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.32. Fortsetzung.)
Freiheit!
Roman von Walter Schmidt-Hähler
Mittwoch, den 2. September
Und mit einem leuchtenden Blicke fügte sie hinzu, in Dem sie Mariannens Hand ergriff: „Und eine Freundin habe ich gefunden, die ihr Geistesleben mit dem menugen vereint, der gegenüber ich manchmal von all dem sprechen kann, was so weit hinter mir liegt. Ich brauche nichts bester. — Lassen Sie ims von anderen Dingen reden!
„Recht so, Ella — und da fällt mir eben etwas Wichtiges ein, was ich lange schon mit Ihnen besprechen wollte. Der Medizinalrat besteht daraus, daß ich. wenn sich vollkommen wieder auf meine Gesundheit rechnen staun, reisen soll. Und ich gestehe Ihnen offen, eme kleine Luft- und Umgebungsverändernng wurde Mir Freude machen. Ich möchte deshalb, sobald es Frichlmg wird stach der See gehen, hinauf auf mein hübsches Gut an der lOstsee, das Sie sn auch noch nicht kennen. Wir fahren chber Berlin, sehen uns ein paar Tage alles neue dort an und erwarten dann den König Lenz zwischen unseren alten Buchen und Eichen. Sie kommen doch mit, denn 'allein würde es mir keine rechte Freude machen?"
Ja, gern begleite ich Sie! — sobald sich das Schm sal meines neuen Buckjes entschieden hat, möchte ich iwer Haupt gern einmal auf einige Tage nach Berlin. Ganz inkognito natürlich, als Heinz Hermann. Ich muß ein real selbst mit meinem Verleger sprechen, denn ich habe stun die Absicht, ihm gegenüber meine Maske fallen zu lassen und seine persönliche Bekanntschaft zu machen."
„Er weis; selbst nicht, daß Sie eine junge Dame sind? Auch er glaubt —"
„Daß Heinz Hermann ein junger Mann ist, der bald in München, bald auf Reisen lebt. Alle Korrespondenzen gehen durch meinen Vetter, der bei der Firma angestellt ist, und dem ich das Lob seltener Diskretion zuteil werden lassen muß. Er besorgt mir das Geschäftliche Und ich kann mich unbedingt aus ihn verlassen. Wer stun ist es Zeit, meine Angelegenheiten selbst in die Hand ku nehmen, denn ich muß mich doch langsam auch zum Geschäftsmanne ausbilden."
So saßen sie fröhlich plaudernd beisammen,, und ob wohl noch lange nicht an die ersten Märzveilchen zu denken war, entwarfen sie schon Reisepläne und sahen isich unter den maigrünen Bäumen des Winterbergschen Stammgutes.
Während Reinhardt in der Villa der Fürstin Rogni an ihrem Bilde malte, das gar nicht vorwärts zu kommen schien, saß Remmingen in seinem Garyonheim, das er sich so wohnlich und behaglich wie möglich eingerichtet hatte, eines Morgens in dem kleinen Salon, durch dessen geöffnete Fenster schon eine weiche, Frühling verkündende Lust schmeichelnd hereinwehte. Er hatte einen Brief vor sich auf dem Tischchen liegen, auf dem auch die Kaffee- waschine stand, und offenbar in sehr erregtem Nach- sinnen nahm er das Papier alle Augenblicke m die Hand,
las es wieder durch und schaute dann wieder den blauen
Wölkchen seiner Zigarre nach. „„*„.**** und
So intensiv hatte er fest lange nicht nachgedacht um so viel auf einmal war ihm selten durch den Kopf ge-
gangen.^ Monaten hatte die schöne Fürstin aus
seinen Freund ganz entschiedenang^
Wirkung auszuüben, als er wohl selbst geglaubt hatte.
Berning hatte sein Bild für die Berliner Ausstellung fertig. Im Atelier stand es bereits verpackt und reise-
frrti gr hatte sich mit wahrem Feuereifer darüber her- gemacht und das Porträt der Fürstin, untermalh uue eo war. aus der Staffelei stehen lassen. Mttememhoflichen Briese hatte er sich bei ihr damit entschuldigt, daß er erst lein Werk für Berlin fertigstellen müsse. Tann haste er sich iveder in der Villa Rogni, noch in Gesellschaften lehen lassen, sondern sich tief in seine Arbeit emgesponnew Er wollte dem Zauber, der von der verführerischen Frau doch allmählich auf ihn uberzugehen und seine
Sinne in Fesseln zu schlagen begann, an für allemal ent* fliehen. Er wollte sich losmachen aus dem femen Netze, das ihm langsam über dar Kopf glitt
Das fühlte Remmingen sehr wohl. Aber er sagre nichts Er wollte den Dingen freien Lauf lassen.
Da war eines Tages, gerade als Bernmg mit semem Gemälde fertig war, Maddalena Rogni selbst m Atelier
o^Wie vom Himmel gefallen stand sie plotzstch da nt dem goldigen Morgensonnenlicht, die schlanke Gestalt gehüllt in eine Flut duftender Spitzen, Bänder und
^"^Sst^war gekommen, sein Bild zu bewundern. In,ihre Villa hätte er es doch nicht bringen können, und sehen mußte sie es ja wohl. Wer konnte ihr Erscheinen alio
vertmmd^li^m^en mar , den Flüchtling zurückzuholen, das bedurfte keiner Worte. Und daß es ihr gelang, war ebenso einfach wie natürlich. Er konnte, ohne einen definitiven Bruch zu provozieren,, keinen Grund mehr vorschützen, das bestellte Portrat hinauszuzogern. und so wurde denn die Leinwand wieder, in den Gartensaal der Villa geschafft, und Reinhardt ging von neuem an die
2rrb Unb seit anderthalb Monaten malte er nun, schon an dem weißen Allasgewande herum, und das Bild wollte
und wollte nicht festig werden. sw»,™-
Vor Monaten haste Remnnngen an den Verleger Ellas einen sehr diplomastschen Brief geschrwben Er hatte die Firma um Angabe der näheren Atmsse des
51 , Jahrgang. 1903 .
welchem harmlosen Vorwände er sich nach der Gesuchten hätte erkundigen können, w'ißte er absolut nicht, und gar nichts lvollte ihm einfallen. So schien denn auch dieser Weg sich wieder im Dickiclst, fernab vom Ziele, zu ver
^Estnhardt begann seit einiger Zeit sogar ™
zu vernachlässigen, war fast me m (««JÄ «„fvm imb dies war Franz ein unzweiselyafres uu
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Interesse für sich in Anspruch nahm. Im Grunaege Lnmm wäre das ja nun das, aewe en was er dem Freunde immer im Stillen gewunsch hatte d ese. lang same Auflodem seiner KunstlerleidensckM haste ;anun
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Schstftstellerö Heinz Hermann estucht, aber mcht unter Aem eigenen Namen, da er vorläufig weder diesen ihm gänzlich unbekannten Autor, noch die V071 chm gesu^ Ella auf sich aufmerksam machen wollte. Deesen "chach- -ng hielt er für ungemein fein, und lieh sich von einem seiner Bekannten, den er ins Vertrauen zog, Namen und
Adrche. ^ ^nttoort, die er erhielt, enttäuschte ihn sehw Der Verleger teilt ihm mit, daß Herr Herinann sich momentan auf Reisen befinde, und daß Briefe für, ihn an den Verlag zu richten seien, der ihm alles übermittle, ^a stand er mit seiner Weisheit, denn was er an den fragliche n Heinz Hermann hätte schreiben sollen, unter
denn oer m o*-- vv T ,
fing es an zu knospen und zrr blühen, und die letz Schatten des Winters verschwammen im lichten Blwi
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schehm. Der Bstef lautste:
Als Sie uns''wr Ämwtsfris?nÄ der Adresse des
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beabsichtigt, Anfang Mar mit ^unserer Firma persön- nach Berlin zu kommen, um mit unserer
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respondenzen hier eigenhändig zu ubermstwlr.
Hochachtend
Paul Römmger, „ Sekrstär der Derlagsanstalt.
Mit einem Schlage war jetzt dem gutm daron^stn ! blendendes ^'^svj^egangen, um ^^^hen Schach-
lang über demBrrefe, um sich stnm ^^stär
zug vorzubereiten. Paul Romin^e b eß fallen,
der Verlagsftrma Das haste er FMer ^ Nun
dann wäre er ja laugst s°^n i> nun ergab
war ihm das Kombinieren mcht meh^ schwew^u ^
sich für ihn logisch ans am ^ mste damals
Röminger war an Verwan ' Mädchen nach
schon seine Vermutung, daß das jung Vst>
Berlin gegangen, so. zugstroffm. ^m ^ wandten hatte sie, wahrschstm ch “1 , -ßnb nun
den Schriftsteller Hermann kennen ^ern ^ lag nichts näher, als die Vermutung, tf hnffnungs- als Gattin dieses mngen Autor? sich^ über eine imi ^ lose Jugendliebe endgültig stz ^ bt bier
Gewißheit wäre ja ^ allerdmg^ftir .llemy sicherste Weg zu einer endgulstg^imuno vouar gewesen, demr er war «4 J Jg' Genießens ver-
