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(■, 1 ■ ■ ! Morgen.veüage des Wiesbadener Tagblaltr. > »-

Nr. 213.

Sonntag» 12. September.

«yiö.

(14. Fortsetzung.)

Srieöels Liebe.

(Nachdruck verboten.)

Roman von Anny von PanhuyS.

Gertrud versuchte mit gütlichem Zureden Magda von dem jungen Offizier zu lösen. Es gelang ibr nicht. Nun wurde sie heftig und schalt sie eine Närrin, die ihre Kunst ausgäbe, uni eine Gutsbesitzsrsfran zu wer­den. L-ie, die in wenigen Jahren mit chrem Können eine erste Berühmtheit werden mußte, wollte sich irgend­wo auf dem Lande vergraben.

„Und der „lange Mensch" meint noch Wunders, was er dir für eine Ehre antut. daß er dich überhaupt hei­ratet" sagte sic.

Nein, das meinte Hans sicher nicht, dazu hätte er sie viel zu liab, antwortete Magda. Doch nianchmal fiel ihr ein, daß Hans anfangs ja gar nicht an eine Heirat gedacht. Es kränkte sie immer noch.

Täglich fast erschien Hans in dem kleinen Badeort, <der Dienst war vor dem Manöver nicht besonders stramm. Ritterlich und zuvor?unmend Leucchm er sich und gewaltsam dämpfte er seine heiße, überquellende Zärtlichkeit, nicht einen Moment vergaß er, in Magda die zukünftige Trägerin feines Namens zu sahen. Der Ruf feiner Gattin mußte rein und fleckenlos fein, doppelt nmßte er sich in acht nehmen, er durfte sich nichts zu vergeben haben, und außerdem: Gertrud hielt Wacht! Wenn Magda und Hans zusammen saßen, war Gertrud immer anwesend. Langs.un begann sie, wenigstens nach außen hin, gute Mene zum bösen Spiel zu machen, aber im geheimen lag ihr Groll auf der Lauer und war­tete ^darauf, loszubrcchen.

Hans redete die ernste Frau oft mit „lieber An- standswauwou" an, das ärgerte sie, aber sie würgte es hinunter und rächte sich auf andere Art. Sie ließ ge­legentlich einfließen, welche bedeutende Karriere Magda vor sich gehabt, wenn es das Unglück nicht gewollt, daß er ihren Weg gekreuzt.

Eines Tages überraschte Hans seine Mutter, ohne sich vorher anzumelden, um mit ihr Mer Magda zu reden und ihr zugleich sein Vorhaben mitzuteilen, den blauen Rock jetzt auszuzichen. Hans hatte etwas Besonderes auf dem Herzen, das erkannte die Gräfin sofort. Ein wenig bestürzt war sie doch, als sie erfuhr, um was es sich handelte. Sie fragte nach der Familie Magdas.

Der Vater besitze eines der ersten Berliner Hotels und sei sehr reich.

So, so. Ja, «dann glaube sie an den guten Ruf der Dame, denn arme Schauspielerinnen hätten wohl fast alle Fahrnisse zu bestehen. Immerhin müsse man Er­kundigungen einziehen, für alle Fälle. Wenn die zur Zufriedenheit ausfielon, wolle sie feinem Glück nicht im Wege stehen. Sie hatte ihren großen Jungen viel zu lieb, um ihm unnötige Schwierigkeiten zu machen.

Die Erkundigungen wurden mit Hilfe eines be­ikannten Auskunftsbureans eingezogen. Sie waren glänzend. Magda Bergen wäre eine sehr talentierte, schöne Schauspielerin, die niemals irgendwelchen Herren­verkehr gehabt, es gäbe nichts Kompromittierendes in ihrer Vergangenheit. Ihre Gage und der Zuschuß

ihres reichen Vaters setzten sie in den Stand, ihr Lebe« und ihre eleganten Toiletten selbst zu bestreiten. Eine ältere Schwester sei zur Gesellschafterin bei ihr.

Hans schrieb sein Abschiedsgesuch, da er sich der Ver» waltung seines Gutes widinen wolle. Es wurde ihm gewährt. Nun brachte er Magda zu seiner Mutter. In einem schlichten, aber eleganten grauen Jackenkleid trat sie über die Schwelle von Buckenbach. Die Gräfin empfing sie freundlich. Die entzückende Anmut der Schauspielerin Merbrückte den Rest von Vorurteil, der noch in der alten Aristokratin geblieben. „Seien Sie mir willkommen, Magda", sie küßte sie auf die Stirne und Magda beugte sich tief über die Hand der gütigen Frau. Ihr Glück war grenzenlos.

Dann begleitete Hans die Schwestern nach Thürin­gen, wo sich deren Eltern in der Sommerfrische auf­hielten, und Herr Bergen, der frühere Portier, gab so­fort seine Erlaubnis zu MagdaS Ehe mit dem Grafen Buckenbach. Daß er Herrenreiter war, fand er „groß­artig, ganz vorzüglich". Da konnte man sich doch ordent­lich über Rennen unterhalten und feine Tips konnte der einem geben. Er klopfte dem gräflichen Schwieger- sühn öfter als gerade nötig kordial auf die Schulter und nannte Magda zärtlich „kleine Gräfin".

Im Oktober setzte man den Hochzeitstag fest. Was Friede! sagen würde, wenn sie seine Verlobungsanzetge erhielt. Ach, dem „Frosch" ivar das wohl sehr gleich­gültig.

Dem .^Frosch" war das aber nichts weniger als gleichgültig. Die Hand, die das Büttenpapier mit der Verlobungsanzeige hielt, das ihr die Mutter sttvmm über den Tisch schob, zitterte nicht und ihre Stimme, mit der sie burschikos aufrief: „Hans ist verrückt", ver­riet nichts von der Aufregung, die sie dnrchtobte, doch die totblassen Wangen Friedels gaben der Mutter zu denken. Wer Friedels Benehmen zerstreute bald jede Besorgnis: so unterhalteird und vergnügt wie an diesem Tage war Friede! lange nicht gewesen.

Gräfin Sorhagen vermochte ihre Schwester nicht zu begreifen- Ein Buckenbach heiratet eine Komödiantin! Kaum auszudenken war das, und ihr Glückwunsch fiel kehr kühl aus. Auch Friede! schrieb ein Billettchen. Direkt an den Bräutigam. Und Hans ärgerte sich dar> Mer. Daß er seiner einstigen Braut so gleichgültig gewesen, mußte ihn erbittern.

Sie schrieb:

Lieber Hans!

Ta Du ja gottlob nur wieder mein Vetter bist gratuliere ich Dir. Es freut mich, daß Du so schnell Ersatz gesunden, doch beneide ich Deine Braut nicht Ich bin froh, daß unsere langweilige Brautzeit einev Schluß fand. ES grüßt Dich

Frieds!.

Eigentlich eine Frechheit von ihr. Eine burschikos« Frau ist entsetzlich, stellte HanS fest und verbannte jeden Gedanken an Friede! Sorhagen. Sie ging ihn ja nichts nrehr an.