9?o. 38a. 51« Jahrgang. Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgave). Verlag: «anggaffe S7. so. August ISO». Seite S.
Halsbänder, Samt- oder Satin-„Kleider", Schuhe, Hand
schuhe, Taschentücher und selbst Visitenkarten besitzt ein Hund, der wirklich „chic" ist. Auch bei Geburten, Verkauf oder Beerdigung der Hunde ist das Hotel zur Hülfe bereit. Eine Dame bezahlte für den Sarg und das Begräbnis ihres geliebten Terrier 800 M. Eine andere Dame liest bei ihrer Trauung ihren Hund, mit Orangenblüten geschmückt, in die Kirche mitgehen. Der Hund soll sich in der Kirche tadellos benommen haben . . .
* Eine dreihundertjährige Rente. Aus Kairo wird berichtet: Die mohammedanische religiöse Stiftung hat entdeckt, dast das Land, auf dem die Rennbahn des Gezireh-Palastes und Kasr-ed-Dubara und Jsmailieh liegen, ihr vor etwa 300 Jahren vom Sultan Murad überlassen worden ist. Es handelt sich um die beiden vornehmsten Stadtteile Kairos und etwa 28 Hektar Grundbesitz. Die Stiftung hat die Regierung und die jetzigen Inhaber des Landes wegen der Pacht verklagt. Zu den letzteren gehören einige in Kairo akkreditierte diplomatische Agenten.
* Von absonderlichen Speisesälen erzählt eine englische Wochenschrift: Zu Ehren von August Soeler, dem Vorsitzenden der ungarischen archäologischen Gesellschaft, der 1000 alte Gräber entdeckt hat, wurde vor kurzem ein originelles Diner gegeben. Das Eßzimmer ähnelt einer vorgeschichtlichen Höhle, zahlreiche Feuersteinäxte und Bronzeschwerter schmückten die Wände, während auf den Kaminen eine auserlesene Sammlung verkalkter Knochen stand. Statt der Gläser brauchte man Kuhhörner, und der Haupttoast wurde auf „Soelers 1001. Grab" ausgebracht. In ebenso „sinnvoller" Weise wurde einem bedeutenden New Aorker Photographen von seinen Freunden ein Frühstück gegeben, bet dem das Zimmer trübe von roten Dunkclzimmerlatcrnen erleuchtet war. Zur Vervollständigung der Täuschung waren die Menus auf Trockenplatten gedruckt, und vor den Gästen standen Kasten für Trockenplatten, Krüge für Lösungen und Zinnkannen aus Platina, die bei näherer Prüfung die Speisen enthielten. Santos-Dumonts Liebhaberei für die Luftschiffahrt zeigt sich sogar im Eßzimmer seiner Wohnung in den Champs-Elpsses. Von der Decke seines Zimmers hängt ein kleiner aufgeblähter Ballon, in dessen Gondel der exzentrische Brasilianer speist und öfter auch auserwählten Freunden ein Diner gibt. Als die große Orgel im Rathaus zu Sidney vollendet war, gaben die Orgelbauer Messrs. Hill and Son im Innern des Instruments ein Diner. Diese Idee stammt jedoch aus dem Jghre 1858, als ein ähnliches Fest im Gehäuse des Schwellers der Festorgel in Leeds veranstaltet wurde. Zehn Gäste setzten sich zu einer auserlesenen Mahlzeit nieder, die aus Lachs, Entrees, Rehkeule und anderen Delikatessen bestand. Ein großes Diner für 155 Gäste gaben Mrs. Fruhinshaltz u. Ko. aus Nancy in einer Ricsentonne, die sic für die Pariser Ausstellung gebaut batten. Dieser eigenartige Speisesaal, dessen Ban 48 000 Mark gekostet hat, war 31 Fuß lang und ebenso breit und faßte 92 400 Gallonen. Der Bau dauerte über ein Jahr, und 155 Arbeiter — dieselbe Zahl wie die der ein- geladenen Gäste — waren dazu nötig. Während das Unterseeboot „Argonaut" 35 Fuß unter der Oberfläche dahinfuhr, wurde am 10. Juli an Bord des Schiffes ein Diner veranstaltet, das der Erfinder, Kapitän Lake, dreizehn Gästen in einem bequem eingerichteten und elektrisch erleuchteten Salon gab. Als die Gäste wieder an die Oberfläche kamen, fühlten sie nur ein leichtes Kopfweh,' aber es wird nicht berichtet, woher dieses stammte.
Sport.
. * Internationales Nennen Lnzern. Für die am 6., 8. und
w. September in Luzern stattsindcndcn Rennen sind nicht weniger als 886 Nennungen gegenüber 197 im Vorjahre erfolgt. Die 336 Nennungen verteilen sich wie folgt: 126 auf Frankreich (gegen- uber 68 jm Vorjahr!, 114 auf Deutschland (81), 18 auf Italien l"), 19 auf Österreich (keine! und 54 auf die Schweiz (16|. Zu -ststm außergewöhnlich günstigen Resultat des Nennungsschlusses
/w meisten die Franzosen beigctragen. Ihre Streitmachi am sich seit dem Vorjahre verdoppelt und ist im Vergleich zum gayrc 1901 fast auf das Vierfache gewachsen (126 Unterschriften Ssgenüber 35).
Kleine Chronik.
In Düsseldorf überfuhr der Metzgermeister ^tto M a ß h o s f ein zweijähriges Mädchen, ^as Kind war sofort tot; die gerichtliche Untersuchung ht eingeleitet.
Wie aus Thale im Harz berichtet wird, fassen Interessentenkreise den Plan, den Hexentanzplatz vurch eine Drahtseilbahn mit Thale zu verbinden, ernstlich rns Auge.
fi . In Sachen der Ermordung der D i e n st m a g ö mna Rust in Waltersdorf bei Gera ist auch de» 4>ater des Mörders, der Gutsbesitzer P r e g e r, der augenscheinlich von dem Mord gewußt hat, verhaftet ^uen. Bei einer Haussuchung sind blutige Kleidungs- uncke, in einer Lade versteckt, aufgefunden worden.
^. Jn Waldbroel sind in letzter Zeit vielfach -o r ä n d e vorgckvmmen, wobei sechs Gebäude völlig ein- »easchert wurden. Der Brandstiftung verdächtig ist nun m dortiger Taglöhner verhaftet worden. Derselbe soll ,"ch sein eigenes Haus angezündet haben, um die beöeu- cnöe Versicherungssumme zu erlangen.
- Ein schrecklicher U n g l ü ck s f a l l ereignete sich, s,„.,""othr. Bürgerztg." zufolge, in dem Karl-Ferdinand- l ollen (Grube Stumm) bei Entringen. Um Zeit löste sich plötzlich ein schwerer Eisenblock von er Decke des Stollens und begrub dreiArbeiter, ,e ichvrt unter dem Gestein erstickten, t» Ein jugendliches Verbrecherpaar ist in ^^a y in Haft genommen worden. Bei dem dortigen Monomen und Ortsvorstehcr hat es innerhalb weniger pochen mehrere Male gebrannt, ohne daß man den Täter . wischte. Brandstiftung lag augenscheinlich bei di>? Grande vor. Jetzt hat man die Täter in der Person s 16jährigen Dienstmädchens des Ortsvorstchcrs und l8jührigen Bergmann aus Wattenscheid entdeckt. Mädchen wollte sich ihrer Stellung entledigen, die j) ihr entgegcnstellendcn Hindernisse suchte sie durch die randstiftung zu beseitigen. Durch das Feuer waren "hnhaus, Stallungen und Scheune eingeäschert.
» . Die geretteten Besteigen des M a t t e r h o r n s bc- sich im Hotel „Schivarzsee". Sie sind verhältnis- "mg wohl. Die erste Nacht verbrachten sie auf der
„Schulter" mit ihren Seilen an die daselbst befestigte Kette angebunden. Am Donnerstag stiegen sie kaum 200 Meter über die Schulter herab bis oberhalb der alten Hütte. Hier nächtigten sie auf einer Felsenklippe. Die Rettungskolonne traf sie morgens 6 Uhr ziemlich erschöpft. Um 12 Uhr waren alle in der Hütte am Fuße des Berges. Die Bergsteiger verdanken ihre Rettung einzig dem Umstande, daß während dieser Tage ein starker Föhn die Temperatur bedeutend milderte.
In G r ü n b e r g in Schlesien wurden durch Feuersbrunst drei Geschäftshäuser völlig vernichtet und mehrere Häuser stark beschädigt. Der Material schaden ist bedeutend.
In Zürich wurde eine vom Landgericht Stuttgart verfolgte Kupplerin verhaftet, die von Stuttgart nach Amerika geflohen, dann nach Europa zurückgekehrt war, um sich in Zürich niederzulassen. Sie hat ihr Gewerbe mit einer 15jährigen Nichte betrieben.
Aus Zürich wird gemeldet: Seit Sonntag sind die Berge bis zu 1900 Meter herab in S ch n e e gehüllt. Das Observatorium auf dem Säntis meldet Neuschnee von 24 Zentimeter Höhe und 3 Grad Kälte. Am Pilatus steht das Quecksilber auf Null. Ein eisig kalter Wind weht auf den Höhen, und die Berge sind in schwere Wolken gehüllt. In Touristen- und Bergführerkreisen preist man diesen Augustschnec als Abschluß der langen Schlechtwetterperiode.
Holländische Ursulinerinnen, die ihr Kloster in Nymwegen an französische Schwestern verkauft haben, beziehen in Osnabrück ein mit einem Kostenaufwande von etwa 750 000 M. neuerbautes großes Kloster.
Die Polizei in M i s k o l z hat die Bubapester Stadthauptmannschaft in Kenntnis' gesetzt, daß aus dem Gepäckwagen des F ü r st e n v o n B u l g a r i e n ein Koffer mit silbernen Wappen entwendet wurde. Der Koffer enthielt S i l b e r g e r ä t e — ein Reisenecessaire — von großem Werte. Bon dem Täter fehlt bisher jede Spur.
Die Einführung des hundertteiligen Thermometers in den Schulen und anderen öffentlichen Anstalten, die vor einigen Jahren angeordnet worden ist, veranlaßte neuerdings die allgemeine Anfrage, wie sich das neue Thermometer bewährt habe. Einer der darauf erstatteten Berichte lautete kurz und treffend: „Das Klima ist hierorts dasselbe geblieben."
Zehte Nachrichten.
wb. Paris, 19. August. „Petit Journal" meldet aus Calais: Während der Übungen stieß das Torpedoboot 171 so heftig gegen das Torpedoboot 196, daß es ein großes Leck erhielt. Das beschädigte Schiff mutzte so schnell wie möglich nach Calais zurückdampfen. — Der „Figaro" meldet aus Lalla Marnta: Eine Abteilung französischer Bergartillcric ist gestern nach Udja abgegangen, nm das dort lagernde Heer des Sultans einzuexerzieren.
wb. Konstantinopcl, 19. August. (Wiener Korresp.- Bureau.) In der Frage der Unifizierung der türkischen W e r t e ist vollkounnenes Einvernehmen erzielt. Der Vertrag wird morgen dem Ministerrate zur Genehmigung unterbreitet werden.
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wb. Mainz, 19. August. Der vor 6 Jahren wegen Lustmordes in Darmstadt zum Tode verurteilte Deserteur W e v g a n d , dem cs nach seiner Verurteilung gelungen war, aut- dem Darmstädter Gefängnis zu entfliehen, ist gestern abend ,u Mainz ergriffen und verhaftet worden.
wb. Annecy, 19. August. Dora Büchler, die Tochter des Universitätsproscssors in Bonn, die ohne Begleitung von Chamonix einen einstündiqen Spaziergang über Chapeau nach Mer de Glace zu unternehmen vorhatte, ist nicht zurück- gekehrt. Die Nachforschungen der Gendarmerie blieben cr- solglos. Die Angehörigen vermuten ein Verbrechen.
f für weibliche Personen 2 M. pro Tag. Der gesetzlichen Best,mmung gemäß kann der Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge am Lohn kürzen, doch kommt es häutig vor, namentlich bei Dienstboten, daß die Herrschaft hierfür keine Lohnabzüge macht.
D. Über die Stcuerverhältnisse in Baden sind wir nicht in- formiert. Die kommunalen Steuern sind jedenfalls dort ebenso verschieden wie in Preußen. Dort wird wohl auch der eine Ort mehr, der andere weniger Steuer erheben.
Einsendungen aus dem Leserkreise.
(Auf aiücTicnbuns oder Ausbewabrmi» der uni für diele Rubrik zuaehenden. nicke. vorm"i,doten Einsendungen kau» sich dir Redaktion „ichi (inlasien.)
* Trotz der immer wiederkchrenden Beschwerden über die mangelhafte Personenbeförderung auf der R h e i n b a h n an Sonn- und Feiertagen scheint Abhülfe nich, geschaffen zu werden. Sonntag für Sonntag dasselbe Lied aut den Stationen bei der Abendrückfahrt. Die Züge nach Wics-
. baden sind meist schon in Rüdesheim ganz oder fast ganz besetzt, und auf de» Zwischenstationcn ist daher an ein Mitkommen selten zu denken. Der von der Direktion vielgepriesene Extrazug genügt zur Bewältigung des Verkehrs durchaus nicht: das beweisen die geradezu gefährlich überfüllten späteren Züge. Abteile mit 12 und mehr Personen sind keine Seltenheit. Alle Klassen, auch die erste, sind überfüllt mit Fahrgästen, und dies ist nicht etwa eine Ausnahme, sondern die Regel. Man betrachte sich nur einmal einen solchen Zng ans den Stationen Walluf, Schierstein oder Mosbach. Welches Unheil entstehen kann, wenn einem so überfüllten Zug ein, wenn auch nur kleiner Uneall zustötzt, mögen wir nicht auszudenken. Allem Anschein nach wird aber erst dann das Nötige veranlaßt, wenn ein Unglück geschehen ist. n.
* Automobilfahrer, Achtung! Wer mit seinem Auto von Eiserne Hand nach Hahn hinuntersährt, wird kurz vor dem Bahnübergang und nachdem er schon einige zum OrtS- bering Hahn gehörige Häuser passiert hat, durch eine ortsbehördliche Warnungstafel aufgehalten, welche ganz allgemein ihm das Befahren der „Straßen des Ortsberings" verbiet«. Einige Autofahrer erhielten bereits Strafbefehle, weil sie denjenigen Teil der Bezirksstraße Wchcn-Bleidenstadt, welcher Satin berührt, nicht als verbotene Ortsstraße ansahen und aus derselben weiters,,hren: waren sic doch auch unbeanstandet aus einer Bezirksstraße durch einen Teil des Ortsberings hindurch bis zur Warnungstafel gelangt. Wer von Wehen her in Hahn cinsährt, setzt sich, die Berechtigung der Sperrung der Bezirks- straße vorausgesetzt, unversehens dem Strafbefehl aus, denn hier warnt ihn keine Tafel. Ebenso ahnungslos und „«gewarnt kan» er in die unter namentlicher Ausführung ganz ausdrücklich verbotene Hauptortsstraße cinbiegen. Zu feinem Glücke bewahrt ihn aber hiervor ein Blick auf deren Zustand, welcher ihn unverkennbar mit Rad- und Achsbruch bedroht, weshalb auch hier die Angabe weiterer Erkennungszeichen überflüssig erscheint. 8.
Briefkasten.
- L^-N'bnrn,trabe. Das Zölibat ist für amerikanische
katholische Priester ebensowenig aufgehoben wie für dieicniacn anderer Länder.
Anonymus. Zuverlässige Auskunft über Angehörige der ost- asiatische» Bcsatzuugs-Brigade erhalten Sie von dem Krteas Ministerium zu Berlin. ”
SB. 8. Der «lange Salz" ist am 18. Februar 1897, 86 Jahre alt, gestorben. ' " v
Dienstboten, die keiner Krankenkasse angehüren, sind 24 Ps.-Markcn zu kleben. Der ortsübliche Tagelohn beträgt
HancSeBsfeil.
Eine nene Reichsanleihe in Sicht? An der Montagsbörse
stellte sich eine abermalige Ermattung der dreiprozentigen preußischen Konsols ein, obwohl das Angebot keineswegs beträchtlich war. Auf Zeit war der Kursdruck rund 1 /s Proz., im Kassaverkehr V* Proz. So oft die betrübende Erscheinung des Kursrückganges ziffermäßig festgestellt ist, wird immer nach Gründen gefragt; dieselben mehren sich von Tag zu Tag. In erster Linie soll das teuere Geld die Schuld tragen, sowie die Aussicht, daß es noch teurer wird. Dieser Grund ist Tatsache. Die Industrie tritt mit immer neuen Ansprüchen an den Geldmarkt heran und die maßgebenden Geldgeber sjnd in Anbetracht der Herbstbedürfnisse sehr zurückhaltend. E)4her kommt auch das Anziehen des Privatdiskonts, der nur noch um wenige Punkte hinter dem offiziellen Geldsatz zurücksteht. Auch die Anleihen der Bundesstaaten haben darunter zu leiden. Immerhin stehen die 3proz. Baden und Bayern noch etwas höher als die Preußen. Die sächsische Rente hat innerhalb 8 Tagen 1 Proz. nachgelassen. Der neueste Grund für die Versteifung ist, daß eine weitere Vermehrung des Effektenmaterials durch neuen Anleihenbedarf des Reiches für militärische Zwecke erwartet wird. Die Nachricht klingt fürs erste wenig wahrscheinlich, sollte sie sich aber doch bestätigen, so wird man in ganz anderer Weise als die beiden letzten Male an die Emission herantreten müssen, um nicht wie das letzte Mal ein verstecktes, sondern gleich ein offenes Fiasko erleben zu müssen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß, wenn die Sache wirklich ihren prophezeiten Gang geht, die Regierung es erst mit einer oder mehreren neuen Steuern versucht. Jedenfalls wird der Kriegsminister in dieser Sache einen leichteren Stand haben, als der Finanzminister.
Von der Börse. Die neuen 3 1 /aproz. Schuldverschreibungen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft sind zum Kurse von 98.30 Proz. in den Börsenhandel gelangt. — Die alten Aktien der Nordwestdeutschen Bank stellten sich bei der ersten Notiz an der Berliner Börse auf .113 Proz., die neuen Aktien auf IIIV 2 Proz.
Konkurs der Leipziger Bank. Die Schlußverteilung in dem Konkursverfahren wird, wie wir den „Leipz. N. Nachr.“ entnehmen, voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Monats September stattfinden. Die nicht bevorrechtigten Gläubiger erhalten 67 Proz. ihrer Forderung, selbstverständlich unter Anrechnung der bereits empfangenen 50 Proz. Der erforderliche und verfügbare Massabestand beträgt 12 438 318 M., die Summe der bei der Verteilung zu berücksichtigenden, nicht bevorrechtigten Forderungen 72 642 613 M. Die Auszahlung dürfte etwa 4 Wochen in Anspruch nehmen, da 8111 einzeln? Gläubiger zu berücksichtigen sind.
Törken-Unifikation. Wir haben unsere Leser duch Monat«
regelmäßig von dem Stand dieser Angelegenheit, die nie und! nimmer zum Abschluß kommen will, unterrichtet, aber in der letzten Zeit es aufgegeben, sie weiter damit zu behelligen, «0 lange nicht wirklich greifbare Beschlüsse gefaßt werden, aus denen man wenigstens mit einiger Zuversicht den ScMuÄ ziehen kann, ob die Unifikation zustande kommt oder nicht Damit werden auch unsere Leser, die Interessenten der Sach« sind, einverstanden sein. Recht muß man dem „B. T.“ geben, das meint, daß die Angelegenheit in einer in der Geschickte de® Publizität bisher unerhörten Weise in Konstlmtinopel zu täglichen Meldungen ausgeschlachtet wird.
Portugiesische Finanzen. Der Staatshaushalt weist in d«r Zeit vom Juli 1902 bis März 1903 868 Kontos Defizit gegen vorjährige 1557 aus.
Zur Lage der New Yorker Börse. Die „Times" spricht sich
m einem Leitartikel wenig günstig über die Lage in New York aus und hält die Zuversicht der Londoner Spekulation für verfrüht. Es sei noch eine große Menge von unverdaulichen Papieren vorhanden, obwohl nun schon an die lVs Jahre abgewickelt werden. Das Cityblatt macht sich lustig über die Vertrauensseligkeit des Publikums, das immer wieder durch amerikanische Millionäre und pseudowissenschaftliche Federn genasführt worden sei.
Vom Ruhrkohlenmarkt wird gemeldet, daß auch in der ersten Hälfte des August die Verladungen gegenüber dem gleichen Zeitabschnitt des Vormonats um 100 Tonnen täglich zugenommen haben.
Bergbau- und Hfittenaktiengesellschaft Friedrichshütte zu Neunkirchen. Bei gleichen Abschreibungen wie im Vorjahr hat die Verwaltung eine Dividende von 4 Proz. gegen 10 Proz. 1902/03 beschlossen, in Vorschlag zu bringen. Da haben wir nun eine Gesellschaft, die wesentlich weniger als im Vorjahr verteilen kann, gegenüber den anderen Gesellschaften, die mit ihren guten Ergebnissen renommieren können.
Aktiengesellschaft für Montanindustrie, Berlin. Die Gesellschaft hat ihren eine Million betragenden Anteil an den Anthrazitwerken, G. m. b. II., an die Hedwigshütte in Berlin abgetreten. Die letztere wird infolge dessen ihr Aktienkapital erhöhen.
Vereinigte Königs- und Laurahütte. Die Betriebe der Laurahütte haben gegenwärtig einen Auftragsbestand wie kein anderes Werk in Oberschlesien.
Gewerkschaft Freie Vogel u. Unverhofft, Dortmund. In
der Generalversammlung wurde der neue Vorstand, der alte ist zurückgetreten, ermächtigt, anstatt der bisher beschlossenen Anleihe von 100 000 M. eine solche von 2 Millionen aufzunehmen.
Dividenden. Die Dividendenschätzung der Huldschins- kischen Hüttenwerke in Gleiwitz lautet auf 3 Proz. (i. V. 0 Proz.).
— Die Geisweider Eiswerke schlagen für 1902/03 auf die Stammaktien 4 Proz. (0 Proz.), auf die Prioritätsaktien 6 Proz. wie im Vorjahr vor.
Kleine Finanzchronik. Die Hauptversammlung des Bayerischen Portland-Zementwerkes Marienstein hat den Vorstand ermächtigt, die Bildung von Verkaufsvereinigungen mit anderen Gesellschaften herbeizuführen. — Die Banklirma Louis Loeser u. Co. in Schwerin erklärt, daß sie gegen den Aufsichtsrat der Aktienbrauerei zum Feldschlößchen in Dessau zwecks Regreß- nahme vergehen wird. — Bei der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik vorm. Sentker stellt sich der Gesamtverlust auf 213 582 M. Der Betriebsverlust im vergangenen Jahr ergab 1 4!, 719 M. _ *
Ni- M Org-« A«»gavr umfaßt 1« Settr«^
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Aeranlwortlicher Redalieur siir Ne» gesamie» redaktionellen Teil: T. Rötherdt- _ J ut k M l, 9ll 'äriflcn uiiDJHcIlamcii: Dorn »ul: beide in Wieibaden.
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