wie Madame Bellemoiit es uns älteren Damm ges«Er gelehrt und mir in diesem besondmm Mle doppelt eifrig anempfohlen hatte, an meine Lippen
r u " "‘Cie mua;ie mir em Rücksch Platzt—^ gehorchen und nahm auf dom
In einer Minute hatten wir Vevey hinter uns und Ärch ^herrliche Landschaft, die im vollsten iT 1 « r ^achmittagssoiine ruhte; ich sah wohl die prachwollen roten Lichter auf dem Gebirge und den unergründlich blaum Spiegel des Genfer See's über
dem Ein ebenso blauer Himmel lachte.-aber mir
K^^lonmren und ängstlich zu Miste und nur der all diese herrlichen Bilder bald auf immer der-
Ä|wST' fta ® “ mt mf mi
. heißen die Berge dort drüben, Eva?" ffaate meiner Großmutter Stimme neben mir.
vw nannte sie ihr alle der Reihe nach, aber sie sah kaum nach ihnen hinüber, sondern verwandte kein Auge
voranla'ssen^wM7^^'jf r ’ M^nbar hatte sie mich Sr veranlassengvollen. überhaupt zu reden. — Inhalt und
Smn der Wo^ waren ihr gleichgillfig.
„und Du bist gern in der Pension gewesen?"
»Sehr, — o sehr gern!" ^ 1
aus. wenn auch nicht besonders sicht?" ^ tnt ^' ^Eah. daß sie gesund aus
„-"Sie ist entschieden rasch gewachsen. Frau Gräfin Ä K |l 0rau ^ e/ J! e wird noch größer werden; aber leidend
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„enge: sie darf keine haben! Du weißt, daß ich ^ mcht ertragen kann! Du fiihlst dich immer wohh
„Fast immer, —^gnädige —"hier stockte ich- „Run? fallt drr die Anrede und Bezeichnung schwer öSt? ” 3iDCt ' 5 ^ ren in beinm Briefen gebraucht
X Aipst Tboina« Ms., X
"Ta. — nein —-Großmama!"
^jct) fühlte, daß ich mich dumm und kindisch benahm, aber eben diese Erkenntnis ließ mich noch verlogener werden.
"Da du ein großes Mädchm und bereits konfirmiert mit, so mußt du dmrach trachten, ruhige Sicherheit im Verkehr mst Andern zu geivinuen: das Leben ini Per> sionat wird dich das gelehrt haben."
Ich fühlte, wie ich brennend rot wurde.
_ „Wie wunderschön ist es hier!" bemerkte die wohl- tätige Hannah. „Nach der langen Fahrt aus der Bahn ist dies ein wahres Labsal. Sie sind glücklich zu preisen Eva. so lange in dieser wundervollen Gegend gewohnt zu haben. Wer in Dresden wird es Ihnen auch gs- fallen!"
"Ist es eine schöne Stadt?" fragte ich schüchtern, um gleich daraus zu fühlen, daß ich wiederum eine Dummheit begangen hatte; mehrere meiner MtschAerrnnen stammten aus Dresden, sie hatten mir viel davon erzählt, mrr Abbildungen gezeigt. — und nun fragte ich danach, als läge die Stadt im Monde und als hätte ich noch nie in meinem Leben ein Wort davon gchört.
..Das kommt aus die Auffassung und auf den in- dwrduellen Geschmack an!" erwiderte meine Großmutter kalt „Sind wir bald in Bellevue angelangt? TÄ gestehe, daß ich müde bin!"
„Noch etwa zehn Minuten!" entgegnete ich kurz-
Madame Bellemont hatte für meine Großmutter mrd ihre Begleiteriu zwei Zimmer in Bereifichast setzen lassen und hierl-er zogen sich beide sofort für die nächsten L-tunden zurück, ohne jemand aus dem Fnsttfist zu spvechm. Mich erwartete Susi im Garteir und fragte lebhaft, wie dre gefürchtete erste Begegnung abgelaufen sei; ich vermochte es nicht, eine detaMerte Schilderung zu entwerfen, ich arstwoistete einsilbig, aber Susi merkte ans meinem gedrückten Wesen nur allzusehr, daß meine bangen Llhrmngen einglstrofsen warm. —
Die Sonne stand schon tief, als ich in Madame Belle- monts Salon gmufm lvurde, wo ich meine Großmutter bereits fand. — Es konnte kaum einm größerm Gegen- satz geben, als der Anblick dieser beiden Fraum bot Madame Bellemont mit ihrem sprühmd-lebendigeu Wesm, dm misdrncksvollm Augm. der warmen, süd- fichen Färbung ihres Gesichtes — und danebm meiner Großmutter blasses, kMes Arstlitz in seiner unnchbarm .Luve- ~ es war, als sähe man einm wcrrmbIMgM Mmschen und eine Statue bei einander.
„Da kommt ja Eva!" ries Madame bei meinem Ein- ^ iE wenn ihr mein Kommm eine Er- leichternng gewähre. — sie wußte offenbar mit ihrem neuen Gaste mchts anznsangm. „Kommen Sie her, ma petite, setzm Sie sich zu uns. Es fällt uns allen schwer Eva fortzugeben. Madame, dmn Sie müssm wissen, wir haben, vte m der Zeit ihres Hierseins herzlich sieb ge- Wonnen!" u
Meine Großmutter neigte ein wenig ihre von den dichten, wmßm Löckchen umschattete Stim vor. als wolle > te «ur fin Kompliment dankm und fragte sodann:
„ulso Sie sind nnt ihr zufrieden gewesen? Ihre Zeugnisse wipsm nicht immer gleichmäßig gute Fort- schritte auf, was um so bedauerlicher war. als Eva deiike ich, sehr gute natürliche Anlagen besitzt!" ' ' (Fortsetzung folgt.)
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