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si. Jahrgang.

Erscheint ttt zwei Ausgaben. — Bezugs-Pret«: durch den Verlag 5» Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasie 27.

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Mp. 404. BerlagS4fer«s»rech«r Re. 2861.

Montag» den 31. August.

Redaktion»^ernsprecher R». 61.

1908.

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Abend-Ausgabe.

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de« Morrcrt September:

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

zu abonnieren, findet sich Gelegenheit

im Verlag Langgasse 27, '

bei den Ausgabestellen, den Zweig - Expeditionen

der Nachbarorte,

und bei sämtlichen deutschen Reichspostanstalten.

Elizilllids SrlPWiW in Siitufrilia.

I; In unserer so schnelllebigen Zeit hatte man fast den heldenmütigen Verzweiflungskampf des kleinen, aber tapferen Buren-Völkchens vergessen, da erinnert ein so­eben in London veröffentlichtes, nach seinem'Inhalt be­reits kurz erwähntes, dickes Blaubuch daran. Vier Tage nach Lord Salisburys Tode, der als Ministerpräsident zwar den Burenkrieg mißbilligte, aber ihn zu verhindern nicht die Macht hatte, werden die Erhebungen der briti­schen Kommission, die zur „Untersuchung der Kriegs­führung in Südafrika bis zum Fall von Prätoria" ein­gesetzt war, veröffentlicht. Was da bei verschlossenen Türen durch ausgiebigste Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen feftgeftellt wurde — es sind nicht weniger als 22 200 Antworten protokolliert worden — ist gerade kein Lob für das englische Kriegsamt, wie ja überhaupt auch dieser ganze Krieg kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Jnselreiches bildet. Die Aufklärung, die dein britischen Volke zuteil wird, muß für dieses riiederdrückend genug sein. Der Bericht schreibt dem Kriegsamt den größten Teil der Schuld für die unglaub­liche Außerachtsassung der gewöhnlichsten Vorsichts­maßregeln zu.

Lord Lansdowne, der jetzt das auswärtige Amt leitet. Mußte als Kriegsminister augenscheinlich nicht, was in seinem Amte vorging. Die Kommission, die zur Unter­suchung der Kriegsführung eingesetzt war, glaubt Wunder Mas ermittelt zu haben, wenn sie zu beweisen unternimmt, daß seit dem Jameson-Einfall in Transvaal die südafri­kanische Regierung gerüstet gewesen sei und sich der eng­lischen Regierung gegenüber in einer Weise verhalten habe, die jeden Augenblick Veranlassung zum Kriege geben konnte. Gewiß, der einstige Präsident des Transvaal, „Ohm Krüger", hatte ein scharfes Auge: er erkannte in dem Flibustierzug des ehrenwerten Herrn Jameson den

Vorboten für weit Schlimmeres. Das' nach dm Diamanten und Goldfeldern Südafrikas lüsterne Groß­britannien wollte eines Tages die Buren-Republiken in aller Gemütsruhe verspeisen. Dagegen galt es beizeiten Abwehrmaßregeln zu treffen. Das englische ministerielle Nachrichtegbureau sah das. Im September 1898 schrieb ein Major in diesem: „Die Rüstungen Transvaals

dauern immer noch an, und die Lage in Südafrika ist jetzt tatsächlich die einer bewaffneten Neutralität ge­worden, die jahrelang andauern oder aber in sehr kurzer Zeit in einem Krieg gipfeln kann." Aber die Heeres­leitung legte den Mitteilungen des Nachrichtenbureaus kein sonderliches Gewicht bei. Man hatte ja auch bisher nur Siege über wilde Horden erfochten, die kaum über Feuerwaffen verfügten. Vielleicht dachte man sich den Krieg mit den Buren ebenso leicht. Jedenfalls waren beim Ausbruch des Krieges in Südafrika nur 22 000 Mann, während im Verlauf der Feindseligkeiten 450 000 Mann dorthin gesandt werden mußten.

Irgend ein Feldzugsplan war überhaupt nicht vor­handen; man ging in das Abenteuer hinein mit der Zu­versicht, daß man sich schon irgendwie mit guter Mmüer herauswickeln werde. Lord Lansdowne versicherte sogar, daß es nicht üblich sei, einem General genaue Instruk­tionen zu erteilen, und daß der Plan für den Krieg des­halb von dem Eindruck abhängig sei, den ein Heerführer vor seinem Ausrücken ins Feld durch die persönliche Be­sprechung mit der Vorgesetzten Behörde gewinnt. Mit Recht bemerkt die Kommission zu einer derartigen Auf­fassung, daß dadurch die Arbeit des Intelligenz-Depar­tements wertlos gemacht worden sei, da dieses Departe­ment nur dann erfolgreich arbeiten könne, wenn es wisse, worauf es eigentlich ankomme. Ferner war weder für Vorräte und Ausrüstung gesorgt. Ein großer Teil der Patronen riß im Laufe, die Säbel für die Kavallerie reichten bei weitem nicht aus, Sattelzeug fehlte fast gänz­lich und ebenso Hufeisen für Pferde und Maultiere, die bekanntlich immer ausrissen und die Niederlage ver­schuldeten. Tie Mannschaften waren nicht zum Schützen­feuer erzogen, die Regiments- und Brigadekommandeure legten nach der Aussage Lord Roberts wenig Neigung an den Dag, eine Verantwortung zu übernehmen: des­halb hätte es ihnen an Entschlußfähigkeit gefehlt.

Tie Aufklärung, die hier den prahlerischen Briten zu­teil wird, ist niederdrückend genug. So sauber schwarz auf weiß hatte cs die englische Öffentlichkeit bisher noch nicht gehabt, daß der Krieg, wie er leichten Herzens herauf­beschworen wurde, mit den untauglichsten Msiteln be­gonnen und mit nicht viel geeigneteren weitergeführt wurde. Für den Engländer, dem dieser im Interesse des Herrn Joe Chamberlain und mit ihm versippter Minen­spekulanten unternommene Krieg so gewaltige Opfer an Gut und Blut gekostet hat, muß etwas Aufreizendes in

dieser amtlichnüchternen Aneinanderreihung von gerade­zu unglaublichen Enthüllungen liegen. Tie Kolonien aber werden sich kaum ermuntert fühlen, in der Frage der Reichsverteidigung denen entgegenzukommen, deren Fähigkeiten zur Lösung der Aufgabe, die sie übernehmen wollen, ihren eigenen Sachverständigen ein solch vernich­tendes Zeugnis ausstellen müssen.

hd. Berlin, 29. August. Aus London wird ge­meldet: Die Blätter erklären einstimmig, daß das von der Kriegskommission weiter veröffentlichte Beweismaterial den Eindruck der furchtbaren Bvrbereitungslosigkeit Eng­lands und der Unfähigkeit der meisten verantwortlichen Persönlichkeiten nur erhöhen kann. Namentlich der da­malige Kriegsminister, jetzige Minister des Nutzern, Lord Lansdowne, gilt als schwer kompromittiert. Die „Times" hebt hervor, daß wahrscheinlich England bei Ansbruch eines neuen Krieges genau ebenso unvorberei­tet sein würde wie damals, wenn nicht das ganze System der obersten Kriegsteitnng eine durchgreifende Änderung erfährt. ___

Deutsches Deich.

* Hof- n»d Personal-Nachrichten. Gestern mittag fand im Zeughanse in Gegenwart des .Kaisers und der Kaiserin, des Großherzcgs und der Großherzogin von Sachsen-Weimar, des Herzogs von Koburg, des Fürsten von Waldeck-Pyrmont und der anderen hier weilenden Fürstlichkeiten, der Prinzen und Prin­zessinnen die seterliche Nagelung und Wethe der mit neuen Tüchern beliehcnen Fahnen und Standarten des vierten und elften Armeekorps statt.

Die Ernennung des Grafen Z e d l r tz - T r ü tz s ch l e r zum Oberpräsidcnten der Provinz Schlesien und des bisherigen Regierungspräsidenten v. W i n d h e i m zum Oberprästdenten der Provinz Hessen-Nassau wird heute im „Reichs-Anzeiger" amt­lich bekannt gegeben.

Der neue Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Freiherr v v u Stengel, wird Mitte September aus seinem Urlaub nach Berlin.zurückkehren und dann die Amtsgeschäfte übernehmen. Freiherr v. T h i e l m a n n hat nicht nur den Rang, sondern auch den Titel eines preußischen Staatsministers erhalten.

* Nochmals Prinz Prosper Arenberg. Wie berich­tet, hat öie Direktion der Strafanstalt in Tegel die von der Presse gebrachten Mitteilungen über die Aufnahme und Unterkunft des Prinzen v. Arenberg auf das ent­schiedenste dementiert. Zu dieser Erklärung nimmt nun­mehr der Gewährsmann der ersten Notiz Stellung, in­dem er folgende Rechtfertigung anführt: „Der Bericht über den Empfang des Prinzen Prosper zu Arenberg in der Tegeler Strafanstalt hat viel Staub aufgewtrbelt. Der Justizminister berief gestern sofort den Direktor Klein zu sich und forderte eingehenden Bericht über die in den Zeitungen verbreiteten Nachrichten. Direktor Klein vermochte nicht anzugeben, auf welche Weise die Einzelheiten in die Öffentlichkeit gedrungen waren. Er ordnete in Tegel sofort eine strenge Untersuchung an.

Mtterwühlter Grund.

Roman von Anton Freiherrn von Perfall.

(Schluß.)

i Der Anblick des Mooses ließ Mukl an den Vater denken, er war mit ihnen gestern aus der Stadt heraus­gefahren, wo er ihn besucht und ihm ein Geständnis ge­wacht hatte, das ihn toll machte vor Freude, den treuen Wächter Noneis — das Geständnis seines geheimen Schatzes. Er sagte dem Hrntermvoser kein Wort davon, vuch Nonei nicht, er wollte sie überraschen; er forderte den Vater aus, der Abendvorstellung auf der schwarzen Strecke beizuwohncn, es war ja das letztemal, Nonei ließ sich nun einmal nicht davon abhalten in ihrem Zorn über ihren unversöhnlichen Vater. Er versprach es, zu kommen, er habe nur zuerst zu Hause noch ein Geschäft, Vcukl kannte das Geschäft, es bangte ihm um seinen Schatz, von dem er endlich nach Jahren die erste Freude haben sollte.

Der Vater war aber nicht gekommen, abends nicht und heute früh auch nicht, das machte ihn besorgt.

«Jetzt komm, Nonei, zum Vater, er hat eine Über­raschung für uns! Ter Ambros ist in guter Pfleg'", drängte er.

Gottfried fiel die entsetzliche Nacht ein in der Moos­hütte; einen Augenblick zog es düster über seine Stirn, aur einen Augenblick, dann blickte er ans den Schlummer-

den.

„Der ist geheilt, ich weiß gewiß!" dachte er in seinem vwnern.

I Mukl ging mit Nonei, unterwegs erzählte er ihr sein ^Unverhofftes Glück; die Ereignisse der heutigen Nacht Ratte die schon lange vorbereitete Umwandlung ihres ewnern vollendet und dem Durchbruch des ihr ange­borenen Guten und Gesunden lebhaft befördert. Alle Saiten ihres Herzens waren mächtig angespielt. Mukl Eein hatte sie vor dem Äußersten bewahrt, seine warnende Stimme, sein vorwurfsvoller Anblick schreckten sie stets «Mf in der verhängnisvollsten, verlorenste Stunde - alles

was er für sie getan, stand jetzt klar vor ihrer Seele, und jetzt breitete er vor ihr, der abgelebten, jetzt eher häß­lichen Nonei, die ihn so oft verlacht, ihn wie einen lästigen Beobachter behandelte, ein neues glückliches Leben aus, nicht mehr der arme Mukl, — der wohlhabende Mann, der die Hand setzt iiach jeder aiisstrecken konnte. Wie hatte sie das verdient? So sehr es sie einerseits bedrückte, das Erfühl ihrer Unwürdigkeit, so sehr erhob sie andererseits das Bewußtsein, trotzdem so geliebt zu sein; mit Grauen blickte sie zurück auf das Vergangene, auf die milchigen Kneipen, die falschen, ihr jetzt so arm erscheinenden Triumphe, das Elend, die Sorgen; mit seliger Wonne, e ^ e . n au t sonnige, farbenprächtige, fried- Ufhe Natur vor ihr, die sie wie er zum erstenmal zu sehen glaubte.

m niüjer sie der Hütte kamen, desto bedrückter wurde Mukl: einsam, verlassen lag sie da, die Türe geschlossen — er ivar wohl krank der Vater? Er dachte an die Szene damals, wie er den Vater überraschte, vielleicht hat es ihn schon wieder gereut und er war entflohen mit dem Schatz. Kem Laut drang heraus — er öffnete die Tür — grauen- haster Anblick! Das Bett war weggerückt, der Vater lag am Bodem tot. verzerrten Antlitzes, die Hände krampf- hafl geballt, d,e Mauer war aufgerissen, eine Holzkiste halb herausgezogen — daraus blinkte der Schatz ihm ent- ® TQuen erfaßte ihn, jede Erflärung fehlte.

Er beugte sich über den Toten, zwischen den Fingern flammte es, Gold und Silberftücke rollten, als er sie öffnete aus der geschlossenen Hand,

Hatte ihn die Aufregung getötet? Die Angst um seinen Lchatz. dem Augenblick, wo er ihn berührt erblickte, oder der Schmerz, ihn verlieren zu müssen? Mukl wagte mcht, ihn zu berühren, er fürchtete sich vor ihm wie vor Hollenzauber.

Nonei packte das Entsetzen, sie zog ihn zu sich auf die Kme und ftammelte ern Vaterunser für den unglücklichen Toten, den fein falsches Lieb dort hinter der Mauer ge- Sann legte sie ihn auf das Bett und trat vor die Tur. sie mußte Lust haben. Vor ihr lag in buntem Farbmpuel, weithin sich dehnend, grell abstechend gegen das rötliche Moos, das Wiesenland Gottfrieds, kräftiger

Heugeruch' _ wallte ihr entgegen, ein unvergänglicher, tausendfältig lebendiger, duftender Schatz — hinter ihnen in wurmzerfressenem., herausgezerrtem Holzkasten, der rote, kalte, verführerisch blinkende, längst begehrte und fern Opfer.

*

_ Waldesruh' über dem Hofgraben, reine, klare Luft, kerne Maschine lärmt, kern Kohlenzug rasselt mehr herab über den Anger, der Schienenweg ist nicht mehr zu fin­den, eiir Blumenmeer scharrkelt daricher seine duftigen Wogen; der Steinstrom, der sich herausgewälzt, ist er­starrt, durch alle Ritzen rrnd Spatien drängt sich neues Leben!

Seit zwei Jahren ruht die schwarze Strecke. Die Wasserkatastrophe hatte so viel Verheerung angerichtet, daß bei der geringen Ausbeute die vollständige Aufgabe derselben beschlossen wurde.

Die Holzbrücke ist zerfallen, um das Mundloch in der Felsmauer rankt sich wildes Gesträuch, die Maschinen- Häuser stehen verlassen, öde, dein Wintersturm preiöge- geben. Vom Biehl herab aber leuchtet der Hintermoojer- Hof in tadelloser Weiße mit seinem blumengeschmückten dunklen Altanen zwischen den Ahorn und Linden hin­durch, das Ambros Hintermooser-Anwesen, der, sein Vor- taussrecht benützend, um einen billigen Preis vom Werk es zurückerstand samt den für dieses jetzt wertlosen Gründen. Es fehlte kein Stück daran, so sehr sich auch die Leute wunderten, woher das Geld kam.

Mukl, der Mann der Noner, hatte ja selbst ein zwei­stöckiges Haus gebaut unten im Moos vom Schatz des Alten, und man konnte sich nicht genug wundern daß dieses Sündengeld — das war es, das ließ man sich nicht nehmen — so viel Segen brachte. Der alte Gottfried allein konnte es schwerlich leisten, da hat halt die Frau Gräfin ausgeholfen, welche die frische Höh kauft hat vom Bergwerk, und so nobel yerg'richt, die hat's ja und hat amal an Narr'n g'fressen an die Hintermooser, seit 's amal vor vielen Jahren, wie 's noch Sängerin war, dort g'wohnt hat. Und am End' verdient hat's der Alte, daß es so gut gangen ist; darin war man einig. Der Wald obeii auf dem Berge, der wieder so schön zusammen-