Einzelbild herunterladen
 

Sl. Jahrgang.

Erscheint in »wri Ausgaben. — BezngS-PretS: durch de« Verlag so Pfg. m-»atlich, durch dre Post » Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Berlag: Langgasie 27.

LN,OOO Abonnenten.

Anzcigen-PreiSr Die einspaltige Petitzcile für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

_ . c» i ^ für die Abend «AuSaabt bis 12 Uhr mittags, für die Morgen »Ausgabe v.» u mji »uu,»»..»»». v>- "7V"7 "Tm-Tj.i.:; 1

Anzergen - Auuahme Achtenden Angabe? wie für die Anzeigen-Äufnahme an bestimmt vargejchricbencn Tagen wird kerne Gewahr übernommen, ;cdoch nach Möglichkeit

3 Uhr nachmittag«. — Für die Aufnahme später cingcreichter Anzeigen zur nächst« m 'jmsnUAf.it ßiorge getragen.

J| 0 4 411 . verlag»Ger»s»rech«r No. r»S».

Worgen-Ausgabe.

Reife - Abonnements

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

können täglich begonnen werden und kosten wöchentlich bei freier Zustellung in's Haus

mllh Vrten in DeuWM mffl OeMellh-KnMrn 60 W.

.. „ im Aüslllnö.. . 90 ..

Bestellungen beliebe man genaue wohnungsadrefle bcizufügen.

Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.

Universität und MKsschullehrer.

Zu den Derhandlungsthcmen in den einzelnen Zweig-, Provinzial- und Landeslehrervereinen des Deutschen Lehrervereines für die Geschäftsperiode 1902/04 gehört auch obiges Thema, und die Deutsche Lehrerversamm­lung zu Königsberg i. P. zu Pfingsten k. I. wird, sich wie diejenige zu Chemnitz zu Pfingsten 1902 gleichfalls mit diesem Thema zu befassen haben. Herr Universi­tätsprofessor Dr. Rehmke-Greifswald hat durch seinen Vortrag in Chemnitz eine Reihe neuer Gedanken ent­wickelt 'und eine Anzahl trefflicher Anregungen für die Behandlung dieser Frage der Universitätsbildung der Volksschullehrer gegeben, daß es der geschästsführende Ausschuß des Deutschen Lehrervereins mit Recht für notwendig erachtete, dieses Thema auch auf die Tages­ordnung der gegenwärtig«: Geschäftsperrode zu setzen und diese Frage noch weiter und eingehender zu erörtern; denn sie gehört unstreitig mit zu den wichtigsten, welche gegenwärtig die deutsche Volksschullehrerschast bewegt. Während früher diese Forderung als ein Ausfluß des Hochmuts und des Dünkels bezeichnet wurde, wird die­selbe heute von namhaften Autoritäten der Wissenschaft mit Wärme vertreten. Diesen Umschwung im Urteil und in der Anschauung haben nicht zum mindesten die Ferien­kurse und Hochschnlkurse an verschiedenen Universitäten mit bewirkt, durch welche die Vertreter der Wissenschaft Mit den Volksschullehrern in nähere Berührung kamen vnd die Rührigkeit, den wissenschaftlichen Eifer und die Intelligenz der letzteren kennen lernten.

Die Frage, ob der Volksschullehrer zu einer erfolg­reichen und zeitgemäßen Ausübung seiner unterrichtlich- erziehlichen Tätigkeit der wissenschaftlichen Berufsbildung bedürfe, beantwortete Herr Realgymnasiallehver Boy-

Freitag» den 4. September.

Barmen auf dem „27. Rheinisch«: Lehrertag zu Elber­

feld" folgendermaßen: „Das Sozialprmzip fordert Be­kanntschaft mit den Sozialwissenschaften. Das Real­prinzip fordert Bekanntschaft mit den einzelnen Wissens­stoffen der verschiedenen Unterrichtsgebiete einschließlich Logik und Ethik. DaS organisckje Prinzip fordert vom Lehrer, daß er ein Stück Arzt und Hygieniker sein muß. Als Pädagoge mutz er die Körperorgane und deren Funktionen kennen. Das erfordert Kenntnisse in der Anatomie, Physiologie und Psychologie. Das Ent­wickelungsprinzip lehrt uns den Blick richten auf das allmähliche Wachstum des Erziehungsobjektes, des Kindes, d>'s ja eigentlich das Erziehungssubjckt ist. Es lehrt uns genau achten auf die Wachstumsbedingungen und den Grad der Erreichbarkeit. Ferner lernen wir aus der Entwickelung des einzelnen die des Volkes kennen oder doch ahnen. Der Erzieher muß Studien treiben in der Biologe, Ästhetik und Philosophie. Damit aber sind dem Erzieher erst die Hülfswissenschaften gegeben. Bei aller Erziehungs- und Mldungsarbeit handelt es sich immer um drei Faktoren, um das Kind, den Stoff und den Lehrer. Die unterrichtliche Tätigkeit besteht nun darin, durchs den Stoff im Kinde psychologische Vorgänge einzuleiten, weiter zu leiten und zu Ende zu fiihren. Diese besondere theoretische Kunst zu lehren, ist Aufgabe der Pädagogik. In Theorie und Praxis steht sie in engstem Zusammen­hang mit den oben ausgestellten Prinzipien; sie bildet mit ihnen ein Gapzes."

Ter Volksschullehrer soll aber nicht nur ein Kinder­lehrer und Pädagoge sein, sondern auch, wie das Herr Lehrer Steffel-Elberfeld auf dem „27. Rheinischen Lehrertage zu Elberfeld" so treffend und zu besonderer Freude der gesamten deutschen Presse ausführt« ein Volks­lehrer. Diesem trefflichen Vortrage lagen folgende Leit­sätze zugrunde: „1. Die wirtschaftliche Entwickelung unserer Tage hat die Glieder des vierten Standes um den letzten Rest einer edlen Frertde am Dasein gebracht. 2. Diese Lücke Im Innenleben 9es ArbeitenL muß ans­gefüllt werden durch eine außerordentlich gesteigerte Bildung unseres Volkes, namentlich in künstlerischer, politischer und sozialer Hinsicht. 3. Die bisherigen Ein­richtungen für die Weiterbildung und Weitererziehung unseres Volkes haben sich als gänzlich unzureichend er­wiesen. 4. Es ist deshalb die Einrichtung von Volks- hochsclmlen erforderlich. Als Volkslehrer kommen in erster Linie die Volksschullehrer in Betracht. 5. Soll der Volksschullehrer seiner Aufgabe als Volkslehrer in jeder Beziehung gerecht werden, so ist das Universitäts- stuüium der Volksschullehrer unbedingte Voraussetzung."

Diesen treffenden Begründungen der Notwendigkeit des Universitätsstudiums der Volksschullehrer haben wir nichts weiter hinzuzufügen. Aber nun fragt es sich

RedaktionS-Fernsprecher N». 5». 1»sO3«

———im — ■ ■»ii— » ■ ■— i m» i » ^i i n

weiter, ob dem Volksschullehrer das wissenschaftliche Studium möglich ist. Man hat verlangt, daß der künftige Volksschullehrer auf einer höheren Lehranstalt seine wissenschaftliche Ausbildung sich erwerbe und so­dann seine pädagogische Ausbildung auf einem Lehrer­seminar sich aneigne, so daß also das Lehrerseminar als unmittelbare Berufsschule auftrete. Herr Nealgymnasial- lehrer Boy-Barmen weist aber nach, daß auch das gegen­wärtige Lehrerseminar einer neunstufigen höheren Schule in bezug ans wissenschaftliche Durchbildung seiner Zög­linge gleichkonime bis auf den fremdsprachlichen Unter­richt. „Der Bildungsweg, der zum Seminar-Abiturien­ten hinführt, betont mehr die anschaulich-sachbegrisfliche Bildung mit der Einmündung in die Philosophie; denn das Seminar lehrt schon Psychologie, die den anderen höheren Schulen gänzlich fehlt. Die neunstufigen An­stalten huldigen mehr dem formal-verbalen Bildnngsziel. ..... Was heißt wissenschaftliche Bildung? Selbst­ständige Ordnung der Begriffe und Verarbeitung zu fruchtbaren Ideen. Dazu rst aber die Hauptvorbedingung Sachkenntnis. Damit wäre dann erwiesen, daß die Seminarvorbildung sogar ganz besonders zu wissenschaft­lichem Studium tüchtig ^nacht." Und darum fordert er etwa folgendes: „Dem Seminar-Abiturienten ist die Be­rechtigung zum Studium an der Universität innerhalb der philosophischen Fakultät zu erteilen. Und Krause- Gerdauen fordert, daß das Seminar als eine den neun­stufigen höheren Schulen gleichwertige höhere Anstalt an­erkannt werde, deren Abgangszeugnis zum Studium der philosophischen Fakultät berechtigen müsse; und ferner die Einrichtung einer Abschlußprüfung, .. die an die Stelle der Mittelschullehrer- und Rektorprüfung zu treten hätte. Diese müßte zur Anstellung im Schulaufsichts­und Seminardienste berechtigen. Die Befähigung zum Universitätsstudium der Volksschullehrer müßte offiziell anerkannt werden."

Ans den zahlreichen Verhandlungen über diese Materie erkennt man das Streben des deutschen Volksschullehrer­standes nach Vervollkonunnung, den Wisseirsdurst uni! Eifer, sich für die ihm gewordene Aufgabe als Volks­erzieher und Volkslehrer auch wissenschaftlich tüchtig zu machen, weil er erkannt hat, daß „die Pädagogik kein Handwerk, ja, keineswegs bloß Kunst, sondern zunächst eine Wissenschaft ist"; denn „Erziehung ist. das größte und schwerste Problem, das einem Menschen aufgegeben werden kann". (Kant.)

Ter Stein ist ins Rollen gekommen und man wird ihn nicht mehr aushalten können, und man wird, ob gern oder ungern, doch diese Forderung der deutschen Volksschullehrer über kurz oder lang als eine berechtigte anerkennen und erfüllen müssen. Beharrlichkeit führt zum Ziele." e. v.

Feuilleton.

Das Mhrenjystem im Dalurhaushall.

Eine populär-physikalische Studie von Fritz Eckhardt.

Wenn man durch einen Gebirgskamm einen Tunnel bohrt, so ist dieser im Prinzip als ein Rohr mit bedeuten­dem Querschnitt zu betrachten. Um nun zu untersuchen, nach welchen Prinzipien sich in solchem Tunnelrohre o:e Gesetze der Luftbewegung regeln, wollen wir einen ganz bestimmten, den Gotthard-Tunnel, in Betracht ziehen.

Die Mündungen dieses Tunnels nehmen auf der einen Seite die warme italienische, auf der anderen die kühlere Luft der Schweiz auf. Man könnte nun schließen, daß da, wo diese verschieden temperierten Lnftartcn in­einander übergehen, also etwa in der Mitte des Tunnels, eine hochgradige Zuglust sich entwickeln müsse. Die Er­fahrung hat aber gelehrt, daß das Gegenteil der Fall rst, daß nämlich in der Mitte jedes namhaft langen Tunnels vielmehr Luftmangel und gar keine merkbare Luft­bewegung herrscht.

Dies ist auch ganz natürlrch. Denn ;e trcfer man den Tunnel in den Berg cinführt, desto höher wird die Tem­peratur im Tunnelrohre steigen. Es wird sich also inner­halb des Tunnels eine Luftschicht bilden, die, weil vrel wärmer als die Außenluft, sich bedeutend ausdehnt, also auch viel dünner wird als diese. Da also infolge des Ausdehnnngstriebes eine bedeutende Spannung, ein Druck gegen die Außenluft nach beiden Seiten des Tun­nels entsteht, so ist es dieser Druck, der die Außenluft abhält, in den Tunnel einzudringen.

Die Spannung wird also um so größer sein, und eS wird um so weniger Luft eindringen, je länger der Tunnel ist, weil die Wärme, der Ausdehnungsfaktor, mit der Länge des Tunnels natürlich zunehmen muß, wenn man ihn horizontal durch den Berg führt, so daß er in immer tiefere Schichten des Berges einschneidet. Nachdem man durch Erfahrung diese Tatsache festgestellt und das schon bekannte Gesetz der Ausdehnung der Luft zu Rate gezogen hat, ist man heute in der Lage, vor Be­ginn der Tunnelbohrung festzustellen, wie tief man in ven Berg Hineinschneiden mutz, um einen gewissen Wärmegrad, also auch eine gewisse Lustspannuug nicht zu überschreiten.

In der so bestimmten Tiefe bleibt man nach dem heutigen System und führt den Tunnel immer möglichst in demselben Abstande von der Bergoberfläche einerseits hinauf, andererseits wieder abwärts; denn nur auf diese Weise ist eine Luftzufuhr möglich, indem man von Strecke zu Strecke einen senkrechten Schacht vom Tunnclschachte an die Oberfläche führt. Gibt man auf diese Weise der Jnnenluft Gelegenheit, nach oben zu entweichen, so wird von beiden Tunnelseiten wieder soviel frische Luft nach- dringcn, als die innere Spannung zuläßt.

Der senkrechte Schacht ist also eigentlich nichts weiter als der' Schornstein, während der Tunnel den Ofen öarstellt. Denn in einem Tunnel sowohl wie in einem geheizten Ofen ist die Lust durch hochgradige Wärme aus­gedehnt und dringt nach oben; aber auch dasBentilations- rohr unserer Zimmer ist im Prinzip dasselbe wie der. genannte Lüftungsschacht, während nun das Zimmer den Tunnel darstellt, in welchem den größten Teil des Jahres über die Luft infolge Ofenheizung gegen die Außenluft ausgedehnt ist. In den bisher entwickelten Prinzipien ist also zugleich die Theorie gegeben, gemäß der Schornsteinrohr und Ventilationsrohr anzulegen sind. Beide müssen so warm liegen, daß die Luft in ihrem Innern einen namhaften Ausdehnungstrieb erhält, den sie immer zunächst nach oben zur Geltung bringen wird, so daß sic die Luft von unten her, also aus dem Zimmer heraus, nach sich zieht.

Es wird ans diese Weise die Luftsäule im Rohre vermögend gemacht, schwerere Luft emporzuziehen. Aber dieses Auftriebsvermögen ist imstande, selbst noch schwerere Körper wie den Rauch, der doch als eine große Summe nicht zur, Verbrennung gelangter Brennstoffreste von einem gewissen Gewichte zu betrachten ist, in die Höhe zu heben. Auch verkohltes Papier, Ruß und an­dere unvcrbrannte Teile werden von der Schornstcin- luftsäule emporgehoben und oft durch die Lüfte weit fort­geschleudert. Man sieht also, daß dieses Hebesystem von nicht unbedeutender Kraft ist und daß es um so mehr zur Geltung gelangen muß, je erwärmter, also je ge­spannter die Luftsäule ist, die zu diesem Zweck ange­wandt wird.

Nun wird aber eine eingeschlossene Luftsäule sich um so höher erhitzen, je weniger Luft sie unter sonst gleichen Umständen enthält, also je geringer ihr Querschnitt ist. Denkt man sich einen Hausschornstein, dessen Rohr nicht

weiter ist als das eines Lampenzylinders, so wird die Luft darin selbstverständlich viel wärmer, die Spannung viel größer sein .als die unserer gewöhnlichen russischen Schornsteinrohre, die einen bedeutend größeren Quer­schnitt haben. Es enthalten aber die natürlichen Bäume ein System von Röhrchen, deren jedes dünner ist als ein menschliches Haar. Im Frühjahr, wenn die Saftberei­tung in der Wurzel anfängt, wird jedes Röhrchen mit verdünnter, gegen die Autzenluft hochgespannter Luft gefüllt sein und daher beginnen, sobald der Saft in der Wurzel bereitet ist, diesen zu heben und ihn in alle Ver­zweigungen zu leiten, wo er endlich infolge der An­ziehungskraft des Sonnenlichtes durchbricht und infolge anderer Gesetze sich zu Blatt, Blüten und Zweigen aus. bildet.

Solches A u f p u m p s y st e m ist es, durch das nickt nur Strauch und Baum, sondern alle Pflanzen zum Wachsen und Gedeihen gebracht werden. Aber auch in der Tierwelt hat Mutter Natur das Luftauftriebsystcm zur Verwendung gebracht und mit ihm unter anderem die Vogelgattung ins Leben gerufen. Es ist wohl zu beachten, daß die Vogelfeder aus zwei Teilen, der Spule und der Fahne, besteht. Vermittelst der röhrenförmigen Spule ist die Feder im Körper des Vogels befestigt. Da nun die Körperwärme bei den Vögeln eine ziemlich hohe ist, so wird diese schon eine bedeutende Ausdehnung der ohnehin sehr verdünnten Luft in den Spulen veranlassen. Weil aber die Fahnen der Federn namentlich infolge ihrer mehrfachen Lage übereinander die Ausstrahlung der Körperwärme in hochgradiger Weise hindern, so wird dadurch die Körperwärme der Tiere noch bedeutend erhöht und infolgedessen die Luft in den Federspulen in einen hochgradigen Druck versetzt, der den Körper senk­recht aufwärts zu heben strebt.

Bedenkt man nun, mit einer wie großen Anzahl Federn der Vogelkörper bedeckt ist, und summiert die Inhalte der gespannten Luft in den sämtlichen Feder­spulen, so erhält man einen ungefähren Begriff, mit welch bedeutendem Auftriebvermögen der Vogclkörper umgeben ist. Dieser Auftrieb, in Verbindung mit der Absicht, ihn in Tätigkeit zu setzen, genügt fast allein, um den Vogel schwebend zu erhalten, wie man denn den Kondor, sowie verschiedene Reiherarten oft scheinbar ohne Flügelschlag in der Luft schwebend zu sehen glaubt. In der Tat aber gehen die Flügel doch aus und nieder, wenn