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51 . Jahrgang.

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" s J g 'erichernenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahmc an bestimmt vorgeschricbenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Ml». 394. BerlagS-Ferufprecher St*. 296«.

Abend-Ausgebe.

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ZU KINNMlXIMstW in ENglM,

Unser Londoner u.-Korrespondent schreibt unterm 22. August:

Die Ermittelungen, die neuerdings bezüglich der Ein- Wanderung in England durch die Regierung, beziehungs­weise einen von ihr bestellten Ausschuß gemacht wurden, schrieb man vielfach Mr. Chamberlains gegen das Aus­land gerichteten Bestrebungen zu. Es war das jedoch falsch, denn die Einwanderungsfrage mußte früher oder später zur Erörterung kommen, und England konnte un­möglich für alle Zeiten die Ablagerungsstätte für all den Unrat der Welt, in Gestalt des menschlichen Abschaumes > aller Nationen, bilden. Lediglich einem Zufall ist es aber . zuzuschreiben, daß in dem Augenblick, wo das englische Staatschamäleon sich bestrebt, dem Freihandel den Garaus zu machen, auch dem freien Fremdenzuzug in Groß­britannien ein Ende bereitet werden soll. Die ein­leitenden Schritte dazu wurden teils durch die ungeheure Einwanderung meist vollständig mittelloser Juden aus Rußland und teils durch das erschreckende. überhand­nehmen von Verbrechen seitens Ausländern in England beschleunigt. Ganze deutsche Einbrecherbanden trieben hier ihr Unwesen, einzelne ausländische Individuen ver­standen es, namentlich in neuerer Zeit, sich Stellungen als Diener in den Häusern Reicher zu verschaffen, um schließlich unter Mitnahme oft großer Juwelenschätze st durchzubrennen, indes anderen wiederum mehrere der Mordtaten der letzten Jahre zuzuschreiben waren. In dem als Ostend (Lastern!) bekannten Stadtviertel | Londons, wohin der Strom der Fremden stets gerichtet ist, wurden die Zustände, namentlich durch den Zuzug der russischen und polnischen Juden, nachgerade für das Ge­meinwesen unerträglich. Ganze zahlreiche Familien

Knlermühlter Grund.

Roman von Anton Freiherr« von Persall.

(27. Fortsetzung.)

- Nach den Begriffen der Seeleit'ner und besonders ihrer s Familie war das ein Unding, den Mann verlassen auf ; ein Jahr, von Scheidung gar nicht zu reden. Sie. hielt Mabänderlich zu seiner Verzweiflung fest an diesen lächer- r lichen Begriffen — und blieb und verbitterte ihm das | Leben mit ihren ewig geröteten Augen, ihrem leidenden f Aussehen, wenn er in einer fidelen Kneipstimmung nach x, Hause kam. Seit aber das Unglück hereinbrach, war sie k gar nicht mehr zum Wegbringen; das rauheste, in der i Verzweiflung, in qualvollstem Mißmut airsgesprochene I Wort, der roheste Zornesausbruch konnte sie nicht ver- I scheuchen, immer wieder kam sie mit ihrer sanften Stimme, f bie ihm immer unleidlich schien, ihm Drost zusprechend, s Md sonderbar, plötzlich> klang sie ihm wirklich beruhigend |' — verstummte sie, hatte er ein Verlangen darmach. Ein | freundliches Wort war ihm so ungewohnt, daß er sich I jetzt dessen schämte, und doch fühlte er ein Bedürfnis, es i auszusprechen; sein verrohtes Gemüt sträubte sich gegen ! diese weichen, menschlichen Regungen, gegen dieses drän- I gende Liebesbedürfnis in seinem Innern, er bätte sich k lieber die Zunge abgebissen, als solch ein Wort ge- I s sprachen.

! I »Ambros", klang jetzt wieder ihre Stimme, „wenn

I 5 du zum Vater gingst, er könnt' vielleicht helfen."

I ^ „Laß mich doch!" fuhr er ärgerlich auf, „was will ich

l denn mit dem Vater! Mit seinen Paar Groschen ist ' mir nicht geholfen — mir kann überhaupt niemand helfen."

Cr fuhr sich in die Haare und riß die Weste auf.

. «Nausschiehen wie der Kanninger, das war' 's beste."

„Und ich und der kleine Gottfried?"

Er zuckte die Achseln.

. „Ist es so anders? Was habt Ihr denn von mir I I ruiniertem Mann, einem Bankerotter?"

| Franzi trat näher mit dem Kind,

t „Alles haben wir von dir, mehr, als alles wert ist,

I i ^Uas du jetzt verloren — wenn du einsichst, daß 's etwas

Dienstag» de» 28 . August.

pflegen da, zusammengepfercht in den elendesten kleinen Wohnräumen, zu Hausen, und mit den einheimischen Handwerkern, namentlich Schneidern und Schuhmachern, mit um so größerem Erfolge zu konkurrieren, als sie für die unglaublichsten Hungerlöhne arbeiten. Sobald einer oder der andere unter ihnen auf irgend eine Weise etwas zusammengescharrt hat, geht er daran sich selbständig zu machen, d. h. die unerfahrenen Neukömmlinge der eigenen Rasse in der grausamsten Weise auszunutzen und mittels Spottpreisen englische Handwerksmeister und Fabrikanten aus dem Felde zu schlagen. Infolgedessen ist die sogenannte Massenschneiderei bereits vollständig in die Hände der jüdischen Einwanderer im Ostende gefallen, wogegen hier niemand etwas einwenden würde, wäre es durch ehrliche Konkurrenz und nicht durch eine Lebens­weise der Arbeiter dahingekommen, die ein Engländer kaum Tieren zumnten würde. Wiewohl die Gesundheits­behörden unablässig bemüht sind, den Fremden wenigstens einige Begriffe von Sauberkeit und hygienischer Lebens­weise beizubringen, brechen unter ihnen doch fortwährend Epidemien aus, deren Ausbreitung nur durch! die größte Wachsamkeit jener verhütet werden tann. Der bewußte Ausschuß, der seine Ermittlungen bereits Anfang 1902 begann, beendete dieselben ganz kürzlich und empfahl der Regierung in seinem jüngsten Berichte eine Reihe mehr oder minder drastischer Maßregeln, deren hauptsächlichste darauf hinausläuft, nicht „wünschenswert" erscheinenden Leuten das Landen in England zu verwehren, beziehungs­weise die Besitzer der Schiffe, die sie brachten, zu zwingen, sie wieder zurückzubefördern. Außerdem empfiehlt die Kommission ein Gesetz, durch das ein Distrikt, sobald er eine gewisse Menge von Ausländern ausgenommen hat, für ferneren Zuzug geschlossen erklärt werden könnte. Auf Grund desselben sollen die Fremden schließlich auch in Zukunft registriert und polizeilicher An- und Ab­meldung, also einer Verpflichtung unterworfen werden, die in England bisher entlassenen, gewisse Zeit unter Polizeiaufsicht verbleibenden Sträflingen oblag. Einen Ausländer aber, der vor dem Strafrichter schuldig be­funden wurde, wünscht der Ausschuß nach Abbüßung seiner Strafe des Landes verwiesen zu sehen. Letztere beiden Punkte dürften indes nimmermehr die Billigung der Regierung finden, die aber voraussichtlich dem Rate der Kommission, mit einer einschlägigen Maßregel nicht zu warten, bis das Parlament ein Gesetz erlassen kann, ohne Verzug Folge leisten wird. Da die Agitation s. Zt. vor­nehmlich gegen die fremden Juden gerichtet war. wurde Lord Rothschild zur Wahrnehmung der Interessen der­selben in den Ausschuß gewählt, der entschied, daß keine besonderen Maßregeln gegen jüdische Einwanderer als solche zu ergreifen wären.

gibt aus der Welt, was man net verlieren kann — a treu's Herz!"

Sie legte den Arm um seine Schulter, er ließ es sich gefallen und starrte düster vor sich hin.

„Laß allem seinen Gang, da ist nix mehr zu retten, und fang von vorne an!" Erregt fuhr er aus.

„Jetzt wird's mir zu dumm! Mit was denn?"

„Mit deine Arm', Ambros, als Knecht, wenn es sein muß."

Sie sprach das plötzlich in so markigem Ton und so er­hobener Stimme, daß Ambros sie erstaunt ansah.

„O, die Kraft ist schon noch drinn, probier's nur, die liegt in unserem Blut, die verdirbt net in zehn Jahren bei an Hintermooser."

Er ward nachdenklich, so unsinnig ihm der Vorschlag schien, er brachte ihn auf einen Gedanken.

„Wenn ich das wollt'", sagte Ambros, „Knecht brauchet ich noch lang net zu werden, Hab' ja noch Hundert Tagwerk Waldgrund daheim — aber was will ich denn damit! Da wächst ja kein Brot — verkaufen höchstens — a bißl was wär's ja doch —"

Er sprang ans. „Das ist wahr, daran Hab' ich noch gar net dacht —“

„Und daran kannst auch net denken", entgegnete Franzi, „nachdem sich dein Vater zehn Jahre lang ge­plagt mit dem Anpflanzen, aber Mitarbeiten kannst an dem, was er angepflanzt hat für dich und unt' im Moos, wo, wie d' Mutter schreibt, schon 's beste Heu wächst. Dein Vater wird dich mit off'ne Arm' oufnehmen, wcnnst kommst als das, was du immer hätt'st bleiben sollen — a Baucrssohn! Ambros, komm, fahr 'raus mit mir, sag ihm alles — er wart' aus dich, ich weiß gewiß — mein alter Vater wird auch alles für uns tun, mir zu lieb schon! Alles kann noch gut werden!"

Das Unglück machte ihn weich, er dachte dessen, was er verloren, das Hintermooseranwesen mit seiner be- häbigen Ruhe lag jetzt in verklärtem Licht vor ihm, wie er es noch nie erblickt, im Abstich seiner hoffnungslosen, wfld erregten, augenblicklichen Lage; er haßte in diesem Augenblick die Stadt, diese verfluchten kahlen Häuser, die im Sonnenbrand vor ihm liegen. Ein plötzlicher heißer Wuiisch nach der Atmosphäre seiner Jugend tauchte in ihm auf,, es war ihm, als ströme sic von dem Jungen

RerakstonGFernsprrSer No. 62. 1998 »

Nom Kölner Katholikentag.

F. Köln, 24. August.

Gestern nachmittag gegen 5 Uhr begann in der „Fest­halle" sie erste öffentliche Generalversammlung. Die weiten Räume waren Kopf an Kopf gefüllt.

Kurz vor Beginn der Verhandlung erschien der Kar­dinal-Erzbischof I)r. Fischer mit den anderen zur Gene­ralversammlung in Köln anwesenden Bischöfen. Der Präsident, Gymnasialrektor, Ober-Studienrat vr. von Orterer (München), eröffnete die Versammlung.

Der Präsident hieß die Bayern, Schwaben, Franken usw. willkommen, er begrüßte im weiteren die Frauen und die Jugend. Ich will aber auch die Herren be­grüßen, so fuhr der Redner fort, die unter mir sitzen, die Herren von der Presse. Ich verkenne nicht die Großmacht der Presse. Mein Gruß gilt allerdings in erster Reihe der Presse, die uns nahe steht. Ich begrüße aber auch die Herren von der anderen Presse, denen allen ein gutes Plätzlein eingeräumt worden ist. Mögen Sie alle eingedenk sein, daß Sie berufen sind, Geschichte zu schreiben. Mögen Sie Ihren Beruf ausfüllen nach der Auffassung, wie sie Leo XIII. von der Presse hatte. Mögen Sie über unsere Verhandlungen berichten ohne Haß und Gunst, die volle Wahrheit und nur die Wahr­heit. (Stürmischer Beifall.) Wir scheuen uns nicht, unsere Beratungen in voller Öffentlichkeit zu führen, auch nicht vor der Presse. (Beifall.) Der Präsident ge­dachte alsdann der vielen verstorbenen Mitglieder der Generalversammlungen, Ludwig Windthorst, August und Peter Reichensperger, Freiherr von Schorlemer-Alst, Moufang, Mallinckrodt, Freiherr v. Hertling, Freiherr v. Hüne, Dr. Lieber, Lingens, Hecrcmann, v. Buol usw. Diese Männer waren für uns lebende Programme. Wir gedenken auch deshalb ihrer mit Wehmut und Dankbar­keit, weil sie mit voller Tatkraft und großer Beredsam­keit für die Interessen der deutschen Katholiken eintraten und so manchen hohlen Phrasen entgegenwirkten. Die Gegner fragen: wer wird diese Führer ersetzen? Diese Frage ist schon vielfach aufgeworfen worden. Die Leute können sich beruhigen, wir haben noch sehr viele hervor­ragende Männer. Namen will ich nicht nennen, weil das zu lange dauern würde. (Stürmischer Beifall.) Wir werden in dem Kampfe für unsere heilige Kirche nicht erlahmen, getreu dem Worte von Bnß, dem Präsidenten der ersten deutschen Katholikcn-Versammlung: Vorwärts mit Mut, voran mit Mut unter dem Kreuz. (Stürmischer Beifall.) Wir wollen kämpfen, bis wir unser Ziel er­reicht haben, und verteidigen, was wir erobert haben. Somit werden wir mit Gottes Hülfe alles erhalten. Ich habe allerdings nicht mehr den Mut, zu prophezeien wie 1894: „Noch in diesem Jahrhundert kommen die Jesuiten

neben ihm aus, von Franzi — er fühlte sich plötzlich hin­gezogen zu beiden. . Da rauschte es im Gang, die Tür lvurde heftig ansgerissen, eine sonderbare Erscheinung trat ein. Eine Dame in auffallender Toilette. Ein rot- karriertes, verbrauchtes Kleid umschloß kräftige Formen, das geschminkte, nicht unschöne, aber verlebte Gesicht blickte unter einem mächtigen, federngeschmückten Hut hervor. . Er errötete im ersten Augenblick vor solöAm Besuch in Gegenwart Franzis; es war doch keine Zeit zu Scherzen, sonst hätte er geglaubt, es sei eine Abgesandte irgend eines seiner leichten Freunde aus jenen zwei­deutigen Kreisen in denen er sich früher bewegt.

„Nonei!" rief erstaunt Franzi.

Ambros stieß einen Freudenschrei aus und Me auf die Schwester zu; ihr Aussehen bekümmerte ihn nicht mehr, sie kam wie vom Himmel gesandt. Alle guten Ge­danken, die er eben gehegt, waren verflogen, die alte Sphäre zog ihn dann wieder an.

„Na, das ist gut. Da schau nur her." Er zeigte ihr den eben begonnenen Brief. „Mein lieber Perlmonn!" „Und jetzt kommst du selbst! Hast am Ende schon gehört, wie es mir gegangen hat? — Ja, es ist so, du kannst es nicht schlimm gernig gehört haben — alles hin, du und der Perlmann sind jetzt meine letzte Hoffnung."

Das Mädchen warf sich theatralisch in einen Stuhl, zeigte die schie getretenen, hochgestöckelten, zierlichen Schnürschuhe und lachte hell auf in einem heiseren, klanglosen Ton.

„Prost, Bruder — da kommen wir ja nett zu­sammen — der Perlmann!"

Sie lachte hell auf. „Wegen dem bin ich ja da, er ist pleite, durch mit Kasse, Geld und Garderobe, nicht eure Spielhahnfeder ließ er zurück. Wir sitzen am Sand — doch so schlimm ist die. Geschichte nicht; Künstler sind nie verlegen. Gieb uns nur soviel Geld, daß wir bei einer Maslengarderobe Kredit haben ans eben Tag. Morgen spielen wir beim Grützerbräu — in Zivil geht's aber nicht, siehr zu lumpig aus — dann geht's schon wieder — ich übernehme die Direktion. Na — dazu wird's doch langen, Herr Privatier?"

Wieder lachte sie so lärmend,

Franzl fürchtete sich vor ihr und unwillkürlich schob sie den kleinen Gottfried zur Tür hinaus.