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28. August 1903. Seite 5«

No. 399.

51. Jahrgang.

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langgasse »7.

eben zu bekommen waren, und spannte diese als Sprung­tücher auf. Daher kam es, daß viele Herabspringenöe das Ziel verfehlten. Nach einer Darstellung, die der Voss. Ztg." geschrieben wird, sind ganz grauenhafte Zwischenfälle bei diesem Brand vorgekommen. Es heißt da:

An den Fenstern und den Fensterbrüstungen des vierten Stockwerkes drängten sich viele Personen, die laut um Hülfe schrien und Miene machten, sich in die Tiefe zu stürzen. Man rief ihnen zu, geduldig und mutig auszuharren, es werde sofort Rettung kommen, man werde das Sprungtuch herbeischaffen usw. Die dem Tode Geweihten stießen markerschütternde Schreie aus. Es vergingen lange bange Minuten, bis das Sprung­tuch zur Stelle war. Beherzte Männer aus dem Volke erboten sich, es zu halten, was von der Feuerwehr ge­nehmigt wurde. Nun wurden die im vierten Stock an den Fenstern stehenden Personen durch Zurufe aufge­fordert, einzeln den Sprung zu wagen. Viele Personen aus der Zuschauermenge schwenkten die Sacktücher und riefen:Nur herabspringen, es wird Euch nichts ge­schehen! Ihr kommt alle heil davon, einer nach dem anderen." Zuerst schwang sich ein junger Mann vom Fensterbrett ab, er fiel dumpf in das Tuch und sprang ohne fremde Beihilfe hinaus, um sofort in der Menge zu verschwinden. Das Beispiel wirkte ermutigend auf die übrigen. Eine Person nach der anderen wagte den Sprung, den meisten glückte es) etwa sechs Personen aber hatten die Entfernung schlecht bemessen und waren neben dem Sprungtuch auf das Pflaster herabgestürzt, wo sie mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen blieben. Ein Vater hatte vorerst sein Kind in das Sprungtuch geworfen und war nachgesprungen. Beide kamen mit dem Leben davon. Schrecklich war der Anblick, als zwei Frauen, fest umschlungen, den Sprung unternahmen. Im Fallen prallte der Körper der einen Frau au einem Balkonvorsprung ab, überschlug sich dreimal und fiel als tote Masse nieder. Die zweite Person erlitt lebens­gefährliche Verletzungen.

Nachdem es etwa achtzehn Personen waren, glaubte man, daß sich niemand mehr im vierten Stockwerke be­finde, cs wurde das Fenster eines unbeleuchteten Gemachs aufgerissen und die Gestalt eines ältlichen Mannes wurde sichtbar. Auf die Zurufe, gleichfalls das Sprung­tuch zur Rettung zu benutzen, winkte der Mann ab und zog sich in das Zimmer zurück, worauf er das Fenster verschloß. Ein Vater warf vom vierten Stockwerke sein Kind herab, knapp neben dem Rettungstuche zer­schmetterte das Kind auf dem Pflaster. Im nächsten Augenblicke war ihm der Vater gefolgt. Auch er blieb tot liegen. Zumeist waren cs Frauen, die diesen furcht­baren Tod gefunden haben. Aus einem Fenster des vierten Stockwerkes streckte eine Mutter ihr Kind hinaus, indem sie mit marköurchdringendem Geschrei um Hülfe flehte. Man hielt ihr das Sprungtuch hin, sie warf das Kind hinab, es fiel aber nicht in das Tuch, sondern mitten in die Glut hinein. Die Mutter sah das Entsetz­liche nicht mehr, denn sie hatte bereits die Besinnung verloren und war zusammengestürzt. Sie ist in den Flammen umgekommen. Zwei Mädchen, wahrscheinlich Geschwister, machten, fest umschlungen, zusammen den Todessprung, blieben an einem Gesimse hängen, ihre Körper überschlugen sich und im nächsten Augenblick lagen zwei zerschmetterte Leichen auf dem Pflaster.

Im Rochushospital befindet sich die Familie des Agenten Reichmann, Vater, Mutter und zwei Kinder. Ein drittes Kind wird vermißt. Die Frau geht schluch­zend und händeringend auf und ab. Sie erzählt folgendes:

Ich saß mit meinem Kinde in meiner, im zweiten Stockwerke befindlichen Hofwohnung. Mit einem Male füllte sich die Wohnung durch das offene Fenster mit achtem Rauch. Als ich in den Hof hinausblickte, sah ich, daß das ganze Gebäude in dichten Qualm gehüllt war. sch rannte zur Treppe, da schlugen mir aber schon riesige Flammen entgegen. Ich nahm sofort wahr, daß auf diesem Wege keine Rettung möglich sei, da fiel es mir em, saß das Fenster der Speisekammer auf den Hof des Nachbarhauses geht. Ich versuchte auf diesem Wege die Rettung. Im Nachbarhofe standen schon viele Menschen und Feuerwehrleute, denen ich zurief:Rettet rwe Mutter mit ihrem Kinde!" Die Leute riefen mir zurück, ich möge einen Strick suchen und das Kind hinab­lassen. Ich hatte aber kein Seil im Hause. Gott gab unr in diesem Augenblick einen Gedanken ein. Ich band mehrere Leintücher zusammen, befestigte das eine Ende am Fensterkreuz, an das andere band ich das Krnd, das ich nun herabließ. Es gelangte glücklich auf ore Erde. Dann machte ich denselben Weg zur Rettung seines Lebens. Unsere gesamte Habe ist verbrannt) über ich werde nicht murren, sondern Gott immer loben llnd preisen, wenn er mir nur mein anderes, vermißtes l">nd zurückgibt.

Die Feuerwehr bekämpfte den Brand mit wahrer Todesverachtung. Es waren Taten echten Heldentums. Ter Schlauchführer Schönberger sprang mit zwei Frauen 2 Arme in die Tiefe. Unter der Wucht des furchtbaren Anpralles auf das von acht Feuerwehrleuten gehaltene Sprungtuch brach er zusammen. Er wurde totgesagt, "och rasch erholte er sich, und eine halbe Stunde später wirkte er, leichenbleich und sich kaum auf den Beinen haltend, mit ungebeugtem Mute wieder am Rettungs­werke mit. Seine Heldentat hatte einer der beiden Frauen Rettung gebracht, die andere blieb mit zer­schmetterten Gliedern auf dem Pflaster liegen.

Achte Nachrichten.

.. wb. Potsdam, 27. August. Der Kronprinz ist heute llh 6y 2 Uhr hier eingetroffen.

wb. München, 27. August. DieMünch. Neuesten achrichten" veröffentlichen eine U n t e r r ed u n g eines rer Redakteure mit dem neuen Schatzsekretär reiherr v. Stengel. Letzterer erklärte unter herein, was die Frage' der Reichsfiuanzen betreffe, so llsse man die Sachlage möglichst nüchtern auffassen, p glaube, daß man sehr zufrieden sein könne, wenn es innächst gelingen würde, ein Einverständnis unter den wtzgebenden Faktoren über die Beseitigung der schlimm- Ubelstände herbeizuführen, die im Laufe der Jahre i bnählich hervortraten, und insbesondere, wenn es ge» I nge, die verwickelten finanziellen Beziehungen zwischen 1

Reich und Einzelstaaten klarer zu ordnen und eine im Reichshaushalts-Etat sehr erwünschte größere Stetig­keit herbeizuführen. Es müßte auch bald der Anfang mit der planmäßigen Schuldentilgung gemacht werden. Zunächst bedürfe es aber der Sanierung des Reichs­invalidenfonds, der augenblicklich sehr im argen liege und dessen Sanierung er als besonders dringend erachte. Weiteres würde man wohl erst der Zukunft überlassen müssen. Von der Eröffnung neuer dauernder Steuer- guellen im Reiche er wisse nicht, wie der Reichskanzler darüber denke lasse sich schwer' etwas sagen,' bevor nicht feststehe, welche Mehrerträgnisse der neue Zolltarif bringe und wie weit die künftigen Handelsverträge die wirtschaftlichen Verhältnisse beeinflussen werden.

. wb. Wien, 27. August. DieWiener Zeitung" ver­öffentlicht die Verordnungen der Ministerien der Finan­zen und des Handels, durch die die Z o l l b e h a n d - lungen des Zuckers mit den Bestimmungen der Brüsseler Konvention in Einklang gebracht werden.

wb. Paris, 27. August. DerGaulois" meldet den Rücktritt des Kommandanten - der Kavallerie des 9. Armeekorps, General S e s m a i s o n.Petit Jour­nal" undEcho de Paris" bringen Einzelheiten über das Gefecht bei Taghit. Danach dauerte der Kampf drei Tage. Tie Zahl der Beraber wird auf 3000 ange­geben. Die französischen Truppen sollen sechs Tote und 30 Verwundete gehabt haben.-Libre Parole" meldet aus Lorient: Die Arbeiter in Hennebont und diejenigen des Arsenals in Lorient benachrichtigten den Unterprä­fekten, daß sie den Streik wieder aufnehnten, wenn an den verurteilten Arbeitern die Strafe vollzogen und ihnen nicht die Versetzung des Staatsanwaltes und Generalhafeninspektors bewilligt werden sollte. Zugleich fordern sie die Verlegung des 62. Infanterie-Regiments.

wb.' Brest, 27. August. Das Scetribunal leitete gegen eine größere Anzahl von Arbeitern Untersuchung ein. Es handelt sich um Gewaltakte von etwa 200 Ar­beitern gegen die Gendarmerie. Me Arbeiter nahmen sich eines gewissen Lemertier an und versuchten dessen Verhaftung durch Steinwürfe zu verhindern.

wb. London, 27. August. DieTimes" meldet aus Shanghai vom 26. d. M>.: Das chinesische auswärtige Amt telegraphierte an die mit der Revision der Verträge beauftragten Kommissare, daß die chinesischeRegierung beschlossen, den Forderungen der Ver­einigten Staaten und Japans entgegenzukommen, dem­gemäß es Mulden und Tatungkau am 10. Oktober für den auswärtigen Handel eröffnen werde.

Sofia, 27. August. In der vorigen Nacht gegen 11 Uhr wurde bei Station Kuleli Burgas gegen dm von hier um 11 Uhr mittags abgegangenen Konven­tion s z u g ein Dynamit-Attentat verübt. Es sind s e ch s Personen t o t und 15 verwundet. (Frkf. Z.)

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"'b. Petersburg, 27. August.Nowofe Wremja" zufolae ent« a I c ist e gestern infolge böswilliger Entfernung Ser Schienen- schrauben ein P e r s o n e n z n g Ser Süb-Westbahn unweit Fastvw. Der Maschinist und ein Kondukteur wurden getötet, acht Fahrgäste leicht verletzt.

Volkswirtschaftliches.

Marktberichte.

Frachtmarkt zn Limburg vom 26. August. Korn, neues per Malter 10 M. 10 Ps., per 106 Kilo 18 M. 16 Pf., Safer per Malter 7 M. 40 Pf., per IM Kilo 14 M. 80 Pf.

Vom Finanzmarkte.

Beilin, 2.6. August. Die Bewegung an den internationalen Fina,nzmärkten zeichnet sich während der abgelaufenen Be­richtsperiode nicht gerade durch sonderliche Lebhaftigkeit aus. Einesteils lastete auf den Börsen noch immer die sommerliche Stille, die zur Einschränkung des Geschäftes viel beiträgt. Anderseits betrachtet man die Vorgänge auf der Balkanhalb­insel noch mit sehr mißtrauischen Blicken, die um so mehr ge­rechtfertigt erscheinen, als das Vexierspiel mit der Türken-Uni- fikation von neuem begonnen hat. Obgleich die russischen Schiffe die türkischen Gewässer wieder verlassen haben, wirkt doch die politische Lage allerwärts zurückhaltend auf die Speku­lation. Betreffs der einzelnen Märkte ist zu berichten: es hatte vor allem der London er Markt in dieser Woche verhält­nismäßig feste Börsen. Amerikanische Eisenbahnen wurden jedoch in den letzten Tagen weniger beachtet. Auch Konsuls waren mehrfach Schwankungen unterworfen. Dagegen wies der Minenmarkt ein freundlicheres Gepräge auf, da die Arbeiterfrage nun wirklich auch regierungsseitig in ernsthafteste Erwägung gezogen werden soll. Endlich übte der Transvaal-Anleihe- Rummel auf die Gemüter einigen Einfluß aus. An der P a r i s c r Börse trägt die unverminderte Qeldabundanz zur Erhaltung der guten Stimmung viel bei. Die Rente ist zwar auf erneute Verkäufe der Sparkassen, nationalistischer Gesellschaften usw. an einigen Tagen um wenige Centimes gefallen, konnte sich aber an den nächsten Tagen wieder erholen. Von den sonstigen Favoritpapieren des Parquets blieben Spanier und Türken etwas vernachlässigt. Erstem, da die Vorverhandlungen mit Villaverde wegen der Finanzreform nur sehr langsam fortschreiten, letztere wegen der Verschleppung des Unifizierungs-Irade. Hinsichtlich des New Yorker Platzes läßt sich füglich behaupten, daß derselbe anfängt, immer uninteressanter zu werden Die vielgerühmte Gesundung und Erstarkung des Platzes läßt zwar noch viel zu wünschen übrig, gerät auch poch zeitweilig ins Stocken, dann gehen die Kurse genau um das zurück, um was sie sich am Tage vorher erholten. Manchmal sogar um eine Kleinigkeit mehr, und das ist eben das Uninteressante. Indes kann von einer Krise nicht mehr gesprochen werden und muß anerkannt werden, daß sich im großen und ganzen Wallstreet recht tapfer und widerstandsfähig gehalten hat. Dagegen er­scheint die Verödung und Versumpfung der Wiener Börse noch in der Zunahme begriffen. Der dort herrschende Maras- mus hat zu einem Rückgang österreichischer Werte geführt, der nicht unbeträchtlich ist. Was nun den Berliner Platz an­belangt, so muß hervorgehoben werden, daß die Grundtendenz rm n Sl/ e !l b w bt 1 Dle Zuversichtliche Stimmung, die man i rkt bewa , hrt. beeinflußt auch die Gebiete aller Wirf znh nfi h m ^Lbwöhulich günstiger Weise. Unser ganzes imv^kennvi ebe Q Zelßt , an verschiedenartigsten Punkten so unverkennbare Spuren fortschreitender Besserung, daß sich auch

der verbissenste Skeptiker ihrer Einwirkung nicht verschließen kann. Jedenfalls hält man den Wendepunkt zum Bessern in der heimischen Industrie für bereits erreicht, bezw. überschritten und glaubt, daß sich der Konsum und die Aufnahmefähigkeit des Inlandes der gesteigerten Produktion der Werke bereits ange­paßt habe. Von den einzelnen Effektengatlungen sind mit Aus­nahme der Industriewerte nur geringfügige Kursbewegungen zu berichten. Der Ultimo vollzieht sich in gewohnter Weise,'Geld bleibt reichlich angoboten und notiert unverändert 3 3 /a Proz. Bis. jetzt hat die Liquidation nur ein unbedeutendes Opfer ge­fordert, da ein kleiner freier Makler sich für insolvent erklärte. Darauf sind denn auch die an einzelnen Spekulationsmärktem vorgestern erfolgten Zwangsrealisationen zurückzuführen. Der Privatdiskont notiert 3 3 /s Proz. Viel erörtert wird an der Börse das Ausscheiden des Stellvertreters des Staatskommissars zum 1. Oktober. Der Herr übernimmt ein leitendes Amt bei der Deütschen Bank. Er genoß an der Börse wegen seiner liebens­würdigen Umgangsformen allgemeine Achtung.

Übertreibungen an der Börse. Am Kassaindustriemarkt wird manchmal von der Berufsspekulation gründlich über die Schnur gehauen. Beweis dafür ist, daß die Aktien der Träger­wellblechfabrik Hein, Lehmann & Co., die schon am Montag i Proz. stiegen, am Dienstag weitere 8 Proz. gewannen und dies nur auf Gerüchte von einer besseren Beschäftigung der Fabrik. Es handelt sich also auf der einen Seite nur um Gerüchte uni auf der anderen um eine Kurssteigerung von 15 Proz. in zwei Tagen; das nennen wir ungesundes Forcieren der Kurse, auf das hereinzufallen sich jeder Kapitalist hüten sollte.

Pfälzische Bank. Gewohnter Übung entsprechend macht das Institut Mitteilungen über die Ergebnisse des ersten Semesters. Der Reingewinn beträgt 1 701 601 M gleich 6,81 Proz. des Aktienkapitals, gegen 1 677 236 M. im ersten Semester des Vorjahres. Zinsen-, Provisions- und Effektenkonto zeigen kleine Mehrerträgnisse.

Mecklenburg-Strelitzei Hypothekenbank. Infolge der gegen­wärtigen lebhaften Bautätigkeit und der damit verbundenen regen Ablösung von Terrainhypotheken stehen der Bank z. Z.

1 Möllere Kapitalien zum Rückkauf von eigenen Obligationen zur Verfügung. Um den Besitzern, welche den Wunsch haben, ihren Besitz zu realisieren, hierzu gleichmäßig Gelegenheit zu bieten, werden dieselben zu Angeboten aufgefordert.

Aachener Hötten-Aktienverein Rote Erde. Die ordentliche Generalversammlung findet am 26. September statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Anträge auf Erhebung des Grund­kapitals, sowie ein weiterer Antrag auf Ausgabe von weiteren bis zu 280 Stück Aktien von je 1000 M. ohne Veränderung des Grundkapitals, welche Aktien verhältnismäßig an diejenigen Besitzer von bisherigen Aktien im Nennbetrag von 1100 M. aus­gehändigt werden sollen, die je 10 Stück solcher Aktien zur Abstempelung auf einen Nennwert von je 1000 M. einreichen.

Rheinische Schnckeit-GeseUschaft. Infolge des Zusammen­schlusses der Schuckert-Gesellschaft mit Siemens u. Halske wird es als wünschenswert betrachtet, daß auch das Mann­heimer Unternehmen mit der neuen Gruppe in engere Fühlung tritt. Es finden diesbezüglich gegenwärtig Verhandlungen statt, deren Ergebnis binnen kurzem der Beschlußfassung einer außer­ordentlichen Hauptversammlung vorgelegt wird.

Hamburgei Elektrizitätswerke. Die Werke, die eine Divi-i dende von 7 Proz. in Aussicht stellen, gleichwie im Vorjahre, werden auch der Generalversammlung eine Kapitalserhöhung von 15 Milk M. auf 10 Mill. M. in Vorschlag bringen.

Badische Gesellschaft für Zuckeifabrikation, Waghänsel. Wie von gut informierter Seite gemeldet wird, soll sich das Jahresergebnis wesentlich besser als im Vorjahr gestalten, so daß man mit Zuversicht auf eine höhere Dividende rechnen darf; im Vorjahr wurden 4 Proz. gezahlt.

Harzer Werke zu Rübeiaud und Zorge, Wie man hört, wird der Jahresabschluß einen größeren Verlust bringen. Im vorigen Jahr wurde ein Gewinn von 3395 M. erzielt. Dividende gibt es diesmal ebenso wenig wie im Vorjahr.

Deutschland und die Weltausstellung in St. Louis. Die rheinisch-westfälische Großindustrie zeigt, wie wir erfahren haben, nur sehr geringes Interesse für die Weltausstellung J904; Die Firmen, welche ausstellen, tun dies nur honoris causa!' nutzen versprechen sich die allerwenigsten. Einzig die Farben­fabrik Bayers hofft auf einen solchen. Selbst die Deutzer Gas­motorenfabrik, obwohl sie einen 900 HP. Motor entsendet, er­wartet nicht viel von ihrer Anstrengung. Man hegt Besorgnis wegen der schlechten Patentgesetze und erinnert sich daran, daß die hohen Prohibitivzölle Amerikas den Import verhindern. Die amerikanische Industrie verspricht sich selbst nicht viel und ist sehr zurückhaltend. Da ist gar kein Grund vorhanden, laß wir für die hochnäsigen Yankees zu Informationszwecken auch noch Opfer bringen.

Frankreichs Ernte. Der Bericht des französischen Acker- oauministeriums ist sehr wenig erfreulich. Der Ernteausfall ist besonders im Norden sehr bedeutend. Die nicht -eingebrachte Ernte ist fast ganz verloren. Ferner ist der Weizenausfall groß und die Weinernte bedroht; besonders im Süden und Beaujolais.

Dividendan. Die Bleisfiftfabrik Johann Faber in Nürnberg schlägt wieder 15 Proz. vor. Die Freiherrlich v. Tuchersche Brauerei, Aktiengesellschaft, Nürnberg, wird 14 Proz. wie im Vorjahr Vorschlägen. Die Zentralbank für Eisenbahnwerte in Berlin, eine zur Dresdener Bank in Beziehung stehende Trust­gesellschaft für ungarische Eisenbahnwerte, verteilt 5 Proz.

Kleine Finanz-Chronik. Nach demB. B.-C. steht dem Rombacher Hüttenwerke ein sehr günstiges Jahresergebnis in Aussicht. Es soll die Verteilung von 10 Proz, Dividende gegen 5 Proz. i. \. möglich sein. Die Sitzung des Aufsichtsrats der Dortmunder Union, in der der Abschluß vorgelegt wird, findet am 4. September statt. Die Loden- und Wolldeckenfabrik, vorm. II. Jhldendeck Söhne, Aktion-Gesellschaft, Pasing- München, schlägt die Liquidation vor. Eine Sanierung kam nicht zustande. Die Aktiengesellschaft Lauchhammer in Riesa schlägt I Proz., i. V. 3 Proz., Dividende vor. Venezuela sucht die Hilfe Pariser Bankiers nach zur Unifizierung seiner Staatsschuld.

wb. Belgrad, 27. August. Die Brutto-Einnabmen der serbischen Monopolverwaltung betrugen im Juli 2 7*74 374 Frank, seit Januar bis Juli einschließlich 18 427 295 Frank, davon wurden für den Dienst der Staatsschuld 11761250 Frank ver­wendet.

Geschäftliches.

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Leitung: W. Schulte von Brühl in Wiesbaden.

Verantwort! Redalteur tür den gesamten redaktionellen Teil: 3. SB.: CD. SoSatfer;

für die Anzeigen und Reklamen: H. Dornant: beide in Wiesbaden.

Druck und Vertag der U. Schellend erg scheu HosBuchdrnckerei ln Wiesbaden.