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Freitag» den 11. Septemder.

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Jagdliche Tierquälereien.

Unter dieser Überschrift brachte letzthin die „Baye­rische Forst- und Jagdzcitung" einen Aufsehen erregen­den, höchst zeitgemäßen Aufsatz, dessen Inhalt wir die weiteste Verbreitung wünschen. Die Öffentlichkeit soll und muß einmal Kenntnis erhalten von der Kehrseite des edlen Weidwerks, von der grausamen Tierquälerei, sie tagtäglich an Tausenden Stücken Wildes durch den oerdammenswertesten jagdlichen Unfug, den es gibt, >urch das zu weite Schießen mit dem Schrvtgewehr ver- ibt wird.

Bekanntlich ist die Leistungsfähigkeit desselben eine sehr begrenzte. Genügende Deckung der Schrote mit gleichzeitig kräftigem Durchschlag ist nur auf angemessene Entfernung zu erreichen,' über diese hinaus läßt sich eine rasch tödliche Schußwirkung absolut nicht erzwingen. Wer trotzdem weiter schießt, handelt einfach gewissenlos, weil die wenigen ans Ziel kommenden Schrote nicht mehr ge­nügend durchschlagen können, das Wild aber doch so ver­letzen, daß es erst nach tage- und wochenlanger Qual ein­geht. Ein leichtsinniger Schütze handelt also viel roher qls das mordgierigste Raubtier, weil unter dessen Fängen das Wild nicht so lange zu leiden hat, wie an den Folgen eines zu weit abgegebenen Schrotschusses.

Bon dem Grade des Schmerzgefühls aus der langen, bangen Leidenszeit, welche die zahllosen weidwund oder laufkrank geschossenen Hasen auszustehen haben, möge jeder Leser sich selbst eine Vorstellung machen. Wir greifen heute aus der täglichen Praxis nur ein Beispiel heraus, welches wohl geeignet sein könnte, das Herz des rohesten Menschen zu erweichen. Schoß da im ver­gangenen Sommer ein sogenannter Jäger auf 60 Schritte nach einem etwas spitz stehenden Rehbock. Wie sich später herausstellte, trafen drei Schrote. Einer ging in die rechte Keule bis an den Knochen, ein weiterer traf die

Feuilleton.

Übertriebene Hoffnungen.

Eine Betrachtung von Dr. Reinhold Günther.

Unser Zeitalter der Technik und der Ausnützung der Naturwissenschaften hat Erfindungen gemacht und ausge- bilöet, die von früheren Jahrhunderten als eitel Zauberei erkannt sein würden. Die Schnelligkeit, mit der im Ver­laufe von etwa zwei Menschenaltern die Umwälzungen sich vollzogen, auf denen alle sozialen Beziehungen der modernen Kultur beruhen, erweckte vielfach, und zwar nicht nur immer bei Laien, die überschwänglichsten Hoff­nungen auf weitere technische Fortschritte. Oft sind dies Erwartungen, die jene des einstigen Perpetuum modile-Erfinders bei weitem übertreffen, die aber tat­sächlich ebenso wenig in die Wirklichkeit zu übersetzen sind, wie die ohne äußeren Antrieb sich bewegende Kraft­maschine.

Vor Jahren war es der seitdem etwas mythisch ge­wordene Edison, dem die wunderbarsten Entdeckungen und Erfindungen zugeschrieben wurden und die dann als journalistische Eintagsfliegen gewissermaßen im Handumdrehen wieder spurlos verschwanden. Die Kraft der Meeresflnten sollte in elektrische Energie umgesetzt werden, man behauptete, auf dem Wege zu sein, um ganze Gebirge mittels der Elektrochemie „furchtbar einfach" in taubes Gestein und glänzende Erze zu zerlegen, der Erd­magnetismus, so stand sicher zu erwarten, würde sich in großartigem Maßstabe in den Dienst der Menschheit stellen. Diese und andere Phantastereien waren es, die in fast regelmäßig wiederkehrenöen Zeitabschnitten die große Lesewelt in Erstaunen setzten. Vor fünf Jahren etwa tauchte eine andere wunderbare, selbst von Fach­zeitschriften ernsthaft behandelte Erfindung eines polni­schen Landschullehrers namens Sczepanski auf. Dieser Herr hatte angeblich den elektrischen Fernseher kon­struiert, mit dem man etwa von Berlin aus dem Exer­zieren der Wiener Garnison auf der Schmelz beiwohnen konnte. Es hieß damals, daß sich bereits eine große Ge­sellschaft begründet habe, um diese wunderbare Erfindung auszunützen, daß eine Fabrik zur Erzeugung der elek-

Bauchwand, während der dritte Schrot seinen Weg zwischen Blattknochen und Rippen nahm. Nach Verlauf einer vollen Woche wurde dieser Rchbock noch lebend an­getroffen: eine wahre Jammergestalt, das reinste Skelett!

Wenn wir uns die entsetzlichen Leiden vorstellen, welche das arme Tier bei der großen Hitze Tag und Nacht infolge seiner Wunden auszustehen hatte, dabei noch ge­plagt von brennendem Durste, so haben wir erst die Hälfte seines grauenhaften Zustandes erraten. Denn schon gleich am ersten Tage haben die Schmeißfliegen ihre zahlreichen Eier in der Nähe der Schußwunden ab­gelegt: nach Hunderten begannen die auskriechenden

Maden am lebenden Fleische zu fressen: von Tag zu Tag größer werdend, vermehrten sie mit zunehmendem Fräße die Qualen des armen Tieres bis zu einem Grade, den keine Feder zu schildern vermag. Halb verhungert und verdurstet, bei lebendigem Leibe von den Würmern an- gefrcsten, das war des stattlichen Rehbocks Ende, das ein gewissenloser Schütze so jammervoll gestaltet hatte.

Leider ist unsere Gesetzgebung nicht ausreichend, um ähnliche Sünden jederzeit nach Gebühr zu bestrafen: leider existiert keine Bestimmung, daß jeder Jagd­beflissene sich die einfachsten Grundregeln des Weidwerks und der Schießkunst zuerst angeeignet haben mutz, bevor er eine Jagd mit dem Gewehr betritt.

Wenn nicht Sitte, Anstand und Humanität beim Jagdbetrieb Mitwirken, wenn ungestraft Tag für Tag bloß durch frivoles Schießen der unerhörte Frevel be­gangen werden kann, daß Hunderte und Tausende Stücke Wild erst nach tage- und wochenlangen Qualen verenden, dann empfindet der fühlende Mensch ein Grauen, einen wahren Ekel vor dem modernen „Jagdvergnügen".

Es ist ja schon traurig genug, wenn dem vorsichtigen Jäger, dem guten Schützen dazwischen einmal ein Schuß mißglückt. Gehören aber hier die schlimmen Folgen eines Schusses zu den unvermeidlichen Seltenheiten, wie viel tausendmal zahlreicher sind sie dann erst bei Anfängern, Stümpern, leichtsinnigen und gewissenlosen Schützen. Die Summe der von denselben „täglich" dem Wilde „unnötig" verursachten Leiden bildet einen großen Schandfleck für unser Zeitalter.

Man betrachte auch nur einmal das vorhandene Jägermaterial: unzählige „Jäger" gehen auf die Jagd, nicht etwa des edlen Weidwerks wegen, nicht aus Freude an der Natur, sondern bloß des Schießens halber, strauchen dann draußen herum wie die wildernden Hunde und gefährden Menschen und Tiere: man meint, es ginge zum Haberfelötreiben. Das ist modern, das ist „nobler Sport"! Sobald einer nur Jagdkarte und Gewehr be­sitzt, steht der „Jäger" schon fix und fertig da! Wahrlich, ein trauriger Sport!

Laufen ja doch die verschiedensten Elemente auf die Jagd und können nicht einmal das Gewehr richtig tragen, viel weniger die Distanz abschätzen, auf die sie schießen. Vorübungen am Schießstande gibt es nicht, die Versuche werden überhaupt nur am lebenden Wilde gemacht, an

irischen Fernseher-Apparate im Bau sei, und daß der „Clou" der Pariser Weltausstellung durch die teleoptischen Instrumente dargestellt werden würde. Run, jenes große Vergnügungs-Etablissement, das sich 1800 an der Seine befand, schloß seine Pforten, ohne den elektrischen Fernseher der staunenden Menge vorgestellt zu haben. Herr Sczepanski soll dann übrigens ein „kugelsicheres Wams" erfunden haben: es ist jedoch zu wahrscheinlich, daß dieses im Zeitalter der anarchistischen Attentate un­zweifelhaft sehr nützliche Kleidungsstück ein gleiches Schick­sal erfahren hat wie der bereits vergessene Doveschc Panzer.

Auch die Photographie in natürlichen Farben taucht immer wieder als „gemachte Erfindung" in den Spalten der Tagesblätter auf: kürzlich ist sie sogar um eine sehr ansehnliche Summe an ein Konsortium verkauft worden. Leider „weiß man noch nichts Näheres" darüber. Dieser technischen Errungenschaft würdig zur Seite steht die elek­trische Kanone, die das gesamte Geschützwesen und die Fortifikation vollständig umgestalten, die Panzerplatten- Jndustrie aber ungünstig beeinflnffcn wird. Nebenbei gesagt, es lassen sich die Spuren dieses furchtbaren Kriegs­werkzeuges um nahezu sieben Jahrzehnte zurück ver­folgen.

Die Astronomie, die vornehmste der exakten Wissen­schaften, die in Wahrheit jeder Phantasterei streng ab­weisend gegenübersteht, muß es sich gefallen lassen, zu der immer wieder besprochenen optischen Telegraphie nach dem Mars hinüber die passende Folie abzugebcn. Als wenn selbst in dem Falle, daß es möglich wäre, die für diesen Zweck notwendigen ungeheuren Lichtzeichen her­vorzurufen, irgend ein tatsächlicher Erfolg erreicht wer­den könnte. Die für die Verständigung mit den fabel­haften Marsbewohnern verausgabten Sunrmen dürften unter allen Umständen in des Wortes ureigenster Bedeu­tung als verpufft zu bezeichnen sein.

Das Untermeerboot existiert. Freilich sind die An­sichten der Fachleute sehr entgegengesetzt darüber, ob die submarinen Fahrzeuge die großen Hoffnungen erfüllen werden, die man auf ihre Verwendung im Seekriege, namentlich in Frankreich, setzt. Daß sie nur in der Nähe der Küste zu verrvenden sind und dazu eine verhältnis­mäßig sehr geringe Taucherfähigkeit besitzen, das steht

diesem knallt der Rohling herum, gerade so, als wenn cs von Holz wäre. Er beweist dadurch, daß er nicht fähig ist, bei der Jagdausübnng sich auf einen höheren sitt­lichen Standpunkt zu stellen, daß er nicht weiß, was Jägerehre heißt.

Alles Elend von der Jagd fernzuhalten, ist natürlich nicht möglich, aber eine humanere Behandlung des Wil­des energisch zu fordern, dazu hat die Allgemeinheit das Recht und die Pflicht: es wird und muß ihr gelingen, dem schäm- und ruchlosen Gebaren notorischer Schießer Herr zu werden.

Die Neulinge zu veranlassen, daß sie sich im Distanz, schätzen üben, am Schietzstanöe die Wirkung der verschie­denen Schrotsorten auf feste und bewegliche Ziele er­proben und sich dabei eine gewisse Schießfertigkeit an­eignen, wäre als erste und unerläßliche Bedingung fest­zusetzen: so wie jeder andere Beruf, muß auch der Berns des Jägers, wenigstens nach der humanen Seite hin, er­lernt und begriffen sein, wenn er in Achtung und An­sehen stehen soll.

Man mache nur einmal den Anfang und brandmarke rücksichtslos jeden unverbesserlichen, gewissenlosen Schießer, damit nicht schließlich auch die braven Weid­männer mit dem Makel der Schinderei belastet werden.

Die Jagdschutz- und Jägervereine, sowie die sämt­lichen Aufsichtsbehörden könnten in dieser Angelegenheit wohl das meiste tun und sich das größte Verdienst er­werben.

Wir richten daher an alle maßgebenden Faktoren, an die gesamte Jägerwelt, an die Tagespresse, an alle Familien- und sonstigen Zeitschriften die herzliche und -ringende Bitte, der hier gegebenen Anregung näher zu treten, dieselbe weiter zu verbreiten und dadurch Mit­wirken zu helfen, daß die unmenschlichen Behandlungen des Wildes, wie sie zur Zeit an der Tagesordnung sind, seltener werden. Es sei noch hinzugefügt, daß der Auf­satz, den die „Forst- und Jagd-Zeitung" brachte, im Wortlaut als Flugblatt herausgegeben ist und vom Berliner Tierschutz-Verein (Berlin SW., Königgrätzer- straße 108) versandt wird. Preis 10 Pf. für 10 Stück, da» Kilo — 90 Pf., 8 Kilo-Paket (650 Flugblätter) =8 1, 80 Pf. portofrei.

Deutsches Deich.

Tie Valkanfragen.

L. S8 e r 11 n, 9. September.

Über London verlautet von Verhandlungen dev Mächte, deren Zweck und Ziel es, sein soll, den Fürsten von Bulgarien mit höchstem Nachdruck darauf aufmerk- sam zu machen, daß er den Einmarsch der türkischen Truppen zu gewärtigen habe, wenn er nicht dein make- dänischen Aufstande schleunigst Halt gebiete. Es wird so dargestellt, als seien England und Deutschland bereits

fest. Dennoch hört man sonst wohl recht nüchterne Leute urM et orbi verkünden, daß eine nicht ferne Zukunft die allgemeine submarine Schiffahrt sehen, daß dann die Welt den mit unendlichen Reichtümern ausgestatteten Meeres­boden planmäßig ansbeuten, nationalisieren (!) und um das streitige Gebiet gewaltige Kämpfe in der dunkeln Tiefe «!!) führen werde. Von der Tatsache des Wasser­druckes, den die menschliche Technik und Erfindungsgabs ebensowenig jemals aufzuheben vermögen wie die Schwerkraft, scheinen jene sanguinischen Propheten nie etwas gehört zu haben.

Und ähnlich steht es mit der Luftschiffahrt. Von dem Schicksale Anörees und seiner Begleiter wollen wir ab- sehen. Als gebildete Techniker mußten sic wissen, daß ihr Unternehmen weit eher ein Selbstmord als eine Er­forschungsreise sei, die sie als Schweden hauptsächlich aus dem Grunde antraten, um den Norweger Nansen, wenn möglich, zu überbietcn. Von dem lenkbaren Luftschiffe wissen wir seit den Versuchen des Generals Grafen Zeppe- lin und des Ingenieurs Santos-Dumont, daß derartige Fahrzeuge höchstens sehr kostspielige sportliche Unterhal­tungen gestatten, aber niemals mit den Eisenbahnen und Dampfschiffen in irgend welchen ernsthaften Wettbewerb als allgemeines Verkehrsmittel treten können.

Es mag zugegeben werden, daß die Zukunft Fliege­maschinen, die für den Transport einer Person geeignet erscheinen, kennen wird. Doch was will man denn damit erreichen? Außer einem bei warmer, milder Sommer- luft wohl recht angenehmen Vergnügen gewiß nicht viel. Weder wird der fliegende Mensch Meere überqueren, noch auch kräftigen Luftströmungen, von Stürmen ganz abge­sehen, widerstehen können. Je größer die Druckfläche ist, welche er dem Winde notwendiger Weise preisgeben muß, desto mehr unterliegt er auch der sehr bedenklichen Gefahr, verschlagen zu werden und jämmerlich zu ver­unglücken. Abgesehen von einzelnen speziellen Ausgaben, die vielleicht verhältnismäßig bequem mit der Fliegr- maschine gelöst werden können, winkt diesem Vertehrs- ,mittel sicherlich keine Zukunft. Die Natur hat uns die 'Flügel versagt, wie sie es uns auch verbot, nach Art der Fische zu leben: unser Geschlecht kann die gezogenen Grenzen nicht überspringen.

In allerjüngster Zeit treffen wir auf eine andere