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Nr. 210. Donnerstag. 9. September. _
(11. Fortsetzung.)
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Roman von Anny von PanhuyS.
Ob sie recht getan, ihm Magdas Adresse zu verraten? Jedenfalls gefreut hatte er sich darüber, und wenn sie nichts gesagt, erkundigte er sich beim Dheaterportier, der wußte sie sicher auch.
Also in Soden hielt sich die schöne Schauspielerin auf. Hans frohlockte, in dem kleinen Badeort konnte es nicht allzu schwer sein, Gelegenheit zur Bekanntschaft zu suchen. .Soden erreichte man mit der Bahn in einer halben Stunde, morgen nachmittag fuhr er mal hinüber. Das Weitere würde sich finden. In ihm war nur der eine Gedanke, sobald als möglich Magda Bergen wiodeczuschen. Ein förmliches Lieber quälte ihn. Hurra, jetzt war er ja frei! Konnte tun, wozu er Lust verspürte, genau wie Friede!. Die machte ausgiebigen Gebrauch von ihrer Freiheit. Schamlos fand er das von einer jungen Dame und geschmacklos, und von der Tante war es wenrg fein, Friedels Flirten zu unterstützen. In dem Brief stand, Friede! sei jetzt viel schöner als Magda Bergen. So ein Unsinn, schöner konnte keine fein. Muttereitelkeit! dachte er.
Am nächsten Nachmittag saß Hans Buckenbach im Zuge, der ihn hinüberführte ins Reich der Taunus- derge. In Höchst stiegen viele Menschen ein und Hans erfuhr, heute sei Rosenfest im Sodener Kurpark, da wäre Militärmusik, Mädchen verkauften Rosen und zum Schluß gäbe cs ein Feuerwerk. Hans lehnte in einer Ecke am Fenster, seine Blicke flogen dein Ziele entgegen. Näher und näher rückten die Berge, die Villen Sodens kamen in Sicht, sanft an obstbaumbepflanzten Hügeln hingebettet. Rechts, wie ein dunkler, drohender Riese, der Altkönig, und dahinter der Feldberg, die höchste Spitze des Taunus. Mehr links schimmerten die Weißen Mauern des Grand Hotels in Königstein herüber.
Der Zug hielt vor dem sauberen Bahnhofsgebäude. In wenigen Minuten wanderte Hans Buckenbach durch die prächtig gehaltenen Kurparkanlagen. Er warf einen Blick auf seine Uhr. Einige Minuten nach Sechs. Ziemlich besetzt schien es schon zu sein, trotzdem das Konzert erst um acht Uhr begann.
Hans Buckenbach schleuderte durch die Wege und stieg, als ihn das zu langweilen begann, die Treppe zur oberen Terrasse hinauf. Hier ließ er sich an einem der weißgedeckten Tische nieder. Es war inzwischen fast Sieben geworden. Er bestellte beim Kellner ein Wendbrot und eine St. Julien. Am Billetthäuschen hatte er vorhin die neueste Kurliste gekauft. Nun blätterte er darin und fand sofort unter den Namen der im .Kurhause selbst Wohnenden Gertrud und Magda Bergen.
Das war ja famos. Sicher würde er also die schöne Schauspielerin Wiedersehen.
Langsam füllten sich die Tische in seiner Nähe. Kurgäste, Sodener und namentlich Bewohner von Höchst und Griesheim, die für ein paar Stunden in der reinen Lust des kleinen Bades ihre fabrikdunstgeschwängerte Lunge erfrischten.
Hans aß, dabei musterte er jeden neuen Ankömmling Der Kellner räumte die Teller ab, Hans ent
zündete eine Zigarre. Die Musik spielte das erste Stück. Hell schmetternd schwangen sich die Töne eines Marsches auf. Rechts von Hans befand sich noch ein leerer Tisch, dicht am Hause. Ein üppiger Oleander stand daneben und breitete sich protzig aus. Ein Schild mit „Reserviert" schlug alle, die von dem Tische Besitz ergreifen wollten, in die Flucht. Und die Blicke des jungen Offiziers huschten immer wieder zu jenem Tisch. Wie schön, wenn Magda sich daran niederließe, denn, daß sie kam, dessen war er gewiß. Dicht von ihm süße sie dann, und er könnte sie ansehen, immerzu anschen. Das erste Musikstück war längst verklungen, ein zweites, ein drittes folgte, an seineni Tisch nahm mit einem: „Sie gestatten" ein älterer Herr Platz, der trug seinen Paletotkragen hoch aufgeschlagen und sprach heiser.
Unten im Park glühten blutrote Lampions auf. Wie große Feuerblumen hingen sie in den Baumzweigen und kleine weiße Lichtchen, kunstvoll zu Figuren verschnörkelt, wuchsen plötzlich aus dem Rasenplatz vor der Terrasse. Wiegend tanzten die Walzerrhythmen der „Rosen aus dem Süden" über die Tische, über Baum und Strauch fluteten die lockenden Klänge. Es war, als plauderten die Menschen alle, froher, lackender wurden die Augen, brennender, röter flammten die Feuerblumen in den dunklen Räumen.
Aus dam Kurhaus kam eine Dame. Man wandte die Köpfe nach ihr, als sie dem unbesetzten Tische zuschritt. Wie Hans es ahnend gewünscht, saß Magda Bergen nun am Nachbartisch. Weich legte sich der moderne schwarze Seidenmantel um die zarten Glieder und das herrliche Haar in der Frisur der Räoamier gab ihrem Gesicht einen leicht pikanten Zug, noch gehoben durch den kleinen türkisch gemusterten Turban, der nach hinten ein wenig das Haar deckte. Wie schön sie war. Hans Buckenbach durchflutete es heiß, ein Taumel ergriff ihn und seine Gedanken drängten sich durcheinander.
Welch Glück, Magda Bergen saß vor ihm, beinahe dicht genug, um ihre weiße Hand zu fassen. Magda Bergen, nach der er sich gesehnt, ihm schien, sein ganzes Leben hindurch. Ein süßer, leiser Duft aus ihren Kleidern flog auf und strömte zu thm herüber und goß ihm Verlangen ins Blut, das Verlangen, die bezaubernde Gestalt des schönen Weibes an sich zu reißen und ihren rosigen Mund zu küssen. Himmel, Donner, war er verliebt!
Die Schauspielerin, die beim Eintritt weder nach rechts noch nach links gäschen, blickte jetzt von dem Programm, in das sie sich vertieft, empor. Gerade hinein in Hans Buckenbachs werbende Augen sah sie und ihre Wimpern senkten sich schnell. Das Programm in ihren Fingern zitterte und entglitt ihnen, mit einer Schwenkung fiel es zu Boden. Hans erhob sich geschwind und hob das Blättchen auf. Küssen hätte er es mögen, daS kleine gescheite Papier, das ihm die Brücke zur Bekanntschaft mit. Magda baute.
