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Beilage zum Wiesbadener Taablatt.

Mittwochs den 7 . Gktolrer.

Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft fr über das Leben.

M. v. Ebner-Eschenbach.

81. Jahrgang. 1908.

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(17. Fortsetzung.)

Eva Leoni.

Roman von Marie Bernhard.

. Susi verdutzt an.

Himmel, wen sollte ich denn heiraten?"

„Das bleibt sich egal,-vielmehr, — das bleibt

sich, nicht egal-du sollst mitts nur

versprechen, mcht zu heiraten, oder dich zu verloben, eh' du in Berlin bei mir gewesen brstl"

„Ja, das will ich dir schon versprechen, denn in Dresden bei meiner Großmutter werde ich sicher keine von Freiern umringte Turandot sein!"

„Wer kann's wissen, Darling! Wenn sie dich rasch Geld u öetaem Gesicht — und deinem

„Ach, Unsinn, Susi! Um des Gesichtes und des Geldes wollen gcheiratet zu werden, das denke ich mir tvenrg schön!"

„Ich mich nicht!" entgegnete Susi trocken. „-Aber »mrder^ unserer Zeit werden nun 'mal gewöhnlich um einer dieser Tatsachen, ober um beider willen, gcheiratet! Ma blonde mit ihren idealen Anschauungen gehört ins Ergangene Jahrhundert! Ich dagegen bin ein echtes

Kind un erer Zeit,-immer hübsch praktisch sein und

den Vorteil überdenken!"

,,, "NAt du das auch, als du mit mir Fremrdschast schlossest?" neckte ich sie.

dor zwei Jahren war ich noch um vieles sen- bmentaler, und dann wirkt eine Freundschaft auch nie so folgenschwer und verhängnisvoll, wie eine Ehe, — das mußt du zugestehen!"

o- 6chwhe vor allem zu, daß ich auch wahre Fwimdschast für bindend und unlöslich halte, — daß ich dich lreben werde, so lange ich lebe und von dir das nüm- luhe hoffe. Dkm kann doch Freundschast, selbst wenn sie uns einmal unbequem wird, nicht abstreifen, wie ein Klerd!"

, doch, nein, du kleiner Gefühlsapostel! Wer

von abftreifen? Ich freu' mich, dich zu haben und v«rd es fürchterlich finden, dich zu entbehren, — — aber diese deine Grohmutter wird dich schwerlich der- wchen rmd würdigen, so wie du einmal bist! Was sie btr wohl schenken wird? Sicher etwas sehr Kostbares I"

„Am liebsten möchte ich gar nichts von ihr an­nehmen!" rief ich heftig. „Da sie mich nicht liebt, so mag ich auch nichts von ihr geschenkt haben!" un. ob das eine richtige Schlußfolgerung

ist , sollte Sufi sinnend. „Daß Geschenke mit Liche alle- mal identisch sein sollen, seh' ich nicht recht ein. Wemr mein Onkel mir zum Beispiel einen hübschen Schmuck schenkt, so nehm' ich ibn und trag' ihn, und 's ist mir ganz gleichgültig, ob er mich dazu lieb hat oder nicht. Er hat das Geld, — ich h.ab' eS nicht, — er ist alt und häßlich und freut sich nicht an Schmuck, — ich bin jung und

. und freu' mich dran,.warum soll ich mir

nun noch den Kopf zerbrechen, ob er mich liebt? Die Menschen, Me mich nicht lieben, sollen's bleiben lassen,

ich kann sie dafür auch nicht leiden,.und

Punktum!"

"Dmu Fall ist auch ein anderer, Susi, als der meine! Du bist auf den Onkel nicht so 'ganz angewiesen, wie ich auf meine Großmutter! Ich habe niemand auf der

weiten Welt, als nur sie allem,-du aber hast deinen

Bruder . . . ."

„Ja, — — meinen Clemens Günther!" Ein schwärmerisches Licht kam in Susannes herrliche blaue Augen. „Wenn ich den nicht hätte, — schau. Kleine, mein Leben war' mir nicht mehr lieb! Wenn ich cm unser Wiedersehen denk' —"

Die vollendete nicht, — sie mochte fühlen, wie weh es mir ums Herz war, in der ganzen westen Welt nicht eine Seele zu wissen, die sich des Wiedersehens mit mst frerite! —

-- Sehr feierlich und heilig war mir an dem

schönen, klaren Sonntagmorgen zu Sinn, als die Kirchen-

C u zu meiner Konfirmation läuteten; aber meine rzlichen Tränen flössen, als ich derjenigen gedachte, die ich hier im Kreise ihrer Anverwandten, geliebt und umsorgt, hatte zur Kirche gehen sehen. Freilich, auch Susi war allein gewesen, da ihr Bruder keinen Urlaub erhalten hatte, — aber seine liebevollen, zärtlichen Briefe, seine reichen Gaben, die Hoffnung, ihn bald wioderzu- sehen, hatte sie froh und zuversichtlich gemacht. — Ich kniete mit ernsten, traurigen Gedanken am War und bat Gott inbrünstig, mich in seinen Schutz zu nehmen in der kommenden Zeit, vor der meine Seele bangte. Um meinen Hals schlang sich eine Schnur wunderschöner, echter Perlen, die Madame mir heute stich im Namen meiner Großmutter überreicht hatte, — es war ein kost- barer Schmuck, alle waren entzückt davon, — für mich ' hätte er erst dann Bedeutung gewonnen, wenn ich gewußt haben würde, ob meine Mutter diese Perlen dereinst ge­tragen hatte.

Der ernste Anfang des Tages hatte eine heitere Fort- setzung; Madame hatte mir zu Ehren einige Gäste ge- laden und ein hübsches, kleines Diner arrangiert bei welchem meine Lieblingsgerichte erschienen. In meiner Hellen, eleganten Konfirrnationstoilette, ein Bukett köst- licher weißer Rosen auf der Brust, war ich die Heldin des Tages, Susi hatte den Platz neben mir und sprudelte von lustigen EinfAlen und allerlei Zukunftsplänen, — letztere waren fiir mich allein bestimmt und wurden mir mezza voce ins Ohr gesagt. Am kleinen Finger meiner linken

-- - —„ - r garstige Berliner Oheim mir mehr

Taschengeld gäbe, würdest du etwas besseres bekommen haben, rossignol", hatte sie seufzend gerufen, als sie mir chre Gabe überreichte, „aber ein Schelm gibt mehr, alS er hat. Du weißt d'rum doch, wie lieb ich dich Hab'", und

nmr nimm den Reif, und trag' ihn.aber daß du

immer an mich denkst, wenn du ihn anschaust!"

Der hübsche, kleine, blaue Ring! Er ist noch in meinem Besitz, obschon er zu keinem Finger meiner Hand, die damals noch eine schmächtige Kinderhand taar t mehr passen will. Aber ich kann mrch nicht entschließen, ihn

fortzugeben, — ich bettachte ihn oft.ja, SiuA«

und ich denke auch an dich, wenn ich ihn anschauel —

Sie waren alle sehr gut zu mir an jenem Tage, —-* Monsieur und Madame und unser guter Hausgeist, Mademoiselle Louise, und die Lehrerinnen — von meinen Genossen, ganz zu schweigen. Es tat ihnen allen leich- baß ich ging, — jede Minute hieß es: „Eva, vergiß mich! nicht!" und „Eva, wirst du auch einmal schreiben?" un«

" ' '.lö.

Eva, mich hast du doch auch____ p

einzigen Pensionärin erhielt ich ein kleines Andenken.

i ein bißchen lieb?" Don jede«

tr-iui-

ein Bildchen, ein flehteS Notizbuch, einen crayon und solcher Sächelchen — und ich habe sie alle ,'Ft in einem Kasten, der die Aufschrift trägt; tnnerungen aus Devey." — Es sind noch kleine Sttö chen dabei, die mir. Susi gepflückt, und ein paar (Heu­blätter, die mir ein jugendlicher Tanzstnndenverehrev einmal in einem Rosenbukett mit einigen pachettschen Versen geschickt, und ein Liedchen, das nur Monsieur! Morreau gewidmet und selbst ausgeschrieben, — ein paart Zeichnungen von „Träumerchen" daneben, — und wenn ich diesen Kasten öffne, dann steigt die gaiHe, harmlos fröhliche Zeit des Pensionates vor mir auf und sieht mich an mit wehmütigen, lächelnden Augen!

Es war noch, keine Woche seit meiner Konfirmation verflossen, als ein Telegramm von meiner Großmutter! einttaf: „Komme morgen nachmittag 5 Uhr 20 Minuten in Vevey an, reise anderen Tages um dieselbe Zest mit dir weiter. R. v. Reuenburg."

Susi war empört, daß die „Gnadenfrist der letzten Woche" uns nun auch noch gekürzt wurde und meint« in warnendem Tone: „Gib acht, ma blonde, diese Groß­mutter tut. immer gerade das Gegenteil von dentz was man sich wünscht!" — Das klang nnmtg ermuttgend, aber leider war ich nur zu sehr geneigt, diesem Slussprnche beb. zusümmen.

Der gefürchtete Tag kam, und gleich nach 5 Uhr stantz ich lautschlagenden Herzens auf dem Perron des Bahn­hofes zu Devey, den alten Diener aus unserem Pensionat hinter mir, und blickte mtt furchtsamen Augen nach dev Richtung, aus welcher der ettoartete Schnelhug kommeg! mußte. Jetzt ertönte das Signal, flatternde schwarz« Rauchsäulen wurden sichtbar, die Bahnglocke schrill» heftig, — und da rollte auch schon der Zug langsam in die. Halle. Es stiegen nur wenige Passagiere aus, —, einige laut lachende Herren, eine große Grupps von Damen und Kindern; ich tat' ein paar zögernde Schrittst und blieb dann unentschlossen stehen.

„Et» Leoni?" sagte da eine Stimme mit fragenberg Tone hinter mir und rch wandte mich hastig um.

Mir zur Sette stand eine freundliche, behäbig« vielleicht in der Matte der fünfziger Jahre, in einen quemen, grauen Reisemantel gehüllt, auf einen stieligen Schirm gestützt. Sie hatte sehr dichtes, blondes, ein wenig mst grau untermischtes Haar, das st«

schlicht gescheitelt trug, und ein ' " .

Gesicht mit intelligenten und blickenden Augen. War dies meine mutter? ' ' ' ""l

„Frau von Neuenburg?" fragte ich schüchtern zurüÄ und machte eine Bewegung, ihre Hand zu erfassen una zu küssen.

(Fortsetzung folgt.) J

——

Macie sind 'Visitenkarten.

Es giebt Leute, die behaupten, dass man sich nur die Hände eines Menschen anzusehen brauche um zu wissen, welcher Gesellschaftsklasse er angehöre. Dem ist in der Tat so. Und es erscheint daher begreiflich dass mcht nur die Damen und Herren der höheren Gesellschaftskreise schöne weisse Hände zu besitzen wünschen sondern dieser Wunsch in allen Ständen gleichmässig ausgeprägt ist Schöne wohlgepflegte Hände sind eher* unbestreitbar ein Vorzug. ^

Damen, die in ihrer Hauswirtschaft persönlich tätig sind und gern überall selbst Hand mitanlegen haben sehr darunter zu leiden, dass ihre Hände rauh, rissig, spröde und rot aussehen. Diese Hautafiektionen entstellen nicht nur die Hände, sie sind ausserdem noch sehr lästig und schmerzhaft. Wer daher immer sich vor diesen Uebeln schützen will, der gebrauche täglich zum Waschen;

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