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Verlag Lauggaffe 21

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Mittwoch, 8. September 1915.

klberid-klusgabe.

Nr. 418. . 63. Jahrgang.

Der ttrieg.

von den östlichen Nriegsschauplatzen,

Zur Neugruppierung der russischen Westarmee.

Berlin, 8. Sept (Jens. Bln.) Das „B. T." meldet aus Genf: Der nach mehrmonatiger Krankheit auf seinen früheren Posten als Befehlshaber der russischen Nordweftfront zurück- rersetzte General Ruhkij traf, wie der „Temps" aus Petersburg meldet, die Neuerung, die ihm unterstehenden Truppenkörper, die bisher zwei Armeen bildeten, auf drei Armeen zu verteilen. Rußkij werde hierbei von der Absicht geleitet, den Armeen Below, Eichhorn und Gailwitz je eine russische Armee entgegenstellen zu können. General Iwanow, der Befehlsbabcr der Südwestftont, soll nach wie ror die gegen Mackensen aufgebctenen Streitkräfte führen, während über die gegen die Armee des Prinzen Leopold von Bayern operierenden Truppen General E v ert das Kom­mando innehat.

Der Orden „Pour le m6rite" für den General v. Scholtz.

W. T.-B. Allenstein, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Der Kaiser, sandte an Exzellenz v. Scholtz nachstehendes Tele­gramm: „General der Artillerie v. Scholtz. Wie die tapferen Truppen der Armee unter Ihrer Führung den schwierigen Abschnitt Bobr-Narew überwunden haben, so ist es ihnen jetzt gelungen, mit herzhaftem Zugreifen den Feind aus Grodno, seinem letzten Bollwerk am Njemon, zu vertreiben und die Festung in deutsche Haride zu bringen. In Anerkennung solcher hervorragenden Leistungen verleihe^ ich Ihnen den Orden Pour le merite. (Gez.) W ilhel irt."

Einreihung aller waffenfähigen Zinnen in das russische kseer.

Br. Stockholm, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Lus Petersburg wird indirekt gemeldet: Der

Reichsrat hat in geheimer Plenarsitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über Ausdehnung der russischen Wehrgesetze auch auf das Großsürstentum Finnland (Einreihung aller waffenfähiger Männer in das russische Heer) zugestimmt.

Ein Telegrammaustausch zwischen dem Zaren und poincare.

W. T.-B. Paris, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Der Zar hat gestern folgendes Telegramm an den Präsidenten P o i n c a r e gerichtet: . Indem ich mich heute an die Spitze m c i n e r tapferen Armeen stelle, liegt cs mir besonders am Herzen, Ihnen die aufrichtigsten Wünsche anszu- dtücken, welche ich sür die Größe Frankreichs und den Sieg seiner ruhmreichen Armee hege." — Das Antw-wt- telegramm des Präsidenten Poincare lautete: „Ich weiß, daß llw. Majestät, indem Sie selb st das K o m m a n d o über ibre heroische Armee übernehmen, den den verbündeten Natio­nen aufiiezwungrnen Krieg energisch bis zum endlichen Sieg fortzusetzen gedenken. Ich übersende Ew. Majestät im Name» Frankreichs die wärmste» Wünsche."

Der Zar als oberster Krmeechef.

Br. Genf, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Schon Hüde vorigen Monats, als der französische Senator C r u p p i vom Zaren empfangen wurde, stand dessen Entschluß fest, Zarskoje-Sselo zu verlaffen und cm einem anderen, Orte Aufenthalt zu nehmen. Im Pariser Elysee kennt man diese Residenz, wo der Zar in seiner Eigenschaft als oberster Armeechef täglich Vorträge Alexejews. des unmittelbaren Vorgesetzten der drei Generale Ru-ßki, Everth und Iwanow, entgegennehmen wird. Über die Stellung des G roß - f ü r st e n herrscht in Paris Unklarheit.

Der von den Engländern erhoffte „Wendepunkt".

Berlin, 3. Sept. (Jens. Bln.) Die große Rede des Zaren urd die unmittelbar darauf folgende Abreise zur Front wer­den, wie die „Nofi. Ztg" sich melden läßt, in englischen Blättern als ein Wendepunkt des Feldzugs an der Ost- ftcnt aufgefatzt.

Verschleppung deutscher »oloniften inSüdpolen.

Br. Kopenhagen, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Wer 40000 deutsche Kolonisten sind nach einer Meldung des „Rußkoje Slowo" aus den Gouvernements Wolhynien, Cholm und Orel ausge- wiesen wanden und befinden sich bereits auf idem Wege nach Ostsibirien.

Die amerikanischen Zriedens- gerüchte.

Das „Wolffsche Lelegraphenbureau" verbreitet fol­gende Meldung:

W.T.-B. London, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus New Uork: Die „Chicago Tribüne" veröffent­licht eine Mitteilung einer der deutschen Botschaft in Washing­ton nahestehenden Persönlichkeit, daß der Streit in der Unter- sechooffrage auf Wunsch des Kaisers beigelegt imwdea fei, da der Koffer wünsche, daß Wilson als Friedens-

-vermittler auftreten solle, während die deutschen Waffen noch iegreich seien. Graf Bernstorff telegraphierte kürzlich an den Kaiser: „Nach meiner Meinung ist die Erreichung des Frre- dens nur durch den Einfluß Wilsons möglich.'' Der Kaiser hielt es darauf für notwendig, die Meinungsverschiedenheiten mit Amerika zu beseitigen, ehe er Wilson um Vermittlung bat. >Wenn Wilson sich als Vermittler anbietet, wird Deutsch­land das Anerbieten annehmen und fügende Bedingungen tellen: Errichtung eines unabhängigen Königreichs Polen, ms ein Bollwerk zwischen Rußland und Deutschland bilden öll; Abtretung des größten Teiles von Kurland; Autonomie ür Finnland; Teilung Serbiens zwischen Bulgarien und Österreich-Ungarn bei möglicher Abtretung eines kleinen Teiles an Griechenland; Abtretung von Belgs sch-Kongo an Deutschland als Ersatz für die Räumung Belgiens; Abtretung der afrikanischen Kolonien Frankreichs an Deutschland als Ersatz für die Räumung Nordfrankreichs; Zurückgabe aller afrikanischen Kolonien Deutschlands; Sicherung der Freiheit des Meeres und der Unverletzbarkeit des Privateigentums auf See durch ein internationales Abkommen; Anerkennung der Rechte der Juden in allen Ländern. Deutschland ist jetzt be­reit, einen ehrenvollen Frieden abzuschließen und die Entente ist verantwortlich gegenüber der zivilisierten Welt sür den Krieg seit August 1914 und sür seine Fortdauer. Die Hearst- presse bietet alles auf, um die deutschen Jnteresien zu fördern.

(Anmerkung des W. T.-B.: Es wird sich erübrigen, auf die Phantasien dieses Londoner Telegramms einzugehen, welches, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, von Anfang bis zu Ende auf Erfindung beruht.)

»

Die Amerikaner wissen nun also ganz genau. unter welchen Bedingungen wir Frieden schließen würden! Aus der obigen Mitteilung des W. T.-B. erfahren jetzt auch wir, wie sich der Kaiser und der Reichskanz­ler die Zukunft denken. Es ist nur e i n Fehler dabei, die Friedensgeschichten sind blanke Ersindung, insoweit behauptet worden war. daß das deutsche Ange­bote seien. Damit könnte die Angelegenheit für uns erledigt sein, jedoch ist sie es nicht ganz. Zunächst will es bemerkt sein, daß das W. T.-B. es für notig ge­halten hat, die ganze Liste der vernieintlichen deutschen Bedingungen aufzuzählen, was bei den Phanta­sien, mit denen auch bisher schon unberufene Drein- rodner den Inhalt des künftigen Friedens zu erfassen vevsucht hatten, begreiflicherweise nie der Fall gewesen ist. Die Vermutung hat etwas sür sich, daß die ein­gehende Wiedergabe der Aufzählung in -der „Chicago Tribüne" erfolgt ist, weil sie Mar nicht unsere Bedin­gungen, wohl aber dasjenige deutlich macht, wovon. in Amerika-angenommen oder auch gewünscht wind, es mögen unsere Bedingungen fern. Man beobachtet seit .einiger Zeit gewisse Bemühungen in Washington, die Rolle der Friedensvermittlung, die -Herr Wilson schon kurz nach Kriegsausbruch für sich in Anspruch genommen hatte, nunmehr ernstlich durchzu- fuhren. Die Gerüchte häufen sich, die von solcher Ver­mittlung handeln, die vielmehr allerlei Tastver­suche machen, um sestzustellen, wie eine Vermittlung in Gang gebracht werden könnte. Hierher gchört es denn auch, wenn allerlei über eine Fühlungnahme zwi­schen dem Papst und -dem Präsidenten der Bereinig­ten Staaten angedeutet worden ist. Man muß sich durch das ioÄen erfolgte vatikanische Dementi eines Handschreibens öder einer Botschaft des Papstes an Wilson nicht beirren lassen; diese Bestreitung wird formal wohl zutreffen, aber es gibt noch andere Mittel und Wege, um eine Beziehung zu gemeinsamen Zwecken anzuknüpfen, und die Tatsache kann doch füglich nicht geleugnet werden, daß Herr Wilson mit dem Kardi­nal G i b -b o n s über Krieg und Frieden gesprochen hat. Wir möchten in diesen'. Zusammenhänge auch ein Ge­rücht verzeichnen, wonach Papst Benedikt schon vor ge­raumer Zeit geäußert haben soll, er hoffe, daß mit dem Ende des Jahres die Friedensverhandlungen wenigstens beginnen könnten, vorausgesetzt, daß nicht ein deutsch- amerikanischer Gegensatz von schärferer Form erfolge. Die inzwischen eingetrctene Milderung -dieses Gegensatzes durch den neuen Meinungsaustausch über den Unterseebootkrieg mag -der in Amerika ersichtlich verbreiteten Annahme, daß die Zeit für eine Vermitte­lung nähergerückt sei, frische Nahrung zugeführt haben. Die Behauptungen der „Chicago Tribüne" wird man also mit dem Gedanken zu lesen hab-en, -daß sie zwar nicht etwas Mitteilen, was deutscherseits Herrn Wilson eröffnet oder zu verstehen gegeben worden ist, wohl aber hat man es, wie schon gesagt, mit einer U r schreibung der Auffassung zu tun, -die m Washington gehegt zu werden scheint, die dort wohl als Grundlage für spätere Frigdensverhan-dlungen unter amerikanischer Vermittelung gedacht ist. Die gewalt­samen und verzerrten Spöttereien einiger für England ins Zeug gehender New Vorker Blätter über die ver­meintlichen deutschen Bedingungen kann man gelassen übergehen, sie bedeuten nichts -gegenüber der immerhin gewichtigen Tatsache, daß Herr Wils-an die Kriegslage

und den Umfang unserer Erfolge anders b-ewew tet, als es das übliche Lügengeschwätz der feindlichen Blätter zu tun pflegt. Es ist nicht erfowev- irch, die mancherlei Schiefheiten in den fälschlich als deutsche Bedingungen hingestellten Einzelheiten der besprochenen Veröffentlichung unter die Lupe zus nehmen: gewiß können diese Bedingungen so, llme sie mitgeteilt werden, unsererseits nicht gestellt worden sein, -das wüßte -man -auch daun, wenn es nicht ausdrück­lich versichert worden wäre, daß alles „von Anfang bis Ende auf Erfindung beruht". Gleichwohl haben die „Bedingungen", vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet, unzweifelhaft ihren guten Sinn, sie ent­halten die Anerkennung unseres Sieges, und in Amerika wird nian wirklich glauben, auf dieser Grundlage würde eine Friedensvermittlung versucht werden können. Mehr als diese Feststellung kann zurzeit nicht am Platze sein. Wir benrchen aber die Gelegenheit, um rnbezug auf die „Verständigung^ mit -den Vereinigten Staaten über die Unterseeboots sva-ge (wofern nmn dn von Vevstündigung üibErhaupt reden kann) einen Punkt noch aufzuhellen. In der be­treffenden halbamtlichen Mitteilung vom 2. Ssptember war gesagt worden, unser Botschafter in -Washington habe der Unionsregierung zur Kenntnis gebracht, datz nach den „bestehenden Instruktionen" Passo^ aierdampfer nicht ohne vorhergehende Warnung und ohne daß das Leben -der Nichtk-ombattcmten in Sicher­heit gebracht sei, versenkt werden sollen. Auf die Worte, von den „bestehenden Instruktionen" ist nun aber de« Hauptto-n zu legen. Sie bedeuten, daß die Weisungen für die Führer unserer Unterseeboote nicht als das gebnis von Verhandlungen mit Amerika aufzufasfert sind, sondern die betreffenden Instruktionen hatwn schon vorher bestanden, nnd das Neue an der halb­amtlichen Mitteilung war und ist nur, daß fie jetzt mt die Unionsregierung weisungsg emaß verich- tet worden sind. Insofern also kann man formal wohlx nicht von einer Verständigung sprechen, fom! jedenfalls auch nicht von einer unzulässigen NachgiWrg- feit wenngleich es nach wie vor im Sinne der Sicher­heit unserer U-Bootmannschasten .gegenüber -er-nem ohnemaßen perfiden Feind, von dessen Praktiken rwch im gestrigen Abend-blatt — Beschießung eines deuffchen U-Bootes durch einen bewaffneten englischen Passagrer- dampfer! wieder die Rede war, sicherlich nicht ohne Bedenken ist, wenn wir eine s-o weitgÄende Berpfnch- tuna — Torpedierung nicht ohne vovherrge,War- mmy, — übernehmen. Doch das mag rein privates Empfinden sein: die Frage sachgemäß zu beurteilen kann jedenfalls nur die Aufgabe unserer Reichslettung und! Marine sein. ___

Englands ttriegsgewinn.

Der Geb. Refferunssrat Prof. Flamm iu Charlottewo lnrrg ecörtcrt in einer» Aufsatz in der „Vosiischen Zeitung tsj mrschcmlicher Weise die Fro«e d« Landge»rnn? gcgenwärti-Mn Kriege. Er ecmnert daran, bad -mftre Ferndg als etwas ganz S-e lbstverst a n d l rchcs mifaheu, dah eutMands Grenzen berm F-rreden-sHlutz beschnitten^ unq ine Kolonien ichm samt und sonders genommen wurdem atz aber DeutMand auch einmal aus fernen Grenzen wurde! WUstreten können, das wurde mcht nur als eine Utop«, -ndern, nachdem unser Heer tatsächlich FerndeMirw er o b er t rt. als eine in derW-ltgesch-chte ern rg daß-b-nde ReE^'^ it und Matzlosigkcit angesehcn der mcht nur ixe chmer. sondern auch alle Neutralen, somel dermnech errett, entge-g-enlreten mutzten. Landerw erb bestand imbl -steht zu Recht nur für England uw» fern« reunde. Deutschland ist der einztge «taat. dem fcer» diae§ verübelt, -dem cs nicht gesiadtrt wird, dem man im*, ,d)t Land abinhmen mutz! Flamm führt demgegenüber mm

^ Und doch, iraS bat speziell England in d i es em Kri«g<- S, jetzt für sich cingeheimsi, und was nahmen sich «rank--, e i ch und Italien schon vor dem Krtege. ohne daß Deutschland berücks'.chtigt wurde! Es erichemt mrtzerordetrtÜchj nzvoll. hier einige Zahlen aufzusuhren. , ■

Frankreich bekam in Dtarokko etn Landareal von! »090 Quadratkilometern mit 7 Millionen Einwohnern. Italien gewann in Tripo-l-.s 240 900 Quadratkilometep

nt 1 Million Einwohner. . ^

England iiiertraf diese Zahlen utrt_ ein Vielfaches. eA

übm während des Krieges bis jetzt in Besitz: _

Wen . . mit 994 300 qktxt und iOOOOCOO Einwohner«

ut-Südwest .tttcrun .

177 000 3500000 64 0«) 237 000 27 000

830 960 „ 493 ex»

„ 2588

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ffammen' . rWivOS qkm mit R-rgleich-t man hiermit die von uns besetzten Gein-eft,

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-dfrankrcich . „ 12000 ,. "

si'ch-Polen. „ 127 319 .. .. 4-400 WO „ -

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