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ei läge zum Wiesbaüeuer Tagblatt.
Mo. 449. Morgen-AnsKabe. Samstag, den 26. September.
51. Jalzegang. 1903.
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R. Petitp
mppa Akademisch c 8 ü gebildeter Optiker
Anerkannt billige reelle Preise
2262
Häfnergasse 5. I
ewige, dumme Zweifeln von deiner Seite!" antwortete die andere Stimme im unverfälschtesten Wienerisch, — freilich, daß es Wienerisch war, erfuhr ich erst später, damals wußte ich es nicht — aber daß es Susannes Stimme war, erkannte ich sofort. „Wenn du dir das schon abgc- wöhnen wolltest, H— gar nichts Schöneres könnt' dir passieren und :mr auch! Schwarze Augen hat sie gehabt, sag' ich dir, brandkohlenrabenschwarze, — schau' zu und guck' dir die Wimpern an. Nie sie daliegt und schläft. Liegt sie denn nun nicht vor uns da wie ein gemaltes Mld?"
Trudi mußte wohl nach mir hinüber gesehen haben, denn es entstand eine kurze Pause, nach welcher sie sagte:
„Ja, sie ist sehr hübsch, und wenn sie die Augen auftut und sic wirklich schwarz sind, — nun, fahr' nur nicht gleich aus der Haut, ich will dir'.? ja glauben, — so muß das zu dem hellen Haar sehr merkwürdig aussehen. Aber, Susi, so hübsch wie du ist sie doch lange nicht!"
„Weil sie noch nichts aus sich zu machen weiß, Schatzerl, das ist alles! Die da ist noch ein ganzes Kind, kaum vierzehn Jahre alt, schätz' ich, daher werd' ich sie auch du nennen, denn ich bin ja schon über sechszehn, weißt du! Aber wie ich so alt war. wie hier In belle blenlle, — oh, noch jünger, elf, zwölf Jahr, da Hab' ich schon ganz genau gewußt, welche Farben mir stehen und was ich anziehen müßte und was nicht . . . dafür hat schon meine liebe, selige Mama gesorgt und das lustige Wien! Ein eitler, dummer Narr bin ich drum doch nicht geworden, — ich weiß eben, ich bin hübsch und Hab' mich darnach zu tragen — Punktum! Glaub du mir, Trudi, wenn die Mäderln schon so tun, als. wär's ihnen schier egal, was für ein Angesicht unser lieber Herrgott ihnen mit auf die Welt gegeben hat, ■— das ist alles nichts wie ein dummes Getu'! Die da hübsch sind, wissen's ganz genau und freuen sich darob, ob sie es nun zeigen oder nicht, — und die häßlich sind, wissen's ebenso genau und ärgern sich im stillen blindwüsig, wenn sie auch noch so erhaben tun und von der Schönheit der Seele reden. Die Seele! Ja, die kann nicht straßauf- und abspazieren und sich begucken und bestaunen lassen! Nein, immer ehrlich sein! Und wenn tausend daher kommen und reden, es ist ihnen gleichgültig oder lästig gar, wenn sie bewundernde Blicke sehen und ebensolche Anmerkungen hören, . . . . ich Hab' einmal den Mut, frei herauszusagen: mich freut's aber! Und lieb ist mir's, daß die Menschen an mir ihre Freud' sehen, wenn das auch nicht mein Verdienst ist: — bei uns daheim war eben alles hübsch, und mein Bruder, der ist schon der schönste von allen! Und wie der reizeride, kleine, blonde Fratz', der da liegt und schläft, mich heut' im Garten angeschaut hat wie ein blaues Wunder, und in seinen großen Augen stand deutlich zu lesen: wie siehst du aber bildsauber au?I Da Hab' ich mich wieder gefreut, und wenn's eine Sund' gewesen ist, dann will ich sie beichten, aber tausendmal Hab' ich schon dasselbe empfunden, und tausendmal werd' ich noch dasselbe empfinden, ich kann's nicht helfen! Basta! Und gute Nacht, Trudi! — Ja, was ficht denn dich an, bleibst du noch aus?"
„Ich will mir nur noch einmal die englische Lektüre ansehen, — bis Mademoiselle Louise die Runde bei uns macht, bin ich fertig! Du weißt, Susi, gerade zu morgen ist es so schwer, — da sind ein paar Stellen —"
„Nun, da wär' ich aber schön dumm! Das sollt'mich plagen, mir den schönen Schlaf zu verzetteln mit diesen« Shakespeare! Ich kann kaum mehr aufrecht stehen: wird es morgen, wie es wird! Laß du dir raten, mein gewissenhaftes Lämmchen, schlüpf in deine Federn und laß den Shakespeare — Shakespeare sein!"
Trudi antwortete nichts, ich hörte nur ein Knistern, wie von den Blättern eines Buches, sodann ein herzhaftes Gähnen, das entschieden von Susi kam. Hierauf wurde alles füll; nach einer Weile erlosch auch der Lichtschein, der rrihige Atem meiner beiden schlummernden Gefährtinnen ging durch das dunkle Gemach, ... ich aber lag noch eine Weile mit offenen Angen da und dachte über das Erlebte nach.
IV.
Was mich am anderen Morgen erweckte, waren mehrere Empfindungen aus einmal; ich atmete einen süßm Rosenduft ein, hörte ein leises, schadenfrohes Kichern und fühlte, daß mir etwas Leichtes, Loses, etwa wie ein feines seidenes Netz, über das Gesicht geworfen wurde. Es wurde mir schwer, die Augen auszuschlagen; nur meine Hände griffen instinktmäßig zu, und nun merkte ich, daß es eine Fülle seidenweicher, duftigen Haares war, das jemand mir neckisch über das Gesicht geworfen hatte und das meineHände nun hastig entfernten.
Dicht über mein Bett geneigt stand Susanne, ihr schönes lachendes Gesicht ganz nahe dem meinigen, eine handvoll wilder Rosen in der Rechten, die sie nun rasch über meine Bettdecke streute, während sie ihr üppiges, dunkles Haar zurückschüttelte.
„Nun, Eva Leoni, süß geruht? Schau, so erwacht man zum erstenmal in der Pension in Villa Bellevue bei Vevey am Genfer See. Nicht so schlimm, meinst du? Nicht' dich einmal aus und sich empor!"
Ich mußte lachen und tat, was sie mich geheißen; noch mehr mußte ich lachen, als sich eine zweite Gestalt über mich neigte und mit angelegentlicher Spannring in meine Augen sah; das war Trudi, die sich überzeugen wollte, ob Susanne recht gesehen. Das ganze gestrige Gespräch war mir mit einem Schlage gegenwärtig.
„Wer hat nun recht?" rief Susi im Triumph. „Hab' ich's nicht gesagt, — sind sie nicht schwarz? Sieh her, Eva Leoni, dies hier ist die Trudi Götzen, genannt dit „Musterjungfrau", — ■—- mir expreß als Gefährtin bei-
gegeben zum warnenden-ich Hab' mich versprochen!
— zum nachahmenswerten Beispiel, auf daß auch so der- stockten Gemütern, wie ich eines bin, die Ahnung aufgehe, was es Wunderschönes um die Tugend sei in dieser nichts, würdigen Welt. Dieses Prachtexemplar zählt erst fünfzehn Jahre, stammt aus Königsberg in Preußen, der Sftrdt der reinen Vernunft, hat einen Papa, dm: Wirklicher Geheimer Konsistorialrat ist und es entschieden wünscht, seine liebe Tochter dermaleinst an einem gesitteten Amtsbruder zu verehelichen; rede nichts dawider, Trudi, er wünscht es entschieden, und warum sollte er wohl auch nicht? Da besagte Perle mit fünfzehn Jahren bereits ein leuchtendes Vorbild des ganzen Pensionates ist, so erfüllt mich der Gedanke an ihre Zukunft mit ernsthafter Sorge. Noch tugendsamer kann sie eigentlich gar nicht werden, — mithin frage ich mich: wo will das hinaus?"
lktortsebuna kolat.l
Wissen allein ist nicht das Ziel, die Bestimmung des Menschen. Wir lerne» nicht nnr, um z» wissen. Die Handlung, die Wirkiamkeit allein bieten den, Menschen einen wlirdigcn Zweck de« Lebens.
Helmlioltz (f 8. Sept. 189t).
(8. Fortsetzung.)
Cva Keoni.
Roman von Marie Bernhard.
Llber zu den beiden großen Fenstern sah der Abend- ytmmel^herein, in dessen verblaßtem Blau bereits die ersten Sterne blitzten, und die jetzt in siesem Schatten lagernden Berghäupter grüßten ernst zu mir herüber, — — und wenn ich jetzt weinen mußte, so war e§ nicht, wie Mademoiselle sicher glaubte, das Heimweh oder die
Sehnsucht nach meinen Lieben, was mich faßte,-
sondern ein anderes Gefühl, wehmütig und schön zugleich, das ich unzählige Male noch gehabt habe, wenn, wie eben jetzt, die Natur ihre mächtige, feierliche Sprache zu mir redete.
Still und geschäftig half mir meine Gefährtin, alle-s zweckmäßig unterzubringen und zu ordnen, — wir machten alle beide keine überflüssigen Worte und befanden uns wohl dabei. Die Frage, ob ich Licht zum Auskleiden wünsche, verneinte ich, — es war noch so hell im Zimmer, und als das alte Fräulein mit einem freundlichen Gutenachtgruß gegangen und ich allein war, bog ich mich weit zum Fenster hinaus und umfaßte immer wieder mit meinem Blick dasGebirge und den bleich herüberdämmernden Spiegel des Genfer Sees, und ich sah die Sterne schüchtern, wie aufblinkende Engelsaugen, allgemach immer zahlreicher und leuchtender aus dein nun rasch sich verdunkelnden Himmel hervortreten und fühlte einen leise fächelnden Nachtwind an mir vorüberstreifen. Fächelte derselbe sanfte Wind auch wohl jetzt die Blumen auf dem Grabe meiner Mutter, und sahen die Sterne dort auch so feierlich nieder auf die goldenm Lettern: „Edicha Leoni — gestorben im zweiundzwanzigsten Lebensjahr?"
Es ging wie ein Frösteln über mich hin, — hastig schloß ich das Fenster, entkleidete mich und schlüpfte in mein Bett. Ich wollte die Eindrücke des Tages an mir vorüberziehen lassen, — aber der ermüdende Reisetag verlangte sein Recht, wie Blei goß es sich in meine Glieder, noch gaukelte Susannes berückende Erscheinung wie aus weiter, weiter Ferne vor meinen Blicken, .... dann nichts mehr. —
Was mich erweckte, war ein matter Lichtschimmer und das gedänrpfte Geflüster zweier Stimmen in meinem Zimmer. Sie sprachen wirklich sehr leise, aber ich war es so sehr gewöhnt, allein zu schlafen, daß meinSchlummer ungewöhnlich empfindlich war und das geringste Ge- rausch ihn störte. Diesmal kam mir mein Erwachen sehr erwünscht, ■— so konnte ich gleich meine neuen Stuben- genossinnen kennen lernen und einen ganz unbefangenen Eindruck gewinnen.
„Wenn du nur recht gesehen hast!" hörte ich eine ftemde Stimme sagen.
„Schaust du, Trudi, das ist eine schreckliche Sach', dies
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Fortlaufender Eingang der letzterschienenen Neuheiten für Herbst und Winter.
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