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wifÄriw tn zwei Ausgabe». — BezugS-Prei»:

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$üv öcrs 4. gmarfaC 1903

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^Wiesbadener Tagbiatt"

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England und die KnlKan-Frnge.

Unser Londoner u.-Korrespondent'schreibt uns unterm 26. cr.:

...Die Balkanfrage verdankt ihre Existenz den Eifer­süchteleien unter den Großmächten, wobei England von zeher eine Hauptrolle gespielt hat. Aus Angst davor, Satz Rußland auf der Balkanhalb in fei' die Oberhand ae- wimren könnte, wollte es in der Regel von einer Jnter- ^um zugunsten der türkischer Bestialität ausgesetzten chrsitlichen Untertanen des Sultans nichts wissen. Im Jnterchse der Türkei unternahm es den Krimkrieg, und Ms es sich wohl oder übel gezwungen sah, mit den übrigen Machten zum Schutze Griechenlands einzuschreiten, sprachen ferne leitenden Staatsmänner offen ihr Be­dauern über diese Notwendigkeit aus. Die Engländer -boten s. Z. alles auf, um die Oberhoheit des Sultans Aber Moldau uird die Wallachei aufrecht zu erhalten, mÄÄn sie sich lange Zeit ans das entschiedenste gegen die Bildung des rumänischen Königreiches sträubten. Das gleiche taten sie auch in bezug auf die Gebiete, die jetzt das Fürstentum Bulgarien bilden, und außerdem, ver­bürgten sie sich, gegen die Abtrennung von Cypern für dre Integrität des türkischen Besitztums in Asien ein- tvetm zu wollen. Die Bluttaten in Armenien wurden nur wogen der alten kindischen Eifersucht auf Rußland Nicht verhindert, und aus dem gleichen Grunde wird die St. Petersburger Regierung jetzt von Großbritannien abgehalten. mit derjenigen Energie vorzugehen, die not­wendig wäre, um dem periodischen Abschlachten, von vielen T ausenden Frauen und Kinder durch des Sultans

Mein erster Pnlient.

Humoreske von Marie Scheller.

Es war erreicht! In den zwei Tagesblättern, die kn der Stadt S. im Druck erschienen, war groß und breit zu lesen:

»Doktor Walter Scholl, früher Assistenzarzt des Professors ..... an der königlichen Klinik zu Dresden, empfiehlt sich als praktischer Arzt und Chirurg. Sprech­stunden vormittags von 8—10 Uhr, Marktstraße 35 parterre."

Es hatte mir viel Mühe gekostet, bis ick) einen Ort gesunden, der mir, dem verwöhnten Großstädter, wenig­stens annähernd das gewährte, was ich. aufgegeben, und ^oer, wos ja dre Hauptsache war, einem jungen streb­samen Arzt ine Gelegenheit bot, seine Kenntnisse zu ver­werten und eine einträgliche Praxis zu finden, die es ermöglichte, eine junge Frau hoimzuführen und einen eigenen Hausstand zu gründen. Wer mir bas noch vor eurem ^ahre gesagt hätte, daß ich meine interessante Stellung und mein herrliches freies Junggesellenleben aufgeben wurde um ein Paar herziger, brauner Mäd- chenaugen willen, den würde ich schön ausgelacht habm. Aber es war so, mein Herz t- als Arzt mußte ich das Loch wstsen — sonst kerngesund, litt an schwerer Ent­zündung und, Erweiterung, seitdem mir auf einer Tour m der sächsischen Schweiz, droben auf der herrlichen Bastei, das blonde Gretchen begegnet war. Wie deren Goethesche Namensschwester sang auch ich seitdem in allen Tonarten:, „Meine Ruhe ist hin, mein Herz ist schwer, und ach, ich finde sie nimmermehr. bis daß ich in der Lage bin, sie heimzuführen als Doktorin."

Ja, aber das war iricht so leicht, demr der braun­äugige Herzensdieb, die Tochter einer verwitweten Pro­fessorin, hatte außer ihren Geistes- und Herzensschätzen keinen anderen Mammon aufzuweisen, ebenso wie ich. bei dem das kleine väterliche Erbe in den luftigen Studien­jahren in alle vier Winde zerstoben war. — Wenn ick mm nicht erleben wollte, daß ein besser Situierter als ich mir schließlich meine Angebetete vor der Nase wegholen würde, so blreb mir nichts anders übrig, als aut die Ehrenvolle LarUbahn eines Universitätsprofessors zu v.'r- zichien und mich irgendwo seßhaft zu macken. Das war Leun nun geschehen, und bei der Wahl des Ortes hatte

bestialische Horden ein für alle Mal ein Ende zu machen. Dre entsetzlichen Schandtaten, welche die Türkei s. Zt. in Bulgarien verübte, pflegte man in England als etwas ganz Harmloses zu betrachten, und Lord Beaconssield war damals bereit, die Austreibung der Türkerr aus Bulgarien durch Rußland als casus belli zu behandeln, Ware es nicht Mr. Gladstoire gelungen, seine kriegerischen jPg £ Hnlfe eines mächügen, feurigen Appelles an das Bolksgewrssen zu schänden zu macherr. Der gegen­wärtige Ministerpräsident bleibt den alten Torndra- üitwnen treu, und sieht, wie einst seine Vorgänger im Falle Bulgariens rind Rumäniens, keine Veranlassung zur Intervention, bezw. er behauptet, die Situation wäre E für solche ungeeignete. Er, erklärt, das Mandat, öü.v. vE jJcdufoa Nußland uttib- Öftcrrcid) cj'CQ^bcu. mässL genügen, was es auch gewiß tun würde, wenn es nicht •• lbnen Eifersuchtsgründen so ungemein be schranktes wäre. Infolge der Berichte über die Vor- in Makedonien hat sich eines Teiles der englischen s ^° ^rung , nun eine große Erregung bemächtigt, und selbst die Geistlichkeit der Staatskirche ist dieses Mal von Ar ergriffen worden. Daher richtete auch der Erz bischoj von Canterbury soeben ein Schreiben an M>- Balfonr, m dem er diesem entsprechende Vorstellungen macht und auf das die Antwort soeben veröffentlicht wurde. Mr. Balfonr ist als Politiker und Staats- mann ungefähr dasselbe, wie der proverbielle Bock als Zrergartner, und jene Antwort kann deshalb nicht über- raschen, wiewohl er darin unter anderm die Lostrennung Makedoniens von der Türkei als eine Unmöglichkeit be­zeichnet, weil die mohammedanische Bevölkerung bei der Aussicht aus christliche Herrschaft von einer Todesangst er­laßt werden und die verschiedeneir christlichen Sekten mit größter Grausamkeit übereinander herfallen dürsten. DE Griechen z. B. in Makedonien würden, nach Mr Balfonr, die türkische Herrschaft in Ddakedonien stets der Autonomie unter Christen vorziehen. Der Ezbischof von Canterbury wird nun jedenfalls belehrt sein, und bei der Liebenswürdigkeit, mit der sich die Staatskirche stets dem anbequemt, was eine Toryregierimg in solchen Fällen für angemessen halt, fortan schweigen. In den Augen der Angehörigen der staatskirche hat er ja auch seine Pflicht getan, und wenn diese trotz der Erklärung des Ministerpräsidenten noch nicht zufrieden sein sollten, so haben sie also yochstcns Ursache, jenem zu grollen. Tan das geschehen wird, i,t indes nicht besonders wahrschein- lich, denn die eigentlichen Vertreter der englischen Moral sind ja die Nonkonformisten, und die haben nichts zu sagen, solange die Tories an, Ruder sind

die Kenntnis mitgeholfen, daß dem holden Gretelein eine -rante hier m der Nähe blühte, die sie möglicherweise ein mal besuchen wurde. Das war dann doch eine Gelegen heit zmn Scheu, vielleicht auch zum Sprechen, denn bis taug hatten die,Augen mir ausgeplaudert, was die Lippen noch verschweigen mußten.

, Das Herz voll froher Hoffnungen und Erwartungen begrüßte ich also den Morgen, der meine Niederlassung als Arzt den Bewohnern von S. und Umgegend anzeigte, war ich doch ein Sonntagskind, und einem solcheii, dies hatte meme selige Großmutter oft gesagt, war das Glück hold. Nun es mußte sich ja &nlb zeigen, was au dieser Prophezeiung Wahres war. — Vorerst inspizierte ich. ehe die Paticnteii kamen, nochmals meine Wohnung, die ich in bester Stadtlage gewählt hatte. Ter Salon war mittels eines verstellbaren Sofas und ebensolcher Wasch- kommode zugleich die Stätte, wo ich dem Schlummergott ineine nächtlichen Schnarchopfer brachte, doch niemand hatte derh-rer herrschenden Eleganz geglaubt, daß der feine Doktor Scholl nicht über ein wirkliches Schlafzimmer verfugte. Nebenan das Spreche und Studierzimmer mit fernen bis an die Stuckdecke reichenden Bücherregalen dem eichenen Schreibbureau am Fenster, dem Operations­tisch mit den blitzenden Instrumenten mußte jedem Ein­tretenden einen gewissen Respekt beibringen. so daß er voll Vertrauen sein körperliches Wohl dessen Händen anver­traute.

„^..Das sonnige große Wartezimmer dagegen mit dem Pluschülvan in der Ecke, dem davorstehenden Tisch be­deckt mit großen Bilderalbums. Büchern und Schriften aller Art. dem Blumentisch am Fenster und dem darüber im blanken Messingbauer munter zwitschernden Hänfling war ganz angetan, auch in dem Verzagtesten eine frohe Hoffnung zu erwecken. Ich sah alles das mit prüfendem Blick nochmals an, und siehe da, es war alles gut, bis auf den eben nicht mehr schulpflichtigen Sohn meiner Wartefrau. der, in einer Jacke mit blanken Knöpfen steckend, einer Art Livree, die Stelle eines Portiers bis ans werteres bei mir versah. Ich schärfte dem Jungen nochmals ein, erst beim zweiten Ton der Klingel zu öff­nen, gar zu eilig, durfte man als angehender berühmter Doktor sich doch nicht zeigen — gab nochmals genaue Ver- haltungsmaßiegeln und zog mich in meinen Salon zurück denn es mochte gleich 8 Uhr sein, um in olympischer Ruhe der Schar der Mühseligen und Beladenen zu warten.

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Biologie ist eine Erfahrungswissenschaft, die swar bi» zur jeweiligen Grenze des sichere!! Natur- erkennens geht, aber dieselbe nicht überschreitet Für keineE^ Spekulationen hat die Biologie als solche keine Verantwortung und die Schule keine Verwendung.

iiu,?'u sorwaler Hinsicht bildet der naturwissenschaft- liche Unterricht eine notwendige Ergänzung der ab- Nratten Mehrfacher. Im besonderen lehrt die Biologie vernachlässigte Kunst des Beobachtens in kvn- treten, durch den Lebensprozeß ständigem Wechsel unter­worfenen Gegenständen und schreitet, wie die Physik und Chemie, induktiv von der Beobachtung der Eigenschaften und Vorgänge zur logischen Begriffsbilöung vor J T

*«&,£**&?* ^A-"^u^eschichtliche Unterricht die itrrrfmfa öie Heranwachsende Jugend mit den wesent- Formen der organischen Welt bekannt zu machen- die Erscheinungen des Lebens in ihrer Mannigfaltigkeit zu erörtern, die Beziehungen der Organismen zur un­organischen Natur, zueinander und zum Menschen dar- zulegen und einen Überblick über die wichtigsten Perioden u ^en. Besonderer Berücksichtigung bedarf aus der Grundlage der gewonnenen öiotiiwsn-?ii Kenntnisse die Lehre von der Einrichtung des menschlichen Körpers und der Funktion seiner Organe, ein schließlich Ie5re° l<j ^ ±I01ten ^ un:Ete auS öcr allgemeinen Gesundheit^

Beziehung weckt der biologische Unter- richt die Achtung vor den Gebilden der organischen Welt das Empfinden der Schönheit und Volltommenheit des Naturganzen und wird so zu einer Quelle reinsten von den praktischen Interessen des Lebens unberührten

Msomit

. 5. Eine solche Kenntnis der organischen Welt muß als notwendiger Bestandteil einer zei gemüAn allae- melnen Bildung betrachtet werden: Sie kommt n?cht etwa nur dem zukünftigen Naturforscher und Arzte zu Z bem sie den Eintritt in sein Fachstudium erleicht rt Sn- dern sie ist rn gleichem Maße für diejenigen Abituräenten ^^^^^ch ^^vn^Wichtig^it, denen ihr späterer

Ich zündete mir eine der letzten wenigen Havannas an, L'ch noch zur Verfügung hatte, denn zu einer anschafsung weiterer Vorräte der teuren Sorte war ich iÄrfP gekommen, nahm die Zeitung in die Hand! überblickte noch einmal mein Inserat und vertiefte mich m deren politischen,Inhalt; aber ich wußte nicht, die Be! richte über die Reichstagsverhandlungen, die itfi sonst

»SSt Diesen, ließen mich heute ganz katt. Mit dem Leitartikel ging es nicht besser, der Verfasser des­selben mochte die,en wohl nach einem durchjubelten Abend ^AterKaterst'mmung geschrieben haben, so schal und abgeschmackt mutete mich die Sache an

Ärgerlich legte ich das Blatt zur Seite und nahm den

'stiaarre^botte^ ^ Sum Henker, was nur die

Zigarre hatte, kein rechter Zug war dahinter, so oft ick

sie aufl neue in Brand setzte, es war klar, ich würde mich nach einem andern Lieferanten umsehen müssen der Kerl

UNkSSK -

klinMlt^^^' ba f f® uoch immer dmnßcn nicht »H^Aog die Uhr, sie zeigte die nennte Stunde, c u halbe Wartezeit war also schon erfolglos verstrichen

Geduldi a iKen Augenblick ändern, nur Die Lust an der Zeltnngslektüre hatte ich aber verloren, ich trat an das Fenster und schaute auf die Straße; ein rez;cs Leben herrschte darauf. Die Mensche"

Messinasckstd^w^w ? C * -Fl Men das blankpolierte .Ncsiingschild d.» Doktor» scholl zu bemerken. Die Uhr

oon C ttürpJ^ l l!el•IQngc^! l ^J^^ , öCT C cr^^ a ^ctg 1 }^^on G ^atic^ien

bringen sollte; die meisten Leute bwtp» oA w°hl noch gar nicht gelesen und hatten keine Ochste Ahnung von dem neu anfgetauchten Doktor. 1 "

Ser Zweite Tag fand mich noch hoffnungsvoll rrber J“fl cr pF^nch' ohne daß eine Hand den Knopf der elek- Hscheu. Klinget berührt hätte. Die näckiten si" e.lbe Bild der absolutesten Ruhe in meinen Räumen, aber F'F ™ nicinein Innern, denn da begann es schon be­denklich zu garen, und ich war nahe daran, eine Eviden is flehen? dowohncr der Stadt bon,. Himmel herab zu er"