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j^lUIUOQ^ oetl IO* Keptemorr. RcvaktionS-Fernfprecher No. 52 . 1803.
Morgen-Ausgabe.
fit ferKMgW unfcret fotii- miD MedW.
Von H. v. Renne«.
Die beste Verteidigung unserer Meeresküsten besteht n der Vernichtung der feindlichen Schlachtflotte. Dieser lapidare Satz ist sehr leicht ausgesprochen und gilt auch
hÜ» unzweideutiger Klarheit
JJ**| Jf Ia Greben hin, das rn allererster Linie der ZLungvon mächtigen Linienschiffsgeschwadern gleicher Konstruktion mit möglichst starker Artillerie gilt Wir arbeiten unaufhörlich an dieser Aufgabe, deren Umfang aber Inder durch finanzielle Erwägungen beschränkt ist E'^alb must nun die Anwendung des obigen Leitsatzes für uns auch eine Einschränkung erfahren, d h wir können nur unter besonderen Umständen auf eine Nieder- kampsung der Schlachtflotte unserer Hauptgegner rechnen. Ter letzte panisch-amerikanische Krieg hat die lange vor- her ausgestellte theoretische Behauptung, daß in einem ß?®2L|Ä se ' <a"U°hErnd gleichartige Ai.sbildung der Ltreitkrafte und ähnlich gleichwertige Schiffstppen dorausgesetzt, die Zahl der Schiffe und die Kraftwirkung
Uiirkt. Mag unsere Flotte dw
?*?;’ .^^blchartigkest der Typen, was Manöverier- fahrgkeit der Verbände und Tüchtigkeit der Leitung und Bemannung anbetrifft, vielleicht dem Gegner „über" sein die gerade int Auslande anerkannte Tatsache must immerhin erst bewiesen werden, und man tut bei Abwägung von Chancen für den Kriegsfall stets gut daran, den Feind eher hoher wie tiefer einzuschätzen. Aus diesen Gründen mögen die mehr „moralischen Imponderabilien" yizv ntcljt mit in Ertvägung gezogen tuenden.
<. Nehmen wir die gegenwärtige Politische Konstellation, deren Bestand vorläufig wohl unverändert bleiben wird als Grundlage der folgenden Betrachtung an, so würi> der Dreibund es zunächst mit dem Zweibund zu tun Halen.
Mittelmeer wird Frankreich von den vereinigten italienischen und österreichischen Linienschiffen bedroh,, must daher einen sehr starken Bruchteil seiner Flotte gegen diese entsenden. Die Hälfte der Panzer Rußlands wurde sich entweder mit der Armada der „Nation allide et arnie" erst zu vereinigen suchen oder dies bereits vor Ausbruch des Krieges getan haben. Ersterenfalls wiir- den wahrscheinlich die Trikolore und dann Rußlands Farben auf offener See sinken, andernfalls müßten die beiden Dreibundstaaten Wohl unterliegen. Da Lirieqe heutzutage nicht vom Zaune gebrochen werden und lange vorher schon m oer Luft liegen, meist auch von Flotten- Demonstratlonen eingeleitet werden, so ist die Annahme
wohl berechtigt, daß Italien und Österreich zur See nicht Sieger bleiben werden, es sei deim, daß es ihnen gelingt, ^elle der verbuildeten Flottenmacht niederzuzwingen. Ob es nicht Melleicht das beste wäre, einem Entsä^idungö- auszuweickwn, wobei die vereinigten feindlichen Geschwader doch immer im Küstenbereiche Italiens ge fesselt wurden, mag dahingestellt bleiben. Denn Schlacht- schiffe, die untätig verharren, können die Tätigkeit des Feindev, bestehend in Küstenblorkaden, Bonichardeineut offener Städte und Repressalien an der Küste, allerdings nicht verhindern. Vielleicht köirnte dann aber in einiger Zeit das Eintreffen eines deutschen Geschivaders die llt-chge zugunsten des Dreibunds sinken machen. Wenden u ”iL nun öcn Verhältnissen an der eigentlichen Meeresküste zu, so befindet sich unsere Flotte, da Frank- reich unbedingt gewickstige Interessen im Mittelmeer zu schuhen hat sind dort jedenfalls übermächtig austreten will, ^;^>^lSmastig günstiger Positton. Der Kaiser- Wilhelm-Kanal sckjafft sozusagen zwei durch Feslland getrennte Küstengebiete ab und macht für strategische Zwecke ern einziges aus ihnen. Unsere vereinigten Geschwader werden also bald in der Nord-, bald in der Ost- intt boUec Wucht auftreten können. Ein Zusammen- ker russischen Ostseeflotte mit der französischen atlantischen Seemacht kann, da wir Herr der inneren Linie find und die feindlichen Seestreitkräfte an unseren Küsten vorbeifahren müssen, leicht verhindert werden. Sollte man feindlicherseits noch vor Ausbruch des .Krieges einen Vereinigungsversuch machen, so müßte dieser allerdings als casns belli aufgefaßt werden, denn ein geschlossenes Zusammenwirken beider Flotten bedeutet für uns nichts weniger als der Verzicht auf die Herrschaft zur See. In- folge der durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal so enorm er- höhten Manoverierfähigkeiten unserer Geschwader würde es nämlich kaum Schwierigkeiten bereiten, erst die eine und dann die andere Flotte, die getrennt entschieden schwacher wie unsere Linienschiffe sind, mit allen Kräften anzuzrelfen und entscheidend zu schlagen. Eine auSgiebige Ausnutzung des Sieges durch Bombardement der feind- lichen Küsten, Blockierung der Häfen, eventuell auch durch Landung von Armeeteilen würde die Folge sein Gleich- zeitig bedeutete dies entweder eine Entlastung der im Mittelmeer befindlichen Ssestreitkräfte der anderen Drei- bnndstaaten durch Abziehung französischer Schiffe aus dem Mittelm«r, oder aber dir deutschen Linienschiffe konnten endlich einmal zu ernster Akfion in fernen Memen die Enge von Gchraltar passieren.
. So! .Dies sind die Aussichten eines Seekrieges, wenn
wir es mit dem Zweibund allein zu tun haben werden. Wird dies aber auch der Fall sein? Sollte ein Waffen- jzang mit England zur Unmöglichkeit gehören, oder würde der britische Lowe, den man seit geraumer Zeit bei
Feuilleton.
Frauenleben in Indien»
Von H. Stein.
Daß öle Frau im Orient nicht die ihr gebührende Stellung einnimmt, wie sie die abendländischen Frauen langst innehaben, ist bekannt. Selbst in Bengalen,
europäischen Einfluß am meisten ausgesctzten Teile Indiens, ist die Stellung des weiblichen Geschlechts, wenigstens in den höheren Gesellschaftsklaffen, eine unwürdige. Obwohl die Grundzüge der Betrachtung und Behandlung des Weibes in fast allen Distrikten des ausgedehnten Landes dieselben sind, kommen doch je nach der Gegend Abweichungen vor, die hier und da fast wie ein Fortschritt in der Wertschätzung der Frau erscheinen. Im allgemeinen gilt sie aber als Sklavin des Diannes. In den niederen Volksschichten erhebt sie sich am frühen Morgen von ihrem harten Lager auf dem Lehmboden der Hütte, um für den Eheherrn das Frühstück zu bereiten. Im Hause ist sie nur mit einem Schurze bekleidet: außerhalb des Hauses sieht man sie nur in sittsamer Kleidung: ein großes Stück Baumwollenzeug wird zur Hälfte um die Hüfte geschlungen, zur Hälfte um den Oberkörper gelegt. Das lange, schwarze Haar ist in einen Knoten gebunden,- Perlschnüre, metallene Armbänder und Knöchelringe schmücken den Körper. Während die Frau den Reisbrei bereitet, erhebt sich der Mann vom Lager, und vor dem Frühstück hockend, langt er sich eine Handvoll Reis nach der anderen heraus, während die Gattin, seines Winkes gewärtig, hinter ihm steht. Erst wenn er stch gesättigt hat, kommt sie an die Reihe.
Den schweren Teil der Feldarbeit besorgt meist der Mann, nur leichtere Arbeiten fallen der Frau zu. So besorgt sie das Jäten des Unkrautes und das Verpflanzen oer Reispflanzen. Während die Männer auf dem Felde tattg sind, futtern die Frauen das Vieh, flechten Matten und Körbe, spinnen die selbstgebaute Baumwolle und bereiten das Mittagsmahl. Natürlich fällt ihnen auch die Beaufsichtigung der Kinder zu. Bei der Rückkehr des Mannes hat die Frau die Pflicht, ihm Waschwaffer über yande und Füße zu gießen. Ist der Gatte siegreich und mit Beute beladen von der Jagd heimgekehrt, so preist ße ihn während des Waschens mit überschwänglichen
Konflikten mit Großmächten nur brüllen hört, der sich aber vor dem Zubeißen hütet, bei eiiiem Kampfe der- Festllmdsmachte wirklich neutral bleiben ? Seine Teil' naOrne an einem solchen würde dns Zünglein an der Wage bilden. Könnten wir uns im Falle des vorher besprochenen .Krieges der Mtwirkung Großbritanniens auf unserer Seite versichern, dann wäre zur See wohl nach menschkichcm Ermessen der Sieg uiiser. Anders liegt es, wenn unsere Vettern sich auf die andere Seite schiagrm oder nur allein gegen uns auf wogendem Meere ihre eifersüchtige Abneigung zum Austrag brächteii. Allein der Gedanke, unfern blühenden Handel tahnr zu legen, konnte sie, ganz abgcschen von anderen Gesichtspunkten, recht wohl dazu verfuhren. Geläiige es uns, ihre Kanal- flotte allein zu fassen, sowie andere Geschwader einzeln zu schlagen, so würde zwar unser Handel in allen Weltteilen zunächst noch durch. das Vorgehen ihrer zahlreichen Kreuziw stark geschädigt werden, immerhin ließe sich aber dann doch ein anderes Zukunftsbild entrollen, auf dem ein Einmarsch deutscherTruppen in London den Prickelnd- stcn Farbenreiz ausströmen würde.
.Doch in Wirklichkeit ist es für die Engländer, die unsere mantimen Fortschritte argwöhnisch belauern, so leicht, eme uns überlegene Geschwaderbildung zu formieren. In diesem Falle müßte eine mehr passive Verteidigung unserer Küste in Kraft treten, d. h die Bedeutung unserer Schlachtflotte würde von einer aküven AngriffSflotte zu einer Ausfallsflotte herabsinken. Ein Kampf mit einem weit überlegenen Gegner wäre ohne zw-mq enden Grund eine nutzlose Selbstopferung, die nur Schaden brächte. Als Ausfallsflotte können die Linien- ichKfe dagegen gemeinsam noch Erfolge erzielen. Me natürliche Folge eines Ausweichens unserer Schlacht- schiffe wäre eine eiiglische Blockade unserer Küsten. Für die Rordsoekuste genügte eme Kette von im Mertelkreise ^.rsetegten Schiffen, da die Küstentinie fast einen rechten Ostsee zunächst die Schaffung einer blodaMtme bei Silagen, wodurch, wenn man so sagen darf, „der Sack zugemacht vürd". Demnächst würde die englijche Haupt flotte durch Eindringen in den Hafen in oem unsere Linienschiffe sich zurückgezogen haben, unsere öu zerstören uird ferner durch Bombardement offener Städte und Befestigungen möglichst viel Schaden airzurichten suchen. Allein durch die Blockade wird dem chamten Seehandel und unserer Industrie unermeßlicher ^enzugefugt, denn es ist anzunehmen, daß England auch Mittel „finden wurde, die Häfen Antwerpen und Rotterdam über die ein Teil unseres Seehandels in Friedenszelten geht, für uns zu sperren. Man bedenke, daß unser Gesamtseehandel etwa 7 Milliarden Mark der Landhandel nur 3 Milliarden beträgt. Um einen' Be- griff von Verkehrsstörungen dieser Art zu geben, sei da«
Die Dienstleistung beim Waschen verlangen felöftöie noch rn öen Kinderschuhen steckenden Söhne von der Mutter.
Während die Frauen der vornehmeren Klaffen nicht selten ein sehr abgeschlossenes Leben führen, genießen die der unteren Schichten die Vergnügungen ihres Standes. Wenn die Abendmahlzeit eingenommen ist, begibt sich die ganze Familie oftmals zu dem öffentlichen Tanzplatzc. Frauen und Mädchen sind festlich geschmückt. Reigen- tanze leiten die Festlichkeit ein. Die dunklen, schlanken gestalten gewahren in ihrer stolzen, aufrechten Haltung einen schönen Anblick. Bald aber beteiligt sich alles, »ta it c :t und Kinder, ausgiebig an dem Genuffe des Reisbranntweins, der auch bald feine Wirkung zeigt.
werden zügelloser, die Bewegungen letden- sthaftlicher, jauchzend schlagen die Mädchen die schweren Messingrlnge, dje ihre Arme schmücken, aneinander. An die Stelle der harmlosen Fröhlichkeit tritt schließlich auS schweifende Lust.
In vielen Teilen Indiens ist der Familiensinn stark ausgeprägt und die Liebe der Eltern zu den Töchtern ebenso groß alS zu den Söhnen. Bt§ zum siebenten oder achten Jahre laufen die Kinder beiderlei Geschlecht» ganz sann fangen sie an, Lenöenschurz zu tragen. Die Ehen werden sehr zeitig geschloffen, in Bengalen oft noch im KindeSalter. Knaben von acht bis zehn Jahren werden mit sechs- bis achtjährigen Mädchen verheiratet. Allerdings bleiben die Kinder zunächst noch bei den ÖDd ’ t,r sie Ehe durchaus rechtskräftig. Ein Un- glück ist es für daS Mädchen, wenn der Knabe frühzeitig durch den Tod dahtngerafft wird. Wrederverheiratuna ist dem Inder etwas ganz Unbekanntes. Nie darf sie sich wieder schmücken, nie an den Vergnügungen ihrer Alters- genoffinnen teilnehmen, nicht einmal der Trost mit- leidigen Zuspruchs wird ihr gewährt, dagegen trifft sie überall Verachtung, selbst die eigenen Eltern überhäufen ste nnt Schmähungen und unmenschlichen Reden. Kein Wunder, daß manchem dieser gequälten Wesen das Leben zur Last wird und viele Selbstmord begehen, um den Quälereien zu entgehen. In manchen Gebieten Indiens ist das Alter der Verheiratung höher, aber selten über 10 bezw. 14 Jahres doch ist das Leben der Jugend selbst schon vor der Ehe ein überaus liederliches. Im Santalgebiet bringen die Mädchen vom 10. bis 12. Iahte ab die Nächte nicht yrebr im elterlichen Haufe zu. w
r4 ® l L?Z^ ix ^ n ^ n geschehen nach alter orienta- nscher L-itte durch Zahlung eines Kaufpreises seitens des ^^öutlgams, doch muß bemerkt werden, daß vielfach auf den Willen der Tochter Rücksicht genommen wird, diese also kemen Zwang bei der Wahl des Lebensgefährten er- duldet. Äuch ist die Eheschließung mit gewissen Formen, an manchen Orten sogar mit gewissen Feierlichkeiten ver. öundcn. Eigentümlich ist die bei manchen Stämmen be- obachtcte Sitte, daß die Braut immer aus einem anderen Stamme sein mug als der Bräutigam. Vielfach nimmt Frau auch eine ganz geachtete, dem Manne ebenbürtige Stellung ein, so z. B. bei den Kolfs, wo sie meist
wir M & des Hauses" heißt, sondern auch Ehescheidungen kommen häufiger vor als Vielweiberei,^ die vielfach dem Besitzer mehrerer Frauen §^chtung emtragt. Übrigens herrscht in einigen Teilen r S3, - nt den an Tibet grenzenden Gebieten, auch die Vielmannerei, indem die Söhne eines Hauses ourchweg e,ne Frau haben. Die aus der Ehe stammcu- den Kruder gehören den Brüdern der Reihe nach. Bet den ^odaindern im Süden der Halbinsel bestand der Viel- Sitte"^,« dis vor etwa 60 Jahren die grausame
nur tin "eß in jeder Familie
Köchen leben, die übrigen wurden alle er.
BnNti,' tnT °/l c des Einflusses europäischer
Politik öicw Sitte verschwunden ist, wurde die Viel, manncrer trotzdem beibehalten.
Am lockersten ist , das Eheband bei den Badaga. de^ öem eS nicht selten ist, daß mehrmals ge. raöezu aus Probe geheiratet wird, auch ist der Weiber. v?ud iwusig. Auch in Trankavor sind die ehelichen Vcr» haltniffe recht lose. Die Kinderehe ist auch hier einge- führt worden, verpflichtet aber nicht für das Leben. Ein mündiger, sunger Mann schenkt dem Mädchen seiner Wahl ern Klerd, und die Ehe ist geschloffen,- beide wohnen "Ü ^H^^e uahcr Verwandten so lange zusammen, als es ihnen beliebt. Wenn ste später wieder auseinander gehen wollen, p genügt eine geringe Entschädigung von der einen oder der anderen Seite, um den anderen Teil mrt seinen Ansprüchen abzufinden.
, . südlichen Indien, im Tamilgebiete vornehmliäi find die Familienbanöe sehr stark, soweit es sich um Mit- glieder derselben Familie handelt,- trotzdem verkümmert dre Gattenliebe auch hier unter der Unsitte des zu frühen Heiratend. Die jungen Mädchen haben keine Ruhe, bis
