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38S. Morgen-Ausgabe.

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Als ich Herrscher war, habe ich niemals von dem Rechte * der Begnadigung Gebrauch gemacht, ohne es nachher nicht

zu bereuen.

Napoleon I.

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(28. Fortsetzung.) ,

Freiheit!

Roman von Walter Schmidt-Häßler.

Ella wurde rot bis an die Stirn und' antwortete: „Das ist's ja eben, Onkel, weshalb ich gehe, so weit fort, wie nur irgend möglich. Ich kann dir ja alles sagen, offen und ehrlich, denn du verstehst mich allein! Du wirst nicht falsch über deine Ella urteilen! Ich fliehe vor mir selbst, Onkel, ja, denn jetzt ist es noch Zeit, mich vor einem großen Kampfe zu retten, der vielleicht mit einer jämmer- lichen Niederlage enden könnte. Gleichgültig sein kann dieser Mensch mir nicht, denn ich habe selten einen Mann mit so glänzenden Vorzügen gesehen, wie ihn. Von in nen u nd außen gleich schön, in jeder Linie ein vor­nehmer Charakter, und dazu durchlodert von einer Liebe zu mir, vor der ich zittern könnte. Ich habe ihn gern, sehr gern sogar, mehr vielleicht, als ich den Mut habe, mir selber einzugestehen. Wer ich liebe ja einen andern, dem ich mein heiliges Wort gegeben, ihin die Treue zu bewahren, der nur im Groll vielleicht, als er von meiner Verlobung hörte, fortgestürmt ist, in die Welt und mich aufgab. . Ich darf einer anderen Liebe kein Recht ein- räumen in meinem Herzen, das vorläufig noch ihm allein gehört. Denn wenn ich ehrlich sein will, ganz ehrlich, so habe ich die feste Überzeugung, daß diese erste Liebe, ser sie auch noch so unglücklich, mein ganzes Leben ist. Aus rhr habe ich bis jetzt alle Schaffenskraft geschöpft, aus ihr alle Sckmerzm und weichen Regungen für meine Arbeiten genommen, und ich wage es, noch zu hoffen, daß sie mir noch das Glück meiner Zukunft bringt. Des­halb, weil ich den Zwiespalt in meiner Seele fiirchte, der mich könnte irre machen an mir selbst, deshalb gehe ich! Nur an mir selbst nicht zweifeln müssen, nur in der klaren Ruhe meines Innersten keinen Sturm heraufbe­schwören! Ich sehe weiter, Onkel, als er mit all seiner Jugendliebe! Der jrmge Graf ■— und das Bürgermädchen Passen nicht zu einander. Und das ist der wichtigste, der entscheidende Grund. Wir sind in zu grundverschiedenen, gesellschaftlichen Sphären groß geworden!"

„Meinst dir wirklich, daß seine große Liebe nicht das alles vergessen könnte?"

. . »Am Anfang vielleicht, gewiß sogar, denn fein« Augen find blind gegen alles, was sich ihm entgegenstellt. Wer glmtbst du, daS könnte so bleiben? Sicher nicht, dazu renne ich die Menschen zu gut, und was dem Wesen ange­boren ist, das bleibt und regt sich immer wieder im Blute. S5fl) war im Hause seiner Mutter Gesellschafterin, eine .bezahlte Haushälterin, wie so und so viele andere vor mir, m die er nur mit berechtigter Geringschätzung -denken wnn. Und würde ich sein Weib, ließe ich mich anstecken von demselben Rausche, der jetzt seine Sinne umfängt, so wäre ein schlimmes Los mein Teil. Und ich hätte es der- bienf Denn nichts verfliegt schneller auf Erden, als solch «n Liebesfrühling, nichts verweht rascher im Wind, als wfies Schaumgold einer Ehe, die zwischen zwei Menschen

Samstag, den 22. August.

so verschiedenen Standes die Leidenschaft des Augenblicks süftet. Deshalb danke ich Gott, daß ich ihn noch nicht genug liebe, um kopflos, wie er, in einen Abgrund zu stürzen. Laß es deinem Ohre nicht frivol klingen, versteh' mich ganz, wenn ich sage, als seine Geliebte wäre ich viel­leicht länger, viel länger glücklich geworden, wie ich es als seine Gattin sein würde!"

„Du magst im Grunde genommen nicht Unrecht haben, denn das alte Sprichwort vom „Gleich und Gleich" hat sein Wahres!"

„Gewiß hat es das. Denn laß mein bißchen Jugend vergehen, laß meine fülle Liebe chm zur Gewohnheit ge­worden sein, dann regt sich eines Tages der eingeborene Standesherr in ihm, vielleicht anfänglich ungewollt, die Gesellschaft, in der er groß geworden, wird stets die un- ebenbürtige Frau bemäkeln, und unwillkürlich wird er anfangen, Vergleiche zu ziehen. Und ganz von selbst bei einer geringfügigen Veranlassung, bei einer Meinungs- Verschiedenheit, in einem Moment übler Laune wird er Plötzlich —- die Haushälterin vor sich sehen, die er aus den Salons seiner Mutter geholt! Nein, Onkel, lieber tot, als solch ein Schicksal! Dem muß ich Vorbeugen, um jeden Preis! Und wenn ich ihn liebte bis zum Wahnsinn, ich würde dennoch gehen!"

„Und du hast recht! Jetzt erst verstehe ich dich ganz. Du nimmst ja den besten Trost, den treusten Freund mit du, deine Kunst!"

. »Ja — die begleitet mich!" bestätigte sie mit einem heitern Lächeln, „denn die täuscht mich nicht! Sie allein kennt keinen Unterschied von Rang und Stand und adelt wden ihrer wahrhaft Getreuen. In ihrem heitern Reiche gibt es keine Vorurteile der Gesellschaft, kein blaues oder rotes Blut, sondern einzig und allein nur die Auser­wählten, die sich gleich stehen, ob ein Palast oder eine Bauernhütte ihre Heimat war. Und dort in diesem Lande geistiger Freiheit laß auch mich mein künftiges „zu Hause" gründen! Und nun denke ich, sind wir zwei ganz mit- einander einig. Erkläre der Tante, was du für nötig hältst, denn ich möchte um keinen Preis, daß sie sich zurück- gesetzt oder übergangen fühlt. Und nun — gute Nacht, Onkel, zum letzten Male in diesen lieben vier Wänden!"

„Gute Nacht, liebes Kind!" sagte der alte Herr herz- lich, indem er einen langen Kuß auf ihre Stirn drückte!

Und sie ging.

Ws sie im Bett lag und, die Arme unter dem Kopf verschränkt, schlaflos zur Decke schaute, da klang hinter der dünnen Wand, die sie von dem Zimrner des Onkels trennte, ein leiser vibrierender Ton, tme das ferne Singen einer Menschenstimme. Und an den einen Ton reihten sich andere; bald wehrnütig klagend, bald aufiauchzeno in süßer Lust, aber innner gedämpft, wie auS unendlicher Fern« klang das leise GpÄ der alten Geige zu ihr her­über. Es war, alS spräche eine verwandte Seele auS einem zauberischen Lande zu der ihrigen, als stiegen Engel auf den Schwingen der Töne aus dem Eden des Trostes und der Liebe herab zu ihr, alles Bittere und Schmerz- liche mit lindem Erbarmen von ihrer Brust zu nehmen.

Sie schaute tief dabei in das Herz des alten Mannes, der neben ihr wachte und zu ihr aus den Saiten seines wundertönigen Instrumentes sprach, Worte der Liebe, Harmonie des Verständnisses und des innigen Mitgefühls. Sie fühlte dankbar, wie eins sie mit ihm war, wie sie der- wachsen war mit dem ganzen Empfinden dieser fein­

51. Jahrgang. 1803.

fühligen Künstlernatur, und wie ein großer Teil ihres eigenen Herzens hier bei ihm zurückblieb. Und da löste sich sauft, ohne Bitterkeit alles Trübe, was chr Gemüt belastete und verdüsterte, da stieg es in ihr so wohlig und doch so wehmütig empor; sie vergrub das Gesicht in dio Kissen und ihre Tränen flössen nicht in wildem, qualvollem Weh, sondern wohltuend und erleichternd, wie warmer Frühlingsregen, der in stiller Maiennacht durch die knospenden Bäume herniederrauscht und die Erde er­quickt. Und als die letzten Töne schwebend verhallten^ als die Geige schwieg, da schlief sie getröstet ein, wie ein Kind, das der Gesang der Mutter liebevoll in den Schlaf, gewiegt.

*

Ellas Wschied am nächsten Morgen war kurz, aber ungemein herzlich. Etwas Siegesfiohes lag über ihr, das keine schwermütige Stimmung aufkommcn ließ. Wie anders saß sie heute in den Kissen des behaglichen V-Zug-Wagens, als damals, als sie von ihren: Heimats­ort in die Welt geflüchtet war, wie ein verflatterter Vogel. Sie mußte unwillkürlich über sich selber lächeln; sie kam sich gar nicht mehr wie Ella Röminger vor, sie fühlte sich so selbständig, so zielbewußt, so ganz als „Heinz Her­mann". Wiesen, Felder und Dörfer flogen an ihr vor­über in lustigem Reigen, wie die bunten Bilder eines riesigen Wandeldioramas. Sie lag, in die Ecke des Coupss zurückgeschmiegt, und genoß in vollen Zügen das Hochgefühl, frei zu sein, ihr eigener, unumschränkter Herr. Ihre Ersparnisse, die sie bei sich trug, machten eins kleine Summe aus, die sie in den Stand setzte, ruhig und sorgenlos das Kommende abzuwarten. Daß sie vor­läufig noch irgendwo eine Stellung annehmen mußte, war ihr durchaus kein so unangenehmer Gedanke, denn, gefiel es ihr irgendwo nicht, so war sie ja mit niernandem verheiratet, Gott sei Dank. Dann ging sie eben wieder fort.

E An die Freundin der Gräfin, eine Baronin von Winterberg, hatte Ella von Berlin mis kurz vor ihrer Abreise ein Telegramm gesandt, in dem sie kurz mitteilte, daß sie auf dem Wege nach Münckien begriffen sei und die Absicht hege, ihr einen Besuch zu machen. Alles Weitere wollte sie dann dem Zufall überlassen. — Im Coups saßen außer ihr noch zwei Damen, mit denen sie eine Unterhaltung nicht fiir besonders genußbringend hielt. Tie eine machte den Eindruck einer reichen Parvenufrau, hatte die fetten Hände mit den großen Brillantringen mühsam unterhalb der Büste in einander wie zum Gebet gefaltet und schlief mit halb offenem Munde, was ihrer Gottähnüchkeit starken Abbruch tat. Me andere, ein« kleine, ungemein lebendige Person, saß in der anderen Fensterecke, öffnete fortwährend ein anderes ihrer zahl­reichen Gepäckstücke, ordnete und arrangierte ununter­brochen uirter ihren Siebensachen und wandte sich all« Augenblicke mit der Einleitung „Ach, entschuldigen Sie" mit einer anderen Frage an Ella. Ebenso langweilig war draußen auch die Gegend, und so hielt es Ella fürs best«, die Augen zu schließen, sich recht behaglich in die Ecke zu drücken und von taufend Dingen zu träumen. Sie dachte an die Frau, der sie in München zuerst ihren Besuch machen wollte, sobald sie sich in irgend einem Hotel einiger­maßen eingerichtet. Was sie wohl zu dem Überfall sagen würde? — Jedenfalls würde sie sich freuen, herzlich freuen, und rhr mit Rat und Tat zur Seite stehen.

(Fortsetzung folgt.)

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in die Turnhalle, Wellritzstraße 41, ein. F416

Tagesordnung: 1. Bericht der Rechnungs-Prüfungs Kommission.

2. Vereinshaus.

3. Sonstiges.

Um regen Besuch wird in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung gebeten.

Der Vorstand.

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Alkohol-Gegner.

Sonntag-, den 33. August, Vai'iim. 3 Uhr:

Spaziergang nach der Platte.

Treffpunkt Vereinslokal Friedrichstr. 18.

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