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ei läge jum Mestmüener Taghlatt.

w ,P nt f, r Leuten, welche den Tod suchen, gibt cs wenige, W die ihn finden, sobald er ihnen nützlich wäre. B *

Napoleon I. J

(16. Fortsetzung.)

Eva Leoni.

Roman von Marie Bernhard.

Daß ich Susi im tiefsten Geheimnis in Morrea-uS merkwürdige Entdeckung einweihte, . sich von földst. Ebenso, daß am Wend desselben das ganze Pensionat darum wußte, denn Susi „sch nrch.

v ,E>o sie etwas so Reizendes verschweigen solle", und so imrtzte :ch denn vor versammeltem Volke nochmals smgm: Wenn rch ein Vöglein wär' — und wurde fast ^ Küssen und Umarmungen, und es hreß ich sänge himmlisch, imd es wäre fürchterlich, ent- schlrch. unverantwortlich gewesen, daß man dahinter erst fetzt gekommen sei, und mein Beiname „In blonde aux yenx noirs" sei viel zu lang, ich müsse einen neuen haben, und mwl brauche ja auch nicht lange zu suchen, .... so dunkle, weiche Töne, wie ich sie in meiner Stimrm vermöge nur eine Nachtigall aufzuweisen, und da- her werde ich fererlrch umgetaust und fortan „le rosste- n °L® e Tf imt toeri>en oder „l’usignuolo", wie einige . Italienische mehr bevorzugten, es wünsch- PL - tourbe em^so großer Tumult in unserm Zimmer, daß Mademmselle Lourse heraufkam, um zu untersuchen, frftS natürlich mußte auch sie die wichtige Be-

Einheit «fahren, und als sie meinte, Monsieur und Madame Bell«nont wurden gleichfalls Verlangen tragen, die neue Nachtigall des Instituts zu hören, wurde ich halb rmt Gewalt nach unten geführt und wurde mit sanfter Udermacht gezwungen, im Salon vor Madame abermals 77 rfludrittenmal am heutigen Tage — zu singen: Wenn ich em Voglein war'! —

, . M adame fand, es klinge reizend, und Monsieur ver- mit Feuer, er könne meines Lchrers Entzücken nur ÄÜ^EÜen und sich dessen Ratschlägen an- r52? 5 . f 1 ^ )mx $* ^ in corpore nach oben ge-

I batte nun bereits einen kleinen Vorgeschmack

LI» Malibran und Sonntag. Die halbe Nacht lag ich wach, und als ich endlich entschlummerte, träumte ick

r $ 3et -^hne waren seit jenen Tagen der- Eswelchem Tante Gina mich nach Villa Bellevue 77 3*®° frohe, zufriedene Jahre! Ich etwas zu schmächüges, junges Frmileln, das in langen, eleganten Kleidern ging und das H«u: nach nWester Mode hoch ausgenestelt trug — imb V P^ sch Klavier spielte, mancherlei gelernt hatte ^ Üchganz wie eine große Dame vorkam, obgleich ^passieren konnte, daß besagte Dame sich oft recht aus?

Dienstag, den 6. Oktober.

gelassen lustig, ja so kindisch betrug, daß Madame Belle- mont zuweilen warnend den Finger hob und lächelnde Güte in den Augen aber Vorwurf m der Stimme, fragte:

„Eva, Eva, schickt sich das für ein junges Mädchen, das m den nächsten Tagen konfirmiert werden soll?"

® otefer wichtigte Akt stand bevor, — bei Susi war derselbe bereits ein Jahr zuvor vollzogen worden! — und a ™?.? r _., noc $ Mußten wir nicht, ob meine Großmutter dazu Persönlich^ erscheinen würde, und welche Pläne sie für meine nächste Zukunft gefaßt hatte. Madame Beilsmont hatte emige Bestimmungen über neue Toiletten für mich empfangen, „alles übrige werde sich später finden", so lau^e der Schlußsatz des überaus lakonischen Briefes. —Ji fetzt, es fehlten noch acht Tage zu meirier Kvnfir- matton, hatte sich noch nichts weiteres gefunden.

Sufi, die entzückt von meinen neuen, reizenden Toiletten war, beschwor mich, mir aus dieser Ungewiß- heit nichts zu machen, — „denn, siehst du, rossignol, erstens hilft dir das kein Jota, du kannst nichts ändern, wenn du dich sorgst und grämst, und zweitens find' ich das gerade hübsch, daß man nicht alles ganz genau wir am Faden sich abwickeln steht, — das war' ja grausam langweilig! Ich bin fest überzeugt, die mysteriöse Groß- rnanm will dich bald aus dem Institut hercmsnehmen, und das wär' nur in der Ordnung, denn ewig kannst du wcht Pensionsmädchen bleiben, und da ich in vier Wochen nach Berlin absegele, um meiiies teuern Onkels Häus­lichkeit zu beleben und zu verschönern, so hätt' es ohne­dies keinen Sinn, wenn du noch länger hier säßest, — denn ohne mich — was solltest du wohl hier anfangen?"

. Ich fühlte es, meine „Herzkönigin" sprach wahr, und wie ich m ihre Sonnenaugen blickte, überfiel der Ge­danke an diese nahe bevorstehende Trennung so gewalt- sam mein Herz, daß ich mich abweuden mußte und stumm blieb.

„O du süßer, kleiner Narr, — doch keine Tränen?" Susi küßte mich hastig. „Berlin ist ja nicht aus der Welt, du kommst bald einmal daher und besuchst mich in der Metropole, das setz' ich bei dem preußischen Ohm schon

durch --und Hab' ich dich erst einmal dort, geb' ich

dich sobald nicht wieder her, und aus all den ehrgeizigen Geschichten, die deine Großmutter sich ohne Zweifel mft deinem Mufikgenie in den Kopf gesetzt hat, wird nichts,

-denn es kommt jemand und verliebt sich in dich, . .

und für mich, da wird sich auch einer finden, und dann wohnen wir in einer Stadt und besuchen uns schrecklich oft und geben die allerschönsten Routs und Bälle und

teilen alles, alles getreulich mit einander,-bis auf

die Anbeter! Da, wie ma blonde nun lacht!"

-Über dich muh man lachen!" erwiderte ich. „Wenn dich jemand so leichtfertig rn einem Atem von Heirat und Anbetern sprechen horte!"

„Anbeter gehören zu jeder vornehmen Dame, mig- nonne, ebenso wie Pariser Toiletten, — das weiß ich genau von Wien her. Darum braucht man noch keine Tragödien aufzuspielen, — behüt' uns der Himmel' Eine Frau/ die in Gesellschaft geht und keine Anbeter hat, wird dem eigenen Manne bald langweilig, und er sieht sie für gar nichts an, das glaub' du mir! Immer muß er Sorge tragen, er sei chrer nicht sicher, es könnt sie ihm ein anderer wegnehmen, sonst wird er ihrer bald über- drüssig."

51. Jahrgang. 1803.

„Das sind schreckliche Ideen, Susi, und ich hoffe nur immer, du nimmst sie nicht ernst!"

„Für jetzt fürchterlich ernst, ich schwör' es dir,-

üüe's nachher in der Praxis ausschaut damit, ja, dafüv möcht' ich nicht einstchen, — sehr kluge Leiste kommen um ihren Verstand, wenn sie sich ordentlich verliebew,

.warum also ich nicht auch?"-->

. Drei Tage nach diesem Gespräch kam ein Brief von meiner Großmutter für mich an: /

»Eine Woche nach deiner Konfirmation gedenke ich in Vevey einzutreffen und dich von Bellevue abzuholen» — halte dich bereit, am Tage nach meiner Ankunst mit mir'

anderweitig

Madame Bellemo-nt wrrd geschenk einhändigen.

dir mein Kow

ons»

, _ . — verlebe den Tag in ernster/

gesammelter Sfimmung und fasse gute Vorsätze für dein ganzes späteres Leben. Den Tag und die Stunde meiner! Einkunft soll dir eine telegraphische Dresche genciui melden. Renate vvn Neuenburg."

Niemals hatte meine Großmutter mir ausführfich oder herzlich geschrieben; aber der eisige Ton dieses Briefes jetzt gerade, da ich vor einem so wichtigen Lebens­abschnitte stand, jetzt, fci sie mir ein gemeinsames Leben mit ihr ankündigte und ich zu ihr in nahe Beziehungen treten sollte, durchfröstelte mich bis in die Seele hinein, und trübe Vorahnungen sfiegen in mir auf und ließen mein Herz ängstlich schlagen, als ich Susi, vor der ich selbstredend kein Geheimnis hatte, stumm den Brief, reichte.

Sie las ihn mit flammenden Augen und war empört. „Schreibt so eine Großmutter an ihr einziges Enkel­kind?" rief sie heftig und ballte die kleine Faust. „Nicht ein einziges teilnehmendes Wort, nicht eine freundlichs

Anrede,-jetzt, wo sie dir airzeigt, daß du mit ihr?

leben sollst? Ah, ich Hab' auch eine Großmutter gehabt/ — die Mutter von meinem Papa ist'? gewesen —• und eine gütigere, liebere Frau hat's auf der weiten Gottes- Welt nicht gegeben! Hat sie mich geliebt und gehätschelt und geküßt, wenn ich, eine kleine, verzogene Range, die ich war, ihr bis zur Frestreppe entgegenttef und mich an sie hing, urrd der Clemens Günther sauste rittlings das Treppengeländer herunter und siel über sie her, eh' fiq

noch den Mund auftun konnte, um sich zu entsetz«:,-.

und wir beide haben die alte Frau schier erstickt mit unfern Umarmungen, bis sie atemlos oben ankam und nun Süßwerk und Spielzeug und kleine Schmucksachen

anS allen Taschen hevauskramte,-das war eine echt«

Großmutter, die's wohl verdient hat, daß der Clemens Günther, damals schon Unterleutnant, große Tränen cm ihrem Grab geweint hat und daß ich Wende hindurch nicht Hab' einschlafen können vor lauter Weinen! O, du mein armes Everl, daS werden keim Rosentage für dich

werden bei solch' einer Großmutter,-da sieh' du

zu, daß du bald zu mir nach Berlin kommst oder daß du

geschwind heiratest.nein halt! Erst gibst du mir

dein feierliches Wort, daß du nimmermchr heiraten

wirst, ehe du den-kurz, ehe du in Berlin ge-

wesen bist!"

(Fortsetzung folgt.)

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