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Verlag Langgaffe S1

„Taidlall-Hans".

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„Tagblatt-Hans" Nr. 6650-53.

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Sonntag» 12. September 1915.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 425. - 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Russische Angriffe bei Tarnopol unter schweren Verlusten abgewiesen. — Derazno besetzt. — Die österreichische Serethfront südlich Tarnopol zurückgenommen. — Vas Dorf Alba in Litauen erstürmt. — Mißglückter italienischer Angriff am voberdo-plateau.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 11. September, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Derazno am Goryn ist in unserem Besitz. Bei Tarnopol versuchte» die Russen in stärkerem An­stürmen in die Stellungen der Verbündeten eiuzudrin- gcn. Der Feind wurde unter schweren Ver­lusten a b g c w i e s e u. Weiter südlich nabmen wir unsere Serethfront vor überlegen feindlichen Kräften auf die Höhcu östlich der Strypa zurück. Nordöstlich und östlich von B u c z ac z verlief der Tag ruhig. Auf den Höhen westlich des unteren Sereth heftiger Kamps. Östlich der Serethmündung und an der bcssara- bischcn Grenze ist die Lage unverändert. Auf dem Kriegsschauplatz in Litauen erstürmten unsere Trup­pen das zäh verteidigte Dorf Alba westlich von Koffow.

Italienischer Kriegsschauplatz»

Seit längerer Zeit wieder zum erstenmal entfaltete die feindliche Ar t il l er i e gestern lebhaftere Tätig­keit an der k ü st c nl ä n d i s ch e n Front. Gegen den Südwest-Abschnitt der Hochfläche von D o b e r d o ging heute nacht Infanterie in der Front Fermegliano- Monte C o s i ch zum Angriff vor. Von überraschen­dem Minenwerfersruer empfangen, fluteten die Ita­liener in ihre Deckungen zurück. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts von Bedeutung ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschallcutnant.

Düna unö Njemen.

Nachdem die Russen in schneller Aufeinanderfolge die befestigten Waffenplätze des westlichen Polens an die siegreiche deutsche Armee verloren halben, legen sie das Schwergewicht ihrer erschütterten Verteidi­gungskraft auf das Flußgebiet zwischen Düna und Njemen- Beide Flüsse spielen daher in den Operationen deutscher und russischer Truppen gegenwärtig eine her­vorragende Rolle. Der Njemen entspringt südwestlich von Minsk, durchquert — zuerst in westlicher, dann in nördlicher und zuletzt in nordwestlicher Richtung — das ganze Kriegstheater und tritt bei Sudavgi aus deutsches Gebiet, wo er als Memel der Osttee zuströmt. Inner­halb des russischen Gebiets wechselt die Breite des Flusses zwischen 40 und 400 Meter, die Tiefe von 0,60 bis 6 Meter. Mitte Dezember friert der Njemen in der Regel zu und taut Anfang April wieder aus.'Gewaltige Überschwemmungen in den Frühjahrsmonaten lassen Brückenschläge während dieser Zeit ausgeschlossen er­scheinen. Der Oberlauf des Njemen kann infolge seiner geringen Breite und Tiefe kaum als militärisches Hin­dernis angesehen werden. Der nächste Abschnitt, von der Beresina, welche sedoch nicht zu verwechseln ist mit dem gleichnamigen Nebenfluß -des Dnjepr, bis zur Mündung der -schava, kommt jedoch schon als ernstliches Hindernis in Frage. Er erreicht -hier eine Breite von 100 bis 200 Meter bei einer Tiefe von 2 bis 4 Meter. Der Fluß wird nun artt seinem Wege gegen Grodno etwas schmäler, -das llfergelände hin und wieder steil. Gerade -diele Flußstrecke im Verein mit der sich südost- wärts anschließenden Schara mit ihren versumpften un­gangbaren Usern ist von wesentlicher Bedeutung, denn sie sperrt alle von Bialostok und BresttLitowsk -heran­führenden Wege. Durch die westlichen Ausläufer dieses Sumpsgebietes hat sich die siegreiche Armee des Prinzen Leopold von Bayern bereits hindnrchgekämpft. Der wichtigste, der deutschen Grenze gleichlaufende Abschnitt ist der zwischen Grodno und Kowno. Durch die Eroberung der Festungen Grodno, Kowno, Olita und die Erstürmung des behelfsmäßig ausgebauten Mertsch befindet sich dieser Flußabschnitt ganz in deutscher Hand. Dem letzten Njemen-Teil, von Kowno bis zur preußi­schen Grenze, kommt ebenso wie dem letzten Weichsel­abschnitt auf russischem Boden nur eine untergeordnete Bedeutung zu, denn wie dort die Weichsel, so verliert hier der Njemen, dank seiner nordwestlichen Rich­tung, seinen Charakter als Stromschranks in der wich­tigsten Operationsrichtung. Die zweite Stromschranke gegen St. Petersburg bildet das Flußgebiet der D ü n a, von den Russen westliche Dwina genannt. Auf ihrem aan^en hierfür in Betracht kommenden Laus kann sie

als Hindernis ersten Ranges angesehen werden. Sie entspringt aus dem Seengebiet südlich der Wolga- Quellen. Bald hinter Witebsk erreicht sie eine Brette von 180 Meter, eine Tiefe von 3 Meter, bei Dünaburg 280 und 6 Meter. Bis über Dünaburg hinaus sind die Ufer im allgemeinen trocken, tm weiteren Verlaufe tre­ten häufig Sumpfftrecken heran, auch eine große Menge von Weihern und kleinen Seen erschwert in der Gegend westlich Dünaburg die Annäherung. Bei Riga er­reicht die Düna die stattliche Breite von 800 Meter. Sie ist hier durchschnittlich 125 Tage im Jahre von Eis be­deckt. Brücken sind vorhanden bei: Witebsk. Polozk, Dünaburg (2), .Kreuzburg und Riga (2). Die von uns eroberten Brücken bei Lennewaden und F r i e d r i ch st a d t verdanken ihren Ursprung den krie­gerischen Ereignissen. Am linken Dürm-User «darf wegen seiner zahlreichen Sümpfe und Weiher aim ungang- -barsten angesehen werden: das Stück zwischen Düna, kurländischer Aa und dem Laaksee. Denselben Charakter besitzt das Ufergelände der zwischen Polozk und Düna­burg einmündenden Dißna.

Unsere mehrfachen erfolgreichen Übergänge im Ge­biet des Njemen rrnd der Düna beweisen von neuem, daß diese Flußschranken kein unüberwindliches Hinder­nis für unser siegreiches Heer bilden. dl.

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Zur Räumung von Dünaburg und Riga.

Br. Stockhlllm, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) „Nowoje Wremja" berichtet, daß die Räumung der Stadt Dünaburg bereits beendet sei. Auch die Eisenbahn und die D e p o t s sind schon geräumt. In der Stadt selbst ist jedes Leben erstorben. Profeffor Ostrow aus Riga, der in Moskau angekömmen ist, erzählt, der „Nowoje Wremja" zufolge, über die Räumung Rigas folgendes: Schon um ersten Tag seiner Ankunft hat General Zalobowski, dem die Räumung Rigas anvertraut war, alle Fabriken besucht und angeordnet, daß die Fabriken, z. B. die Automobil- fabriken, total geräumt werden. Viele Fabrikdirektoren baben sich den Befehlen des Generals anfangs energisch wider­setzt. So hat beispielsweise die rnssisch-baltische Waggonfabrik alles mögliche aufgeboten, um die Räumung zu verzögern. Auch die Bahnverwaltungen haben dem General Schwierig­keiten bereitet, und dies alles hat die Räumung aufgehalten. Dessenungeachtet waren am 16. August bereits 17 Fabriken völlig geräumt, so daß gegenwärtig IM der größten Fabriken geräumt sind.

Deutsche Matznahmen in den besetzten russischen Gebieten.

Br. Amsterdam, 11. Sept. (©iß. Drähtbericht. Jens. Bln.) Dem „Daily Telegraph" wird aus Petersburg gemeldet: Um die Vernichtung von Lebensmitteln in den Gebieten der militärischen Operationen zu verhindern, vertreiben die deut­schen Behörden Kundgebungen, in denen gegen jeden, der Lebensmittel vernichtet oder Korn in Brand steckt, strenge Strafen angedroht werden. Die Deutschen ergriffen ver­schiedene Maßregeln, so viel wie möglich die Flucht der Orts­bewohner vor den feindlichen Heeren zu verhindern und raten den Flüchtlingen, ruhig auf ihren Wohnsitzen zu bleiben. Flüchtlinge aus Warschau erzählen, daß die deutschen Be­hörden bereits mit der Germanisier ung der polnischen Hauptstadt begonnen haben, indem sie polnische Beamte durch deutsche ersetzen.

Der politische Zweck.der russischen Anstrengungen a« der best arabischen Grenze.

Berlin, 11. Sept. (Jens, ©ln.) An der bestarabischen Grenze gewinnen, wie der „Bester Lloyd" schreibt, die Kämpfe an Heftigkeit. Es scheint, daß die Russen die bessarabische Grenze mehr aus politischen als aus strategischen Gründen zu halten sich bemühen.

Die Kämpfe bei Tarnopol.

Br. Berlin, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

Ans dem österreichisch-ungarischen Hauptquartier wird über die Kämpfe bei Tarnopol noch gemeldet: Während noch heftige Kämpfe westlich des Sereth fortdauern und bei Tarnopol noch hartnäckige russische Gegenstöße abzuwchren s:uv, wurden im Kampfraum beiderseits letzterer Stadt schöne Erfolge erzielt. Nördlich wurde die Front be­trächtlich über de» Sereth vorgetrieben. Bei Ostrow, dem Knotenpunkt der Linie Kozowa-Tarnopol und Tarnopol- Trembowla haben deutsche Truppen den Bogen durch Eroberung des Dorfes D u c n i o w wesentlich cingeschnürt. Durch diese Vorstöße längs der von Westen kommenden Bahn ist die für die Russen sehr wichtige Verbindung Tarnopol- Trembowla wohl bereits durch Artillerie unterbrochen, was nicht ohne Einfluß auf den Fortgang der Operationen sein dürfte.

Nach dem Großfürsten der Ministerwcchsel.

W. T.-B. London, 11. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Daily Mail" meldet aus Petersburg: Nach dem Wechsel im Oberkommando mehren sich jetzt die Stimmen, die den Zar drängen, auch im Ministerium Änderungen vorzu- nehmen. Der Petersburger Stadtrat nabm mit 84 gegen 18 Stimmen eine ähnliche, aber schärfer gehaltene Resolution an.

wie die Moskauer. Er fordert darin die -Entlassung aller, die für die Mißerfolge mitverantwortlich waren und die gegen­wärtig üble Lage herbeiführten. Er fordert die Ernennung von Ministern, die das Vertrauen des Landes besitzen. In der Resolution heißt es dann weiter: Rußland steht am Scheideweg. Es muß die alten Geleise verlassen und einen Weg einschlagen, der zu neuem Leben und zum Ereg führt. _

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Der Sieg in den Argonnen.

Telegramm des deutschen Kronprinzen an den König von Württemberg.

-W. T.-B. Stuttgart, 11. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Dem König ist, wie der „Staatsanzeiger" mitteilt, folgendes Telegramm des Kronprinzen Wilhelm zugegangeu:

„Es ist mir eine große Freude, Dir wiederum melde« zu können, daß drei Deiner Regimenter im Berei» mit drei preußischen Regimentern im ArgonnrrW «J b

mit großem Schneid und tadelloser Wirkung mehrere feindliche Stellungen im Sturm genommen haben. Hierbei wurden 2050 Gefangene, 50 Maschi­nengewehre und 48 Minenwerfer, eine Revolverkanone, 100 große Flügelmine-n und viel Material erbentet. Mit allerherzlichsten Grüßen Wilhelm, Obcrkommandeur der 5. Armee."

Die Behandlung deutscher Kriegsgefangener in Frankreich.

Br. Genf, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Da? Pariser „Journal" veröffentlicht heute einen Bericht über die deutschen Kriegsgefangenen in Nazaire. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Gefangenen, etwa 1000 an der Zahl, an Stelle der einbernfenen französischen D o<k - arbeiter mit dem Ausladen der Kohlenschiffe beschäftigt werden, wofür sic bis 40 Cts. (32 Pf.) pro Tag und Mann er­halten. Die schwere Arbeit des Kohlenwagens widerstrebte vielen Soldaten und manche dürften sich wohl gesträubt haben, sie auszuführen. Als Strafe wählte die Militärbehörde 90 Mann unter ihnen aus, von denen sie glaubte, daß fiepte Anstifter seien und verschickte sie nach Marokko,

Englische Uriegsziele.

.Schade, daß wir hier nicht ein K a r te um at et i al -beilegen können. Die „Deutsche Kolonialzeitung" ver­öffentlichte vor einiger Zett einen Vortrag, den ein Führer der britischen Imperialisten, der deutschfreund­liche Sir H. Johuston, in der Königlichen Geograschi" -schen Gesellschaft zu London am 24. Februar 1915 ge­halten hat. Der Mann war bis dahin wirklich von aa? genchmeren Gefühlen -gegen uns beseelt, und da er so­mit als Vertreter von verhältnismäßig maßvollen For­derungen -gelten kann, so haben seine Ausführungen den Anspruch auf besondere Geltung, znmal sie in der genannten, so hochvornehmen wissenschaftlichen Gesell­schaft gemacht worden sind. Die Karten nun (mit deren Wiedergabe sich übrigens auch die „Sozialistischen Monatshefte" ein Verdienst erwerben) müssen ■ unser höchstes Interesse beanspruchen. Die erste Karte zeigt -das Afrika vom Juli 1914. also das uns allen bekannte Kartenbild- Die zweite zeigt, wie Afrika, wenn der Krieg unterblieben -wäre, im Jahre 1916 ausgesehen haben könnte: die dritte, wie Afrika nach Beendigung! des Krieges voraussichtlich aus sehen wird. Die zweite und die dritte Karte gehören zum Interessantesten, was man sich denken kann. Auf der Metten kommen wir nämlich überraschend gut weg. Der Kongo st aat gehört fast ganz zu unserem Kolonialbesitz: im unge­störten Zusammenhänge erstreckt sich deutsches Gebiet vom Indischen zum Atlantischen Ozean: nur ein Stück am unteren Kongo bleibt belgisch, Katanga freilich, der wichtigste Teil von Belgisch-Kongo, ist zu dem eng­lischen Südafrika geschlagen. Von Deutsch-O stt