Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage Mm Mesbaüener Tagblatt.

Uo. 43V. Morgen-Ausgabe.

$-£-****$*** ****** ** $*************** *

I btr Mn<frmiw^ er Religion noch gefährlicher als I»

4 ber Ungläubige. _ B. Roscher. £

tt ’^9WWW*****¥W0WWW¥WWWWWWW¥WWWW¥W¥¥W99li

(3. Fortsetzung.)

Goa Keom.

Roman von Marie Bernhard.

Die Daine trug noch ihre schwöre, kostbare Robe,

"f ^Keppe über den k,urschenden Kiessand ^^^ssgte. MZ rch m ihr weißes, hochmütig empor- gehobenes Antlitz blickte, wurde mir beklommen zu Sinn, können^ ^ E öu Hellas Mutter bisher kein Herz fassen

Ich knixte verlegen und zog an meiner Schärpe, wie

^ e 111111 ne ^ en wir stand; sie ließ meinen Gruß unerwidert.

„Eva, ich bin hergekommen, um dir zu sagen, daß du nicht mehr mit Hella spielen darfst, weder hier im Garten, noch sonst irgendwo. Ein Kind wie du ist kein llmgaiig Ix*> r P e ' Tie Tochter. Ich habe an deine Erzieherin ge­schrieben und ihr dasselbe mitgeteilt, — hoffentlich wirst

handeln? machen, meinem Willen zuwiderzu-

, . Sie sah während dieser Worte über mich weg, als sei ich leere Luft und letzt raschelte die schloere Schleppe von neuem über den sandigen Weg.

Ich stand wie betäubt und starrte chr nach

Gott weiß es, ich war jung und klein, und der Schatten, der durch meiner Großmutter Brief in meine Seele gefallen war, hatte mein Gemüt nur vorüber- gebend getrübt,, — ich hatte den Augenblick weiter ge- Hellas gefreut und ziiweilen gedacht: es wird so schlimm nicht sein! — Damit ttösten sich große Menschen, warum nicht ein .Kind von kaum acht Jahren?"

Aber dieser greifbare Beweis, wie sehr im Recht meine Großmutter war, wenn sie behauptete, mein Der- kehr mit Kindern werde sich von selbst verbieten, da kein Bater und kerne Mutter meinen Umgang dulden werde traf mich wie ern Donnerschlag. Also wirklich, — wirk- ttchl Ich sollte ausgestoßen sein aus dem Verkehr mtt Menschen, ich war ein einsames, unglückliches Kind! Aber warum, — warum dies alles? Was hatte ich verbrochen, um so gestraft zu werden? Ich kam gar nicht darauf, zu denken, daß die Sunden anderer an inir heimgesucht werden konnten, ich zerguälte mich unaufhörlich mit der Frage „Was habe ich getan, daß man so mit mir ver­fahren darf?

Tante Gina würde mir nichts sagen, dessen war ich er, nwine Großmutter hatte es ihr zu streng verboten, wen sollte ich fragen? An wen mich wenden? — Diese Reflexionen stehen ruhig auf dem Papier, aber ruhig sah es in mir damals nicht aus. Ich war ttotz memes einsamen Lebens, trotz meines Hanges zur Träumerei,, ern sehr leidenschaftlich empfindendes Kind und gar nicht auf dem Wege ein „Vernunftmensch" zu §ddden., ^ch stand da nnt geballten Fäusten, wogender Brust, die Augen von zornigen Tränen verdunkelt Man hatte mm ein himmelschreiendes Unrecht getan, — und ich konnte mich nicht wehren! Man nähr» mir meine mir Irebgewordene Spielgefährtin, die einzige, die ich besaß.

Sonntag, den 20. September.

51. Jahrgang. 1903.

und ich mußte dazu still halten. Wahrlich, ich war ein unglückliches Kind! — Schluchzend und tief innerlich ge- demütigt schlich ich durch den Garten, den die sinkende Sonne mit satten goldenen Streiflichtern schmückte.

Als ich später Tante Gina beim Abendessen gegenüber saß, eröffn-ete diese mir einigerniaßen verlegen, mein Ver- kehr mit Hella werde aufhören müssen, — worauf ich sie rasch unterbrach: „Ja, Frau vonWellingen hat es mir selbst gesagt, ihre Tochter dürfe mit einem Kinde wie ich nicht spielen!" Dazu sah, ich Tante Gina scharf und prüfend an, und sie schlug die Augen nieder und erwiderte kein Wort.

Hella sah ich nur selten einmal zufällig wieder und zuweilen hörte ich im Garten ihr und ihrer Brüder helles Lachen zu mir herüberschallen. Aber in die Nähe des Gitters kam sie nicht mehr, und auch ich ging nicht gern dahrn.

II.

.Nun war ich wieder einsam wie zuvor, aber, wie es natürlich ist, es wurde mir jetzt weit schwerer zu ertragen, als früher. Freilich hielt Tante Gina meiner Groß­mutter Wort: ich bekam schöne Kleider, prachtvolles Spielzeug, und — was tausendmal mehr wert war! — ich bekam neue Lehrer, die mir guten, anregenden Unter richt erteilten, so daß ich gern und viel lernte. In meinen Freistunden las ich die herrlichsten Märchen, spater vorwiegend historische Bücher und Reisebeschrei- bungen, ich vertiefte mich mit brennendem Eifer in meine Lektüre: ebenso gern aber ritt ich auf dem hübschen, kleinen Pferdchen, das man mir anqeschafft hatte.

Mein, Grübeln über mein seltsames Schicksal hörte darum nicht auf. Glaube niemand, daß die Eindrücke, welche eine Kinderseele empfängt, nicht nachhaltig und stark seren! Wohl maq es Kinder geben, bei denen alles lcncht wie Spreu im Winde weggeweht wird, bei denen Familienleben, Geschwister, angeregter Verkehr imHause, Leid und Freud' der Schule rasch die Spuren jedes aus- gekeimten Nachdenkens auslöscht, — ich kann sie darum nur glücklich preisen. Mir wurde es nicht so gut! Ich war ein einsames Kind: niemand kam, mich zu besuchen, Mit mir zu spielen, ich hatte sehr viel freie Zeit zum Nachgrübeln, und meine Seele, bildsam und weich wie Wachs, konnte das unverschuldete Weh, das man ihr zu- gefügt, nicht verschmerzen, den herben Eindruck des Aus- gestoßenseins nicht überwinden.

Ein Erlebnis kam dazu, das es mir recht deutlich vor Augen führte, was alles ich entbehrte, was alles andere beneidenswerte Kinder, im Gegensatz zu mir be- saßen. Unser Hmisarzt, ein freundlickier Herr, dem es leid tun mochte, daß ich so ohne Gespielen dastand, lud mich an einem sonnigen Sevtembertage zum Geburtstage seiner zehnjährigen Tochter Hedwig ein, — außer ihr be- saß er noch sechs Kinder, Knaben und Mädchen bunt durcheinander Tante Gina gab zögernd und ungern ihre Erlaubnis, ich bin auch überzeirgt, daß sie meiner Groß- mutter diese kleine Begebenheit verschwiegen hat Sie mochte fürchten, zwischen mir und den Kindern des Doktors konnte sich ein lebhafter Verkehr entspinnen- aber dazu sollte es nicht kommen.

Mit großem Herzklopfen ließ ich mich zu dieser ersten KmderfSte meines Lebens — ick, konnte nicht wissen daß es auch meine letzte sein würde! — von meiner französi, styen Bonne, ^eannetie, die meine Großmutter für mich

aus Vevey herübergeschickt hatte, anputzcn. Im Haus« des Doktors, das mitten in einer geräuschvollen Straße stand, sah es sehr einfach aus, in meiner Villa war alles viel eleganter und kostbarer: auch die Kuchen und Früchte^ die man mir vorsetzte, schmeckten bei Tante Gina schöner. Dafür waren hier Kinder, mehr als ich in der Eile zu­sammenzählen konnte, Kinder jeden Alters, Knaben und! Mädchen, mit braunen und blonden Haaren, mit Zöpfen und Locken, mit hellen und dunklen Augen, — schwatzend^ kichernd, durckieinanderflatternd wie ein großer Tauben­schwarm. Ich stand fremd iind schüchtern mitten unten ihnen und mag mich unbeholfen genug benommen haben,. — aber mein Äußeres iind mein schöner Anzug mochten dach Gefallen finden: die meisten Kinder waren freund- lich zu mir, lehrten mich ihre Spiele und ließe:: mein« Befangenheit bald schwinden.

Später kamen ein paar ältere Damen zu der Haus­frau zum Besuch und das kleine Volk hatte der Reihe nach anzutreten, eine Reverenz zu machen und guten Tag zu sagen. Als die Reihe an mich kam, stutzte eins der Damen, die ein unangenehmes Gesicht und eine so scharf gekrümmte Nase wie ein Vogelschnabel hatte; sie nahm hastig eine Brille hervor, setzte sie auf und musterte mich durch dieselbe, was mich nicht wenig in Verlegenheit setzte.

„Das Gesicht muß ich doch kennen!" hieß es in einem spitzen, erregten Tan. „Wie heißest du denn?"

„Eva Leoni!" gab ich zur Antwort.

„Das dachte ich mir!" Und in hörbarem Flüsterton zu der Dame des Hauses gewendet: „Wer, beste Frau Doktor, wie können Sie dies Kind in Ihr Haus bitten?, Ich würde meiner Lina nie einen solchen Umgang er­lauben!"

Von der Antwort verstand ich nur „Mitleid gehabt" und „das Kind- kann doch nichts dafür!" Dann hörte ich die spitze erregte Stimme von neuem: „Nun, ich täte es nie, soviel weiß ich! Sie ist übrigens Zug für Zug die Mutter — bis auf die Augen!"

Mehr konnte ich nicht verstehen, aber ich hatte auch enug gehört und meine kurze Freude war rasch dahin! leilnahmlos setzte ich mich zu einer Lotterie hin und spater stand ich beiseite und sah dem Tanze zu, — ich konnte ^a nicht tanzen. Die Kinder waren nach wie vor freundlich mit mir, aber ich dachte, sie täten es auch nur aus Mitleid, und ein „solches Kind" gehörte gar nicht unter sie.

Bon einem kleinen Mädchen erfuhr ich, daß Frau Doktor noch ein Töchterchen habe, das nicht unter uns fei, die kleine kranke Meta, die an Krämpfen leide und von der es hieß, sie habe vielleicht nicht lange mehr zu leben. Später brachte man die kranke Meta auf einl halbes Stündchen zu uns herein, — ein kleines, elendes, wachsgelbes Kind mit alten, schlaffen Zügen und welken, faltigen Händchen. —- Es hatte einen mürrischen, eigen­sinnigen Gesichtsausdruck, — aber die Eltern und Ge­schwister waren um sie herum mit einer Liebe und Freude, als wäre ihr Erscheinen das größte Glück für uns alle, Sie wetteiferten mit einander, ihr zu gefallen, ihr ein Lächeln abzulocken: jedes der Kinder war bereit, ihr sein bestes Spielzeug, seine schönste Näscherei zu opfern und ich war sehr verwundert, daß man von diesem kleinen, häßlichen und unliebenswürdigen Geschöpfe so viel Auf- Hebens machte. (Fortsetzung folgt.)

©

SC

*S

sS

Militär-

Pflichtigen

empfehle

Chic und! elegant garnirte

Damen-Hüte.

Sämmtliche JVenheiten

Reithosen

— ohne Naht —

sowie die echten Prof. Dr.

G. Jaeger’schen

Heinrich Schaefer,

11 Webergasse 11.

93491

für die

Herbst- und Winter-Saison

sind eingetroffen.

Luise Kleinofen,

Spezial-Geschäft für feinen Damenputz,

45 Langgasse 45.

Gallerien, Rosetten, Portieren etc.

billigst bei 2248

Fr. Kappler, Michelsberg 30 .

_ Telephon 2297. _

Reue Pianos

A. Abler, Taunusstr. 29. 1314

Futter-Taillen

mit Kragen- u. Aermelfutter.

Fertig zur Anprobe.

v. R. G. M. 167610.

Mit Verwendung einer solchen Futter- Taille ist jede Dame im Stande, ohne Mühe Kleider mit sehr gut sitzender Taille herzu­stellen. Schneiderinnen, -welche hiervon verschied, Grössen vorrätig haben, können ohne Vorbereitung gleich die erste Anprobe machen. Aenderungen sind n,ur an den gehefteten Nähten erforderlich,' in welche auch der Oberstoff eingenäht wird. 2806 Vorrätig in den Weiten 42—50 cm in weifs, oröme, hellgrau, mittelgrau, mode Satin-Köper u. zweiseitiger Satin-Köper, eine Seite schwarz, eine Seite grau,

Das Stück mit Kragen- n. Aermelfutter 2,00.

Cli. Hemmer,

IVebergaise 31 .

Allein-Verkauf für Wiesbaden.