Einzelbild herunterladen
 

fr- ^ Morgen-Vellage der Wiesbadener Tagblatts. »

Nr. 209. Mittwoch, 8. September. *915.

(10. Fortsetzung.)

Zrtedels Liebe.

Roman von Anny von PanhuyS.

Seine Gestalt strasfte sich, und plötzlich gab er seinem Pferde die Sporen. Das paßte dem Gaul aber gar nicht. Mit oi'k'aöigtriii Zurückwerifeu des Kopses schoß das Pferd los. Völlig verdutzt starrte Luder dem Galoppierenden nach und die Kartoffelbuddlerinnen richteten sich aus ihrer gebeugten Haltung aus, es machte ihnen Spaß, den jungen Herrn als Rennreiter zu scheu.

Endlich holte Luder den Grafen ein.

„Entschuldigen Sie bitte, lieber Herr Inspektor, mein 'ani »an: ich hatte eine Idee, die mich in übermütige Stimmirng versetzte."

»Ja, ja, jung Blut", lächelte Inspektor Luder und ein wenig Neid mochte Wohl in dem Blick liegen, der die tadellose Figur des Offiziers maß.

Hans mußte sich die Frühkartoffen in der Nähe be­trachten. Er wrang gleich dein Inspektor vom Pferde und tat aufmerksam. So, als wäre er mit ganzer Seele bei den Kartoffeln.

„Das hier ist Zkaiserkrone." Luder hielt dem Grasen eine sandige Staude hin, an der ungefähr zehn Knollen hingen. „Die haben wir in diesem Jahre zum ersten Male eingelegt. Ist großartig gediehen. Na, bei solchem Boden auch kein Wunder."

Er schwärmte von der Kartoffel und pries sie und Hans nickte manchnial zustimmend. Er freute sich schein­bar so sehr über die Güte der Kartoffeln, daß Inspek­tor Luder lobend sagte: „Aus Ihnen, Herr Graf, wird sicher ein guter Landwirt, wenn einer sich für Kar­toffeln interessiert, wird das allemal ein guter Land­wirt. Ich kenne das, das ist ein untrügliches Zeichen."

Hans lächelte verstohlen. Wenn Lüder ahnte, daß er kein Wort verstanden. Die Schallwellen hatten sein Ohr ausgefanqen, aber der Sinn des Gesprochenen war ihm unklar geblieben. Wie konnte er denn an Kartoffeln denken, an Frühkartoffeln, jetzt, nachdem er den festen Entschluß gefaßt, sich endlich Mag da Bergen zu nähern. Er war ja frei, vollkommen frei.

Magda Bergen.

Wie ein* hehre Lichtgestalt schien sie ihm. Unirdrich schön. Wer eine Dtagda im Herzen trug, der durfte einer Friede! nicht mehr gedenken. Der „Frosch" sollte sich nur vergnügt machen und holländische JonLheeren für sich m Licke erglühen lassen. So ein langweiliger korrekter Mynheer paßte auch am besten zu Friede! Sorhogen.

Lüder redete immer noch von den Kartoffeln.

Ja so ein Mynheer paßt sogar vorzüglich für Friede!. Ein reicher holländischer Schloßbesitzer war was Feu­dales und Friede! würde sicher sehr dekorativ in oen Nahmen aus schweren holländischen Gulden hinem- passen. Das Leben auf niederländischen Edelsitzcn sollte, wie ec gehört, riesig großzügig sein. Viel Gastfreund­schaft und dergleichen. Gott, so was konnte er Friede! auch bieten. Jetzt war's ziemlich still auf Buckenbach jÄt des Vaters Tod, die Mutter liebte ihre Ruhe; wenn xr jedoch erst hier ständig lebte, würde es anders.

Aber was ging ihn Friede! an. Dumm, daß sie sich immer zwischen ihn und Magdas Bild schob.

Und Lüder redet immer noch von den Kartoffeln.

Friede! war eine firme Reiterin und bot zu Pferde eine glänzende Erscheinung. Hier in der ganzen Um- gebung gab es keine Zweite, die es ihr darin gleich tat. Auch Frau v. Kaiser auf Söllentin nicht, für die sämt­liche Husaren der benachbarten Garnison schwärmten. — Donnerwetter, wieder dachte er an Friede!I Gewalt­sam suchte er jetzt seine Aufmerksamkeit auf die Kar­toffeln zu lenken.

Doch nun schloß Lüder eben seinen Vortrag, er redete nicht mehr von den Kartoffeln.

Die Arbeiterinnen buddelten und der Inspektor sprach mit einer von ihnen. Emsig bückten sich dis Körper der Frauen, faltige Röcke flogen, sengender brannte die Julisonne. Blaue Schürzen putzten den Schweiß von den glühenden Gesichtern, und die stau­bige, aufgewühlte Erde trocknete den Hals aus. Die Frauen hüstelten off. Sandgeruch und Schweißgeruch wehten um Hans Buckenbach und er fuhr leicht mit dem kronengestickten Batisttuch, dem ein matter Hauch von Juchtenparfüm entstieg, über Stirn und Wangen.

.Hans schwang sich wieder in den Sattel, der In­spektor folgte seinem Beispiel. Mit einem kleinen Um­weg durch den Wald schlugen sie den Rückweg ein. Wie feierlich die alten Eichen standen. Hoch und majestätisch in ihrem ehrwürdigen Alter. In ihrem Schatten hatte wohl schon Hans Joachim Buckenbach gespielt, der junge HanS Joachim, der den Franzosen erschoß. Leise be­wegten sich die Blätter an den Zweigen, ein feines Flüstern entstand dadurch. Die Geschichte von Hans Joachim, dein Knaben mit dem mutigen Patriotenherz in der kindlichen Brust, ging durch den Wald. Ein leiser Wind zog von Westen her. Die Zweige neigten sich tief, sie ehrten das Andenken Hans Joachims.

„Ich habe meiner Mutter versprochen, demnächst den Termin zu bestimmen, wann ich für immer herm- kehre, um mich von Ihnen, lieber Lüder, in die Ge­heimnisse der Landwirtschaft einweihen Zu lassen", sagte Sans.

>Vl wird sich die Svrau Gräfin sicher sehr gefreut haben", gab Lüder zurück. „Sie spricht oft zu mir da­von, und es wäre schön, wenn Wickler ein Herr auf dem Gute lebte."

„So ein bißchen male ich mir das auch schon aus", sprach Hans weiter, „die Uniform muß ja in den Schrank, aber meine Rennen reite ich weiter. Ich schasse mir noch ein paar Rennpferde in den Stall und lege mir eine Trainerbcchn zu."

Und Hans schwärmte dem Inspektor von der Ein­richtung des Stalles vor, den er bauen lassen wollte. Ein Musterstall. So einen, wie ihn Fürst Marow be­saß, mit Kacheln und Wasserleitung, auchwarm. Alle Bequemlichkeiten für verwöhnte Pferde »rußten darin sein. Und er ritt nur noch auf ganz großen Bahnen, und die wertvollsten ersten Preise holte er sich alle, alle!