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«• Jahrgang.

heim nt ja et Ausgabe«. - BejugS-Prei,: durch den »erlag so Pfg. monattich, durch die Post 9 Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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N»> 386 » »». Mittwoch, br« 26 . August«

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„Wiesbadener Tagblatt"

zu abonnieren, findet sich Gelegenheit

im Vertag Langgasse 37, bei den Ausgabestellen, den Zweig - Expeditionen

der Nachbarorte,

ent> bek sämtlichen deutschen Krichspostanstalten.

Unsere Kullurnufglcken im Orient.

Einet Zeitungsnotiz nach soll der vom Sultan einer deutschen Aktiengesellschaft konzessionierte Bau der Bag­dadbahn von Koma abwärts begonnen haben, wohl in der Voraussetzung, daß die Konversion der türkischen An­leihen durchgeführt und die Zustimmung der europäischen Mächte zur Reform der Zölle erreicht werde, womit die Garantie der Türkei fiir die Zinsen des 300 Millionen Mark betragenden Baukapitals und die Betriebskosten sichergestellt wäre. Nach Vollendung dieser 2400 Kilometer langen Bahn würde der Jahrtausende lang benutzte Kara­wanenweg, der die Schätze Indiens und den Kornreichtum des Euphrattals dem Westen zuführte und erst durch den Einbruch der Türken gesperrt wurde, wieder eröffnet werden. Von welch einschneidender Bedeutung für den Weltverkehr dieser neue zukünftige Handelsweg und von welch wirtschaftlichem Nutzen, der Wiederanbau jener jetzt brachliegenden Länder für die Versorgung der Kulturreiche Europas mit Rohprodukten, Getreide Md Baumwolle wäre, ist zu oft erörtert worden, um hier noch wiederholt zu werden. Es sei nur daran erinnert, daß Mesopotamien und Babylonien von den frühesten Zeiten historischer Kunde bis zum Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrtausends vermöge ihrer Menschenzahl und Steuerkraft der Boden der Weltreiche des vorderen Asiens, und die syrischen und nordmesopotamifchen Gebiete im Altertum und bis tief ins Mittelalter die Hauptgetreide- und Baumwoll- lieferanten der. damaligen Welt gewesen sind. Überdies reicht im ganzen Norden von Syrien und Mesopotamien auf einem Areal, das nicht kleiner ist als das gesamte norddeutsche Küstenland östlich der Elbe, der Regenfall ohne künstliche Bewässerung für gewöhnlich hin, um aus­giebige Ernteerträge zu erzielen. Es bedarf also dort buchstäblich nur der Hindurchlegung der Eisenbahnlinie, um den Anbau von Weizen, Gerste und namentlich auch von Baumwolle in raschsteigendem Maße beginnen zu

lassen. Und von welch günstigen Folgen für unser Wirt­schaftsleben wäre schon allein die Tatsache, daß wir mit nnseremBedarf an Rohbaumwolle nicht mehr von Amerika abhängig wären, sondern ihn im Bagdadbahngclict selbst erzeugen ließen! Was Babylon anbetrifft, so wären dort allerdings die alten Bewässerungskanäle, deren Ver­lauf an den erhaltenen Dammresten noch erkennbar ist, wieder herzustellen — eine Arbeit, die aber im Vergleich zu den Kosten des Bahnbaus selbst nur einen Bruchteil des dafür aufzuwendenden Betrages ausmacht. Auch ist von seiten des kolonial-wirtschaftlichen Komitees be­reits eine Expedition in Vorbereitung mit dem Zweck, in erster Linie die Wasserverhältnisse des Landes zu er­forschen und über das Areal des nutzbaren Bodens vor­läufig Klarheit zu schaffen.

Eine weitere Folge des Bahnbaus wäre die politische und militärische Kräftigung der Türkei. Die entfernten Gebiete Mesopotamiens werden der Zentrale näher ge­rückt, die Truppen der durchschnittenen Gebiete können schneller konzentriert werden, die dortige Unsicherheit wird aufhören. Von diesem Machtzuwachs des Großherrn profitieren auch wir, denn wir haben ein großes Inte­resse an der Erhaltung der Integrität der Türkei, welche ein steigendes Absatzgebiet für uns ist, aber auch imstande sein muß, in ihrem Gebiet die Türen für den wirtschaft­lichen Wettbewerb aller Nationen gleichmäßig offen zu halten.

Von der allergrößten Wichtigkeit aber für die volle Ausnutzung der uns durch die Bahn entstehenden wirt­schaftlichen Vorteile hält der in den Verhältnissen des Orients erfahrene Forschnngsreisende Paul Rohrbach die humanitäre Wirksamkeit und die Ausbreitung unserer Sprache und Kultur durch die Gründung von Hospi­tälern, Schulen, Erziehungsanstalten, deren es dort aus einheimischer Initiative so gut wie gar keine gibt, deren Bedeutung für den Orient aber eine geradezu ungeheure ist. Ter ganze französische und italienische Levante­handel beruht zum größten Teil auf der Tatsache, daß namentlich das Französische die bei weitem größte Ver­breitung im Orient genießt und dem türkischen Besteller auch das Land dieser Sprache als der natürliche Bezugs­ort erscheint. So hat man von französischer Seite die verbürgte Absicht, sobald die Bagdadbahn gebaut ist, ja während sie noch gebaut wirb, Schulen über Schulen im Wirkungsbereich der Linie ins Leben zu rufen, ja schon jetzt: Wer auch immer Französisch lernen, in einem französischen Hospital verpflegt werden will, der kann das umsonst haben, ja man trägt es ihm womöglich noch mit allem Eifer von selbst an. In ähnlicher Weise haben die Italiener die Vorteile einer solchen Praxis begriffen und sie vermehren ihre Schulen dort von Jahr zu Jahr.

Hier also liegen diejenigen Aufgaben, an die wir uns heranmachen müssen, bevor die Bagdadbahn da ist, je eher desto besser und heute lieber als morgen! Es ist

Ausgabe.

RebnktionS^ernsprecher No. 52. 1903»

geradezu eine Probe auf die vorschauende Intelligenz unserer wirtschaftlich in der Türkei interessierten Kreise« daß jetzt ungesäumt an die Vermehrung der deutschen Schuten und Hospitäler in der Türkei gegangen werde, um dort sowohl eine unmittelbare humanitäre, als auch pädagogische Wirksamkeit auszuüben. In der Stellung­nahme zu solchen Problemen offenbart sich erst die wirk­liche Fähigkeit oder Unfähigkeit zur Übernahme eines wirtschaftlichen Übergewichts in Ländern, wie es die halb- zivilisierten Gebiete des Orients sind. Auch von der Bagdadbahn werden die erhofften Früchte leicht nicht uns, sondern anderen zufallen, wenn wir nicht von unseren Mitbewerbern zu lernen verstehen! W.

Nom Kölner Katholikentag.

14. F. Köln, 25. August.

In der heute vormittag in der Bürgergesellschaft av- gehaltenen geschlossenen Generalversammlung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Zur Hochhaltung göttlichen und weltlichen Gesetzes, zur Wahrung der Gewissens­freiheit und im Interesse wahrer Humanität empfiehlt die Generalversammlung den Beitritt zu der Anti-Duell- Liga, welche in anerkennenswerter Hingebung schädlichen Vorurteilen bezüglich Duell und Ehre entgegcntritt und bestrebt ist, der wahren Ehre wirksamen Schutz zu ver­schaffen, den das Duell nie zu bieten vermag. 2. Die Generalversammlung blickt dankbar zurück auf die tapferen Streiter, die vom Jahre 1848 an aus den Gene­ral-Versammlungen für die Freiheit der katholischen Kirche eingetreten sind. Namentlich gedenkt sie in Ver­ehrung der Männer, die während des Kulturkampfes die Rechte der Kirche unerschrocken opferwillig verteidigt und teilweise zurückerobert haben. Wie alle ihre Vor­gängerinnen, verlangt auch die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die volle Freiheit der Kirche in allen deutschen Bundesstaaten, einschließlich der Zu­lassung aller Orden und der gänzlichen Aufhebung des Jesuitengesetzes; sie fordert die Katholiken Deutschlands auf, im Geiste ihrer Vorfahren an diesem großen Werke mitzuarbeiten. 3. Die Generalversammlung übernimmt dankbaren Sinnes die wirtschaftliche Erbschaft ihrer Vor­gängerinnen, verspricht, das heilige Feuer der Wissen­schaft zu hüten, und wendet sich an alle deutschen Katho­liken mit der Bitte, die wissenschaftlichen Bestrebungen im katholischen Deutschland andauernd und tatkräftig zu unterstützen. — Weitere Beschlüsse sprechen sich dafür aus, die Volksbildung und die christliche Kunst zu fördern. Andere Beschlüsse betrafen die Missionstätigkeit, die Lite­ratur und Presse, die Charitas, den Petcrspfennig, den deutschen Verein im heiligen Lande, die Canisiusgesell- schaft, den Afrika-Verein deutscher Katholiken und die Unterstützung der deutschen Missionshäuser. Endlich wurde empfohlen, die soziale Frage zu studieren und für gesetzliche Mittel zur Heilung der sozialen Schäden zu wirken. Außerdem gelangte folgender Antrag zur An»

Knlerrmihlter Grund.

Roman von Anton Freiherr« von Pcrsall.

(28. Fortsetzung.)

Gottfried bewunderte mehr in seinem Innern diesen reißenden Fall seines Sohnes, den er in solcher strengen Folge nicht geahnt, als daß er sich darüber empört; seine Grundsätze von der Heiligkeit des Bodens, des Segens, oer darin ruht und des Fluches, der über den Abtrünm- Sen lastet, wurden dadurch nur bestärkt. Alle diese wzialistischen Redensarten der Arbeiter um ihn her, deren Berechtigung ihm ja oft genug einleuchtete imd zu denken stob, mußten zerschellen an diesem Fels.

Er arbeitete jetzt mit Agl, die er mit seinen die Kraft erhaltenden Zukunftsplänen infiziert, sie harmonierten letzt vortrefflich zusammen; nur jede, auch die geringste Hülfeleistnng für seine Kinder, zu welcher ihn Agl be­reden wollte, wies er energisch zurück. , ,

Es gingen jetzt Gerüchte umher im Hause, m der Arbeiterkneipe, die ihm das Blut wie einem Jüngling durch die Adern jagten. Das Geschäft im Hofgraben ginge auf deutsch von Monat zu Monat schlechter, die Schichte sinke immer mehr, werde immer schwächer, auch dasWasser Mache neuen Rumor. „ „ .

»Der See sei angebohrt", hieß es im Arbeitermund. Die schwarze Strecke galt als die gefährlichste, so sehr die Direktion bemüht war, den Leuten diesen Merglauben ouszureden, sie mußte doch die höchsten Akkorde zahlen, sun Leute hineinzubekommen. Viele behaupteten fest, die Strecke werde nur aus Eigensinn, um sich nicht zu blamieren, überhaupt bebaut, Niitzen sei schon lange keiner möglich. ,.

Gottfried hörte mit Wohlbehagen diese Gerüchte. Döeu auf der Höbe sah es jetzt nicht mehr rot her, überall Moß sich schou die grüiie Dickung, Das Hans war ver­wahrlost, aber nur äußerlich, die Mauern, der massive Dachstuhl waren für die Ewigkeit gebaut; du -.e-esen dstigs umher waren verkümmert, dünn stand dtw ©m», Hutten durch ging der schwarze Schienenweg, aber er

kannte diese unverwüstlich dankbare Krume, die endlosen Keime in ihrem Schoße schlummerten nur und warteten auf ihreir alten Wecker. Der Paragraph des Kaufver­trages, worin das Vorkaufsrecht dem Verkäufer zukam, den er hineinsetzte, schwebte ihm jetzt stetig vor wie eine Verheißung. Dem Verkäufer kam es zu — Ambros! Wenn er aber nicht wollte? An Geld sollte es nicht fehlen, seine zwanzigtauscnd Mark läge,: noch unberührt. Der Unterhändler Leinemanns konnte keinen Tropfen Bauernblut mehr iri den Adern haben, das heiße Pflaster der Stadt hat es schon längst ausgesogen. Es kamen Augenblicke, wo er seine Zuversicht verlor. Da geschah eines Tages das Unglaubliche, das ihm das Blut er­starren machte.

Er kam eben vom Moose heim, die Sense auf dem Rücken, womit er das Grummet gemäht, fettes, gutes Grummet, da traf er Ambros bei Agl in der Stube; er erkannte in dem mageren, bleichen Mann, in dem schäbigen Herrenanzug nicht gleich seinen Sohn, den er als städti- scheu Stutzer zum letztenmal gesehen. Es war ihm, als müsse er ihn fassen und an die Brust drücken, den ver­lorenen, wiedergekehrten Sohn — doch hielt er sich zurück, er mutzte den Anfang machen.

Er hatte beide offenbar in einem erregten Gespräch gestört, das las er auf Agls Antlitz, in dem ein stummes Flehen lag.

„Was willst du denn da?" sagte er mit erzwungener Kälte.

„Mit dir ein vernünftiges Wort reden, Vater", ent- gegnete Ambros, „und manches wieder gut machen, was ich.an dir verfehlt habe, durch einen Antrag, den ich dir zu machen habe, der dir endlich Ruh' verschaffen soll in deinen alten Tagen."

„Na, so red!"

Gottfried glaubte den Antrag zu kennen, er hätte schreien können vor Freude.

„Ich habe dich einmal ausgelacht wegen des Geldes und deiner Arbeit, was du hineinsteckst in den Grund am Moos, jetzt ist's Lachen an dir. Ich biete dir sechzehn­

tausend Mark für die zwanzig Tagwerk, achthundert Mark für das Tagwerk. Da schaust, net wahr, daß ich doch noch für was nutz bin und an mein' alten Vater denk."

Gottfried mußte sich an die Banklehne anhaltm, alles drehte sich um ihn, der Umschwung von der höchsten, seligsten Erwartung zum tiefsten Leid war zu hefüg für seine Jahre, ein ganzes Gebäude stürzte zusannnen, er war ein alter Narr, Hirngespinnste alle seine Hoffnungen, Prophezeiungen. Der Unterhändler des. Leinemann stand vor ihm, nicht sein Sohn, er glaubte die verhaßten Züge des Händlers in dem Antlitz Ambros zu erkennen, diese hervortretenden eisernen Kinnladen, die alles zermalmen.

„Hast du's denn schon gesehen? Bist denn schon drauf gangen auf dem Grund? Hast gesehen, was drauf wachst durch meine Arbeit?" brachte er mühsam hervor.

„Gewiß Hab' ich's gesehen, Vater, und deinen Fleiß bewundert", erwiderte Ambros, „er soll ja auch belohnt werden. Das sind ja wertvolle Bauplätze, sechzehntausend Mark für das bißl Heu! Rechne doch ein bißl,' Vater« ich mein's ja gut mit dir!"

„Für das bißl Heus" donnerte der Alte. „Ja, so heißt's alleweil, so hat's auch bei dir g'heißen — für das alte Haus, für das bißl Heu und Holz. Es handelt sich aber nicht um das bißl Heu, um das alte Haus und das bißl Holz — es handelt sich um das bißl Erden, um die in euren Augen freili armselige, kaum einen Fuß dicke Kruste, die nie betrügt, nimmer uns im Stich läßt, die das einzige Ehrliche ist auf der Welt, die uns festen Stand gibt, daß wir grad und frei dahergchen können, gegen die alles Geld a Seifenblasen ist, die grad' dann zer­stießt, wenn's am stolzesten aufgeblasen ist. Zu was Hast du'S den gebracht mit dem Sündengeld? Vom Bauer am Biehl zum Unterhändler und Güterkiperer, und das wird net 's letzte feilt Bei unserem Herrgott, wenn du zu mir kommen wärst als Kohlenladec im Grubenkittel, ich hätt' dich ausgenommen mit offenen Armen. Mein harter Bauernstolz ist längst gebrochen, und aus einem Arbeiter kann wieder a Bauer werden, wenn unser Herr­gott hilft, aber so sag' ich — 'naus aus Dem Haus", er