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«dir 4. 17. September 1903

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe), rvcrlag: Langgasse 27 ,

51. Jahrgang. No. 433,

der Empfänger al8 die durch die fremden Postverwal- tungen beförderten Postpakete. Außerdem werden für di» Postfrachtstücke von den Empfängern gewisse Neben- gebtthren eingezogen, die häufig eine sehr beträchtliche Höhe erreichen, namentlich bet Sendungen nach Süd­afrika (Kapkolonie, Natal, Oranjeflutz-Kolonie, Trans­vaal). Die Postanstalten haben deshalb nach einer Ver­fügung des Rcichspostamts die Absender von Postfracht­stücken nach überseeischen Ländern zu verständigen und ihnen in geeigneten Fällen zu empfehlen, die Sendungen unter Umständen durch Teilung als Postpakete einzu­richten. Die Marine-Intendantur teilt mit: Pri­vatpakete können unter den bekannten Versendungs­vorschriften kostenlos für die auf S. M. S.Bineta". Gazelle",Falke" undPanther" befindlichen Marinc- angehörigen befördert werden, wenn die Pakete bis zum 29. September 1903 bei der Speditionsfirma Matthias Rhode & Co. in Hamburg eingeliefert sind.

Fernsprechdienst. Der Dienstbeginn beim hiesigen Fernsprech-Bermittelungsamte ist für das Winterhalb­jahr (1. Oktober bis einschließlich 31. Mürz) endgültig auf 71/2 Uhr vormittags festgesetzt worden. Für die in der Zeit von 71/2 bis 8 Uhr vormittags zur Ausführung kommenden Gesprächsverbindungen wird im Orts-, Vor­orts- und Bezirksverkchr die Gebühr für Nachtgespräche in Höhe von 20 Pf. erhoben.

o. Große Rauchwolken, welche vorgestern abend gegen 8 Uhr aus dem Keller des Hauses Wellritzstrahe 39, Ecke der Walramstraße, drangen und das ganze Treppenhaus anfüllten, auch auf der Straße bemerkbar waren, ließen vermuten, daß in dem Keller ein Brand ausgebrochen sei. Es wurde dann auch durch einen Feuermelder die Feuerwache durch das SignalGroßfeuer" alarmiert. Die mittels Rauchmasken vorgehenden Feuerwehrleute fanden in dem Keller, daß Gefäße mit Spiritusöl, Sal­peter und Salmiakgeist zertrümmert waren und diese Flüssigkeiten den Rauch entwickelten. Unter Leitung des städtischen Brandmeisters wurde jede weitere Gefahr da­durch beseitigt, daß die zerbrochenen Ballons in den Hof gebracht und dem Rauch der erforderliche Abzug aus dem Hause verschafft wurde. Die Ballons sollen durch den Steiuwurf eines Knaben durch das offene Keller­fenster zertrümmert worden fein.

o. Schadenfeuer. Gestern vormittag gegen 11 Uhr ist in dem Laden Kleine Kirchgasse 3, in welchem Herr Werner eine Schuhmacherei und Plisseelegerci betreibt, durch Explosion von Benzin ein Brand ausgebrochen, welcher an den Schuhrvaren und der Ladeneinrichtung bedeutenden Schaden anrichtete. Das ganze Haus war RS unter das Dach von Rauch angefüllt. Die Feuer­wache, welche mit einer Schlauchlinie Vorgehen mußte, hat das Feuer rasch gelöscht und konnte nach Verlauf einer halben Stunde wieder abrücken.

Bereins>N achrichte«.

* DerKlub Borussia" veranstaltet kommenden Sonn- taa den 30. September, von nachmittags 4 Uhr ab, im Saale ,Kur Germania" (Platterstratze 100) eine humoristische Unter­

haltung mit Tanz.

* DerM arineverein Wiesbaden" feiert am 14., 15 . und 16. November d. I. seine Fahnenweihe. Die Fahne zeigt anf der einen Seite die Marine-Kricgsflagge, auf der anderen Sette ein in voller Fahrt befindliches Kriegsschisf. umgeben m,l dem Wahlspruch Sr. Majestät des Kaisers:Allzeit Volldampf voraus, fürs Vaterland, fürs Kaiserhaus". Außerdem noch ver­schiedene Marine-Embleme. Die Vorbereitungen zu dem großen Feste sind seitens des Festausschusses schon im vollen Gange. Zur Abhaltung dieser Feier ist für Samstag, den 14. November, dre Turnhalle (Hellmundstraße) und für Sonntag, den 16. (Hauptfeceri ier Walhalla-Saal festgelegt.

s) EmS, 18. September. Wie sehr es den Teilnehmern an der 3. ärztlichen Studienreise doch bei uns gefallen haben mutz, ersteht man wohl am besten daraus, daß das Komitee derselben, voll deS unauslöschlichen Eindrucks, welchen die herrlichen Tage von Ems auf die Teilnehmer gemacht, dem Magistrat den Betrag von 50 » M. für einen mildtätigen Zweck übergeben hat. Herr Stadtbaumeister Balzer, der nunmehr ein Jahr lang den von Magistrat und Stadtverordneten, gewünschten Probedienst zu aller Befriedigung erledigt hat, wurde in der gestrigen Stadtverord-

schwen glichen Komplimenten. Öfter spielte er sich auf den blutarmen Teufel hinaus, um Mitleid zu erwecken. So ließ sich manches Mädchen und manche Frau gewinnen. Mehrmals spitzte sich diese Situation zwischen Tür und Angel aber so zu, daß der Kolporteur nahe daran war, Prügel zu bekommen.Schauen S', daß' aus 'n Haus außi kommen mit so an' Schund, sonst krieg'n S' a paar Wasch'n!" schrie ein Arbeiter. In einem anderen Falle, in dem der Kolporteur einer Frau allerhand Schönheiten gesagt hatte, riß plötzlich ein Mann die Tür auf und brüllte mit hochgeschwungenem Stock:So a Pülcher!" Wir ergriffen schleunigst die Flucht. Solche Vorfälle gingen spurlos an meinem Begleiter vorüber. Er verlor kein Wort darüber. Offenbar war er an ähnliche Szenen schon längst gewöhnt."

* Verschiedene Mitteilungen. Von den Hünen­gräbern, die in der Gemarkung des Ortes W i n - dekenbeiHanau festgestellt wurden, etwa 30 an der Zahl, sind auf Veranlaffung des Hanauer Geschichts- Vereins etwa zehn Stück freigelegt worden. Jedes der Gräber enthielt etwa fünf bis zehn Gefäße. Man hat es, demHann. Cour." zufolge, mit Brandgräbern aus der Zeit etwa 800 v. Chr. zu tun. In einem der Gräber fand man auch ein etwa ein Meter langes eisernes Schwert, das besonders geeignet war, auf das Alter der Gräber zu schließen.

An Stelle des verstorbenen Walter ist der bisherige politische Redakteur Dr. Gustav Herzberg, der die Geschäfte bereits in Vertretung übernommen hatte, zum Chefredakteur und Direktor derK ö n i g s b e r g c r Hartungfchen Zeitung" und Verlagsdruckerei berufen worden.

Aus Melbourne wird berichtet: Im Alter von nahezu 60 Jahren ist hier am 8. August die italienische Schauspielerin Frl. Giulia M a j o r o n i gestorben. Sie war die jüngere Tochter des im Jahre 1888 im Alter von 92 Jahren in Bologna verstorbenen Schauspielers Pasquale Tessero, der mit einer Schwester von Adelaide Ristori verheiratet war. Giulia Majoroni, die mit ihrem vor zwölf Jahren in Sydney verstorbenen Gatten ihre Tante aus deren Gastspielreisen begleitete, kam mit dieser 1875 nach Australien, wo sie eine zweite Heimat fand. Seit 1895 hatte sie sich von der Bühne zurück- «ezpgen.

netensitzung auf Vorschlag des Magistrats definitiv zum Stadt- baumcistcr ernannt. Der Sturm in de» letzten Tagen der v^rslvffenen Woche hatte auch in unserer Stadt trotz der geschützten Lage derselben mehrfachen Schaden an den Obstbäumcn «»ge­richtet. Im Knrgarlen wurde ein Wärterhäuschen umgcworfen und gänzlich zertrümmert.

* Hanan, 14. September. DieHanauer Ztg." schreibt:Der kürzlich verstorbene Zigarrenfabrikant Friedrich Jung, welcher es seit einer sehr langen Reihe von Jahren durch sein bieder- männisches, altbürgerltches Benehmen, sowie durch seine väter­liche Erteilung von Ratschlägen an alle diejenigen, welche in irgend einer Angelegenheit an ihn herantratcn, verstand, sich das Wohlwollen und das Vertrauen seiner Mitbürger in höchstem Grade zu erwerben, hat sich als ein Mensch entpuppt, welcher schon lange für das Gefängnis reif war und mit diesem auch sicherlich Bekanntschaft gemacht hätte, wenn ihn nicht der Tod davor bewahrt hätte. Nun soll man, wie ein altes Sprichwort jagt, den Toten nur Gutes Nachreden: doch in dem vorliegenden Fall muß man dieses Sprichwort umgehen, denn die Handlungen Jungs sind so verschlagener uud niedfigcr Art und beweisen eine solche moralische Verkommenheit, daß es wie ein Wunder erscheint, daß die Taten, welche Jung seit dieser langen Reihe von Jahren begangen hat, nicht früher in die Öffentlichkeit gedrungen sind. Auch die besten Bekannten Jungs hatten keine Ahnung von dessen Treiben und dies kennzeichnet so recht die Verschmitztheit des Mannes. Daß man jetzt auch allerlei Gerüchte kolportiert, welche den Tatsachen Nicht entsprechen und weitere Fälle ungeheuer aus­gebauscht werden, ist zu klar, cS liegt dies eben in dem sensations­lüsternen Treiben der Jetztzeit. Es werden Beträge von Unter­schlagungen genannt, die tatsächlich zu hoch gegriffen sind. Unbe­greiflich ist es, wohin Jung die Summen gebracht hat, da er eine sehr einfache Lebensweise und einen geregelten Haushalt führte. Dies Geheimnis nahm Jung mit ins Grab, wenn es nicht noch möglich wird, durch gerichtliche Schritte den Schleier hierüber zu lüften. Offenbar liegt in diesem Geheimnis der Schlüssel zu dem ganzen Tun Jungs. Traurig und bedauerlich ist es, daß durch das Gebaren Jungs weite Kreise, ehrbare Männer, arbeitsame und sparsame Arbeiter und Arbeiterinnen um Hab und Gut ge­kommen sind." So weit dieHan. Ztg.". Die von Jung be­gangenen Unterschlagungen, die sich auch auf Mündel­gelder erstrecken, sollen mehr als 260 000 M. betragen. Auch die beiden Teilhaber des Junqschen Geschäftes (Firma F. L. Voll­bracht Nachf.s erleiden durch das sträfliche Handeln Jungs schwere Verluste. Jung war lange Jahre Mitglied der städtischen Körper­schaften und genoß wegen seiner eifrigen Wirksamkeit im Dienste der Stadt das größte Ansehen. Als er kürzlich wegen Krankheit sein Amt als Stadtverordneter niederlegte, sprach sich der Vor­sitzende dieser Körperschaft in öffentlicher Sitzung in den ehrendsten Worten über die Verdienste des Scheidenden um das Gemeinwohl auS. Eine spätere Meldung sagt, daß infolge der Veruntreuungen des vcrstorhencn Jung dessen beide AfsocieeS gezwungen sind, ihren Arbeitern auf nächste Woche zu kündigen und mit den Gläubigern ein Arrangement anzustreben.

* Aus der Unlgcbung. Die Stadtverordneten in Frank, f u r t a. M. bewilligten irt der gestrigen Sitzung 16 000 M. für die Überschwemmten in Schlesien.

Den Strafanstaltsaufsehern Jakob Bereniher und Ernst Jahnke zu Diez und dem Modclltischlermeister Anton Reul zu Unterliedcrbach im Kreise Höchst wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

In Frauen st ein entstand in der Scheune des Herrn Valentin Schmitt Feuer, welches sich über die ganze Scheune aus- dchnte und dieselbe einäscherte.

Bei Hattersheim geriet ein 18jährigcr Kutscher unter einen schwer beladenen Mchlwagen, worauf ihm ein Rad des Wagens über den Hals ging und er auf der Stelle tot war.

In Mittelhetm wurde bei der Wahl eines Gemeinde- schösten Herr Nikolaus Hirschmann gewählt.

Herr Aktuar Heinrich Krafft zu H a ch e n b u r g ist als Sekretär vom 1. Oktober ab an das Amtsgericht zu Weildurg versetzt.

Aus Kadern und Sommerfrischen.

Bad Langenschwalbach, 15. September. Die Saison neigt ihrem Ende zu und hat im allgemeinen die Erwartungen auf einen günstigen Ausfall nicht enttäuscht. Die letzte Kurliste verzeichnet eine Frequenz von 6240 Gästen, darunter wieder eine Reihe neu eingtroffener, distinguierter Personen. Alle von der Kurver­waltung arrangierten Gartenfeste und Künstlcrkonzerte in unserem so prächtig gelegenen und architektonisch schönen Kurhause finden den vollen Beifall der Fremden. Es ist wahr, landschaftlich kann man sich keinen vorteilhafteren Rahmen für ein Kurlebcn denken, wie ihn unser Höhental in seinen trefflich gepflegten Parks und den romantischen TaunuSwaldungcn mit ihren immer variierenden, stundenweiten Spaziergängen besitzt. Alle Arzte, die Schwalbach kennen, wissen es nicht minder als Luftkurort, wie als Stahlbad zu schätzen. Die koblcnsäurereichen Eisenwasser, frei von allen schädlichen Bestandteilen, sind von einer Heilkraft, die wirklich alle Blutarmen, an Frauenleiden Erkrankte usw., dann auch Rekonvaleszenten an sich erproben sollten. Die Ver­bindungswege sind so bequem, die zu uus führen ganz nahe ist das Rheintal, eine Eisenbahn durchquert hier den Taunus. und treffliche Verpflegung findet jeder in Schwalbach, entsprechend seinen Mitteln, auch bei den bescheidensten.

Sport.

* Der Wiesbadener Rhein- »nb Taunus-Klub wird am nächsten Sonntag, den 20. September er., seine diesjährige siebente Hauptwanderung ausführen. Diese Tour wird um so mehr Interesse bieten, als üe Gelegenheit geben wird, die dre: XV, welche den Weltruf unseres schönen Nassauer Ländchens be­gründen, eingehend zu studieren. Wasser, Wald und Wein. Ins Touristische übersetzt: die Tour geht von Wiesbaden ab 7 Uhr 10 Min. früh mit der Bahn nach dem weltberühmten Mineral­quellenort Langenschwalbach, von hier 8 Uhr 11 Min. in etwa sechsstündiger Wanderung nach Süden zu über den Bicnkopf durch herrliche Tannen-, Buchen- und Eichenwälder, die kein Ende nehmen, bis endlich der Rhein mit seinem Wein in dem srcnnd- lichen Ostrich erreicht ist. Doch halt, so schnell geht eS denn doch nicht:nur nicht zu sehr eilen beim Wandern, sondern hübsch langsam gehen und tüchtig umschauen". Wenn man also durch das lange Städtchen hindurch ist und in den Kuranlagen sich etwas umgcschaut und auch einige Brunnen versucht hat, wandert man den schwarzen Punkten nach im Waldtälchcn auf gutem Wege biö dahin, wo sich das Tal teilt. Hier folgt man den schwarzen Punkten in den prächtigen Hochwald hinein, in dem der Weg fünf Minuten sehr steil aus die Höhe des Bienkopfes führt und dann immer durch abwechslungsreiche Forstungen bis auf die Hochstraße leitet, die etwa um 8 Uhr 40 Min. erreicht sein kann. Von hier bietet sich eine hübsche Aussicht auf das Wchencrland »nd die Hohe Wurzel. Der markierte Weg kreuzt die Straße und führt an einem Tannenstück entlang und weiter in mehreren Biegungen immer durch Wald bis auf das Hausener Feld. An- kunft in Hausen v. d. H., das fast 600 Meter hoch am Walde be­legen ist und sich durch Strvhdächer-Reichtum auszcichnet, etwa 10V- Uhr- Frühstiiüsrast, die wohlverdient sein dürfte, im Rhein- gauer Hof daselbst bis 11V- Uhr. Der Weitermarsch erfolgt über die neue Gladbacher Straße und führt in einer Stunde durch Feld und Wald zum Mapperhof und zur Mapperschanze. Der Mapperhof macht sich durch recht alte Gebäude bemerkbar, während die Mapperschanze nur mehr aus einem Turmüberrest und einem Torbogen besteht. Sie hat augenscheinlich Verteidigungszwecken gedient und zum Rhcinganer Gebück gehört. Bon der Schanze aus führt ein verwachsener düsterer Waldweg hinauf auf die Kalte Herberge, den höchsten Punkt des Rheingangebirges (620 Meter). Der Pivnierturm bietet eine weitumfafscnde Aussicht über die Rheinlandschast und die Wälder und Dörfer des Hinter­landes. Vom Turm ans folgt man dem südlich nach der hölzernen Landstraße führenden gelbmarkierten Wege und sodann der west­lich über den Gebirqskamm ziehenden hölzernen Landstraße bis zum Nabenkopse. Hier biegt direkt südlich ein breiter Weg hinunter mit schwarzen Zeichen am Nabcnkopf entlang, dessen alte Ringwälle, die jedoch meistens zerstört sind, das Interesse des

Wanderers erregen, bis ein Pfädchen rechts in das GeÄisch uud hinab in das idyllische Psingstbachtälchen führt, in dem weltver­lorenKornsmühle" liegt. Ankunft daselbst etwa gegen 3 Uhr. Bei schönem Wetter wird hier bis 8</ 3 Uhr gerastet und sodann in */« Stunden talabwärts Ostrich und der Rhein erreicht. Um 4 1 /, Uhr wird im Hotel zum Schwanen bei dem Mitgliede Herrn Franz Winkel, wo man immer gut aufgehoben ist, das gemein- fchaftliche Mittaasesscii eingenommen und bis zu einem der Abend­züge von de» Marschstrapaze» Erholung gesucht. Vor 10 Uhr abends kann man wieder in Wiesbaden cintreffen. Die Führung liegt in den Händen des Herrn C. Fr. Schaub. Tischkarten, welche zur Teilnahme an dem Essen verpflichten, sind beim Führer vor Abgang des Zuges in Empfang zu nehmen. Nichtmitglieber können sich der Wanderung anschließcn, mtisscn sich aber zur Auf. rcchthaltung der Wauderordnung jedenfalls dem Führer vor Ab­gang des Zuges vorstcllcn. Wegen Fahrpreisermäßigung »pird in der Annonce das Nähere bekannt gegeben. Frühstück und Lieder­bücher sind nicht zu vergessen. Frisch ausl

Vermischtes.

* Der Stacheldraht um Bismarcks Grab. Ein«

deutsche Frau teilt denMünch. N. N." ein Erlebnis mit, das öffentlich besprochen zu werden verdient. Vielleicht wird dadurch eine Maßregel beseitigt, durch die das deut­sche Volk und weit über Deutschlands Grenzen hinaus die Verehrer des größten Deutschen des verflossenen Jahrhunderts von der Ruhestätte des Schöpfers des einigen Deutschlands zurückgedrängt werden, wie es ihnen auch verboten ist, in Dankbarkeit und Verehrung die Stätten zu betreten, wo er seine letzten Lebensjahre zugebracht hat. Während meines kurzen Aufenthaltes in Hamburg war es mein lebhaftester Wunsch, so schreibt die betreffende Dame, Friedrichsruh zu besuchen, das Schloß zu sehen, wo Bismarck die letzten Jahre gelebt hat, den Park und den Wald, in dessen Schatten er ge­wandelt ist, und all die Stätten zu besuchen, wo gewisser­maßen der hohe Geist des Verblichenen uns noch um­schwebt. Mit drei weiteren Damen unternahm ich die Tour nach Frieürichsruh. Man bezeichnete uns am Bahnhof den Weg nach dem Schlosse, doch konnten wir nirgends einen Eingang finden, Schloß und Park sind mit einer hohen Mauer umgeben. In dem gleichen Bemühen wie wir, trafen wir einen alten russischen Herrn, der seinem Enkel diese der Erinnerung an den Fürsten Bis­marck geweihten Stätten zu zeigen wünschte. Wir suchten die Oberförsterei auf und baten hier, uns den Eintritt in den Park und die Besichtigung des Schlosses und des Mausoleums zu ermöglichen. Der Herr Oberförster er­klärte aber dies außer dem Bereich seiner Machtvoll, kommenheit, wir hätten einige Tage zuvor eine schrift, liche Eingabe an den Fürsten Herbert Bismarck richten müssen, aber die Besichtigung des Mausoleums wäre uns auch dann nicht gestattet worden. Wir gingen hieraus noch einmal um die hohe Mauer, die Schloß und Park umgibt, und fanden ein Tor offen, durch das offenbar Heu gefahren worden war. Es stand in großen Lettern verbotener Eingang" an diesem Tore und man hatte auch dadurch nicht den geringsten Blick auf das Schloß, von dem wir somit nicht einmal den Umriß zu erblicken vermochten. Wir erstiegen hierauf den Hügel, auf dem das Mausoleum liegt, doch als wir bis auf einige Ent­fernung dem Mausoleum nahe gekommen waren, fanden wir cs durch einen Stacheldraht gegen den Andrang des dankbaren deutschen Volkes und der Verehrer des Alt­reichskanzlers von aller Welt abgeschlossen, und vor die, sein Stacheldraht lag zum Überfluß noch eine Wand von dürren Dornen, mit denen die Bauern ihre Grasgärtey gegen die Gänse des Nachbarn zu verwahren pflegen. Hatte uns schon das ganze Absperrungssystem empört, sc fanden wir diese Art der Absperrung in hohem Gradl unwürdig. Ich bin gewiß, daß ich der Empfindung von Tausenden Worte verleihe, die gleich mir in Friodrichs- ruh nur verschlossene Türen und verbotene Wege fanden Selbst im Walde ist nur die große Fahrstraße freigegeben an jedem Fußpfad, den wohl der Kanzler gewandelt sein könnte, schreit ein Schild den Nahenden entgegen:Ver­botener Weg". Ich erinnere mich, nie in meinem Leben eine größere Enttäuschung empfunden zu haben als nach dieser mit großer Ermüdung erkauften Tour nach Friedrichsruh, und ich wage, es zu sagen auch selten habe ich eine größere Empörung empfunden.

* Die nencste Heldentat der Miß Alice Roosevclt. Miß Alice Roosevelt macht andauernd von sich reden; die amerikanischen Blätter haben sich mit ihr nicht viel weni­ger zu beschäftigen wie mit ihrem Vater, dem Präsi­denten. Uber ihre neueste Heldentat wird aus New York berichtet: Miß Alice Roosevelt hat in der vorigen Woche in dem UnterseebootMocassin" eine Fahrt aus dem Grunde der Narragansett-Bai gemacht. Das Boot liegt in New Jork und hat eine Besatzung von sechs Mann, die unter dem Befehl des Leutnants Pinncy steht. Das Boot wurde langsam zum Untersinken gebracht, und nachdem eine Tiefe von 25 Fuß erreicht war, stieg es wieder auf. Dies wurde mehrmals wiederholt, und daun kreuzte das Unterseeboot eine kurze Strecke. Miß Roosevelt gesteht zwar, daß ihr nicht ganz geheuer zu Mute war; aber sie war sehr gefaßt und beobachtete ruhig das Arbeiten der Maschinerie, während das Boot im Wasser manövrierte. Dann wurden zwei Torpedobomben abgcfeuert und alles so ansgeführt, wie beim regelmäßi­gen Dienst. Als das Boot wieder nach oben kam und ins Dock zurückkehrte, war Alice Roosevelt sehr ange­regt und bekundete ihr großes Vergnügen über die Fahrt. Sie ist die erste Amerikanerin, die eine Fahrt in einem Unterseeboot gemacht hat.

ß!eme Chronik.

Die Füllanlagen des Gerol st einer Sprudels (Marke roter Stern) wurden Montag früh zum größten Teil ein Raub der Flammen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Betrieb wird in einigen Tagen wieder voll ausgenommen. Der Versand erleidet bei den reichen Vorräten an gefüllten Flaschen keine Unterbrechung.

Ein höchst merkwürdiger Unfall ereignete sich, wie gedrahtet wird, zu Schloß N e s s a u auf dem Grundstück des Besitzers Krüger. Als dessen Sohn ein Stück Ackerland neben dem alten Weichseldeich pflügte, senkte sich plötzlich der Erdboden, und beide Pferde, Pflug und Nosselenker stürzten in einen Abgrund von zehn Metern Tiese. Krüger vermochte sich mit großer