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No. 40 4. 51. Jahrgang. _
Briedens-Programms. Für dasselbe sollen folgende «unkte ins Auge gefaßt werden: 1. obligatorisches internationales Schiedsverfahren: 2. endgültige Beschränkung der Armee- und Marine-Ausgaben und 3. progressive Verminderung der Efsektivbestände. — Der Pariser Ge- Meinderat empfing gestern den Generalsekretär der fran- -ösisch-italienischen Liga, um sich mit ihm zu verständigen Wer eine Garibaldi-Feier, zu welcher die Liga die Initiative ergriffen hat. Der Pariser Gemeinderat wird an der Kundgebung offiziell teilnehmen. — Dem Kabi- uettschef Combes sind von mehreren Generalräten, sowie von republikanischen Vereinen in der Provinz u. a., von den Schullehrern und Lehrerinnen des Departements Jstzre und den Friedensrichtern des Departements Cote d'Or Glückwunschadresscn Angegangen.
* England. Das englische Auswärtige Amt veröffentlicht den Jahresbericht des englischen Generalkonsuls in Petersburg für das Jahr 1902, worin sestgestellt wird, daß England durch Deutschland allmählich vom i-usfischen Markte vollständig verdrängt wird. Der Generalkonsul ermahnte daher die englischen Kaufleute, doch die deutschen Geschästsmethoden sich zu eigen zu machen, Agenten und Reisende nach Rußland zu schicken, die neben der englischen auch der russischen und deutschen Sprache wächtig sind, Mustcrlager in Rußland zu errichten und größte Sorgfalt auf die Aufmachung der Waren zu legen. Nach dem Bericht führte Deutschland im Jahre 1902 für 21856 637 Psd. Sterling nach Rußland ein, was eine Zunahme von 283 475 Psd. Sterling, England dagegen nur für 10 851368 Psd. Sterling, was eine Abnahme von 415 650 Psd. Sterling gegen das Jahr 1901 ergibt.
* Rußland. In der Kommission des deutsch- russischen Handelsvertrags fand heute die erste Lesung des Entwurfs statt. An manchem „Hm! hat es nicht gefehlt. - Durch kaiserliches Reskript wurde der Finanzminister Witte zum Präsidenten des Minister- komitees ernannt. Ihm wurde gleichzeitig zur unverzögerten und erfolgreichen Beendigung der Verhandlungen über den russisch-deutschen Handelsvertrag, um seine nahe Bekanntschaft mit allen Bedürfnissen des Han dels und der Industrie Rußlands fernerhin zu benutzen, die Weiterführung der im Finanzministerium stattfinden- dcn Berhandlungen mit Deutschland übertragem — Der „Regierungsbote" gibt die Ernennung des Verwesers der Staatsbank, Geheimrats Pleske, zum Verweser des Finanzministeriums bekannt. — Großfürst Michael Nikolajewitsch verlor infolge eines Schlagaufalls die Sprache. Uber das Befinden des Großfürsten wurde folgendes Bulletin ausgcgeben: Um sieben Uhr morgens trat ein Gehirnschlag in Begleitung von weniger scharf ausgeprägten Lähmungserscheinungen ein. Trotz der Schläfrigkeit ist das Bewußtsein klar. Die Herztätigkeit 'ist befriedigend, der Puls 60 und gleichmäßig, die Tempc ratur normal. — Im Beisein des Kaisers und der Kaiserin, der Kaiserin-Witwe und des Thronfolgers fand am Samstag der Stapellauf der kaiserlichen I a ch t A l e x a n d r i a" und des Geschwaderpanzer- schisfs Slawa" statt. Ein von einem Russen konstruiertes, für 12'Mann berechnetes Unterseeboot wurde vom Zaren besichtigt.
* Bulgarien. Wie eine Meldung aus Sofia berichtet, ist daselbst ein Komplott gegen den Fürsten Ferdinand entdeckt worden. Man habe festgestellt, daß das fürstliche Palais unterminiert sei. Die Polizei stelle diese Tatsache zwar in Abrede, doch halte die Bevölkerung dieselbe sür wahr. Die Aufregung sei infolge dessen sehr groß. — Der bulgarische Gesandte in P a r i erklärte im „Echo de Paris" alle in Wien verbreiteten Gerüchte über die Flucht des Fürsten Ferdinand als ,'alsch. Ebenso seien bie Gerüchte von einer Verschwörung gegen ihn überaus abgeschmackt. Wenn die -age des Fürsten auch angesichts der Ereignisse tn Makedonien schwierig sei, werde er sie doch zu lösen wipcn ohne einen
Wiesbadener Tagblatt (Ävend-AuSgave). Verlag: Langgaffe 27
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Konflikt mit der Türkei oder den Oppositionsparteien. - Bon Soldaten eines am österreichischen Konsulat in Ueskueb vorüberziehenden Bataillons türkischer Truppen soll mehrere Male in das Fenster des Konsulats geschossen worden sein. Die Sprache gewisser oppositioneller Blatter wird immer drohender gegen den Fürsten Ferdinand, dem anti-nationale Politik und russenseindlrche Gcstnnung vorgeworfen werde, die leicht zum Verlust seiner Krone führen könnte.
* Serbien. „Narodny List" richtet zum zweitenmal an den Minister des Äußern die Anfrage, ob es wahr sei, daß am Tage nach der Ermordung des Königspaares einem serbischen Kaufmanne, welcher offenbar eine Vermittlerrolle bei dem Attentat gespielt hat, 300 000 Frank aus dem Dispositionsfonds des Ministeriums ausgezahlt worden seien.
* China. Die russische Telegraphcn-Agentur berichtet aus Port Arthur vom 26. August: Nachrichten aus Japan zufolge ist der Handelsvertrag zwischen Eng- land und China vom Kaiser von China bestätigt. Die Japaner dehnten die Schiffahrt auf dem Jantsckiang bedeutend aus und bedrohen ernstlich die englischen Interessen. Durch das Zusammenstößen der Interessen wird das englisch-japanische Bündnis geschwächt. In Korea wächst die Unzufriedenheit gegen die Japaner im Voll und bei den Beamten. Die koreanische Regierung bittet den japanischen Konsul um Aufklärung, ln welchem ^>ei- hältnis das in Korea umlaufende japanische Papiergeld zum tatsächlichen Bankenkapital stehe. Nachrichten aus China zufolge fielen in der Provinz Kuangtri einige Städte in die Hände der Rebellen: der Aufstand breite sich auf das neue Gebiet aus.
Ans Ktadl und Land.
Wiesbaden, 31. August.
— Personal-Nachrichten. Herr Oberst z. D. v. P teufe , der bekanntlich in den Jaörcn 1875 bis 1800 Kommandeur des hiesigen Bezirkskonimandos war, ist im 76. Lebensjahre in Naumburg a. S. gestorben. ,
— Königliche Schauspiele. Es sind ber der Könrgl. Intendantur wiederholt Klagen darüber eingelaufen, daß einzelne Besucher des Königlichen Theaters, besonders solche des 1. Ranges, durch laute Unterhaltung während der Vorstellungen Störung verursachen. ^ie Königliche Intendantur ist überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um derartigen Klagen für die Zukunft vorzubeugen.
— KurhanS. Infolge des wohlgelungencu und sehr besuchten Ballfestes im Kurhause ist der Kurverwaltung aus den Kreisen des hiesigen Fremdenpublikums vielfach der Wunsch um eme Wiederholung der Bcranstaltung ausgesprochen worden, -sie kommt diesem Verlangen umso mehr nach, als »Niere Stadt zur Feit sich eines außerordentlichen Frcmdenbesnches erfreut und wird am Samstag dieser Woche, den 5. September, einen großen Ball in sämtlichen Sälen und gleichzeitig Doppclkonzert ,m Kurgarten und große Illumination veranstalten. — Die hiesige Traubenkur nimmt nächsten Montag, den 7. September, ihrcii Anfang. Es find von da ab kurreife Trauben in der Tranbenkurhalle der alten Kolonnade zu haben.
Das Gartenfest, welches die Kurverwaltung am Samstag veranstaltete, war trotz des zweifelhaften Wetters sehr gut besucht. Nachmittags Punkt V26 Uhr stieg die kühne Luftschifserin Miß Polly mit ihrem Riescn- ballon auf, mid trotz des herrschenden starken Windes stürzte sie mit ihrem Fallschirm ab und landete kurz nach der Auffahrt gliicklich auf dem Wartturmterraiu. — Das abendliche Feuerwerk machte dem Feuerwerker, Herrn Clausz, wieder alle Ehre. Wie flott fuhr das Automobil mit seinem Insassen über das über den Weiher gespannte Seil, wie herrlich erstrahlten die Pyramiden, und erst als die beiden großen Raddampfer sich in Bewegung setzten, da wollte ber Beisall kein Ende nehmen. Herr Clausz ist aber auch bestrebt, in den Farben immer Neues zu bringen. Wer wird den herrlichen Anblick
vergessen, den die Inselgruppe bot, als sie in orange und lila Beleuchtung erschien. Damit zeigte Herr Clau^stch ganz ans der Höhe der pyrotechnischen Kunst. Die Kur kapelle und die 80er Regimentskapelle ernteten 1 ebenso wi auch die 27er Artilleriemusik, welche mittags kongernerre, reichen Beifall. .
— Neiidcnz-Tliealer. Die Renovicrungsarbecken nahen Nircm Ende, und mit Volldampf rückt die Direktion in die neue Theate^ saison ein Nachdem sic als Erosennngsstuck Maxim wort*B Nachtasyl" angekündigt hat, welches Stück von Herrn ^vr. Kanal ielbn in S»ene aeseüt wird, folgt am Mittwoch, den 2 . September, der am Schlüsse 'voriger Saison mit dem größer, Ersoig gegebene Schwank „Der Hochtourist vpn C. Kraay nno M. Real. Auch in Berlin hatte dieser Schlager den größten Er- sola. Nochmals wollen wir daraus ansmerkiam. machen, dag me so beliebten Abonnementsbücher täglich im Bureau zu haben st • o. Scdanscier. Die von dem Kriegerverem „Germania-Alemannia" in das Programm ferner dies- jährigcn Sedanfeier aufgenommene Parade aus oem Kursaalplatz muß, wie uns mitgeterlt wird, besonderer Umstände wegen a u s f a l l e n.
— Kurhansprovisorium. Mau schreibt uns: Wie
bekannt, wird die Eröffnung des Kurhausprovisoriums im Dezember erfolgen. Nun ist wohl die Rede von ernem Haupteingang nach der Sonnenbergerstraße, nicht a. er von einem weiteren Haupteingaug von der schönen Aussicht aus. Letzterer ist jedoch der gegebene Eingang für die Anwohner des Geisberges, des Dambachtales, der Kapellenstraße und der Schönen Aussicht, und deshalb für dieses Villenviertel von großer Wichtigkeit, und würden sich die Herren Stadtverordneten den Dank vieler Interessenten verdienen, wenn sie für die Herstellung dieses zweiten Haupteingangs Sorge tragen wollten In dem Stadtplan ist eine Erbreiterung der Schönen Aussicht und Planierung dieser Straße an dem Jnöen- totenhof vorgesehen. Da nun diese Straße einen wichtigen Zugang zu dem Kurhausprovisorium bildet, so er. lauben wir uns, darauf hinzuweisen, daß geraoe jetzt der geeignete Zeitpunkt wäre, um diese Arbeiten in An, griff zu nehmen. Dann wäre die Straße fertig, wenr im Frühjahr die Hanptkurzeit beginnt. An dem Juden, totcnhof befindet sich zur Zeit ein mit Gebüsch bepflanzte, Hügel, über den noch zum libersluß ein Weg fuhrt. Der, selbe bietet abends nur Unterschlupf für Gesindel uni wäre am besten zu kassieren, resp. das Gebüsch daselbf
zu entfernen. ^
— Hans- und Grnndbcsitzer-Vcrem E. G. Eure außerordentliche Mitgliederversammlung fand am Samstag, den 29. d. M., in der Turnhalle Wellritzstraße 41 statt. Nachdem der 1. Vorsitzende, Herr Fabrikant C. Kalkbrenner, die Bersammlung eröffnet hatte, wurde in Erledigung des Punktes 1 der Tagesordnung der Bericht der Rechnungsprüsungskommission _ über die Prüfung der Vereinsrechnung pro 1902/03 erstattet, ^er Bericht spricht sich sehr anerkennend über die Geschäftsführung ans. Anstände haben sich bei der Prüfung nicht ergeben, so daß die Bersammlung dem Vorstand Entlastung erteilen konnte. Herr Kalkbrenner machte nun in einem längeren Referat die Mitgliederversammlung mit den Plänen der Vereinsleitung betr. Erbauung eines V e r e i n s h a u s e s bekannt. Er wies auf die vielen Vorteile hin, welche durch die Schaffung eines eigenen Heims alleri Mitgliedern zugute kamen. Die Ausdehnung der Geschäftsstelle erfordere es, daß sür längere Zeiten endgültig Wandel geschaffen wird: die jetzigen Räumlichkeiten seien auf die Dauer unzureichend. Diese Frage bleibe unter den jetzigen Umständen stets eine offene. Der Vorsitzende wies ferner auf die günstige Lage des Banterrains in der Luisenstraße hm: die Wahl fände allgemeinen Beifall und man dürfe sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Frage der Geldbeschaffung sei bereits gelöst, indem sich die Vorstandsmitglieder einstimmig für die aufznnehmenden Gelder haftbar erklärt hätten. Herr Kalkbrenner erläuterte dann noch die in dem Neubau vorgesehenen Räumlichkeiten. In dem Erdgeschoß soll die Geschäftsstelle des Vereins untergebracht werden, das Zwischengeschoß, welches
mit seiner sogenannten gesunden Moral, semen Typen und seiner Handlungsführung ?ur eine Korne der sentimentalen alten Berliner Borstadtkomodre. ,,^ie paar neuen Motive" aus dem deutsch-anieritainichen -cben ändern daran nichts. In der Ausstattung konnte der Direktor nicht ernsthaft mit den Berliner Ausnattungs- bühnen konkurrieren. Aber man kann gern anerkennen, daß Herr Philipp selbst mit anerkennenswerter und erstaunlicher Hingebung seine Rolle spielte und seine ,m ganzen recht mittelmäßige Truppe führte.
e. Ein Denkmal sür Taube«. Aus Paris wird berichtet: Das Modell des Denkmals, das man den „Tauben der Belagerung" in Paris und den Männern errichtet, die diese Post organisierten, ist letzt von Frömiet in seinem Atelier beendet worden. Das Denkmal ,,t sehr einfach und doch dekorativ. Es besteht aus einem steinernen Sockel, ans dem zwei Säulen aus Bronze oder hartem Stein stehen werden, die den Hauptteil des Entwurfs tragen Auf einem Gelände, auf dem zerbrochene Waffen liegen, haben die tapferen Vögel ihr Rest gebaut: eme Brieftaube liegt von einer Kugel getroffen, liber dem Boden erhebt sich in farbiger Email das Wappen,child und das Schiff der Stadt Paris. Rückwärts ist eine Taube dargestellt die nach der Provinz fliegt, um Frankreich Nachrichten aus Paris zu bringen. E,n an das Ltadt- wappen gelehntes Schild wird die Namen der ^Lauben- züchter der Belagerung tragen. Das ganze Denkmal wird 3 Meter hoch sein. Wahrscheinlich werden die „Tauben der Bclagernng" im Garten des Museums für Naturgeschichte aufgestellt werden.
6 L I« einem Lamakloster bei Peking. Als den „unzugänglichsten Ort in China" schildert der Engländer Hall im Wide World Magazine" den berühmten Tempel des Großen Lama tn der Nähe von Peking, in den ein- zndringen ihm mit vieler Mühe gelang. „Während meines letzten Ansenthalts in Peking," schreibt er, „stellte ich Nachforschungen nach dem Lama-Tempel in seiner Nähe an, konnte aber keine genaue Anskunst erhalten. Die Chinesen wichen entweder aus oder belogen mich und lengneten das Dasein des Tempels und der Lamas bei Peking. Die von Europäern erlangte Auskunft war zwar bestimmter, aber kaum beruhigend. Obgleich das Gebäude nur fünf Meilen von Peking entfernt lag, hielt >ian eS für den unzugänglichsten Ort des chinesischen Reiches. Die Reisenden, die vor 1900 cingedrungen
waren, waren nicht zurückgekehrt. Da die Verhältnisse nach der Beendigung des Boxeraufstandes günstiger lagen, wollte ich trotzdem das Wagnis unternehmen. Erst nach wiederholten Versuchen der Kulis, mich irre- zusühren, erreichten wir um Mittag ein schön geschnitztes Tor aus Zedernholz, das den Eingang zu dem geheimnisvollen Tempel bildete. Da ich keine Glocke fand, klopfte ich laut mit meinem Stock. Sogleich erschien ein mild aussehender Lamapriester in einem langen gelben Gewand, mit einem Rosenkranz in der Hand. Das Tor wurde einige Zoll geöffnet, aber er wollte mich nicht zu- lasicn, da der Große Lama „nicht zu Hause" wäre. Ich ließ mich dadurch aber nicht abwcisen, und nachdem ich auf orientalische Art gegrüßt hatte, nahm ich eine Visitenkarte heraus, bog eine Ecke um und bat ihn, sie seinem Herrn zu geben. Er verschwand und verschloß das Tor nicht. Ich trat also ein und befand mich auf einem Hof mit vielen Räumen, den schone Gebäude umgaben. Dann schloß ich das Tor, damit mein argloser Freund keine Unannehmlichkeiten hatte, lieh mich auf einem Sitz unter einem Baum nieder und zündete mir eine Zigarette an. Ich beobachtete eine Gruppe Lamapricstcr, die unter einem anderen Baum anscheinend Kaffee brannten und so davon in Anspruch genommen schienen, daß sic mich erst nach längerer Zeit bemerkten. Dann kam einer von der Gruppe auf mich zu, wir begrüßten uns nach dem Brauch des Landes, und da er nicht sprach, sagte ich „Guten Nachmittag" und warf die Zigarette weg, was augenscheinlich einen guten Eindruck auf ihn machte. Ich bat ihn durch Gesten, mich umherzuführen, und er brachte mich zu seinen Freunden, die nicht Kaffee rösteten, sondern Gebetsmühlen drehten, Zylinder, die langsam 11111 = gedreht werden, nachdem lange Papierstreifcn mit Gebeten hineingetan sind. Dann kam ich zum Hauptgebäude des Tempels, in dem zahllose, zum Teil sehr schön gearbeitete Statuen stehen. Unter anderem stand dort ein Riesenbildnis Buddhas mit ausgcbrciteten Armen, das fünfzig Fuß hoch und ans vergoldetem Holz ist. In einem anderen Gebäude fand gerade ein Gottesdienst statt. Tie bisher gesehenen Tempel, Altäre und Statuen erinnerten mich an die christlichen Kirchen, wie man sie in ganz Europa sicht, und die Lamapricstcr in ihren gelben Kleidern ähnelten sehr den russischen Vischöscn. Ich glaubte fast, einem christlichen Gottesdienst bcizu- wohnen. Es duftete stark nach Weihrauch: mährend einer i Art Litanei wechselte ein Knabenchor mit dem Gesang
der Priester ab. Ich drängte meinen Führer, mich in ein kleineres, reich verziertes Gebäude einzulassen, aber er lenkte meine Aufmerksamkeit auf einige prächtige alte steinerne Gebetsmühlen. Die Zylinder sind in Zeichnung und Größe sehr verschiedenartig. Die kleinen werden in der Hand getragen, andere, in der Größe von Wasser- tonncn, werden über Ströme gelegt und vom Wasser getrieben, wieder andere vom Wind getrieben. Die Gebetsmühlen, die mein Lama mir zeigte, waren ans je einem einzigen Stück Stein und von den Begründern des Klosters auö Lhaffa gebracht worden. Jede wurde sorgfältig unter einem besonderen Dach ausgestellt. Schließlich erreichten wir die Tür des Gebäudes, in das ich so gern gelangen wollte. Gegen eine gute Belohnung willfahrte der Lama auch meinem Wunsche. Ein großer Schrank enthielt einige gelbe und reich gestickte Kleider, wie sie der Lama bet besonderen Gelegenheiten trägt, und einige wirklich wundervolle Hüte mit Riesensedern. Am Ende des Zimmers standen hinter einem Vorhang eine große Zahl goldener Statuen von zehn Bis fünfzehn Zoll Höhe, die sehr wertvoll waren. Auch Tiere verschiedener Arten waren dargestellt, deren Zeichnung ganz außergewöhnlich war. Mein Führer deutete mir nun an, daß er jetzt priesterliche Pflichten zu erfüllen babe. Ich verabschiedete mich daher von ihm, und darauf erschien der erste Priester und brachte mir ein sechs Zoll langes und halb so breites Stück Papier mit Anfzeich- nnngen, die ich nicht entziffern konnte. Ich sagte ihm Lebewohl, ging durch das noch unverschlossene Tor und kehrte sicher in die Außenwelt zurück."
* Die Erforschung Alaskas wird in nächster Zeit mit anerkennenswerter Gründlichkeit betrieben werden, nachdem die Geologische Landcsuntersnchung der Bereinigten Staaten eine besondere Abteilung für diesen Zweck gegründet hat, die in der Hauptsache zwar die Mineral- schätze her Halbinsel untersuchen, aber auch alle anderen dortigen Forschungen und Aufnahmen umfassen soll. Schon seit mehreren Jahren sind ausgedehnte Arbeiten planmäßig in Alaska ausgeführt worden, deren Ergeb- nissc in mehr als 20 Veröffentlichungen der Geologischen Landcsuntcrsnchnttg, begleitet von tnhaltreichen Karten, erschienen sind. Zum wesentlichsten Teil geben sie Ans- kunst über die nutzbaren Mineralien des Gebietes und sind für die bergbaulichen Unternelimungen von größtem praktischen Nutzen gewesen. Die Alaska-Division der Landesuntersuchung hat gegenwärtig 7 Expeditionen in
