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i'ilnp jum Wiesbadener Tagblatt.

No. ^61. Morgesr-Ausgabe.

Samstag, den 3. Ojrtoder.

61. Jahrgang. 1903.

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Ein schöner Glaube beglückt und bessert und stellt wieder her; ein schlimmer Argwohn verderbt alle«.

Theodor Fontane.

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?P uh bm. — ich ärgerte mich sacht zu Grabe, wodurch ich ohne Zweifel dom alten Herrn eine reine, ungetrübte

Freude bEten würde.aber Du weißt's, den

Clemens Günther Rothkirch, den zwingt man so leicht

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unters ^och s ^zmmer Kopf hoch und vivo io plaisir *

(14. Fortsetzung.)

Goa Leoni.

Roman von Marie Bernhard.

„Nun, liebstes Everl, ich kann's nicht finden! Was wird dmn so Großes dabei sein? Ewig hat er mich in j^rc Erlesen trchuliert, wie du wohl ausschaust, und meine .Beschreibung sei „echt weiblich" — soll sie ttwa e l n -' ^r^ nö ^^lich gar nicht sachgemäß und ® 6 & s fC = n ÄIb üon btc hätte? Nun hatte ich endlich

££?' ^ *? ftr mein Eigentum, denn hat der liebe

mir's nicht geschenkt? Ich kann also damit machen, was ich will, — ist das nicht W WWs Keinem anderen Dlmschen auf der Gottes- ^'"..lußes G'sichterl geschenkt, als nur

alle Günther, --aber well ich dich

^^-h^bn kann, und er kann's nicht, so L Z als gute Schwester gebracht und

ft 6 b,onde ; 1UX - veux noirs geschickt! Und

E hat er d raus geantwortet?"

"üt ^?äpen und Freiherrnkrone ge- schmückten Brief aus der nasche und begann zu lesen' MädE^E^ hdbe§ Suserl! Von allen Deinen hübschen Madchenbriefen war mir der letzte der liebste Nie will ick, ÄÄ Schilderungen Lin, We7u Du mir stich? ^llustratwnen dazu schickst! Cospetto! Du hast Dir m ^ eine reizende „beste Freundin" ausgesucht, und Zusammen müßt einen Anblick geben! Me Diskretion, die Du verlangst, liebes Suserl, verspreche rch . . aber nur ungern, um ehrlich zu sein Saa'

wem m der Welt würd' es schaden, Ln ich nwiL Kameraden auch einmal den Anblick dieses fmpp^tten Madchenbildes gönnte? Indessen, Du willst es nicht! und so gebe ich Mr denn das geforderte „Ehrenwort" in Forderung die sich von Dir zu mir und

4Ä att ^?T I)e ä Drollig genug ausnimmt!

v; • h^chbn kleinen Schwestern soll man . tun, d-a h-ast Du denn Deinen Millen

^ käme ich einmal in P«stu nach Mlla Bellevue am Genfer See herüber und schritte di? F^nt ab,^wenn dre sungen Damen zur Promenade bereit stehen st id) ästigen Wildfang

w r unö pachte unserer „liebstm Freundin"

meines neuen Eigentums, mit aller „schneid eines Wieners und all>r -Straffheit"

JSfcOffafa* Me s°E,E ■ < 2s,«2 Nicht tun, mit dem Urlaub! Der Dienst stt bitt krin

eiL"Ebiw ^r-iind wenn kleine Mädchen solch emen Gardeleutnont anschauen, tun sie sehr unrecht da- M lllcruben, er sei nur zum Tanzm undCour- machen da! Mein junger Hengst geht ganz brillant ha wahrhaft Federn im Huf und fügt sich Mr von Dag Ku Tag mehr in die Hand, — — metn niw fVfJr §dht sehr schlecht, hat nirgendwo Federn (rupfen wenig! stens laßt er sich nicht!) und rebelliert von Tag zu Taa mehr gegen meme sanfte Führung. Wäre ich einandrer

-wart muß das beste niachen aus diesem irdischen Jammer- Et.7 süoenn, was nachher kommt, ist nichts als eine unsichere Nole, und nicht mal die Herren von der Geist- UästMt, die doch drauf vereidigt sind, vermögen es, den ^ 7 ' sestoustellen! — Fahr wohl, mein liebes Suserl, ich schließ Mch cm mein Bruderherz! Dem geschickten „T raum erchen mein Kompliment, — sie soll h-ald wieder W etwas Liebreizendes abkonterfeien. Deiner „besten

Freundin" küss' ich die Hand.daß ich sie kennen

lernen muß, steht fest in mir! —

Dein treuer Clemens Günther. r , . . Ich hätte nicht fünfzehn Jahre

alt und ein kindisches, eiües Ding sein müssen, wenn mir oreser Brief mcht äußerst schmeichelhaft gewesen wäre! Wem bmunbevtev Held bewunderte mich! Das war doch I"l?uAnb! Denn so, wie Clemens Günther von Roth- rmch, stellte ich mir jeden Helden in jedem Roman, den ich las und gelesen hatte, vor. . . . Susi hatte ihn mir

so zahllose Male genau beschrieben, ich konnte ihn mir deutlich vorstellen! Die Heldinnen sahen gewöhnlich so aus wre Susi, aber ab und zu waren sie auch blondhaarig und schwarzäugig und sahen „frappant" aus. — Meine Bedenken wegen des Porträts waren geschwunden, und berste den schönen Kürassierleustcmt vor seinem Schreibtisch stehen, das kleine Bild in seiner Hand, Bo-

wunderung rm Blick-ja, warum sollte ich mich nicht

auch harmlos freuen, daß ich hübsch war? Susi tat es

doch^und es stand ihr so natürlich!-

. Sa ich hatte jetzt ziemlich oft Gelegenheit, die Helden memer Romane mit Gestalten von Fleisch und Blut zu Monsieur und Madame Bellemont hatten nicht den Grundsatz vrelerJnstitutionsvorsteher, ihre Pfleg- ^fohlenen angstvoll von jeglichem Verkehr mit jungen Heiwen abMschließen, — sie mochten mit Recht

denken, daß ein, so geflisserttliches Wsonderungssystem nur ungerechtferttgte Erwartungen nährt, und so nahmen viele von uns — darunter Susi und ich — im Winter Ta nzs tunden, und es wurde auch sonst jungen Leuten ge- stattet, hin und wieder am Sonntag abends nach Bellevue zu kommen und sich mit uns beim Tanz und allerlei lusti gm und harmlosen Gesellschaftsspielen zu amüsieren. - @5 toaten sehr manierliche Menschen", wie Susi immer sagte sie tanzten gut, wußten sich ganz angenehm zu unterhalten und zeichneten diese und jene unter uns in ttmer, aber markanter Weise aus; indessen, diese Herr- chen waren samt und sonders erst vor kurzem der Schul- bank entwachsen rm günstigsten Fall Studenten, sie er- schienen uns daher, die wtt alle drei oder vier Jahre weniger zahlten, als imreife Knaben, dank der Traditton. welche die Mädchen von sechzehn Jahren für fettige Damen erklärt, wahrend der achtzchn- oder neunzehn- Mr^e Junglnm noch gar nicht „mitzählt". So hätten wrr es für gänzlich unter unserer Würde gehalten, irgend ern wärmeres Interesse für einen dieser „Dcmzürüder" w«rn schon Nicht zu empfiuden, so doch zu verm-twr; wir behandelten sie ,nnt einer gewissen herablassmden Würde » kollegiaftscher Freundlichkeit, die mir jetzt sehr

komisch erscheint, damals aber für das einzig Mögliche

llolt. Wollte je eine unter uns einen anderen Ton ras* schlagen und unsere Herren für „wirkliche Herren" aiv schen, so , war es Susi, die sich sofort bestrebte, ihr diesÄ „Kruderer" gründlich auszutveiben und das Opfer sos

lange zu necken, bis es sich beschämt zurückzog,-«’

«nn um alles in der Welt wollte man sich nicht lächerlich macherr, sich nicht verspotten lassen! Susi, die in Wreni nur mit den Kmueraden ihres Bruders und den Frerittden! ihrer Mutter verkehtt hatte, die an den Gesprächston dW jeunesse dor<Se gewöhnt war und mtt Grafen und Frei­herren unbefangen gesckieizt hatte,-sie besaß a&r«

d^ngs ein Recht, mitleidig über unsere gesiütten Kavaliers

3 « lächeln und die ferne Zeit zu betonen, da dieselben «in>- mal noch ganz aniiehmbare Menschen werden könnten!

Von dem Hintergründe dieser „zahmen" Jünglinge, hob sich leuchtend und prächttg der ritterliche Freiherr von Rothftrch ab,, und daß er schon hier und da ein Liebesabenteuer mit einer vornehmen Dame gehabt, daß er ein „verwegener Miellant, ein waghalsiger Reiter und ein glänzender Gesellschafter war, um den sich die Ein­ladungen der ersten Häuser stritten, — — alles das trug nur , dazu bei, den Mmbus, den er in meinen Angen als Susis Bruder, als schöner Mann und als Offizier hatte. noch zu erhöhen. Und er besaß mein Bild, — und es stand fest in ihm, daß er mich kennm lernen mußte!!! --<

_— ,— •— ,—, Es waren allerlei krause, bunte Zw kunstsbilder, die ich damals mit mir herumtrug, denn auch von einer anderm Seite her wurde dafür gesorgt, daß mein Ehrgeiz wachgerufen und meine Eitelkeit ge­nährt wurde.

Bei dem Musiklehrer in Vev-ey, einem wohlwollew den alten Herrn, der für die klassische Richtung schwärnüe und ein unerbittlich strenger Lehrer war, machte ich große Fortschritte; er war stolz auf mich, stellte mich seinen übrigen, SchAern und Schülennn'en als Muster auf, machte bei dM musikalischen Mattnöen, die er zu­weilen, veranstaltete, Parade mtt mir und setzte seinen Ehrgeiz daran,, mich die schwiettgsten Stücke spitten zu lassen. Daß die Musik mein etgerttlichstes Element sei. fühlte ich mehr und mehr; ich konnte am Picmosorte alles um mich her vergessen und hätte halbe Tage mit Klavierspielen verbringen können, wenn man eS geliiteit hätte. Länger als zwei Stunden täglich durste ich zu meinem Jmnmer nicht üben, teils rneiner Wissenschaft, lichen Arbeiten, teils meiner Körperentwickelung wegen, der vieles Sitzen schädlich sein sollte.

Eines Tages als ich bei Monsieur Mvrrean war. sprach ich ihm von der Kompofitton eines modernen Meisters, die jernand bei uns im Bmsionat spielte und die mir sehr gefiel. Da der alte 'Herr dieselbe nicht kannte, und die Melodie hübsch und gefällig klang, so sang ick ihm ein paar Takte davon vor.

Monsieur Morreau stutzte, trat einen Schtttt zurück, mustette mich von Kopf bis Fuß und fragte daun in seiner^ lebendigen Att:

„Haben Sie schon oft gesungen?"

„Ach rwin",, sagte ich ziemlich gleichgülttg, „nur zu­weilen, wenn wrr rm Institut Chor singen, habe ich ein wenrg mrtgeholfen. Ich denke es mir reizend, zu singen aber Madame Bellemont meint, ich sei viel zu jung um es ernsthaft zu probieren, — das könnte mir schaden!" (Fortsetzung folgt.)

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