Einzelbild herunterladen
 

. M Sahr««»«. wnaetm tn zwei Ausgabe«. — BezugS-Seei»;

»rS? * en <n>» er ei!L dfg. mouatlich, durch die Post S Mk. L« Pfg. vierteljährliL für beide

Verlag: Langgaffe 27.

Ne ititmuitiOMle jMitätstonftraj.

M.- tritt in Paris die internaüonale Sanüatskonserenz zusammen, weiche berufen sein wird, die auf der Konferenz von Venedig beschlossenen Maß­nahmen zur Bekämpfung der Pestepidemie weiter aus- Die in Dresden abgehaltene iiftemationale Samtatskonferenz von 1893 hatte sich in erster Reihe mit Maßnahmen zur Bekämpfung der Eholeraepidemie be­faßt. Dw internationale Konferenz zu Paris von 1894 ergänzte die Abmachungen von 1893 durch Vorschriften Uber die Gesiindheitspolizei in den Abfahrthäsm der Pilger aus Indien usw., durch gesundheitliche Maß nahmen auf den Pilgerschissen, sowie durch Verordnun- gm für die Schiffahrt im Persischen Golf und im Roten ivceere. ^m sichre 1897 wurden dann auf der Konferenz Bkaßregeln zur Bekämpfring der Nest beschlossen, die noch h>eute in Kraft sind.

Anhalt dieser internationalen Übereinkunft vom 19 Marz 1897 zur Bekämpfung der Pestgefahr ist kurz Wammengefaßt folgender: Es ist den Vertragsstaaten JiS' ^ r , öte Regelung und Überwachung des Fluß- fchiffchrtsverkeyrs eigene Bestimmungen zu treffen. Was den Eisenbahn- und Kleinverkehr an der Grenze betrifft, !o m es nicht gestattet,, Eisenbahnwagen an der Grenze mfzuhalten. Wenn -ein solcher Wagen mit pestkeim- Mlgem Material verunreinigt ist, kann er zum Zweck der Desinfektion an der Grenze oder an der näcksiten ,tlmon ausgeschaltet werdm. Landquarantänen sind zulässig, und es dürfen nur solche Personen zurück- gehalten werden, welche Krankheitszeichen der Pest dar- bwten. Eine ärztliche Überwachung hat sich auf eine Be­rgung der Reisenden und auf die Versorgung der Kranken. zu beschranken. Reifende aus pestverseuchten ledoch einer zehntägigen Überwachung unterstellt werden. Ferner steht den Regierungm das Recht zu, besondere Maßnahmen gegenüber deii Vaga- bundSi, Zigeunern, Auswanderern und den im Trupp die Grenze überschreitenden Personen zu ergreifen. Ech alle diese Bestimmungen wird das Recht eines “hg M ieter °b-qE ,u

Sehr wesentlich ist ferner eine weitere Bestimmung der Konferenz von Venedig, die auf der setzt in Pari« Mammentretenden Konferenz eine dringend notwendige Erweiterrmg erfahren soll und hoffentlich auch erfahren wird Mr weinen fene Bestimmung, welche die Regiening des peswerseuchten Landes verpflichtet, den übrigm ßZ Swnuigen von jedem vorkommenden Pestfalle Nachricht

Kuf der Studienreise.

Original-Novelle von Berthold Paul Förster.

(4. Fortsetzung.)

r?dau!?" riesen wir wie aus einem Munde.

Ms Alte nickte wie geistesabwesend vor sich hin: htf, '"f- 0 ich die tote Frau, sie kommt wieder." Dann inyr sw aus ihrem Sinnen empor und lachte uns mit ^rem zahnlosen Munde an. „Ach, die Herren! Sie memen, die Alte da ist verworren, im Kopfe — na, na, me aüe Christel weiß schon, was sie sagt."

. „Wollen Sie uns nicht erklären, was Sie eigentlich weinen?" fragte Walther unruhig.

'ch mifts Maul verbrenn'? Nee, das werd' 'ch Won lass'n bleiben. Aber denken S' alleweil d'ran, was die vernickte Christel g'sagt hat."

rfAr-tj den letzten Worten ^ war sie anfgestanden und Bcflten m H^w hinein, ohne uns weiter zu be-

. schon, ja, ich weiß schon!" murmelte sie

or sich hm und verschwand wie ein Schemen im Halb- "vnkel des geöffneten Hausflurs.

Wir gingen weiter.

'Wafthc^ mtr dorrückte Frauenzimmer?" fragte

»Nun, ohne Zweifel hält sie irgend ein Aberglaube Wangen, wie es hier im Gebirge nicht selten vorkommt", «Ugegnete ich ruhig; obgleich es mir fast unheimlich war, *" t Hause des Olmüllers wohnen zu sollen.

Wer wir sahen bald, daß uns kaum eine andere Wahl jÜ; drpn das Gasthaus, an dom wir vorüber kämm, Men freilich nicht für Logiergäste eingerichtet zu sein, s ° schritten wir denn weiter in dasDorf hinein und hörtm Wan von ferne das Rausilien des Wassers und das Mmipfen der Mühle. Gleich unterhalb des Wassers Mrte eine primitive Holzbrücke über den Bach, der hier, "lN'ch den Ausfluß des Kanals von nmem gespeist, mit pDßer Kraft dahinschoß. Wir bliebm einen Augenblick M der Brücke flöhen und blickten in den im Sonnenlichte »wnzenden und blitzenden Strudel, wie das Wasser erst statt und durchsichtig wie farbiger Kristall aus dem Wehr

zu gebm. Zur Durchführung dieser Benachrichtigung 9?* ^ ,°?stwrenz von Venedig den Regierungm dringmd die Einführung der Anzeigepflicht für die Arzte bei Pestfällen empfohlen. Wie sehr es aber eamrt hapert, hat sich auch in diesem Jahve wieder des öfteren m Konstantinopel und unlängst mich in Marseille geMgt, wo die Arzte längere Zeit hindurch darüber im unklaren warm, ob es sich überhaupt um Pestsälle han- delt. Diesem gefährlichen Übelstand könnte nur abge­holfen werden, wenn die Mächte einen Zusatz zur Über- beschließm würden, durch dm die Machte verpflichtet würden, kwsür zu sorgen, daß unter den mit dem Sanitätsdienst betrautm Ärzten hinreichend wiche vorhanden sind, die in der bakteriologischen

Z ft ^ se sicher Bescheid wissen, was hmte leider

vielfach nicht der Fall ist.

- ^ ' In hoffen, daß auf der Pariser Konferenz eme solche Erweiterung der AbmackMng von 1897 be° Mossm werden wird. Nicht minder nvtivendig aber Ware es, daß we Konferenz sich auch nach der Richtung hrn ern Verdienst erwürbe, daß sie der englischen gründlich ins Gewissen redet. Dafür, daß dw Pestseuche, wenn sie auch ihr Auftreten in Europa s EsE r nur auf vereinzelte und versprengte Fälle be- schmnkt hat, niemals ganz aufhört, sorgt Indien, x ^ 5er eigentliche Herd der Pest gewesm

^ durch dw Armut, das Elend und die Unsauberkeit der Bevölkerung dazu prädestiniert ist. England, welches vo^ibt, in Indien eine Kulturmission zu erfüllen, hat mcht nur nichts getan, um jenm schwerm Mißständm zu

ehl br-utales Aussauge- Mtem das Elend der Bevölkerung noch vermehrt, so daß

5“ ^ die Pest sich in Jndim gleichsam

das Heimatsrecht erworbm haben.

< ^ welches auf seine insulare Lage bairt, hat

der wdischen Pestgesahr gegmuber von jeher eine straf- ^^lchtfert-gkeit an dm Tag gelegt. Es kann daher Parrftr Konfermz gar nicht energisch genug be­tont werdm, daß an erne radikale Bekämpfung der Pest- gefahr' nur dann zu denken ist, weirn England sich zur ZjPudlichm Durchführung sanitärer Reformen m tat Zestberd Indien selbst und in dem zunächst gefährdet^ Ägypten verpflichtet. Wir möchten wohl noch eine weitere Anregung in dw Debatte werfen, nämlich den Vorschlag, den diplomatischen Vertretungm, wie chneii einzelne

und technischeAttachds beigebm, auch Attaches für öffentliche Gesund- h e r t s p f l e g e beizuordnm. Wir glaubm selbst nicht damn daß eme solche weltgehmde Maßnahme schön jetzt Aussicht auf Verwirklichung hat, aber wir sind fest über- zmgt, daß sie als das wirksamste Mittel zur inter­nationalen Sanltatskontrolle früher oder später das Werk der gememsamm Smchmabwehr krönen wird '

Deutsches Kerch.

und sich dann tn der Tiefe in sprudelndm Schaum verwandelte. In dm feinen Wasserftaubchen, dw emporwirbeltm, brachen sich

6oIb ^

mtf 01051 beruhigen", sagte ich und deutete

wieder " ^ ^ bort hmeingerät, der kommt nicht

. . "N gsaube auch nicht", lachte Walther und fuhr mrngmd fort, „aber min kommen Sie, Berger, kommm

Weibern Sw hier und schwntzeii von altm

Weibern! Was schert wich die abergläubische Christel!!"

auf die Ölmühle zu. Ter Hof lag still s ub verlassen in der glühenden Nachmittagssonne; nur m der geofsrwten Haustür saß eine alte Frau, welche

vrllZ t ^? n ^ l0 .^ ertt i d) - eingmickt war. Es mußte die rsufter dos Olmüllers sein, ich erkannte sie sofort an der Et ihrem Sohne; aber so unshmpathisch ,nir banmls der pinge Mann gewesm war, so angenehm be- rührte mich das Wld der schlummemdm Mm Vom Schal unserer Tritte erwachte sie und strich das noch rabmschwarze Haar unter das verschobme Kopftuch.

„Nichts für ungut"; lachte sic und rieb sich die alten Augen „ich war wohl ein wenig eingenickt? Die anderen sind alle draußeir auf dein Felde."

Wir bedauerten sie gestört zu habm.

> »Hat nichts auf sich", entgegnete sie frmndlich; „so Einhüte, l^au lft au lud]tä mehr nütz, als nur noch zum

Als sie hörte, in welcher Absicht wir kamen, und daß wir ihren Sohn in Steinbach gefehm. hätten, toi« er mit feiner Frau dw Kamilla abgeholt habe, blickte sie uns groß an und rwf:

„Da sind S' wohl gar die Maler?!"

„Allerdings", antivortete Walther, „Kaniilla hat Ihnen gewiß von uns erzählt."

„Na, das Mädckien spriäft wenig von jener Zeit. Sie

ÄU? F m,t F t€r Mnüer — es kam zu schnell über das arme Ding ; aber mem Sohn hat oft von den Herren gesprochen. Ich will Ihnen die Stuben zeigm — es ist vielleicht recht gut, daß <S alletveil da sind."

Der Zwist in der sozialdemokratischen Partei.

° m ' 0C11 ^^mente in der sozialdemokratischen blasen zum Sammeln. Immer mehr erweift sich Sf ^ ^akeeler als ein Pyrchus-Sreg. So erläßt der sozialdemokratische Karlsruher „Bolksfrmnd" elnm Aufruf „an die Parteigenossm", in dem es heißt:

ol>fi itber unsere Partei ist eine schwere Krise herein^

gebrochen. In unseren Reihen tobt öer Kamof der Kenoilen gegen die Genossen, der Brnderkamof. Führer der Partei waren

Disterenzen zu persönlichen. Altbewahite er- ein Leben voller Kampfe und Leideii baden, wurden verdächtigt. Es hat sich ein. förmliche Camarilla gebildet, die jedem die sozialdemokratiiMe ltbei^eugung anzweifelte, der nicht ans das Dogma einer Theorie »u k^ren bereit war. die in letzter Linie nur eine Prog^fe!

^lophezciima ,st, über deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kem Mensch etwas Bestimmtes Vorhersagen kann. Keinem der vielangefeinbeten „Revisionisten" konnte eine Prinzipien-Bcr- mnöen - .9» der Praxis arbeitcte/wir alle

e°nen Wabikamns ällWt ' Sfm . lfi ' Juni haben wir

^uutkamvi ausgefochten, wie er glanzender von keiner Partei und von keinem Proletariat der Welt jemals aeiübrt wiirde Wie ein eherner Fels standen wir da,- qeschwffen wiö ew Mam, traten wir dem Feind gegenüber. Ei» herrlicher Sieg^war die Frucht unserer Mühen und Opfer. Und nun dieses

Hammers! Die Gespensterfurcht, der Eigensinn und das ilbersvannte Selbstbcwiißtsein einzelner Führer ^haben es nacti einem solchen Sieg dahin gebracht, daß in unseren Reihen der ^raer^E uudgebrochen ist. Ultü mit jedem Tage Ivird's jetzk iinferen, Zentralorgan wimmelt es täglich von Er­klärungen, rn welchen d,e angesehensten Führer sich aeaenfeitt-i b^'suterrcißen und verdächtigen. Genossen! Nun ist die Reihe an Euch! Ihr seid zwar Mitschuldige, denn nur durch den (ÜÄ?urch die Byzantinerei gegenüber den Führern ^ l Tut letzt Eure Pflicht, es ist allerhöchst^

SSÄ’SX” *“ " Ml »“ ®“ ,e ----- »-»-> >5-1"

.... Der sozialdemokratischer Meinungsterrorisnius er- der von Dr Jaftrolo heransgegebenen „Arbefts- uarkt-Korrespondenz ,m Anschluß an den Fall Calver iolgende bittere Adftrftgung:

, . "B°u der fortdauernden Unklarheit (und der Parteitag bat Bestimmungen im vollen Bewußtsein ihres kaiitscknkartiae» Charakters zum Beschluß erhoben) wird selbstvei'stkin?,lirs, ^8.» Wiffenschaft keinen Schaden haben 1 Streber^^im ^%am entum 6,e 6e, jeder Zeitschrift sich vergewissern, b°nkt, und Streber in, Pa,-teileben, die nicht wagen, an einer ZsUtschMt mitzuarbe,ten ohne sich vorher die Genehmigung der ^u holen, stehen auf dem gleich niedrigen Ntvea/ Auch wird schwerlich jemals eine Zeitschrift die auf mnt™ schaftliche Unabhängigkeit Gewicht legt, sich von dem Vorstände einer Partei- cs sei, welche es wolle - ihre Stubenreinhett^dö. schetNigen lassen. Die Bedeutung ,ener Vorgänge liegt allein

Die letzten Worte hatte sie mehr zu sich als zu uns gesprochen und humpelte bereits vor uns her zur Tür hinein und die Treppe Hinauf.

Walthers Zimmer lag nach> dem Hose hinaus, wäh. rend ich von dem Fenster meines Stübchms das Wehr und den Bach übersehen konnte. .

„ c" $ - a !» ?.?uschE wird den Herrn doch nicht stören? unsereins Hort s garmcht mehr; aber mein Sohn wollt' hier doch nicht mehr schlafen, seitdem sein arm's Weib dahmemg stürzt ist", sagte die Sllte zu mir und starrte EN oem Wehr hinüber. Dann schüttelte sie den Kops und murmelte still vor sich hin ^

„So, öu mein Gott, 's kann doch all' nicht helfen!"

wrr nns wn wenig ausgeruht und in uilseren Zimmern einaenchtet liatten, war mein Kollege aber nicht mehr zu halten; die Unruhe packte ihn dermaßen, daß er anfmg, unerträglich m werden. Bald war er bei mir ^,ft;wwte ganz unnötiger Weise zwischen meinen Sachen ^i 10 n/bi wieder m sein Zimmer; und wenn

E.Eben glaubte ein wenig Ruhe zri haben, so schrie er plötzlich von unten zu meinem Fenster herauf. Endlich kam er auf den vernünftigen Einfall, seine Unrube au§

Fällen^vtle fte wollte? Ich dankte, denn in solchen

»Rlin, dann also auf Wiederseh'n", sagte er rmd ver. ließ me,n Zimmer; gleich aber tmt. er wiLr her?n -, „Berger, wenn Sie Kamilla früher sehen sollten nfa 'ch — na", unterbrach er sich selbst seien Sie i„,n siin« was wollen Sie: ich bin ja ganz ruhia we w rXa ^

iicSer." beme 23ei '’ ricit mir vorschreibt. Adieu' alW

Bald darauf hörte ich ihn aus dem Walde pfeifen- ^.Nvch seh' ich dich vor mir stehen In dem Kinderkleidchen . . .

Ich horchte unwillkürlich nach der Melodie, bis die Tone allmählich ferner und ferner verklanaen

Walther nwchte vielleicht -eine Stunde fort sein als ich noch einmal in sein Zimmer gino um mir, ich'weiß «f .wchr .wak, zu holen, was ich dort vergessen hatte Als ich zufällig zum Fenster hmaussah, bemerkte ich dnchen im Wald einen Mann, der, wie mir schien, behüt-