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Donnerstag, 9. September 1915.
Morgen» Ausgabe.
Nr. 419. - 63. Jahrgang.
Wolkowyrk nebst höhen genommen.
xelnvliche Schiffe vor Middelkerke in die ßlucht geschlagen. — Lin bewaffnetes französisches Flugzeug nördlich Le Mesnil herabge- jchoffen. — Seengen südwestlich Wilna genommen. — 2800 russische Gefangene bei wolkowqsk. — ver Feind durch die Armee des Prinzen Leopold abermals geworfen. — Vas feindliche Vorgehen westlich Gstrow zum Stehen gebracht. — Line russische Erfindung über eine deutsche Niederlage.
Der Tagesbericht vom 8. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Sept. Mntlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Eine Anzahl feindlicher Schiffe erschien gestern früh vor Middelkerke, beschoß vormittags West- ende und nachmittags Ostende. Vor dem Feuer unserer küstenbatterien zogen sich die Schiffe wieder zurück. Mrlitärischer Schaden ist nicht angerichtet. In Ost- kude wurden zwei belgische Einwohner getötet, einer verletzt.
An der Front verlief der Tag im übrige« ohne besondere Ereignisse.
Ein bewaffnetes französisches Flugzeug wurde nördlich von Le Mesnil in der Champagne von einem deutschen Kampfflieger a b geschossen. Es stürzte b r e n n e n d ab. Die Insassen siud tot.
Ein feindlicher Fliegerangriff auf F r e i b u r g r. B. verlief ergebnislos.
Gestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des GeneralfeidmarschaS» von Hindenburg.
In der Gegend von Daugeswas sind unsere Abteilungen im weiteren Vorgehen. Trtlppcn des General- vbersteu v. Eichhorn setzten sich.nach Kamps in den Besitz einiger Seengen bei Traki-Nowe, südwestlich von Wilna.
Zwischen Ieziorh und Wolkowhsk schreitet der Angriff vorwärts. Wolkowhsk selbst und die Höhe« östlich und nördlich davon sind genommen. Es wurden 280V Gefangene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
In der Gegend von Jzabelin (südöstlich von Wolkowhsk) ist der Feind geworfen. Weiter südlich ist die Heeresgruppe im Vorgehen gegen die Abschnitte der Zelwjanka und Rozanka. Nordöstlich von Pruzana dringe» ö st erreichisch -ungarische Truppen durch das Snmpsgebiet nach Norde» vor. Es wurden rund 1006 Gefangene gemacht.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall« von Mackensen.
Die Kampfe an der Jasiolda und östlich von Drohizcyn dauern an.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Rusiische Angriffe bei Tarnopol sind abge- schlageü. Weiter südlich in der Gegend westlich von Ostrow ist ein Vorgehen des Feindes durch einen Gegenstoß deutscher Truppen zum Stehe« gebracht.
Die heutige rusiische Veröffentlichung über eine Niederlage von zwei deutschen Divisionen, die Gefangennahme von 1JH) Soldaten und die Eroberung von 30 deutschen Geschützen und dielen Maschinengewehren ist frei erfunden. Kein deutscher Soldat ist auch nur erneu Schritt gewichen, kein Geschütz oder Maschinengewehr ist in Feindeshand gefallen. Hingegen warf der erwähnte Gegenstoß deutscher Regimenter den vor- üringenden Feind weithin zurück. Eines von wne« machte 250 Gefangene.
t Oberste Heeresleitung.
Die deutsche Zipilverwaltung in Rusiisch-Polen.
Warschau, 8. Sept. (Zens. Bln.) Nach einer neuerlichen Verordnung des Oberbefehlshabers Ost ist für die Zeit von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens den Zivilpersonen im Gebiete der deutschen Zivilverwaltung für Polen links der Deichsel der Verkehr außerhalb der Behausung oder des Gehöfts nur gestattet, wenn sie mit einem Nachtausweis versehen sind, der außer einem etwaigen Paß oder Durch- brß Oeiu «forderlich ist und nur in dringenden Fällen uüd
jeweils für eine Nacht gegen eine Gebühr von 1 M. ausgestellt wird. Gebührenfreie Nachtausweise dürfen nur für Reichsdeutsche und Österreicher ohne örtliche Beschränkung, im übrigen für Ärzte uiü) Hebammen mit Beschränkung je nach den örtlichen Verhältnissen aus einen Umkreis bis zu 80 Kilometer mn den Ortsbezirk, für Geistliche mit Beschränkung aus den Sprengel, und für Beamte der städtischen Verwaltungen, der Polizei oder der Feuerwehr mit Beschränkung aus den Ortsbezirk ausgestellt werden. Für den Wacht- uud anderen dringenden Nachtdienst sind Befreiungen zulässig; es muh aber gleichwohl eine ständige Bewachung ermöglicht sein, die Nachtausweise werden von den Polizeipräsidenten und Kreischess ausgestellt; daneben sind auch die Orts- und Bahnhofskommandantuven dazu berechtigt. Für Zuwiderhandelnde ist eine Gefängnisstrafe bis zu 6 Monaten vorgesehen. Bei mildernden Umständen kann aus Geldstrafe bis zu 1000 M. erkannt werden.
Der Kaiser an den Eroberer der Festung Brest-Litowsk.
Hohe Auszeichnung des Generalfeldmarschalls v. Mackensen uud der kommandierenden Generale.
Br. Danzig, 8. Sept. (Gig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Kaiser hat an Generalseldmcrrschall v. Mackensen anläßlich der Eroberung von Brest-Litowsk folgendes Telegrmnm gerichtet:
„Der schnelle Fall der mächtigen Festung Brest-LitowSk, deren Aufgabe es war, den Weg zum Herzen des feindlichen Landes zu sperren, ist das Ergebnis der glänzende« Operationen, die die unter Ihrer Führung vereinigten verbündeten Armeen, seit sie vor sechs Wochen von der Nordgrenze Galiziens antraten, in Verbindung mit anderen Heeresgruppen durchgeführt haben. Würdig schließen sich Ihre und Ihrer Truppen Leistungen in diesem Teile des Feldzuges jenen an, die unsere Truppen vom Dunajetz an den San und von dort bis zur Befreiung Lembergs bis an den Bng trugen. Weder die überlegene Zahl der Gegner, noch wegelose Sümpfe und Urwald haben Ihren Siegeslauf zu hemmen vermocht. Die dankbare Erinnerung an solche Taten, vom Führer bis zum letzten Mann, wird in unserem Volke nie erlöschen. Ich verleihe Ihnen meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler und den kommandierenden Generalen, deren Maßnahmen die schnelle Einnahme von Brest- Litowsk herbeiführten, dem General der Kavallerie von Falkenhayn, dem General der Infanterie Arz v»n Straußenburg und dem General Hvsmann, den Pour le merite. Wilhelm» I. R."
Russische Beschönigung ver letzten großen Niederlagen.
Br. Bern, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Die „Nswe Zürcher Ztg." veröffentlicht einen Brief, der als von autorisierter russischer Seite kommend ausgegeben wird. Das Schreiben ist also wohl van seiden der russischen Gesandtschaft in Bern crusgegangen. Es wird darin erklärt, daß die Erfolge der deutschen Heere in Rußland keinerlei entscheidenden Wert (?!) besäßen. Die Eroberungen der russischen Festungen werden „als bloße Episoden" (?!) bezeichnet. Rußland habe seine Taktik bisher glänzend dorch- gesührt, in ruhigem Rückzug die Masse und Kraft seiner Armee zu schonen, während die Menge und Brauchbarkeit der deutschen Truppen durch die Überanstreriyungen der letzten Monate immer mehr vermindert worden sei. — Dasselbe hatte die rusiische Gesandtschaft in Bern bereits vor Wochen gesagt.
Törichte ruffische Lockrufe an deutsche Soldaten.
Berlin, 7. Sept. (Zens. Bln.) Bon der Ostfront find, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, verschiedene Ausrufe hierher gelangt, die ruffische Truppen an unsere Soldaten richteten, um sie zur Ergebung auszusordern. Ms diesen zum Teil geschriebenen, zum Teil gedruckten Aufrufen, die in mehr als einer Beziehung denkwürdige Urkunden dieses Krieges bilden, feien einige bezeichnende Stellen hier wörtlich wiedergegeben. Darin heißt es: „Gebt Euch gefangen. Die Russen nehmen sich der Gefangenen freundlich an und verfahren mit ihnen conventionel mtlde. Ein Gefangener ist für uns kein Feind mehr. Verwundete werden von Ms nicht niedergemetzelt."
In einem anderen Aufruf: „Vertilgt Euer Offizierkorps und übergebt Ench zu uns in Gefangenschaft, — wir versprechen Euch gute Behandlung, gute Kost und ein bequämeS Läden."
Dann heißt es wieder: „Für euch ist es die höchste Zeit, eure Officiere zu vernichten, die Gewehre von euch zu werfen und euch zu ergeben. Brot, Fleisch und Bier haben wir in solchen Maffen. daß eure Gefangenen Soldaten bei uns schwelgen. Ergebt Euch, — wir versprechen euch eine gute Behandlung, prachtvolles Essen .und alle möglichen Leb ensbeq Nämlichkeiten."
Feindliche Stellung an der SerethmÄnöung erstürmt. — Die Ruffen zwischen povkamien unv Ravziwilow zum Rückzug hinter ven 2kwa gezwungen. — Der Feind bei Tarnopol durch deutsche Truppen zurückgeworfen. — 4420 Gefangene bei Szuparka. — weitere abgewiefene italienische Angriffe.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 8. Sept. (Nichtcmrtlich. Drcchtzber.) Amtlich verlautet vom 8. September, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz:
Im Wolhhnischen Festungsgebiet blieb gestern die Lage unverändert. Einige russische Gegenangriffe brachen unter unserem Feuer zusammen. Weiter südlich habe» unsere Siege bei P o d- t a m i e n und R a d z i M i l o w den Feind in einer Froutausdehnnng von 90 Kilometer zum Rückzug hinter de« Jkwa gezwungen. Unsere Truppen verfolge». Am Sereth kam es zu erbitterten Kämpfen. Der Gegner brach mit überlegenen Kräfte« aus seinen bei Tarnopol uud Strnsow eingerichtete« brückenkopf- artige« Verschanzungen hervor. Die bei Tarnopol vor- dringcnden Russen wurde» durch einen Gegenangriff deutscher Truppen zurückgeworfen. Im Raume westlich und südwestlich von Trembowla ist der Kampf noch im Gange. Nächst der Serethmündung erstürmten die unter Befehl des Generals B e u i g n i und Fürsten Schön bürg stehenden k. und k. Truppen die feindliche Stellung nordwestlich von Szuparka, wobei 26 rusiische Offiziere und 4400 Mann gefangen ge- nommeu und 7 Maschinengewehre erbeutet wurden. Bei den österreichischen Streitkrüsten an der Jasiolda nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz,
Im Raume des Kreuzbergsattels trat nach der vorgestrigen Niederlage der Italiener Ruhe ein. Ihre Verluste waren größer als anfänglich angenommen wurde, denn beim Aufräumen des Gesichtsfeldes zähsten unsere Truppen Mein vor der Pannspitze der Crma Frusnoni und dem Eisenreich-Kamm über 406 Feindes I e i ch e n. Die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist durchaus unverändert. Im Abschnitt von D o v e r d o wiesen unsere Truppen heute früh einen feindlichen Borstoß gegen den vorspriugenden Teil der Karstenhochfläche zurück. Italienische Inf an t e r i e, die sich östlich Fermegliano Vorarbeiten wollte, wurde mit Handgranaten verjagt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschallentnant.
Oie Ausschau nach japanischer Hilfe.
Der Dreiverband hat seit einem Jahr Hilfe flehend bei Portugal, Bulgarien, Griechenland, Rumänien und Italien angepocht, aber der Erfolg war gering, denn Portugal kann sich selbst nicht Helsen, die BaKaustaatsn wollen nicht und Italien, das ans den Dreiverbands- lerm kroch, Hilst bisher nur ein wenig. Da kehren denn die Londoner, Pariser und Petersburger Diplompten wieder zu ihren Men Gedanken eines japanischen Eingreifens in Europa zurück. Es wird denn auch wieder einmal den verzweifelten Völkern des Merverbcmdes in Aussicht gestellt, daß nun die japanische HMe endlich kommen werde. „Rußkoje Slowo" veröffentlichte ein Telegramm aus Tokio, demzufolge die japanische Negierung bereit sei, ein größeres Heer nach Europa zu senden'. die Botschafter in Petersburg, Paris, Rom und London verhandelten mit den betreffenden Rsgi-erungen über die Lösung dieser Frage.
Ob diese Kunde wirklich noch irgendwo ernst ge- nanvmen wird? Schon jetzt ist der Hoffnung die erste Enttäuschung gefolgt. Vor zwei Taigen hatte das „Petit Journal" berichtet, daß der neue japanische Minister des Auswärtigen I s ch i in London mit Grey wegen etwaiger Übernahme neuer Verpflichtungen Japans zugunsten des Viertzerbcmdes verbandest habe. Jetzt aber wird von japanischer Seite festgestellt, daß ,^1'chi Europa keineswegs vollkommen beffrie- d i g t verläßt, namentlich Weges der &&
