... . . . **• Jahrgang.
W E" zwei Ausgaben. — Bez«aS-«rei»r
Nos? ^ac '^ 8 * """"ltlich, durch bi*
W 9 Mk. ft« Pfg. vierte,jShrli^ für beide
Verlag: Langgaffe 27 .
Anzeigen-PreiSr
einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige» 15 jfür anSwSrtige Anzeigen 25 Pfa. —
Q} .1 / a m. kl. C«\ .ili. .11 . r " rm • 1 v .
Än unsere Post-Monnrnken!
Um die erfahrungsgemäß beim vierteljahrswechsel eintretenden Störungen im Bezug zu vermeiden, ersuchen wir unsere verehelichen Post-Abonnenten, alsbald die Erneuerung ihres Abonnements bewerkstelligen zu wollen. Dieselbe kann sowohl bei den Postämtern als auch durch das Bestellpersonal derselben erfolgen.
_ Vertag des „Mesvadener Zagvlatt".
Die Militiirmißhandlungen.
. kommende Reichstag wird sich, das steht schon letzt fest, m sehr eingehender Weise mit dem schweren Übel Äer Militärmißhmiidlungen beschäftigen, und wir wollen hoffen, daß diese Aussprache nicht so erfolglos dl erben wird, wie es ähnliche Aussprachm bisher waren, ^der aufmerksame Zeitungsleser wird zu der Über- »Wung gekommen sein, daß das Vielbeklagte Übel der MrlitarmiizhanidlungM irr der neueren Zeit ganz außerordentlich häufiger auftritt, als dies früher der FM war. Wir wollen dahingestellt sein lassen, inwieweit diese Erscheinung auf der jetzigen Öffentlichkeit des Militärstraf- versahrens und vielleicht auch aus einer strengeren Verfolgung der Militärmißhandlungen beruht, aber auch in den Kreisen der Armeeverwaltung soll, wie unlängst ver- stchert wurde, die Auffassung herrschen, daß die Militär- nnßhandlungen in der letzten Zeit „häufiger und vor . allen Dingen roher" geworden seien.
Jedenfalls zeigt dies erschreckend häufige Vorkommen schwerer und oft genug — wie im Fall Breidenbach — bestialischer Schindereien und Mißhandlungen im Heere, daß die Bekämpfung dieses nicht nur sehr beklagenswerten, sondern insbesondere in seinen politischen Wirkungen höchst gefährlichen Übels entweder nicht mit dem richtigen Eifer, oder aber nicht mit den richtigen Mitteln gehlandhabt wird. Fast alle diese Fälle von Militärmißhandlungen, wie sie durch die Gerichtsverhandlungen bekannt werden, sind darin typisch, daß die schlimmsten Mißhandlungen verübt werden, ohne daß die höheren Vorgesetzten von diesen Dingen, von denen die ganze Kompagnie weiß, etwas erfahren, und ohne daß die Ge- mißhandelten es wagen, von ihrem Beschwerderecht oder ihrer Beschwerdepflicht Gebrauch zu machen, so daß oft genug erst ein Zufall oder gar, wie im Falle Breidenbach, der Selbstmord eines Verzweifelten die Dinge an den Tag bringt.
„Wer um Gottes willen, Mann, warum haben Sie denn keine Meldung gemacht?" So hat im Prozeß Breidenbach der Verhandliingsleiter einen der Gemitz. handelten gefragt, und der Gefragte antwortete: „Das hat uns der Herr Unteroffizier gleich vom ersten Tage an
streng verboten." Hier liegt der Hase im Pfeffer. Ein altes Sprichwort lautet: Was nützt dem Soldaten der Mantel wenn er nicht gerollt ist! So geht es auch mit dem Beschwerderecht. WM nützt es dem Soldaten, wenn es nicht angewendet wird! Wen aber trifft hier die Schuld, und wie ist diesem Übelstande abzuhelfen?
§ 1 der Beschwerdeovdnnng vom 14. Juni 1894 be- sagl. „\vebom. Sol boten, u>elcf)ec gloubt, bast ifyxti bitxd) Behandlung, durch Vorenthaltung geldwerter Gevuhrmsse oder aus einem anderen Grunde von Vorge- fttzten oder Kameraden Unrecht zugefügt ist, ist es ge- stattet, sich zu beschweren." Danach hat also nicht nur der Soldat, welckwm nach späterer objektiver Feststellung Unrecht geschehen ist, das Recht zur Beschwerde, sondern mich derjenige, welcher glaubt, daß ihm solches geschehen sei. tz 1 erfährt aber eine wesentliche Einschränkung ourch den § 6, welcher demjenigen, der „leichtfertig oder Wider besseres Wissen eine aus unwahre Behauptungen gestützte Beschwerde vorbringt", oder der „eine Beschwerde uiiter Abweichung von dem vorgeschriebenm Dienstwege oder unter Nichteinhaltung der festgesetzten Frist an bringt", eine Strafe androht.
Der Beschwerdeführer, dessen Beschwerde als un- gerechtfertigt erachtet wird, läuft also Gefahr, bestraft zu werden. Aber die Meinung ist stark verbreitet, daß der Beschwerdeführer einer weit größere,: Gefahr ausgesetzt ist, wenn seine Beschwerde als gerechtfertigt erachtet wird Tenn er sieht sich alsdann — auch dafür bietet die Geschichte kriegsgerichtlicher Verhandlungen zahlreiche Beispiele — oft genug der Rache derjenigen ausgesetzt, über die er sich beschwert hat. Und die Furcht vor dieser Rache ist offenbar noch stärker, als die Furcht vor den Mißhandlungen, die deshalb oft genug schweigend ertragen werden, um schlimmeren zu entgehen , , Hier liegt der Kern des Übels, welches dadurch ver- schärft wird, daß laut § 3 der Beschwerdeorünnng der «oldat niemals während oder unmittelbar nach Beendigung des Dienstes, sondern erst am folgenden Tage seine Beschwerde anbringen darf. Unmittelbar nach erlittener Mißhandlung würde die Empörung über diese vielleicht oft genug stärker sein, als die Furcht vor den etwmgen Folgen. Aber dadurch, daß der Beschwerdeführer b,s zum nächsten Tage warten muß, ist vor allem den niederen Vorgesetzten — wir erzählen hier nur ein offenes Geheimnis — die Zeit gegeben, dem Gemißhan- deltm klar zu machen, daß er besser fährt, wenn er von einer Beschwerde Abstand nimmt.
Hier aber kommen wir zu dem Kardinalfehler, durch den alle diese Mißstände ermöglicht werden, und das ^st' wie auch das Oberkriegsgericht im Falle Breidenbach ruckhaltslos festgestellt hat, die in zahlreichen Fällen zu beklagende mangelnde Aufsicht seitens der h o h e r e n V o r g e s e tz t en. Hier und zugleich bei der Erleichterung des Beschwerdeweges wird der Heber einzusetzen sein, wenn die Militärmißhandlungm wirksamer als bisher bekämpft werden sollen. Und das muß geschehen '
Deutsches Deich.
Die sozialdemokratische Presse nnd der Parteitag.
. , « ie sozialdemokratische Presse ist über den Verlauf des Parteitages nicht so ganz befriedigt. So schreibt die Frankfurter „Volksstimme", welche bekanntlich unter der Leitung des 1)r. Quarck steht, u. a.:
^ .^ie Rebelö großer Aufsatz in der „Neuen Zelt", so war sein Referat (über die Taktikj nur eine Aneinanderreihung von gewiß ehrlich gemeinten Bedenken und Angriffen, alles in alän^endeu skorm, aber keine sachliche Erörterung. Kautsky schien a^bnpticher zn sein, war es aber doch nicht. Er sprach alte ante Uni Programmsätze unserer Klasienkampftheorie N ri '-nd klar ans, ging aber aus die Mannigfaltigkeit neuer t U " 8 öie Entwickelung gebracht hat, und ihre Ausnützung für unser gemeinsames Endziel, wie so oft schon kaum ein. So sprachen Bebel, Kautsky und andere einerseits' Auer, Vollmar und andere nebeneinander weg, nicht qegen- eS ' SfV»» nlter bewährter Parteigenosse, wie proletarische Standpunkt von nie- ,n?"den abgesprochen werben kann, vor einer prinzipiellen Re- '°l"twn überhaupt warnte und sie ablehnte: so kam cs, daß schließ- iwr ie Resolution Bebel-Kautsky von der Mehrzahl } der Revisionisten, fast nur Bernstbin ausgenommen, mit wirklich «S,®»?' 1 ' 11 unterschrieben werden konnte, während umgekchä Antibernsteiniancr nicht entfernt mit allen ihren Einzelheiten einverstanden waren und sie nur als Angenblicksknndgebnng mit Ptppßmrn; so kam es, daß, ähnlich wie bei der Mehringdebatte noch eil! „Rest, zu tragen peinlich", gerade für Bebel! Kautsky und die anderen übrig blieb. Denn die Derbheit mit der Auer, Lollmar usw das libermaß von Autorität und'Geltung zuruckwiesen, die Bebel in der Partei beansprucht trafen zu »n«m Teil ins Schwarze, das war die überwiegende Stimmung Formulieren wir dieses Ergebnis sachlich, so dürfen wir K° btjfj der Autoritätsglauben in der Partei einen aesnnden Sc-iü ^ ^r Einsicht darin nützliche Förderung erhalten hat, daß bch L!^rcren leitenden Parteigenossen recht große menschliche mÄw"' Schwachen, die sogar der Partei politisch schädlich vorhanden sind und der Zurechtweisung durch die Partei bedürfen. Auch das ist schließlich ein Gewinn, freilich A frUif(f)c, wenn auch nicht nörgelnde R'Ewng in der Partei. Daß u»sere ehrlichen, kritische!! Aus- einandcrsctzungen mit der Resolution und über den Inhalt des-- ^^>"^^^aben sinü, glaubt kein Mensch unter uns. Bielleicht rft Bebel der erste, der die Resolution »vidiert. '
Der „Vorwärts" zieht bas Fazit aus öen Verhand- wie^folgt^ sozialdemokratischeu Parteitages
Es schwebte ein unglückseliger Geist des persönlichen Haders, m des gegenseitigen Mißtrauens, eine ganz ungewöhnliche Neigung zu llbcrtreibungen und Verschärfungen an sich be- ^uU'npSsllrTiiige über einem großen Teil der VerhandMngem Wir haben tagelang erbittert gestritten wegen einiger Austäne ut einer bürgerlichen Zeitschrift. So berechtigt aber auch das E-Npünden- der großen Mehrheit war, daß jene Mitarbeit un- verlohnte es öie lange Zeit, die mit dieser DiL- kusston vertan wurde, einer Diskussion, die sich üa-ii inä gyair wie verlor? ^Es scheint „ns, als ob es leicht mögttch gewesen wäre, diese <rrage kurzerhand in befriedigender Weise zu erdigen. Nicht viel bester ist es mit der hitzigen Bizepräsidmten- Debatte gegangen. Man stand am Schluß da, wo man am Anfana war. Es wurde gesagt, daß die Partei niemals uneiniger ae° wesen lst als jetzt, schließlich aber mußte man fast mit erhobenen vanden flehen, es möchten doch wenigstens einige Delegierte so Ä 1 '! ?”'• ÄT tt J ie R°s°luti°/zu stimmen. Auch öäeses Flehen half nichts, die amendierte Resolution Bebel-Kautskn- Singcr wurde mit- einer Mehrheit angenommen, wie niemals Mvor bei taktischen und prinzipiellen Erörterungen. Nur elf Delegierte stimmten dagegen, darunter noch einer ober der andere
Die Totenliste eines Dationalfestes.
Die Feier Ser Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, üie dort als Nationalfesttag am 4. Juli begangen wird, ist oft von bedenklichen Folgen begleitet gewesen, aber in diesem Jahre hat der 4. Juli eine geradezu mörderische Wirkung gehabt. Es ist für den, der amerikanische Verhältnisse nicht kennt, kaum glaublich und mutz auch erst besonders aufgeklärt werden, wie es möglich war, datz der diesjährige Nationalfeiertag eine Totenliste von 466 Personen und eine Liste von 3983 Verletzungen aufzuweisen gehabt hat, so datz also am 4. Juli im ganzen 4449 Menschen in den verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten zu Schaden gekommn sind, und zwar, wohlverstanden, infolge der eigentümlichen Art, in der dies Fell begangen wird. Die bedeutendste ärztliche Zeitschrift de? Vereinigten Staaten, das „Journal der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung", hat die Lache mit wohltuender Offenheit an die grotze Glocke gehängt und auch den schärfsten Tadel nicht gespart, um >iese Barbarei zu kennzeichnen und ihr für die Zukunft mtgegenzuarbeiten. Ein bekannter englischer Schriftsteller hat einmal gesagt, datz man die Entartung eines Volkes an den Ausgaben erkennen kann, die es für Feuerwerk bezahlt. Dieser Satz klingt höchst sonderbar, aber er gibt insofern zu denken, als nachweislich in China das Abbrennen von Feuerwerk so verbreitet ist wie in keinem anderen Lande. Das ärztliche Journal gibt denn wenigstens auch zu, datz solche Freudenäutze- rungen zum mindesten kein Zeichen nationaler Intelligenz sind und spricht sogar unumwunden aus, datz es besser wäre, den 4. Juli als Festtag ganz abzuschaffen, rls ihn unter solchen Umstanden mit Verlusten zu feiern die denen einer Schlacht gleichkämen. 466 tödliche Unfälle, dazu 10 Erblindungen, 75 Verluste eines Auges, 64 Verluste von Beinen, Armen oder Händen, 174 Verluste von einem oder mehreren Fingern neben 3670 anderen Ver
letzungen, das ist wahrlich ein schöner Retord für ein Nationalfest. Wir ruhigeren Leute fragen erstaunt: wie rst denn so etwas möglich? — Die kleineren Verletzungen lassen ftch^ obgleich ihre Zahl zun. Erstaunen groß ist, wohl noch verstehen durch öen unvorsichtigen Gebrauch ^"^Euerwerkskörpern, von Platzpatronen, von Böllerschüssen und ähnlichem: wie aber konnte es geschehen, datz so viele Leute ihr Leben dabei verloren? — Die Erklärung dafür liegt allerdings in einem besonderen Um- stand. Der weitaus größte Teil der Todesfälle geschah nämlich durch Starrkrampf, also durch eine Art der Blur- vergiftung, dre sich an Verwundungen mit kleinen Äinder- pistoten, bezw. durch die daraus geschossenen Platz- patronen, anschloß. Es ist in den letzten Jahren verschiedentlich darauf hingewiesen worden, daß der Verkauf billiger Pistolen besser überhaupt verboten werden sollte, weil dadurch viel Unfug vermieden und vielleicht auch mancher Selbstmord erschwert werden könnte Die amerikanischen Kinöerpistolen, mit denen die Schlacht vom 4. Juli 1903 geliefert worden ist, scheinen nun noch eine ganz eigenartige Waffe zu sein, jedenfalls in ihrem Gebrauch an einem solchen Tage. Viel mag der unreine Zustand der Pistolen selbst daran schuld gewesen sein, noch mehr aber jedenfalls der Inhalt der für das „Spielzeug benutzten Platzpatronen, datz so viele folgenschwere Verletzungen überhaupt möglich waren. In einigen « sich jene Platzpatronen geradezu
als Wislgeschvfse erwiesen, inbem sie den von ihnen ver- ursachten Verletzungen öen furchtbar gefährlichen Starrkrampfbazillus einimpften. Wenn man die Totenliste rn dem Amerikanischen Journal durchsieht, so findet man der Wunde immer wieder abwechselnd me Pistole und die Platzpatrone angegeben, daneben seltener Feuerwerkskörper und nur ganz vereinzelt andere Instrumente, deren Gebrauch dann aber auch meist Mit der Zurichtung der Pistolen oder des Feuerwerks in Verbindung steht. Nun sind derartige Vorgänge in den Vereinigten Staaten önrchaus nicht unerhört, der 4. Juli ist in diesem Jahre nicht zum crstenmale gefeiert wor- ben, und auK nicht zum ersten Male s y gefeiert worben
^^ ^ Esmal. Daher sind auch schon in verschiedenen Staaten Gesetze und vor allem eindringliche Warnungen 2 ^lw W m röCn ',-^ e ÖCK Sutage getretenen Mißbräuchen .s. Gesetzesvorschriften sind aber weder t>on den Bürgern genügend be- achtet worden, so daß es geschehen konnte, daß die größte Zahl von Todesfällen an Starrkrampf durch Verwun- ouiigen mit Kinöerpistolen in Pcnnsylvanien Vorkommen «eraöe der Verkauf solcher Waffen an Knaben .staatlich verboten ist. Dabei sind die dieser sich jährlich mehr oder minder schwer wieder- holenden Fe,ttragödie meist unreife Jungen, denen eine eigene Verantwortung noch kaum beiznmeffen ist. Das ümerikanlsche Journal nennt daher das Schlachtfeld vom der Unschuldigen" und vergleicht Optern, die an £in£m F^tag im kaiserlichen trarden. Der Starrkrampf (mit wissen- schaftlichem Namen Tetanus), dem von jenen 466 Todesfällen allein 415 zur Last fallen, ist eine Krankheit die sä ^"ilisterten Ländern glücklicherweise nicht mehr so überaus häufig ist. „Glücklicherweise" muß dabei mit ganz besonderem Nachdruck gesagt werden, denn es gibt kaum em ansteckendes Leiden, das mit größerer Sicher- he:t zum Tode führte und dessen Verlauf ein so überaus Es dauert immer einige Tage, bis sich üan?^durch den Eintritt von Krämpfen kunögib? dann ist es aber auch zur Heilung gewöhnlich ^u svät und ein ärztliches Urteil lautet, daß der Patient, an dem die Symptome des Starrkrampfes sichtbar werden die Krankheit nicht eben erst bekommen hat, sondern am An- kang des Todeskampfes steht. In diesen Eigenschaften Regelt für ihre Behandlung Vorzüge und Nachteile. Die Vorzüge bestehen darin, daß die Mittel zur Heilung selbst aus größerer Entfernung hcrbeigeholt werden können, ehe die unmittelbare Lebensgefahr ein- trrtt. Die Nachteile beruhen darauf, daß der Verletzte und ebenso der Arzt schwer erkennen können, ob eine lebensgefährliche Blutvergiftung vorliegt, ehe es nicht zu spat yt. Es gibt bereits ein Antitetanus-Serum, das in der Tat bei rechtzeitiger Anwendung manche Erfolgs
