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i «-.-a i Morgen.veilage des Wiesbadener Tagbiatts. !-

Nr. 212. Samstag. II. September. _1915.

l13. Fortsetzung.) $t!ß6ß{S <Nachdruck verboten.)

Roman von Anny von PanhuyS.

Heiß tv-ar der diesjährige Juli, abnorm heiß, über Sodens hübschen Gärten lag die Hitze und niachte Blumen und Bäume und Menschen müde. Auf der Kurhausterrasje nahmen heute nur wenige den Nach­mittagstrunk, zu diesen zählten auch Gertrud und Magda Bergen. Die sonst gut« Kurkapelle spielte matt, die flimmernde Sonnenglut brütete wie eme Wolke in der Lust.

Magda hatte vorhin zu ihrer Schwester von Hans Buckenbach gesprochen, ganz gleichgültig tat sie eS. Zu­fällig hätte er ihr das Programm ausgenommen, das ihr entfiel, man sei ins Gespräch gekommen und es wäre sehr nett gewesen, da der Offizier schr Mt zu untevhalten verstände. Er käme wahrscheinlich heute nachmittag wieder und ivürüe sie dann begrüßen.

Gertrud erwiderte nicht viel darauf, doch sie be­schloß, gut acht zu geben, „der lange Mensch" war ihr unsympathisch.

In tadellosem Zivil, eine weiße Nelke im Knopfloch, betrat Hans Buckenbach Sodener Boden, doch seine er­wartungsvolle Stimmung sank bedeutend, • da er die Frau mit dem strengen Gesicht und der puritanischen Frisur sah, die gleich der personifizierten Ungemütlich­keit neben der schönen Schauspielerin saß.

Mit der Schtvoster ist nicht gut Kirschen essen, schätzte er Gertrud sofort richtig ein.

Jedenfalls trug sie die Schuld, daß die Unterhaltung nicht recht in Fluh kam. Ihre bitteren Bemerkungen rissen den Gesprächsfaden immer wieder brutal durch. Man trennte sich nach einem knappen Stündchen. „Der lange Mensch ist ein Esel", faßte Gertrud später ihr Ur­teil über den Artilleristen zusammen.

„Mir gefällt er sehr", antwortete Magda, dieses ewige Bevormunden der Älteren fiel ihr doch langsam aus die Nerven. Mit niemand sollte sie verkehren, sie lebte ja förmlich klösterlich. Schließlich hatte alles seine Gren­zen. Bisher hatte Magda das Wesen der Schwester noch nie so unangenehm empfunden wie heute.

„Nun, wenn er dir gefällt, ist das noch lange kein Grund, es den eingebildeten Menschen merken zu lassen."

„Eingebildet ist der Graf gar nicht, im Gegenteil", sagte Magda.

Gertrud lachte hohnvoll auf. „Du verteidigst ibn schon, es scheint dem langen Menschen ja rasch geglückt zu sein, dein Herz zu erobern. Sag, Magda, hast du denn keinen Stolz?" herrisch und groß stand sie vor der Zierlichen. „Man wirft doch nicht dem ersten besten Offizier, der sich erst vorher fein säriLerlich Zivil an- zicht, um seine Uniform in der Nähe der Schauspielerin nicht zu gefährden, sein Herz entgegen. Der Graf sucht ein Verhältnis mit der Schauspielerin und ich meine, dafür rst eine Magda Bergen doch zu schade."

Pfui, wie häßlich Gertrud ihren schönen Traum zer­störte.

Am nächsten Morgen mit der ersten Post , erhielt Macyda einen Brief. Hans Buckenbach schrieb, er müsse sie unbedingt allein sprechen und bat um eine

Unterredung. Magda antwortete sogleich. Die bösen Worte der Sclwester stachelten ihren Trotz aus. Herm- lich, zur Dämmerstunde traf sie sich mit dem „langen Menschen", und Seite an Seite mit ihm wanderte sie durch den Wald, der am Cronberger Weg begann. Nach­mittags war ein leichter Regen gefallen und ein er­frischender Odem wehte durch die dichten grünen Laub­kronen, Magda war ganz befangen, die Worte der Schwester: „Ter Gras sucht ein Verhältnis mit der

Schauspielerin", hallten noch in ihr nach. Still war es ringsum, nur Grillenzirpen und Vogelgesang tönten hell in das Schweigen. Hans Buckenbach und Magda rieten Oberflächliches und dachten an etwas ganz an­deres, und dann konnte der Mann nicht mehr an sich halten, gar so süß war das Gesicht der jungen Schönheit neben ihm zur Rechten. Mit schneller Bewegung rrß er die schmale Gestalt im weißen Spitzenkleid an sich und küßte sie gierig wie ein Verschmachtender und sie wehrte ihm nicht. Eine Fülle von Seligkeit sank auf sie herab, vergessen waren Gertruds herbe Worte. „Ach, Mädel, du bist das entzückendste Geschöpf, das es gibtl" flüsterte er. Hätte Friede! nur ein einziges Mal so weiblich hingebend in seinem Arm geruht, dann-

Toll, daß er überhaupt jetzt an den „Frosch" dachte. Stürmischer suchten seine Lippen den roten Mund der schönen Schauspielerin. Arm in Arm, wie ein echtes, rechtes Liebespaar, schritten sie weiter.

„Ich Hab' dich, glaube ich, gleich lieb gehabt, als ich dich zum erstenmal gesehen", gestand Magda. „Weißt du, eines Sonntags abends m dem Restaurant der Kaiserstraße. Dann sah ich dich wieder beim Rennen; du blicktest mich so seltsam an, da wußte ich: die Rosen, die man mir täglich brachte, waren von dir.. Ich konnte dich nicht mehr vergessen; zufällig hörte ich, du seiest verlobt, da hob' ich mit aller Kraft die, Gedanken an dich in mir niodergerungen — ." Sie blieb stehen und schaute strahlend zu ihm auf. „Ach, Hans, ich habe dich unsinnig lieb!" Das letzte hallte jubelnd in den stillen Wald hinein. - .

„Das finde ich schr geschmackvoll von dir, Liebling", lachte er zurück; „wenn nur deine Schwester wenige« rauhbeinig wäre, könnte unsere Liebe höchst gemütlich werden."

„Höchst gemütlich! Was du für merkwürdige Aus­drücke hast!" lächelte sie. „Gewiß, meine Schwester ist ja schwer zugänglich, und >da sie eine traurige Ehe hinter sich hat — sie war nämlich verheiratet — ist sie aus die Männer nicht gut zu sprechen. Wenn sie dich ober erst besser kennen lernt und einsieht, daß du mich wirklich liebst, dann wird sie weniger ..rauhbeinig" sein." Sie blickte mit einem Ausdruck voll Seligkeit zu ihm empor.

„Wollen das Beste hoffen, übrigens sind wir ja beide erwachsen und können uns lieb haben, wie wir wollen, nicht wahr, du Süßes?" Er wartete gar keine Antwort ob und küßte sie wieder.

Leicht schob sie ihn zurück. „Ich denke, Gertrud