Größen ,u Berl. Helenenfir. 21, im Hob
Sellage mm Wresbllüener Tanlilatt.
Uo. 42F. Worgen-Ansgabe.
Samstags den 12. Srplemder.
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Fester Grund sei Deinem Ich:
Nie Dein Wort zu brechen; JJ
Drum vor allein hüte Dich, *.
Große? zu versprechen. «-
Aber, auf Dich selbst gestellt, £
Handle groß im Leben, £
Gleich als hättest Du der Welt &
Drauf Dein Wort gegeben. 1 »
Jul. Hammer. £
(41. Fortsetzung.)
Freiheit!
Roman von Walter Schmidt-HMer.
Noch einmal reichten sie sich die Hände. Dann ging er. Ganz langsam, Schritt für Schritt, stieg er die Marmor- treppe hinunter und über die Kieswege des Gartens, auf dem das Mondlicht lag. Der Jasmin und die Syringen dufteten betäubend um ihn her. Im Geäst zwitscherte ab und zu ein verschlafener Vogel. Ganz in der Ferne lockte eine Nachtigall, der die andere antwortete.
Au der kleiner: Gitterpforte blipb er stehen . Tief im Schatten der Büsche und Kamelienhecken lag die weiße Front der Villa. Die Terrasse war dunkel ge- worden, mir m dem einer: Parterrefenster zur Linken schimmerte ein rosiges Licht.
Langsam glitt aus seiner: Fingern die Rose und fiel lautlos aus den Rasen. Er bückte sich nicht darnach.
Dünn öffnete er die Gartentür und trat hinaus auf die mondhelle Straße. In tiefen Gedanken trat er den Heim- weg an. So langsam, wie heute, war er noch nie durch die Straßen der Ewigen Stadt geschlendert.
Überall herrschte noch reges Leben. Er aina abückit- lich durch die lebhaftesten Straßen: denn selten^hatte er Ä.? einsam, so furchtbar ernüchtert und enttäuscht ge- uylt, w:e rn dieser Stunde.
■ Ad Staöoni fesselte ihn plötzlich ein ganz
eigenartiges Büd.
Vor ihm her wunderten Arm in Arm zwei Fremde, ein Herr mit einem kleinen Frauchen, die fortwöh-rend sieben blwben und sich offenbar die heftige Roma al chiaro d: Inn«, beschauten. Es war ein alter Herr, unter dessen Reisemutze spärliche weiße Haare flatterten und dessen Nase eine mächtige Hornbrille bekrönte, hinter der ein Paar gutmütige, helle Auge neugierig auf alles blickten. Was ste umgab.
A?n feinem Arme hing das alte Mütterchen, schritt ober ungemein rüstig neben ihm her und gestikulierte mH dem zusammengerollten Sonnenschirme sehr lebhaft in der Luft herum. Offenbar suchten die beiden einen Weg A« der: sie sich Nicht einigen konnte. Als sie wieder un- schlüssig stehen blieben und der Sonnenschirm der Dame deutete, während der alte Herr nach links zeigte, wat Reinhardt auf ste zu und redete sie an.
- * Herrschaften haben gewiß den rechten Weg ver-
-r „ er freundlich. „Vielleicht kann ich Sie zurechtweisen. 0
Der alte Mann lüftete höflich den Hut. „Sehr
liebenswürdig, mein Herr! Wir sind heute abend hier angekommen und im Hotel Natiorrale abgestiegen. Nun konnten wir's uns nicht versagen, bei dem herrlichen Mondschein noch ein Stündchen durch die Stadt zu bummeln, und suchen nun ein deutsches Restmirant, das hier in der Nähe sein muß."
„Wenn Sie gestatten, schließe ich mich Ihnen an. Mein Weg führt ohnedies dort vorbei."
„Äußerst angenehm! Ich habe immer Glück auf dieser Reise. So mitten in Rom auf offener Straße einen liebenswürdigen Landsmann zu finden, ist doch wirklich ein prächtiger Zufall. Gestatten Sie mir, mich vorzu- stellen: Professor Kießling aus Heidelberg - meine Gattin!"
Auch Reinhardt stellte sich vor, und zu Dreien wan- derten sie miteinander, wie alte Bekannte. Es tat Bernirrg wohl, Menschen um sich zu haben, die seine Sprache redeten, mit denen er ein Stündchen von der Heimat sprechen konnte. Unter anderen Umständen wäre es ihm nicht eingefallen, die wildfreiirden Leute anzureden und sich sogar mit ihnen in ein Restaurant zu setzen, heute aber konnte er nicht allein sein. Ihm war so weh ums Herz, etwas so Weiches, Weinerliches lag wie Sehnsucht über ihm, das ihn beengte und das er mit ein paar Gläsern Chianti hinunterspülen wollte, um schlafen zu können.
Bald saßeii sic in den gemütlichen, von Tabaksqualm geschwärzten vier Wänden eines kleinen deutschen Restaurants, wo viele junge Künstler und durchreisende Fremde zu verkehren pflegten. An den Wänden, deren ursprüngliche Farbe kaum mehr zu erkennen war, standen auf einem langen Bord Krüge und alte buntfarbige Porzellanteller, dazwischen hingen Chianttflaschen, Maiskolben imd lustige Farbenskizzen in fröhlichem Durcheinander. Über dem Buffet lachten sogar die Bilder des Münchner Kindls und das Schützenliesl auf die internattonale Gesellschaft herunter, die sich an den blankgescheuerten Tannenholztischen gruppierte.
Reinhardt sah sich lächelnd um. Warum war er so selten hier gewesen? Er konnte es selbst nicht begreifen. Wie ein kleines Stückchen Heimat mutete ihn alles an. Und die beiden alten Leutchen gefielen ihm ganz über alle Beschreibung. Mit welcher Lebhaftigkeit sie plauderten, welche Fülle von Genußfreude und jugendlicher Eindrucks- fähigkeit sich diese alten Herzen bewahrt hatten. Nament- lich die kleine Professorin schwelgte im Entzücken über die herrliche Reise, die sie endlich an das Ziel ihrer Wünsche geführt hatte — nach Rom, von dem sie nun so lange geträumt hatten.
„Sie haben sich also lange schon diese Reise gewünscht?" fragte Reinhardt.
„Ein ganzes Leben lang, möcht' ich sagen", erwiderte der alte Herr, indem er zärttich die welke Hand seiner Gatttn streichelte. „Denn denken Sie mal, Herr Landsmann, so komisch es auch wohl klingen mag, wir beide befinden uns nämlich auf der Hochzeitsreise!"
Erstaunt blickte Berning die beiden Alten an, die sich mit einem langen Blicke herzlicher Innigkeit in die Augen schauten und sich zutranken.
„Ja, ja!" plauderte das Prosestorchen fort, „als Brautleute hatten wir's uns vorgenommen; aber damals kam's nicht dazu. Und so mußten wir's denn verschieben
61. Jahrgang. 1903.
Dann reichten die Moneten nicht, als die Kinderchen kamenq eins nach dem andern. Bis endlich Jungeris und Mädels gilt und glücklich versorgt waren. llud jetzt endlich holen wir das Versäumte nach!"
„Wie schade aber", sagte Reinhardt, „daß Sie jetzt erst dazu kommen. Für den vollen Genuß dieser Reise! möcht' ich Ihnen eigenüich die Vergangenheit zurückwünschen I"
„Gor nicht nöttg, lieber Herr!" sagte lachend dev Alte, und bestellte sich ein nerres Glas, „gar nicht nöttgI Glauben Sie mir, es ist auch so nicht weniger schön, wenn auch die Haare weiß geworden sind. Urrsece Herzen sind noch genau so jung geblieben, wie damals, und die alte schöne Liebe ist mich noch da. Und die ist bei allem di«! Hauptsache. Nicht wahr, Marie, wir beneiden kein Brautpaar auf der Welt. Was so einmal die ganz richtig« Liebe war, die stirbt nicht!"
„Wirklich nicht?" sagte Reinhardt leise, wie zu sich selbst.
Und lange noch saßen sie beieinander und plauderten so urgemütlich und lustig, als hätten sie sich seit vielen Jahren schon gekannt und zufällig hier wieder getroffen. Wie Heimatsodem, wie Tannendust aus deutschen Wäldern wehte es um Reinhardt, und er empfand ein förnt- liches Gefühl der Dankbarkeit, als er sich endlich von dem alten Ehepaare mit herzlichem Händedruck verabschiedete.
_ Leise vor sich hinpfeifend schleuderte er nach Hause. Wie anders hatte das geklungen, was der alte Mann da gesagt hatte. Wo blieb vor diesem beneidenswerten Praktiker die epikuräische Theorie der schönen Frau, dev die Ehe etwas so unerhört Langweiliges erschien.
Als er seine Wohnung aufschloß, empfand er eine fast beängsttgende Leere um sich herum. Er durchschritt sein großes Atelier und blieb in der Mitte des saalartigeri! Raumes stehen. Drrrch das hohe Fenster floß in breitem Strome das grünliche Licht des Mondes und ließ all« Bilder und Gegenstände scharf aus den: Dunkel treten. Reinhardts Blick fiel auf das Bild, das er für Remmingen nach der Photographie seiner Jugendliebe heimlich gemalt hatte und womit er ihn bei seiner Rückkehr zu überraschen gedachte. Es war bereits trocken und jeden Tag könnt« der Frerrnd zurückkommen. Wenn er nur erst da wäre. So sehr, wie heute, hatte sich Reinhardt nie nach ihm gesehnt, dem Einzigen, der ihn verstand, vor dem er kein Geheimnis hatte. Als er in sein Wohnzimmer trat und die Lampe anzündete, fand er auf dem Tischchen ein! Telegramm.
Merkwürdig. Er erschrak, als er danach griff. Sollt« Franz etwas zugestoßen sein? Wer hätte ihm sonst depeschieren sollen? Er riß das Papier auf und trat damit zur Lampe. Es waren nur wenige Worte, die es enthielt; aber ein Brief von zwanzig Seiten hätte auf Reinhardt nicht diesen überwältigenden Eindruck gemacht. Sein« Hand zitterte, seine Lippen öffneten sich weit, und sein Herz schlug ihm, wie ein Hammer, als wollte es ihm di« Brust zersprengen.
„Komme sofort Berlin. Habe Ella gefrrnden und gesprochen. Läßt den Jugendfreund grüße,:. Alles anders in Deiner Hand. Glück auf! Franz."
(Fortsetzung folgt.)
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