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Kt. Jahrg«««.

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469. Verlags-Fernsprecher N». 2958.

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Morgen «Maisgabe,

Der Anteil des merikMWn Arbeiters am mirtrüjaftüöjcu AuMviung Amerikas.

„Amerika verdankt seinen Aufschwung nicht sowohl seinen hohen Zöllen, als vielmehr der -energischen Be­kämpfung des Alkoholgenusses."

Wie verhält es sich mit der Richtigkeit dieser erst durch die beachtenswerten Ausführungen Dr. Esches in der Reichstagssitzung vom 28. Januar bekemnter ge­wordenen Beharchtuug amerikanischer Zeitungen?

Im Herbste vorigen Jahres erschien in „Cassiers Magazine", einer englischen Zeitschrift, eine Folge kurzer Aufsätze aus der Feder hervorragender amerikanischer Ingenieure und Industrieller. Englische, französische, belgische und zuletzt auch amerikanische Blätter be­schäftigten sich mit ihrem Inhalt, der aber merkwürdiger­weise von der deutschen Presse so gut wie unbeachtet gelassen wurde.

Gelegentlich der vergleichenden Beleuchtung, in welcher die industriellen Verhältnisse der wirtschaftlich wetteifernden Ifittionen bei diesem internationalen Meinungsaustausch ersch>ienen, trat nicht nur abermals klar hervor, daß gegenwärtig die amerikanischen Waren den Weltmarkt beherrschen, sondern — was für die üb­rigen Nationen weit ernster ist — daß in erster Linie der amerüänische Arbeiter sich diesen Triumph zuschreiben darf.

Er versteht seine Zeit besser auszunützen und neigt weniger zum Trunk als &er englische, französische und deutsche Arbeiter. Walter Mac Farland aus Pittsburg bezog sich auf das Zugeständnis einer der ersten britischen Schisfsbaufirmen, nach welchem sie einen wesentlich auf Trunkenheit der Arbeiter beruhenden Zeitverlust von 'nahezu 20 Prozent im Jahre erleidet. Derselbe lasse sie gegenüber gewissen amerikanischen, über eine enthalt­same Arbeiterschaft verfügenden Mitbewerbern trotz der höheren Arbeitslöhne, welche diese zahlen müssen, nicht auskommen.

Aber auch aus die Ursachen hex größeren Nüchtern­heit des amerikanischen Arbeiters wurde in „Cassiers Magazine" eingegaugen.

Vor ungefähr 20 Jahren, heißt es, begann in den Vereinigten Staaten von Nordamerika mit der Ein­führung des obligatorischen Unterrichts in der Physiologie und Gesundheitsiehre auch die planmäßige Belehrung der Schuljugend über die Natur und die Wirkungen des Alkohols. Die Kinder brachten das in der Schule Ge­lernte den 75 Millionen Einwohnern des Landes mit nach Hause. Was war die Folge?

Fabrikherven nicht nur, sondern Arbeitgcher aller Art lchrrten es mehr und mehr ab (nach Angabe von

Freitag» den 2. Oktober.

Wrights Arbeitsvermittlungs-Bureau jetzt üb« 75 Pro­zent aller Arbeitgeber), Personen zu beschäftigen, die, wenn auch nur mäßig, trinken. Die Eisenbahnen z. B. stellen mit wenigen Ausnahmen nur noch solche Leute an, die weder während noch außerhalb des Dienstes geistige Getränke zu sich nehmen. Und sie finden Leute genug, welche dieser Anforderung entsprechen. Denn die Ver­einigten Staaten zählen gegen 10 Mttlionen organisierter Abstinenten.

Dabei sind die stolzen Amerikaner sich wohl bewußt und spreche es offen aus, daß ihr wirtschaftliches Über­gewicht ihnen von anderen Nationen durch Schutzzölle schon gar nicht, aber auch durch Entfuselung der Blasse:: sobald nicht streitig gemacht werden kann. Denn da, wo die Schule nicht von langer Hand vorgearbeitet habe, dürften es die Fabrikherrn nicht »vagen, das Abstinenz­verlangen an ihre Arbeiter zu stellen.

Die „New-Iork Tribüne" vermag das leider durch das Beispiel des noch in frischer Erinnerung stehenden Bierkrawalls in der Borsigschen Maschinenfabrik in Berlin schlagend zu belogen. Die über 2000 Arbeiter dieser Firma von Weltruf lehnten sich gegen das Verbot des Direktors, Bier oder andere geistige Getränke mit in die Fabrik zu bringen auf. Alle Belehrung half nichts, auch nicht der Hinweis auf die Abstinenz der so klugen, geschickten und gut gestellten amerikanischen Arbeiter. Das Verbot mußte zurückgenommen werden.

Auch den Engländern war der Spiegel vorgehalten und zwar in Gestalt einer Auslassung des von der Königin Viktoria noch kurz vor ihrem Äbleben geadelten bekannten Erfinders Sir Hiram Maxim, eines geborenen Amerikaners, über die englischen Trade Unions in der Juninummer von „The Worlms Work".

„Der englische Arbeiter vergeudet eineu großen Teil seines Einkommens in Tabak, Bier und Wetten. Er hat keinen Ehrgeiz. Natürlich nicht» denn das Bier schläfert mit dem Gehirn auch den Ehrgeiz ein. Ter amerikanische Arbeiter strebt vorwärts. Seine Tages­leistung ist eine größere als die irgend eines anderen Arbeiters in der Welt."

England beginnt der: Unterschied zwischen den ge­legentlichen Ansprachen seiner Mäßigkeitsapostel an Schulkinder und denr systematischen, durch Staatsgesetz vorgeschriebenen Schulunterricht in den Volksschulen der Vereinigten Staaten einzusehen. In einer vom Erz­bischof von Canterbury nach Birmingham einberufenen Volksversammlung erklärte der Präsident Edwin Smith:

„Wir sind durch Amerika geschlagen. Dieses hat sein Geld verschwendet an die Erziehung der Gehirne, England an die Vergiftung der Gehirne. Wenn wir uns pro Kopf mit dem amerikanischen Alkoholkonsum begnügten, würde unsere Jahresrechnung für geistige Ge­tränke sich um 66 Millionen Pfund Sterling ermäßigen. Weil die Amerikaner nach dieser Richtung einen Vor- spnmg von 48 Prozent haben, könne,: wir sie im wirt-

Nebaktions-Fernsprechcr No. 52. 1903.

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schriftlichen Wettlaus nickst einholen. Die große Masse unseres Volkes lebt in völliger Unwissenheit über die Folgen des Trunkes."

Smith verlangt, daß die Aufklärung über diese Dinge nicht den TempereiH-Gesellschaften überlassen, sondern vom Staate in die Hand genonimen werde. All« Kinder in den öffentlichen Schulen müßten über die Ge­fahrei: des Alkohols und über den Segen völliger Ent­haltsamkeit belehrt werden.

Diese Betrachtungen sind ja zweifelsohne insofern einseifig, als sie eine Reihe anderer Vorteile, welche den Anwrikanern im internationalen Wettbewerb zur Seite stehen, unberücksichtigt lassen, so namentlich die Billigkeit der Rohmaterialien, einschließlich der Lebensmittel, und die enorme Entwickelung des maschinellen Großbetriebs. Aber auch diese Vorteile sind zum Teil begründet in un­leugbar hervorragender Qualität des amerikanischen Ar­beiters. Jedenfalls bringt es den Vereinigten Staaten großen Gewinn, daß es Leute mit — dank ihrer Ent­haltsamkeit — klarem Gehirn und festen Nerv«: sind, denen die Bearbeitung der Rohstoffe und die Besorgung der Maschinen obliegt. Wir Deutschen aber sollten keine Zeit verlieren, uns eine Bevölkerung von gleicher Tüchtig­keit nach dem von den praktischen Amerikanern aus- probierten Rezept heranzuziehcn. Dr. meä. Bonne.

TljkOor l!mfeit nn d!e AMM.

In der am 1. Oktober in dem betriebsamen Verlage von Fischer Unwin hcrauSgekommeuen ersten Nummer der sozialpolitischen Revue „The Independent Review" hat, wie schon kurz gemeldet, Professor Theodor Mommsen den nachstehenden Aufruf in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht, der sicherlich nicht ungchört dies­seits und jenseits der Nordsee verhallen wird.

„Ein Deutscher an die Engländer, bl'oudlions paa, sagte vor Jahren ein französischer Staatsmann, que la paix serait iiapossible entre les deux nations, si on les excitait sans cesse l’une contre l’autre. Er sprach von Frankreich und England. Das Wort patzt heute leider auf England und Deutschland.

Wir stehen vor einer ernsten Gefahr, wenn es so weiter geht mit dem gegenseitigen Mißtrauen, dem Auf­bauschen geringfügiger Meinungsverschiedenheiten und Kollisionen zu Staatshändeln, den unverantwortlichen Verhetzungen der englischen wie der deutschen Presse. Falls es nicht den besonnenen und ernsten Männern beider Nationen gelingt, hierin Wandel zu schaffen, so gleiten wir hinein in einen Krieg zwischen denselben, wenn auch nur in einen derjenigen, in den«: die Kanonen nicht mitreden.

Was ist der Grund, weshalb die notwendige und heil- same kritische Kontrolle, in der alle Nationen einander gegcnüberstehen, und auf der 'nicht zum letzten Teil die heutige Zivilisation beruht, zum Völkerhatz auszuarten.

Feuilleton.

plonatlitöe WmlssAu (Moder).

Von Dr. F. K. D. Müller.

Vom 3. Oktober an, an welchem Tage um 4 Uhr nach­mittags er die untere Konjunktion erreicht, werden die Lichtbarkeitsverhültnisse Merkurs rasch besser. Vom 12. bis zum 25. Oktober ist er beiläufig dreiviertel Stunden vor Sonnenaufgang ziemlich gut zu sehen. Am 18. Oktober um 4 Uhr nachts befindet sich Merkur in größter westlicher Ausweichung, am 14. Oktober um 1 Uhr nachts im Perihel, am 18. Oktober um 8 Uhr früh in Konjunk­tion mit dem Monde. Vom 25. Oktober nimmt die Dauer seiner Sichtbarkeit wieder ab. Venus ist anfangs Oktober eine Stunde, am Ende des Monats 3*/2 Stunden als Morgenstern sichtbar. Am 24. Oktober um 1 Uhr nachts erreicht sie die Phase des größten Glanzes. Am 17. Oktober um 9 Uhr nachts steht sie mit dem Monde tn Konjunktion. Die Sichtbarkeitsdauer des Mars ist in weiterer Zu­nahme begriffen,' er geht anfangs Oktober etwas weni­ger, Ende des Monats etwas mehr als 2 Stunden nach der Sonne unter. Am 24. Oktober um 12 Uhr mittags steht er mit dem Monde in Konjunktion. Jupiter geht bei Tage auf und vor Tagesanbruch wieder unter, ist aber anfangs des Monats noch 9% Stunden, Ende des Monats 8*4 Stunden sichtbar. Am 81. Oktober um 8 Uhr nachts steht er mit dem Monde in Konjunktion. Saturn geht vor Mitternacht, Ende des Monats gegen 10 Uhr nachts unter. Am 7. Oktober um 8 Uhr vormittags wird er wieder rechtläufig, am 27. Oktober um 3 Uhr nach­mittags steht er in Quadratur mit der Sonne, am 27. Oktober tn Konjunktion mit dem Monde. Die Dauer seiner Sichtbarkeit nimmt weiter bis ans 4% Stunden ab.

Am 6. Oktober um 4 Uhr 23,6 Minuten nachmittags haben wir Vollmond, am 18. Oktober um 8 Uhr 56,4 Minuten nachts letztes Viertel, am 20. Oktober um 4 Uhr 30,3 Minuten ntchmittags Neumond und am 27. Oktober mn 9 Uhr 32,5 Minuten vormittags erstes Viertel. Am

16. Oktober um 4,7 Uhr nachmittags steht der Mond in Erdnähe, am 28. Oktober um 6,9 Uhr nachmittags in Erdferne. Mit dem Vollmond am 6. Oktober tritt eine Mondfinsternis ein, welche in Europa teilweise sichtbar ist. Um 1 Uhr 28,5 Minuten nachmittags findet die erste Berührung des Mondes mit dem Halbschatten, um 2 Uhr 40,5 Minuten mit dem Kernschatten der Erde statt. Uw

4 Uhr 17,6 Minuten steht die Finsternis in ihrer Mitte. Um 6 Uhr 64,7 Minuten abends findet die letzte Berüh­rung des Mondes mit dem Kernschatten der Erde, um 7 Uhr 6,7 Minute» nachts mit dem Halbschatten der Erde statt. Diese Mondfinsternis wird im westlichen Nord­amerika, im Stillen Ozean,- in Australien, Asten, im Indi­schen Ozean und im größten Teile Europas und Afrikas zu scheu sein. Die südlichsten Gebiete des Mondes bleiben frei, weil die Finsternis nach dem Durchgang durch den niedersteigenden Knoten stattfindet.

Verfinsterungen von Jupitermonden finden im Okto­ber statt: Am 2. Oktober um 6 Uhr 24 Minuten abends Austritt des dritten Mondes, um 10 Uhr 41 Minuten nachts Austritt des ersten Mondes am Rande des Planetenschattcns, am 5. Oktober um 8 Uhr 12 Minuten nachts Austritt des zweiten Mondes, am 9. Oktober um 7 Uhr 23 Minuten nachts Eintritt des dritten Mondes, um 10 Uhr 25 Minuten nachts Austritt des dritten Mondes, und um 12 Uhr 86 Minuten nachts Austritt des ersten Mondes am Rande des Planetenschattcns, am 11. Oktober um 7 Uhr 5 Minuten nachts Austritt des ersten Mondes, am 12. Oktober um 10 Uhr 48 Minuten nachts Austritt des zweiten Mondes, am 16. Oktober um 11 Uhr 26 Minuten nachts Eintritt des dritten Mondes, um 2 Uhr 27 Minuten nachts Austritt des dritten Mondes und um 2 Uhr 31 Minuten nachts Austritt des ersten Mondes, am Rande des Planetenschattcns, am 18. Oktober um 0 Uhr nachts Austritt des ersten Mondes, am 19. Oktober um 1 Uhr 25 Minuten nachts Austritt des zwei­ten Mondes, am 25. Oktober mn 10 Uhr 56 Minuten nachts Austritt des ersten Mondes, am 27. Oktober um

5 Uhr 25 Minuten abends Austritt des ersten Mondes und am 30. Oktober um 6 Uhr 16 Minuten abends Aus­

tritt des zweiten Mondes am Rande des Planeten­schattens.

Am 24. Oktober um 3 Uhr nachmittags tritt die Sonne in das Zeichen des Skorpions. Am 4. Oktober um

6 Uhr steht sie in mittlerer Entfernung von der Erde. Die Sonne geht am 1. Oktober um 6 Uhr 1 Minute auf, um 5 Uhr 38 Minuten unter, am 10. Oktober um 6 Uhr 16 Minuten auf, um 5 Uhr 17 Minuten unter, am 20. Oktober um 6 Uhr 34 Minuten auf, um 4 Uhr 55 Minuten unter, am 31. Oktober um 6 Uhr 54 Minuten ans, um 4 Uhr 33 Minuten unter. Am 1. Oktober beträgt die Tageslüngc 11 Stunden 41 Minuten, am 81. Oktober 10 Stunden 1 Minute, am 11. Oktober die Nachtlängc 12 Stunden 19 Minuten, am 31. Oktober 13 Stunden 59 Minuten, die Abnahme der Tagcslängc und Zunahme der Nachtlänge im Oktober also eine Stunde 40 Minuten.

Um Mitternacht am höchsten am Himmel stehen im Oktober die Fixsterne: Beta Walfisch (2. Größe) am 1. Oktober, Gama Kassiopeia (2. Größe) am 4. Oktober, Eta Walfisch (3. Größe) und Beta Andromeda (2,3. Grüße) am 7. Oktober, Theta Walfisch (3. Grüße) und Delta Kassiopeia (3. Größe) am 11. Oktober, Polarstern (zweiter Größe) am 12. Oktober, Tau Walfisch (3,4. Größe) am 16. Oktober, Ceta Walfisch (3. Größe) und Epsilon Kassiopeia (8,4. Größe) am 18. Oktober, Beta Widder (3,2. Größe) am 10. Oktober, Alpha Fische (3,4. Größe) und Gama Andromeda (2,3. Größe) am 20. Oktober, Alpha Widder (2. Größe) und Beta Dreieck (3. Größe) am 22. Oktober, Omikron (Mira) Ceti (veränderlich) am 25. Oktober und Gama Walfisch (3,4. Größe) am 31. Ob, tob er.

Sternbedeckungen durch den Mond finden statt: am 10. Oktober bei 110 Heis des Stieres (5. Größe) um

7 Uhr 1^,7 Minuten nachts, bei Alpha dcö Stieres, Alde. baran (1. Größe) um 0 Uhr 16,6 Minuten nachts, am 13. Oktober bei 68 der Zwillinge (5,5. Größe) um 10 Uhr 88,0 Minuten nachts und am 31. Oktober bei 110 Heis des Wassermanns (5,4. Größe) um 1 Uhr 34,6 Minuten nachts.

Auf Nachtstunden fallen im Oktober folgende Minima