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Po. 387. mm. Donnerstag, den 27. August.

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Österreich und Ungarn.

So würde in Zukunft die Bezeichnung der habs­burgischen Monarchie lauten, wenn die nationalistische Obstruktion in Ungarn ihren Willen durchsetzte. Sie er­strebt offenbar nichts anderes als eine völlige Lostrennung Ungarns von Österreich nicht nur aus wirtschastspoliti- schem- Gebiete, sondern auch iu bezug aus die Landes­verteidigung. Zisleithauien und Transleithanieu sollen lceiter nichts gemein haben als den Herrscher. Ter Kaiser von Österreich soll zugleich König von Ungarn sein. Das ist ja eine reinliche klare Scheidung; nur würde sie nicht nur die Großmachtsstellung Österreich- Ungarns, sondern überhaupt den Fortbestand der habs- burgischen Monarchie gefährden. Schon fordern die Tschechen im Hinblick auf die jetzt in Pest gepflogenen Unterhandlungen eine wertere Berücksichtigung ihrer nationalen Ansprüche. Wenn es eine besondere ungarische Kommandosprache gibt, warum solle es nicht eine tschechische geben? Der Anfang dazu ist ja schon einmal gemacht, indem beim Aufruf anstatt mit „hier" mit ,/zd-e" geantwortet wurde. Und was den Ungarn und Tschechen recht ist, das ist den Kroaten und Polen nur billig. So müßte sich denn Österreich-Ungarn, falls man den Forderungen der Kossuthschen Unabhängig­keitspartei entspräche, allmählich in eine Reihe kleiner Staatengebilde auflösen, für die nur die zufällige Personalunion durch den gleichen Herrscher das einigende Band wäre. Außerdem sollen die herrischen Magyaren bedenken, daß die Statistik sich nicht niederschreien lasse wie ein beliebiger Ministerpräsident. Diese Statistik erzählt aber, daß in Ungarn noch nicht die Hälfte der Bevölkerung aus Magyaren besteht, und somit hat das Schlagwort'der „nationalen" Forderungen für die Mehr­zahl der ungarischen Staatsbürger 'nicht den mindesten Reiz oder bedeutet für diese etwas ganz anderes!

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Feuilleton.

Pie unterdrückten Briefe Mpoleons I.

Bon Eduard Engel (Berlin).

III.

Es Würde lohnen, eine besondere Ausgabe der Briefe woleons an seine Herren Brüder zu veranstalten, denn sind höchst erbaulich. Bedenkt man, daß es sich um s Anschnauzen von lauter Königen handelt, oder, da auch seine Schwestern nicht schonte, um Grotz- tzoginnen, so kommen einem diese Briefe geradezu toll * mit ihrer steten Schulmeisteret und korporalmaßrgen aotigkeit. Das Gesamtergebnis dieser nach vielen utzenden zählenden Anranzungsbriefe an die Ge- iwister ist eben das: er hat unfähige Menschen auf irone gesetzt und zu Herren über Völker gemacht und tte doch wissen können, daß sie nicht fähig waren, auch w einen größeren Pachthof zu leiten. Alle Belehrungen, c er ihnen zuteil werden ließ, fruchteten gar nichts, er König von Westfalen, der König von Spamen und sonders der König von Holland machten Dummhecten »er Dummheiten. Vielleicht aber waren cs nur Dumm- iten in Napoleons Augen, denn seine Wut gegen ferne rüder rührte meist von ihrer Widerspensirgkert her. c hatte sie als Könige eingesetzt, verlangte aber, das; ' höchstens wie Präfekten seinem Wmke gehorsam gierten. Seine Einmischungssucht, auch für dre unter- vrdneten Geschäfte der Länder seiner Bruder, kannte lne Grenzen. Wie unglückselig müssen sich örc Bruder Schwestern Napoleons in all ihrem Glanze gesuhlt »bon, denn ziemlich jede Woche brachte ihnen von dem 'uderlichen Tyrannen Briefe, die sich "bemand von nem Bruder sonst gefallen ließ. „An Louis Napoleon "n>g von Holland: Ich sehe aus allem, wie eng Ihr edankenkrcis ist und wie wenig Interesse Sie an der Leinsamen Sache (d. h. Napoleons) nehmen. Wenn vllaiid mir zu nichts nütze ist, so schließe ich den ^ seine Kosten. Sprechen Sie nur nicht uiehr von ich kenne die Holländer lange genug. Die erste

Es scheint, daß man in Pest selbst die unausbleiblichen Folgen vorausahnt, die eine uneingeschränkte Bewilligung der Forderungen der äußersten Linken nach sich ziehen würde. Denn dieselben Herren, die jubelten, der Kaiser Franz Joseph müsse nach Pest selber kommen, um die Lösung der Krise herbeizuführen, die sich förmlich daran berauschten, daß die Geschicke Ungarns fortan nicht mehr von der Wiener Hofburg, sondern vom Ofener Königs­palast her entschieden iverden, sind recht kleinlaut und mißvergnügt geworden. Sie alle fragen: „Was soll das noch werden?" Nur die äußerste Linke, die lärmend auch jeden Rest des Fortbestandes der Heeresgemeinschaft für einen Hemmschuh der gesunden nationalen Entwickelung erklärte, die in ihm nur einen gelegentlich gleichfalls zu beseitigenden Mißbrauch sieht, fickst das — äußerlich wenigstens — nicht sonderlich an. Je mehr es den Ein­druck gewinnt, als ob die Besprechungen, die der greise Monarch nun schon seit Mitte voriger Woche mit den bedeutenderen ungarischen Politikern hat, zu keinem er­freulichen Abschluß führen werden, je weniger die vom Kaiser angehörten Politiker in der Lage sind, einen an­deren Ausweg anzugeben als die Gewährung von weiteren natonalen Zugeständnisse, um so mehr gibt sich die Obstruktion der Hoffnung hin, der Kaiser werde es schließ­lich^ sein, der nachgeben wird, so wie anläßlich der kirchen- politischen Fragen. Allein der Unterschied zwischen einst und jetzt liegt klar zutage. Bei den kirchenpolitischen Fragen handelte es sich einzig und allein um eine rein innere ungarische Angelegenheit, deren Rückwirkung dem anderen Staate der Monarchie schließlich gleichgültig sein konnte. Hier handelt es sich jedoch um ein Institut, dessen Budget auch im anderen Staate der Monarchie erscheint, abgesehen davon, daß es sich um Materien handelt, die der Krone verfassungsmäßig Vorbehalten werdeir. Bezeichnend ist, daß der Kaiser in einer der letzten Audienzen gesagt haben soll: Es scheint, die Herren kennen die Vorgeschichte des.Ausgleichs von 1867 nicht. Es wurde damals schon bei den Unterhandlungen mit Deak und Andrassy bestimmt, daß an der Einheit der Armee nicht gerüttelt werden dürfe."

Die äußerste Linke, die die Aussichtslosigkeit ihrer Forderungen bezüglich- der ungarischen Kommandosprache doch zu fürchten beginnt, will nun die Obstruktion, die sie so erfolgreich im ungarischen Reichstag betrieben hat, im ganzen Lande fortsetzen, sie will die Bürger dazu auffordern, im ex lex-Zustande keine Steuern zu zahlen. Formell kann sie keiner daran hindern. Tenn da bis jetzt kein Budget zustande gekommen ist, so blechen die „Staats­notwendigkeiten" eben unbefriedigt, Steuererhebung und Rekruteneinziehung finden nicht statt. Aber die Obstruk­tion, der es trotz ihrer verhältnismäßig kleinen Zahl gelungen ist, Krone und Reichstag lahm zu legen, treibt da ein sehr gewagtes Spiel, das Ungarn weit mehr als die habsburgische Monarchie schädigen könnte. Vielleicht konnte dann der Ruf „Los von Österreich" in Wien ein

Machtfrage eines Staates, die erste Sorge eines Königs ist die, eine Armee zu haben. Lieber lassen Sie Ihre Schulden unbezahlt. Nur Weiber weinen und klagen. Männer fassen einen Entschluß. Bringen Sie 30 000 Mann auf. Wenn man in Holland mir durchaus keine Armee stellen will, so werdet Ihr im Frühjahr von Eng­land überfallen,- ich lasse Euch zwei Monate in ihren Händen, und die Holländer werden 200 Millionen Kontri­bution zu bezahlen haben." Und er fügte als Nachwort hinzu: „Man stiftet nur dann Gutes für die Völker, wenn mau der Meinung der Schwachen und Unwissenden trotzt."

Uber den Kopf seines Bruders Jerome Napoleon hinweg ordnet er Blutmaßregeln gegen dessen sogenannte Untertanen an. „Dem Gouverneur von Kassel: Die Einwohner von Hersfeld scheinen schuldig zu sein. Sie müssen eine fliegende Truppe von 4000 Mann hinschickcn und die Stadt von oben bis unten ausplündern lassen für die Beleidigung, die man gegen 00 meiner Soldaten verübt hat. Erlassen Sie eine Proklamation, man solle sofort die Waffen ausliefcrn, und erklären Sie, daß jeder, bei dem Waffen gefunden werden, sofort erschossen wird. Die Stadt Wacht (?) scheint gleichfalls schuldig, sie hat die vier Rädelsführer der Empörung auszuliefern oder sie wird verbrannt. Auch in Eschwege, dem Mittel- Punkt der Ansammlungen, sollen die Schuldigen aus- gelrefert werden oder die Stadt wird verbrannt. Gleich- viel aber, was mit der Stadt geschieht, der Hauptmann, der an der Spitze des Putsches gestanden, wird gefangen genommen und erschossen," usw. usw.

„An den General Clarke, Kriegsminister: Sic wer­den sich die Namen der vier Rädelsführer verschaffen, die mit den preußische» Freischaren in Briefwechsel ge­standen haben. Zwölf Personen lassen Sic erschießen: andernfalls übergeben Sie die Stadt der Plünderung, rü- t Cn i t f en » mit Namen, gefangen nehmen und ^ er ^ ö i° r 2- hat sehr übel daran getan, ihn mcht schon erschießen zu lassen,- das ist nicht die Art, seine Ausgabe zu erfüllen. Lassen Sie ferner den Bürgcr- "Ecr fe,t,etzen und erschießen. Der Kommandant von fiUstrtn soll eine Proklamation erlassen, die aber nicht » nr den Berliner Zeitungen zu erscheinen hat, und es soll

RebaktionS-Fernsprecher No. SS. 1903»

Echo finden, von dem man in Pest unangenehm über­rascht sein würde.

Doch die Leiter der österreichischen Politik waren nie Freunde starker und entscheidender Entschlüsse. Der greife Monarch- wird noch -einige Tage bei den Magyaren, bleiben, dieselben Vorschläge nur in verschiedenen Vari­ationen hören, und dann wird man die Lösung der Krise bis Ende September vertagen. „Zeit gewonnen, alles gewonnen", denken die Staatsmänner der habs­burgischen Monarchie.

Deutsches Deich.

Zehn Jahre deutscher Gewerkschaftsentwicklnug.

Der soeben veröffentlichte Geschäftsbericht der Gene- ralkommission der Gewerkschaften, der sämtliche großen Zentralvcrbünde der Arbeiter ungegliedert sind, bringt auch zugleich eine Übersicht über die Entwickelung des ganzen deutschen gewerkschaftlichen Lebens im letzten Jahrzehnt. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes, das auch den Berufsorganisationen schwere Hindernisse be­reitete, haben sich die Gewerkschaften in stetiger Weise sehr rasch zu einem Faktor entwickelt, mit dem nicht nur die Untcrnehmerverbände, sondern auch Regierung und Staat rechnen müssen. Im ganzen waren im vergange­nen Jahre ungefähr 1 100 000 Arbeiter organisiert, drei­mal so viel, wie vor einem Jahrzehnt. Der größte Teil davon, 733 000 Organisierte, entfiel auf dit 60 der Gene, ralkommission angcschlossenen Zentralverbünde, die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften besäßen annähernd 103 000 Mitglieder, die christlichen Gewerkschaften 84 000, die unabhängigen Gewerkschaften 108 000 und die ver­schiedenen Lokalvereine und Vereine gewerkschaftlichen Charakters 67 000 Mitglieder. Außer dem Metallarbeiter­verband, der 129 000 Mitglieder hatte, existierten noch! 8 Zentralverbände, die mehr als 20 000 Mitglieder be­faßen. Weitere 8 Verbünde verfügten über einen Mit­gliederbestand von 10- bis 20 000, 9 Verbände hatten 6- bis 10 000 Mitglieder, bei den übrigen Verbänden war der Mitgliedsbestanö ein geringerer. Die kleinsten Zen­tralorganisationen waren die der Formstecher und die der Notenstecher, von denen jede nur 289 Mitglieder hatte. Am besten organisiert sind die Buchdrucker. Von ihnen sind 79,38 Prozent der Berufsangehörigen Mit­glieder einer Organisation, bei den Bildhauern war daS Verhältnis 65,80 Prozent, bei den Kupferschmieden 84,10 Prozent. In weiteren 24 Berufsgruppen betrug das Verhältnis der Organisierten mehr als 20 Prozent, in 10 Berufen zwischen 10 und 20 Prozent und in den übri­gen weniger als 10 Prozent. Auch die Kassenverhältnisse der Gewerkschaften zeigen, in welchem Matze sich die Be­rufsorganisationen konsolidiert haben. Die gesamten Einnahmen der Verbände betrugen während des ver­gangenen Jahrzehnts 62(4 Millionen Mark, die gesamten Ausgaben 55(4 Millionen. 18% Millionen Mark wurden

darin heißen: Jedes Dorf, das den Freischaren Unter­stand gibt, ist verantwortlich für jeden Schaden, den sie der französischen Armee zufügen,' der Ortsvorsteher, der nicht die Kommandanten der Provinz davon benachrich­tigt, wird verhaftet und als im Einverständnis mit den Feinden behandelt; für jeden Kurier, der von den Frei- scharcn festgehalten wird, haftet der Postmeister, der ihn nicht vorher davon benachrichtigt hat." Man sieht, daß Napoleon etwas weniger Umstände machte mit Frank­tireurs, als die deutschen Heere im letzten Kriege in Frankreich.

In Königsberg hatten angeblich zwei Offiziere bei einer Theatervorstellung zwei Pariser Schauspieler aus- gepfiffen, die in französischer Offiziersuniform auf der Bühne erschienen. Ungeheure Wut Napoleons. Sogleich Drohnote an seinen Minister des Äußern (1867): „Unser Gesandter soll exemplarische Bestrafung der Offiziere verlangen, die diese Beleidigung begangen haben. Ich verweigere jede Räumung des besetzten Gebietes, ehe die beiden Hauptschuldigen erschossen sind. Will der König von Preußen mich derart beleidigen lassen, dann ist seine Übersiedelung nach Berlin nutzlos, denn er würde nicht lange dort bleiben. Lassen Sie die beiden preußischen Abgesandten, die in Paris sind, zu sich rufen, und er­klären Sie ihnen, wie empört ich über diese Beleidigung der Preußen bin, deren Unverschämtheit ich kenne, daß ich durchaus die Erschießung der beiden Hauptschuldigen fordere; daß diese Angelegenheit wichtiger für mich ist, als die Zahlung der Kontribution. Die Schwäche des Königs hat schon den eben beendeten Krieg verschuldet, und wenn solche Schlingel, die ebenso feige auf dem Schlachtfeld, wie unverschämt im Theater sich benehmen, so fortsahren, so wird die preußische Monarchie von kurzer Dauer sein. Machen Sic kein Hehl daraus, daß ich Preußen nicht räumen lassen werde, ehe man mi'- Genugtuung gegeben, und daß, wenn die Sache sich ver­zögert, ich sofort Preußen den Krieg erklären werde '* Es wäre nicht unwichtig, nachzuforschen, ob wirklich jene zwei unglücklichen Offiziere um solchen Plunder erschossen worden sind.

An Fouchä: „Lassen Sie den'amerikanischen Konsul in Genna, Kuhn, verhaften als Inhaber eines ihm von