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Iür: öcrs 4. gmarfctC 1908
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„Wiesbadener Tagblatt"
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Der Etat für IS04.
Die erste große Aufgabe des neuen Reichstags, der. wie wan bisher annahm, Ende November, nach einer anderen Meldung jedoch erst am 1. Dezember zusammew treten soll, wird die Erledigung des Reichshaushaltsetats sein. Dazu werden noch die neuen Militär- soroerungen, die aus der vorigen Legislaturperiode zurückgebliebene Vorlage über die kaufmännischen Schieüs- gerichte und einige kleinere Gesetzentwürfe kommen Mreno dre neueii Handelsverträge die Volksvertretung keinesfalls früher als in der zweiten Hälfte der Session beschäftigen werden.
-> Reichshaushaltsetat wird ebenso wie im vorigen ^ahr das Schmerzenskind des Reichstags bilden, ebenso wi>e er das der Finanzbenvaltung ist. Schon jetzt sind Erhöhungen verschiedener Ausgabeposten angekündigt, die B^Zmsung der Reichsschulden und beim Re chszuschuß zur ^nvalidenverstcherung, nicht abwenden
T-r+^ a3 ro x 0mmt bü§ chronisch gewordene Defizit, Vas heißt der Betrag, um welchen der Abschluß der Reichs- ^chsptkasse für 1902 hinter der Etatsaufstellung zurückgeblieben war, und der nunmehr als Fchlbetraa m den Etat für 1904 eingestellt wird. 9 m den
n ®je Zeitm ändern sich und der Etat mit ihnm. Bei «r Etatsaufstellung werden die Überschüsse bezw die Fehlbeträge der einzelnen Finanzjahre in die Etats de'- übernächsten ^ahre eingestellt. In früheren fahren waren wrr in der angenehmen Läge, nur mit liber- schusien zu rechnen. Jetzt hat sich das 39tlb gewaltig ver- TO^crt; statt der einstigen Überschüsse prangen die Fehl-
Beträge! ™ ^ Eriken des Etats, und welche Fehl-
^ ^-^udepiinkt bildete das Jahr 1900, in dem der große wirtschaftliche Rückschlag einsetzte, welcher nicht nur und Staatssinanzm, sondern aus unser L^.D^^tslöben so verheerend gewirkt hat. Im Reichshaushalt noch den stattliäM Überschuß von 32 6 Millionen, der als willkommene B?rtt-äg u^Üden fettefteix Lettern zugunsten des Etat sü.
verbucht werden konnte. Im Jahre 1900 ergab der Haushalt des Reiches bereits ein Defizit, aber cs war immerhin noch eine homöopathische Dosis. Der Fehl- betrag aus dem Jahre 1900, der in den Etat für 1902 eingestellt wurde, betrug 1,8 Millionen Mark. Das Ichlrmmste war aber, daß därnit die Position derüberschüsse radikal aus den Einnahme-Rubriken des Etats verschwand und statt dessen dm Fehlbeträge einen ständigen Posten in deir Ausgaberubriken zu bilden beganneii.
Eine außerordentliche Höhe, welche hoffentlich den nunmehr überschrittenen Höhepunkt darstellt, erreichte dieser Fehlbetrag im Jahre 1901, der also als Defizit in ^ Etat für 1903 eingereiht wurde. 'Als die EtatL ausitellnng für 1901 gemacht worden war, da lebte man noch in dem Glauben an eine günstige wirtschaftliche Ent- ^cklung. Aber der Rückschlag, der sich schon im Jahre 1900 angekundlgt hatte, kavi 1901 zur vollen Ent- EL" 9 ' und seine Wirkungen machten sich auch in den Reichs- rmd Staatsfinanzen rn verheerender Weise 9 Ed. ^ Die Rerchshauptkasss ergab einen F-chlbetrag
! )h tel^ s arf ' i to03u nod) «in Defizit von öen Bundesstaaten zufließen- ben Uberweisungssteuern kam. Und auch im preußischen, Staatshaushalt war ein Defizit von 47 Millionen Mark zu verzeichnen.
-k? 1 ?Etat für 1902 ausgestellt wurde, dessen wl* 0 ^ 0 I" dem letzt aufzustellenden Etat für 90. zu tragen haben, da stand man zwar schon unter dem deprimierenden Eindruck des wirtschaftlichen Rück- ganges, aber es zeigte sich in der Folge, daß man die Tragweite dieses Rückganges doch damals noch weit nnter- schatzt hatte. In Preußen allerdings war eine so erfreu- Besserung derEisenbah neinnah men zu verzeichnen, daß das drohende Defizit nicht nirr ausgeglichen werden onnte sondern daß der preußische Staatshaushalt von 190^ sogar noch einen kleinen Uberschuß verzeichnete Weit ungünstiger aber gestaltete sich im Gegensatz
^ öie Mindereinnahmen 21'/ Millionen Mark betmgm, zu denen noch Mehrausgaben von 9 Millionen Mark kamen. So eraab sch eni Defizit von 30,7 Millionen Mark, welches also als
in tat ftoi für 1904 einzustellen ist. B?.^6^ich zum Vorjahre hat sich also das Defizit um 17,6 Millionen verringert Vergleicht nran aber den Etat für 1904 mit denr von 1899, so ergibt sich eine Verschlechterung von 66,11 Millionen Mark. So haben ich che ZZm geändert:
Der Etat für 1903 balanzierte, freilich mit Zuhülfs- nähme einer Zuschußanleihe von 72 Millionen Mark in Einnahmen und Ausgaben mit 2 417 000 000 Mark. jPfta allein die fortdauernden Ausgaben 1 997 220 000 .. carf vetrugen. Bei der diesmaligen Etatsansstellung wird notwendigerweise die allergrößte Sparsamkeit ob- walteii innsfeii, ivvbet selbswcrständlich das Wort be- herzigt werden muß, daß die Knlturaufgab-en nicht leiden dürfen. Wenn das Teiitsche Reich trt den 32 Jahren seines Bestehens eineSchulüeulast von über 2s/-> ^Milliarden angchauft hat, so mahnt das jedenfalls zur Sparsamkeit, wo sie nur irgend angeht und angebracht ist!
Deutsches Deich.
Li-
Am Grabe.
Von E. Kuylenstjer«a.
Aus dem Schwedischen von E. Vilmar.
3-^5 einem Maiabend kamen sie Hand in Hand vom
'Walde her tönte Äuckucksrus. 'vtlna blieb sichen und sah Mats lächelnd an.
„Das galt uns, Stina!" sagte er.
„Nun, besser der Kuckuck als die Eule", meinte sie
KÄ ^r r \T™ ri J 8Q it ffen sich hochrot färbten. Sie wolch daß Mats ein Auge auf sie hatte, aber er
wollsi ^ rechte Wort nicht über seine Lippen
..„w*™“ -r toar ^ hübscheste Mädchen des Kirchspiels, rotz ihrer Armut und — was noch schlimmer war ieiS* ^n^EÜchen Herkunft fehlte cs ihr nicht an « ev Psarrhofsknecht, war jedoch der ^ ältlichste von allem ^ und sie war ihm so gut, als es As Üuchtigcn Sinn überhaupt möglich war. Doch L s^E sehmge Hand zetzt mit festem, treuem Druck die ’ tarchschauerte sie ein jähes Bamzen. Du ans fo l lÜ-'V^ e f. üar 10 rllcht wie die -aildereii, die sich iie Bewirtschaftung von Haus und Hof verstanden^ D ??r ^ .aus der ^andstraße ausgewachsen, erst auf der A.„ ^r Rucken, und dann, sobald sie laufen konnte, auf ^uFußen durch,die Welt geschweift. Als sie dan,!
geworden und einen Dienst annehinen konnte, hatte stetes niemals lange auf, einer Stelle aushalten können. Änp ■ int Frühjahr: dann überfiel sie
^Äsame Rastlosigkeit, ein heißes Sehnen, hinaus in irn Zlehen, unter einem Busch tief drinnen
fnr>r ^A U schlafen, wo Kobolde und Elfen ihr Wesen f' ^ vernähme sie ferne Stimmen. ‘S*' beende, flehende Stimmen, so daß sie mitunter Ltr e 'n] W *» m r ^ ben Verstand verlieren. Nun aber, „i.; l c Mats lwbgewonnen, war es besser, nun tvar cs Ztelchsam füll in ihr geworden.
„Du, Stina, bist du mir gut?"
»Ja, das bin ich."
bemühe, als wäre diese Antwort, die so underbar schlicht und treuherzig geklungen, gar nicht von ihren eigenen Lippen gekommen. Die Tochter der
Vom Hamburger Frauentag.
Aus Hamburg schreibt man uns: Der Verbands, tag der sort,chrittlichen Frauenvereine in Hamburg hat sich, diesmal besonders mit Fragen beschäftigt, die allge-
Ä r öl\ rjöi - n \ \ slt ber Frage -der uehelichen Mutter und Kinder fordert er, daß auch im Falle der Fehlgeburt der unehelich Geschwäiigerten Ansprüche zu» stehKi sollen, sowie daß die Einrede der Empfängnis mehrere Männer, die bisher jeglichen Anspruch beseitigt Hat, zu versagen sei. Er will ferner durch L 0 ", 1 ™ 1 ? Generalvorinundschaft über die unehelichen Kinder, wie sie in Leipzig eingeführt ist, eine striktere Einklagung der Alimente erreickten. Ter Verbandstaa ist ferner eingetreten für Einführung von Vdutterschaft^ tasseii in Anlehnung an die Krankenkassen, damit in den arbeitenden Klassen die Mütter die nötigen Mittel haben, lei der Geburt sich uiid ihre Kinder einigermaßen zu pflegen. Wenn Frauenvereine in dieser Weise arbeiten und ihrem Geschlechte wie den Kindern im allgemeinen erne bessere Vertretung vor dem Gesetz zu schaffe bemüht sind, so wird,niemand etwas dagegen einzuwenden habien. Sehr aunaüig war es, daß, die Hamburger Polizei den F^uen die Verhandlung eines anderen Themas, nän,.- des Kampfes gegen die Prostitirtton, erschwerte Me Polizei hatte diese Verhandlungen einfach verboten, wie es scheintauf Grund § 2 des Hamburger Vereinsgesetzes, wonach Versammlungen Verbote,i sind, die den öffentlich^ Frieden und die öffentliche Sicherheit gefährden Man
»A«, oas will ich!"
, ^Btats intelligentes, schmales Gesicht mit der Kiimmer falte m der stirn leuchtete glückselig aus. Heine Blödig- eit schwand plötzlich. Und dann erzählte er ihr, daß er in einein armsÄlgen, sreildlosen Heim ausgewachsen war, an dessen Schwelle Not und Entbehrung Wache gehalteii RE Mid.wo weißes Brot und ein herzhaftes LackM seltene Gaste gewesen waren. Gleich den Seinen Ratte auch er von kleinauf nach Kräfteii gearbeitet, noch nie- malv nt-Freuden Nun aber würde es anders werdni Run wußte er doch, wofür er lebte und schaffte.
Sima horte ihm schweigend zu. Ihr war es, als venrahmc sie Kirchengesang; das war das Feierlichste, was jt€ rannte.
»Und paß' mal auf, wie schön es in imserer Stube werden soll , suhr er lächelnd fort. „Mi hast doch ivohl singst, ans dem Totenberg zu wohnen, Stina? Tn lollst sehen, wir werden dort froh und vergnügt mit- ernaiider leben. Wer froh und zufrieden ist und Lust zur Arveit hat, dem können die Sorgen nichts anhabeii."
Stina nickte mit absvesendem Blick. Ihr war plötz- lich eingefallen, was die Miitter ihr iit ihrer Todesangst 0c)Qgt hatte: „Solche wie du und ich, wir taugen nicht ins evch und zur Fronarbeit. Wir haben so rotes, rote?. Blut, uiid daher zreht es uns, gleich- dem Wilde, rastlos hinaus m deii Wald und die Freiheit."
„Sttna, Johanni heiraten wir; wanim soll man die Freudenblumen welken lassen? Hast du etwas daaeaen?"
„Nein, Mats."
., i'Fck) habe Buckskin zu Hochzeitskleidern, und sobald lch Ui die Stadt konime, sollst du ein Gesangbuch mit silberner -Spange und ein rotes Seidentuch bekommen " „Buckskin? Pfui, wie grob und häßlich ist das!" „Taugt es dazu nicht?" fragte Mats betreten uiid bü- nahe bestürzt über den höhnischen Ansd-rnck ihrer blauen Augen, die in dem d-nnklen Gesicht so fremdartig wirktcii.
Da aber schlang sie schnell die sveichen Arme um seinen Hals und küßte ihn so leidenschaftlich, daß ihm go,iz Reif? und schwindlig wurde und er sehnsüchtig die Stniide her bnwunschte, wo hoc Priostoc sie sücZ LÄon pocoinon wuroe. :
. Seit jenem Abend arbeitete Mats für zwei, doch seiner Arbeit hatte sich Gesang zugesellt und daher ging sie ihm nun auch doppelt so leicht von der Hand.
. Mats und Stina wareii bereits drei Jahre ver- heiratet uiid ihr Kind, ihre kleine Brita, zwei Jahre alt, als die sommerliche Unrast und Wanderlust wieder in Stina erwachteti. Sie kämpfte dagegen an, so lanae sie vermochte, doch all ihr Ringen erwies sich als machtlo? Anfangs merkte Mats nichts davon. Tie Wirtschaft hatte sie niemals ordctitlich versehen, daher kam es ihm schon auf etivvs mchr oder wenigevNach-lässigkeit nicht an, sofern sie ihm nur das Kind sorglich abwartcte, das sein Aug- pfel, sein Stolz uwd seine Fwude, der Sonntag seines Lebens war. Um Brita mitunter ein Spielzeua oder irgend mne Süßigkeit mitbringeii zu können, pflegte er
chi die Arbeit zu gehen oder 311^ ftcRtnt C 9 ^ ,tnein tarn Holzsägcn oder dergleichen
.., T f r kannte nur ein einziges Märchen, und das er- zahlte er der Kleineil einmal ums andere. Sie Erstand zwar nichts davon, aber sie jubelte und lqchte glückselig iiur^n,eil leniand so lange zil ihr redete. s,,^?tt"a war blaß und hager geworden. Die Sehn- sircht zehite an ihr, und je mehr sie hinausschaute auf die blauen Seen, die gnmen Hänge i:nd woge-ndeii Wälder d sto kahler, oder erschien ihr der Totenbera, desto mA dw kleine graue Hütte, deren Wohnrairni ein Chaos von Hansgerat, Kleidungsstücken und anderem war. Auch sie hatte die tle-ine Brita lieb, doch auf aiidere Art als
lüt f f toa Y^ r u'stuntcr, als sei dies blondlockig.' Wasfn mt der zarten weißen Haut gar nicht ihr e aenei rechtes Kind. Das war kein Kind, das in Lumdm hiillt draußen un Walde Wind uiid Wetter trotzm 1!nte,- deni Sternhimmel schlafen und von erbetteltem Brot
. Mit großen, traumverlorenen Augen starrte St!^ durchs Fenster hinaus in die Ferne, ohne zu höre,, daß Bnta vor Hunger leise weinte. ^ ren ' 0a “
_ "?Ya, das sag' ich dir, gib mir ans das Kind acht'" warnte Mats sie schließlich entrüstet. „Was hast du dm Gottes l-eben langen Tag über zu t.m als ei„A für das Kind zu sorgen und die Wohnung iir Ordnung zn
